Leute, kauft Kämme, die Zeiten werden haarig!

Langsam änderte sich die Welt, so langsam, dass es manchmal schien, sie würde es gar nicht tun, folge unseren Wünschen nach einer sanften Ruhe und Stabilität, die uns nicht überforderte. Das ist vorbei. Die Zeiten werden rauer, weil die Veränderung drastisch schneller wird. Das uns das alle überfordert, ist natürlich. Dass wir uns aufs heftigste beschweren und die Wiederherstellung des Status Quo fordern einschliesslich der Ausweisung aller Flüchtlinge und en passant jedes anderen, der Wellen in unserem Tümpel macht, auch.

Immerhin sind die ja in den Massstäben unserer Kultur wirklich in ihrer Mehrheit (noch) unwissende Barbaren. Manche sind darüber hinaus zweifelsfrei auch Schurken, ausgemachte Haderlumpen, wie die Südstaatler sagen. Allesamt aber sind von einer Sackgasse in eine andere geraten, von einem Kriegsgebiet ohne Chancen in eine Gesellschaft, die schon vielen Einwanderern aus Nordafrika und Vorderasien keine Chancen bot, die vor ihnen kamen, und an der Integration sovieler mit einer gewissen Zwangsläufigkeit scheitern muss.

Um Deutschland herum zerbröselt die Europäische Gemeinschaft zu einer Wirtschaftsförderation, die wahrscheinlich am Ende am Ehesten der Hanse des Mittelalters ähneln wird mit dem Euro als moderner Lübischer Mark. Von der kulturellen und politischen Gemeinschaft, die sich die Europäer nach dem Zweiten Weltkrieg erträumten, ist nach der Wirtschaftskrise von 2008 und der Flüchtlingskrise von 2015 nichts geblieben. Die Briten möchten gleich ganz aussteigen, Polen, Ungarn, Tschechen, ja selbst die Franzosen entdecken den Reiz des Nationalstaates wieder.

Die Wirtschaft der westlichen Staaten lebt schon lange von niedrigen Zinsen und niedrigen Ölpreisen und nicht mehr von dem, was sie leistet, was sie produziert und umschlägt. Und ja, ich weiss, dass ich hier an manchen Stellen von Deutschland spreche, an manchen von Europa und dann wieder von den westlichen Staaten inclusive der USA, Kanadas und Australiens als einer Einheit. Diese Dinge sind heute nicht mehr so einfach auseinander zu addieren, und auch das überfordert manchen.

Papas kleinem Prinzesschen, das Abitur mit den Leistungsfächern Musik und Sport macht und danach Medizinische Dokumentations-Assistentin auf Bachelor an der Universität Brücken-Hackpfüffel studiert, traue ich nicht recht zu, sich in diesen Zeiten zu behaupten. Da werde ich nicht einmal überrascht sein, wenn sie irgendwann die sofortige Aufhebung der Gleichberechtigung zu Lasten ihrer Männer fordern, die in Zukunft wieder ein adäquates Einkommen zu erwirtschaften und sich im Übrigen um alles zu kümmern haben.

Es könnte aber sein, dass ich vielleicht in dieser Beziehung ein ganz klein wenig voreingenommen bin, obwohl Paula wohl kaum weiss, wo Brücken-Hackpfüffel ist, und kein Pink trägt.

Hier einige Links zum ergänzenden Lesen:

http://www.n-tv.de/ratgeber/Gibt-es-den-grossen-Knall-article16707906.html
http://www.n-tv.de/politik/Koelner-Polizist-schildert-das-Chaos-article16715056.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Br%C3%BCcken-Hackpf%C3%BCffel
http://www.emma.de/artikel/die-cinderella-industrie-265862
https://wordpress.com/read/post/feed/43823/900588567

Shaolin Summer

Mein Nokia-mp3-Player stellte mir die Werke des Wu-Tang-Clans vor, denen ich mich einem prinzipiellen Vorurteil gegen Hiphop folgend bisher verweigert hatte. Jedoch hatten mich Miss Platnum und Nova Rockefeller davon überzeugt, ihrer Musikrichtung eine Chance zu geben, sehr zu meinem Vergnügen. Denn mit „Back in the Game“ in der Phoniks-Version im Ohr bog ich gut gelaunt in die Strasse ein, die an der alten Jugendherberge in Prümburg vorbeiführt.

a4010683980_16

Dort war ein ganz ungewohntes Treiben. Menschen in der Tracht des mittleren Ostens gingen dort Spazieren und andere, die diese Kleidung schon gegen die Tracht der Europäer ausgetauscht hatten, LKWs eines Festzelt-Verleihs wurden entladen und ihre Fracht von fleissigen Männern des Technischen Hilfswerks auf einer Freifläche zu einer weiteren Unterkunft für weitere Flüchtlinge aufgebaut.

