CT

Zwei Stunden sollte man für eine Computer-Tomographie einplanen, natürlich ohne Parkplatz-Suche. In dieser Beziehung hatte ich den Vorteil, dass die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krankenhauses von Contiomagus einen Parkplatz für ihre Roller und Rollerinnen ausgerufen hatten, den ich ohne zu zögern benutzte.

Vom Ergebnis her kann die Schul-Medizin nichts für mich tun. Ich werde wohl (oder übel) in den nächsten 40 bis 50 Jahren sterben, voraussichtlich eher nicht an Nierenkrebs. Denn meine Nieren sind in einem ausserordentlich gepflegten Zustand, erste Hand sozusagen, da mit einem weitgehenden Kontaktverbot mit Alkohol belegt. Auch die Milz ist zwar gebraucht, aber sehr gut in Schuss, und die Leber hat nur einige minimale Zysten, in deren Behandlung die Ärztin weder für mich noch für sich einen Gewinn sah.

Heilfroh der Gefahr so billig entronnen zu sein, hörte ich mir im Wartebereich noch das Ende eines Radio-Tatortes an und dachte über die merkwürdige Erfahrung in diesem Apparat nach, der Bilder von meinem Inneren erzeugte und mir anordnete, wann ich die Luft anzuhalten und wann ich zu atmen hatte, während eine seiner menschliche Assistentinnen den Smalltalk übernahm und eine andere später die Ergebnisse für mich interpretierte.

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Latotzke meets Buffy

Von schlichtem Gemüt und laienhaft wirken unsere Polizisten, wenn sie die DNA vom einen Tatort zum anderen übertragen, die Existenz des Verbrechens erst feststellen, wenn der Täter es ihnen gesteht, und er ihnen am Ende an Krücken dann doch noch davon hinkt. Wäre ich mit dem Talent eines Schriftstellers gesegnet, beschriebe ich sie genau so in einem Revier am Rand von Berlin.

Und zugleich zeichnete ich sie als Dämonenjäger und Kämpfer gegen die Finsternis mit Plattfüssen, Übergewicht, Unterhaltszahlungen und magischen Fähigkeiten. In diesem Metier wären sie dann weitaus erfolgreicher als in dem, für das wir sie nach unserer Einbildung bezahlen, würden dabei dann immer wieder behindert von häuslichen Streitigkeiten im Hartz 4-Milieu, den Beschwerden älterer Damen über die lauten Nachbarn und den Notwendigkeiten, den einen oder anderen Rollerfahrer (übergewichtig, um die 50 und mit einer Peugeot Flash) zu kontrollieren und Mettbrötchen und Currywürste zu kaufen.

Das wäre dann so eine Art Crossover zwischen Buffy (oder vielleicht eher The Gothgirl) und Taskforce Hamm.

http://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-hoerspiel/task-force-hamm-110.html

http://www.bettinabusiello.com/books/

https://de.wikipedia.org/wiki/Polizistenmord_von_Heilbronn

https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistischer_Untergrund

https://de.wikipedia.org/wiki/Heilbronner_Phantom

http://www.n-tv.de/panorama/Was-gegen-eine-Ermittlungspanne-spricht-article18960936.html

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-10/uwe-boehnhardt-dna-peggy-knobloch-nsu-ermittler-fehler

Die Roten Wasser der Apokalypse

http://www.ard.de/home/intern/presse/pressearchiv/_Rote_Wasser____ARD_Radio_Tatort_im_November/2219448/index.html

In diesem Tatort spielt „Der dionysische Strom im Leben Nietzsches“ eine Rolle. Dieser wie die meisten deutschen Philosophen zu weitgehender Unverständlichkeit neigende Berufs-Denker übernahm von einem Vorgänger die Idee zweier Konzepte, die das Leben des Menschen bestimmen.

Dionysisch ist dabei der Rauschzustand, das Chaos, apollinisch die Ordnung, das Gesetz. Beiden gemeinsam scheint mir ein bewusster Verzicht auf die Kontrolle über das eigene Leben. Denn im Rausch entledige ich mich dieser Kontrolle völlig, sonst aber ordne ich mich dem Gesetz unter, übertrage diese Kontrolle also willentlich auf eine andere Instanz.

In welcher Weise sich in Nietzsches Auffassung und seiner folgenden Ablehnung des apollinischen Prinzips der Konflikt zwischen einer repressiven, immer noch religiös geprägten Gesellschaft und seiner Homosexualität ausdrückt, überlasse ich mit grosser Begeisterung den Fachleuten.

