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Das kleine Licht am Wlan-Router

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Es gibt diesen blöden Spruch vom Ausfall von Strom und Netz, bei dem sich einer zum ersten Mal seit langem mit seiner Familie unterhält, die dann ganz nett zu sein scheinen. Kennt jeder, oder? Ist Blödsinn. 

Wir hatten gestern dieses Problem und verbrachten die Zeit damit, auf die Anzeige am Wlan-Router zu starren. Er würde das erste werden, was uns die Rückkehr des 21sten Jahrhunderts mitteilen würde, das Ende des Schweigens. 

Wir sind zwei Menschen mittleren Alters, die sich nichts zu sagen haben, die sich nicht einmal ausstehen können.

Das Leben an sich ist immer erst einmal vorläufig

Wieder starre ich auf die gleiche Karte bei Google Maps, die mir die so vertraut ist. Sie zeigt mir den neuen Standort der Yoyodyne Drives of Europe. Sie zeigt mir auch gleich gegenüber den Standort eines Kunden meines neuen Arbeitgebers. 

Fast hätte ich den eben am Telefon gefragt, ob ihm gleich gegenüber einer rauchend vor dem Hallentore stände, der aussähe wie ein Neandertaler. Das, wohl gemerkt, ist keine Beleidigung, denn er ist ja einer, der Kollege, der immer noch mit mir essen gehen will. 

Wäre ich jetzt lieber dort, stände neben ihm und beschwerte mich über das Leben an sich und Paula im Besonderen? Vielleicht, jedoch um seiner willen und nicht um Yoyodyne Drives.

Dort schätzte man mich nämlich stets so wie ich es verdiente, schob mich also zur Seite, überging mich und redete mich klein, eben ganz so wie ich es auch zuhause gewohnt bin. 

Paula ist dieser Tage so schlecht gelaunt wie immer, aber mit der Situation wohl zufrieden. Das letztere wahrscheinlich, weil ich ihr so wenig darüber gesagt habe, wie wenig mir meine aktuelle Tätigkeit gefällt. 

Dass habe ich meinem Chef auch nicht gesagt. Der wollte nämlich irgendwann die Unterschiede zwischen der erforderlichen Arbeitsweise und meiner eigenen diskutieren. Ich lieferte eine sachliche Analyse und sparte aus, was für mich das eigentliche Problem ist. 

Vorläufig geht es also weiter. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich darüber glücklich bin. 

Ein Film ohne Happy End

Ich lüge dem Kleinen Bruder die Hucke voll, erzähle ihm, dass Liebe möglich ist, dass sie existiert. Ich bin ziemlich gut darin, finde ich, bedenkt man meine eigenen Erfahrungen in diesen Dingen.  

Die aktuelle Favoritin ist TayaSar, die seinen Mangel an Ambitionen teilt. Ich bereite ihn unterschwellig allerdings auch darauf vor, dass es schief gehen kann. Das tut es nämlich meistens. 

Das Happy End gehört ans Ende eines Filmes. Denkt gerade noch jemand an das Ende von “Almost Adults”? Natasha auf dem Rücksitz des Autos? Das war ein Happy End. 

Das wahre Leben hat auch ein Ende, aber das ist selten fröhlich. 

https://youtu.be/U0YBNsRTtQI

 

Die Grenze läuft manchmal über einen Bankschalter

Meine Zahnzusatzversicherung bittet mich stets um meinen IBAN, um mir zu überweisen, was ich auf der anderen Seite der Zahnärztlichen Abrechnungsstelle schulde. Kurz danach erhalte ich einen Scheck. Es gebricht mir am Verständnis für diesen Prozess, der mich zu einer kleinen Zeitreise zwingt, um dieses Zahlungsmittel einzulösen. 

Der erste Versuch scheiterte, weil meine frisch fusionierte Bank als erstes die Öffnungszeiten reduziert hat. Die Beobachtung des Marktes hat offensichtlich wohl ergeben, dass Senioren und Hausfrauen nicht vor zehn im Penny gegenüber auflaufen. So reicht es, um neun zu öffnen, damit diese wenig internet-affinen Gruppen ihren Zahlungsverkehr erledigen können. 

Beim zweiten Versuch kamen wir dann zueinander, die Bank meines Misstrauens und ich. Ich legte meinen Scheck zur Gutschrift vor, der junge Mann füllte das Formular emsig aus, und ich unterschrieb. Während dieses Prozesses betrachtete ich ihn und seine Kollegin. 

Beide trugen eine Kleidung, die schon in den 90ern nicht mehr modern gewesen war, aber von ihren Vorgesetzten und vielleicht auch von ihnen als obligatorisch angesehen wurde. Einzig die Krawatte fehlte, ohne die er sich damals nicht ernst genommen gefühlt hätte. 

Alle anderen Anwesenden trug den chic proletaire der verbeulten Jeans (moi) und der Jogginghosen (die einzige jüngere Person im Raum). Die Grenze zwischen dem 20sten und dem 21sten Jahrhundert lief in diesem Augenblick über den Bankschalter. 

Ich dachte über eine andere, leidlich heruntergekommene Filiale in einem anderen Dorf nach. Sie ist noch seltener besetzt als die, in der ich stand. Wurde sie vielleicht nicht durch einen Automaten in einem leerstehenden Laden ersetzt, weil sie aus alten Tagen einen Tresor hat? Denn es könnte ja billiger sein, einen Teil des überschüssigen Geldes, das so eine Bank heute hat, in Bündeln dort zu lagern statt es bei der Landesbank bargeldlos und zu Negativzinsen zu parken.