Meine Helden betrachten den Kontrollverlust von einem anderen, kraftvollen und eher amerikanischen Standpunkt aus. Corwin etwa entsagt in Zelaznys „Prinzen von Amber“ dem Thron und der Macht über ein komplexes Reich, um die Kontrolle über sein eigenes Leben zu gewinnen, sein Sohn Merlin besteigt den Thron aus dem gleichen Grund. Buffys Leben ist ein Zweifrontenkrieg, hier gegen Vampire, Dämonen und die Mächte der Finsternis, dort der darum, Herrin ihres eigenen Geschicks zu sein.

Als sie am Ende der Fernsehserie alle potentiellen Jägerinnen weltweit aktivieren lässt („Von jetzt an wird jedes Mädchen auf der Welt, das eine Jägerin sein könnte, auch eine Jägerin sein. Jedes Mädchen, daß die Kräfte haben könnte, wird die Kräfte haben.“), ist das übrigens eine Form asexueller Reproduktion.

In „Carmilla“ haben am Anfang weder Mircalla von Karnstein noch Laura Hollis wirklich die Macht über ihr eigenes Leben. Die so akzentfrei kanadisch sprechende Österreicherin steht unter der Herrschaft ihrer Mutter, die sie auch so nennt und nie mit einem Diminuitiv, ihre Zimmergenossin/Freundin/Liebhaberin hingegen unterliegt ihren eigenen Zwängen, die sie in jeden Kreuzzug zwingen, eine Kriegerin um des Krieges willen, mutig zwar, aber ohne Verständnis für den Preis, den sie am Ende zahlen muss.

Am Anfang von Staffel 3 hat Carmilla ihren Ablösungsprozess vollzogen und ist bereit, ihre Mutter nicht deswegen zu töten, weil sie ihre Mutter ist, sondern weil die ihr nach dem Leben trachtet. Laura allerdings steckt noch tief in einer Entwicklungskrise.

Und ich bin immer noch im Team Dean. Theo, Danny und die Aussicht auf die Apokalypse? Alle drei sehen verflixt gut aus, und das ist eine bekannte Tatsache.

well-known-fact

Bilderselbstversorger

„Ich habe kein Burn-Out, ich habe Fuck-Off.“

Thilo Reffert, Hundert vom Hundert

http://www.thilo-reffert.de/hoerspiel/radio-tatort/hundert-von-hundert

Niemals sähe ich mir im Fernsehen einen Tatort an. Es käme mir tatsächlich gar nicht in den Sinn, an einem Sonntagabend um 20:15 die ARD einzuschalten, um einen Kriminalfilm aus dieser Serie zu schauen. Sie läuft jetzt schon seit gut einem Dutzend Jahren, ohne dass ich ihr zuschaue. Bei meiner letzten Begegnung wäre ich versehentlich fast eine Szene gelaufen, während sie gefilmt wurde. Es wäre mir nicht recht gewesen.

Im Ergebnis sind mir die Namen der Kommissare unbekannt, unsicher bin ich der Drehorte. Ermittelt Lena Odenthal noch, von Leiche zu Leiche sich der Frühpensionierung nähernd? Das Internet wüsste es jetzt, ich nicht. Ich bin zu träge, um Google zu befragen, das globale Orakel des frühen 21sten Jahrhunderts.

Zwei andere Ermittler hat mir inzwischen die Toyota-Werbung näher gebracht, die Stadt, in der sie Morde aufklären, verschiedene Messereisen. Es ist übrigens eine ganz reizende Stadt, in der jedes Strassencafé von einem unaufhörlichen Strom junger Studentinnen auf Fahrrädern umspült wird, Heimat grosser internationaler Marken wie Armacell, Sparkasse Münsterland und Seppo.

Dafür kenne ich aber die Namen von Kriminalhauptkomissar a. D. Fischer, seiner Assistentin/Nachfolgerin Annika de Beer und Hauptkommissar Paquet und weiss, was einem blüht, der zur Task Force Hamm versetzt wird. Ich bin also mit dem Radio-Tatort in seinem verschiedenen Varianten vertraut. Er folgt im Wesentlichen dem seit 1970 bewährten Konzept der Fernsehreihe, passiert aber da, wo ich es will und vielleicht sogar brauche. Das ist halt nicht Sonntags um 20:15 Uhr im Wohnzimmer, sondern an einem beliebigen Wochentag zu einer gewählten Zeit in einem Pizza-Auto oder dem Keller der entsprechenden Pizzeria und zwischen „Hello from the Magic Tavern“ und „Tanis“.

Empfinde ich die Bilder, die mir das Fernsehen präsentiert, denn wirklich immer mehr als Eingriff in meine eigene Welt? Ich produziere mir meine eigenen Bilder, bin Bilderselbstversorger, auf Selbstversorgung umgestiegen, weil ich an allen Bildern, die von aussen kommen, etwas auszusetzen habe. Da ist mir der eine zu alt, die andere zu fortpflanzungswillig, der dritte aber ganz abscheulich. Das macht das Leben denn auch nicht einfacher.