Zwischen ihnen suchte eine Fahrschülerin auf einem Motorrad die richtige Geschwindigkeit, schnell genug, um nicht umzufallen, langsam genug, um keinen der Spaziergänger umzufahren. Auf der anderen Strassenseite beobachtete eine deutsche Erzieherin vom Kindergarten gegenüber den Verkehr. Braune Kinder drückten sich an sie.

Zwei Strassen weiter fragten mich zwei Mädchen, ob ich ihnen eine Pizza geben könnte. Ich stellte ihnen kurz die ungünstige Konstellation aus Hunger und kein Geld dar und schenkte ihnen einen Schokoriegel aus meinem Privat-Bestand. Ihr Deutsch war fehlerfrei, der Teint und die Ungezwungenheit aber, mit der sie mich anschnorrten, verrieten den Migrationshintergrund.

Als ich wieder in die Pizzeria kam, hatte Herr Patel wieder seine beiden Mobiltelefone auf der Theke liegen. Mit dem einen behält er die Überwachungskameras im Auge, damit keiner von uns herumtrödelt, auf dem anderen liest er das heilige Buch seiner Religion, eines westlichen Ausläufers des Konfuzianismus, verschnitten mit islamischen Elementen.

Ich nahm mir umgehend vor, die Flasche Cola, die immer noch im Auto steckte, einer Kundin zu schenken, deren Vermögensverhältnisse aus unserer billigsten Pizza den Höhepunkt des Monats machen. Am Ende tat ich es nicht und bedauere das jetzt.

http://phoniksbeats.com/album/shaolin-summer-the-remixes

Die Krise von heute ist der Alltag von morgen

Eine Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen sagte dem britischen „Independent“, dass es sich wie ein „Einsatz in einem Kriegsgebiet“ anfühle, wenn sie an der italienischen Küste neuankommende Flüchtlinge behandele.
Und sie verrät auch, wieso:
„Wir beobachten hier Verletzungen, die seit Wochen nicht behandelt worden sind“, zitiert die Ärztin das Blatt. Sie zählt unter anderem „Brüche durch Schläge“ und „Schusswunden“ auf, die sie bei vielen Flüchtlingen behandelt. „Wir finden immer wieder Kugeln in Muskeln und unter der Haut.“
Manche Verletzungen seien jedoch nicht so offensichtlich. Die Medizinerin berichtet, dass „fast alle Frauen aus Afrika oder dem Nahen Osten“ auf dem Weg nach Europa vergewaltigt werden. Häufig würden die Frauen schwanger in Europa ankommen. „Sie sagen nur wenig über das, was ihnen widerfahren ist. Aber manchmal sehen wir Narben und Wunden von den Vergewaltigungen“, sagt die Ärztin. Sie sei sogar 13-Jährigen begegnet, die missbraucht worden waren.
Der Horror beginnt für viele zudem bereits, bevor sie auf eines der vielen Boote steigen. Etwa, wenn sie wochenlang auf überfüllten Geländewagen durch die Sahara gefahren werden, um an die Küste Nordafrikas zu gelangen.

http://www.huffingtonpost.de/2015/08/17/sie-gaben-uns-wasser-mit-benzin—diesen-horror-mussen-fluchtlinge-durchleben-bevor-sie-europa-erreichen_n_7996920.html?utm_hp_ref=germany

Ich sage an dieser Stelle voraus, dass wir solche Berichte in einem Jahr kaum noch lesen werden. Wo 750.000 Flüchtlinge ankommen, werden die Einzelschicksale in der Menge verschwinden, werden praktische Fragen in den Vordergrund rücken. Wie füttern wir sie ab, wo bringen wir sie unter, wie halten wir sie davon ab zu kommen.

Flüchtlinge und teure Smartphones: Hetze ohne Fakten

http://mobil.derstandard.at/2000020396192/Fluechtlinge-und-teure-Smartphones-Hetze-ohne-Fakten

Fast alle Asylwerber kommen bereits mit Handys an, das hat viele Gründe

Man solle das „auffällig große“ Smartphone in der Hand des dunkelhäutigen Flüchtlings beachten, schreibt eine Facebook-Nutzerin unter ein Foto, das sie nach einem „kritischen Lokalaugenschein“ in Traiskirchen gemacht hatte. Unter dem Bild: dutzende empörte Kommentare über den vermeintlichen Reichtum der Flüchtlinge. Das Foto wird tausende Male weiterverbreitet, darunter auch von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache (der den Eintrag später wieder entfernt). Nur wenige Wochen zuvor: Der oberösterreichische Landesrat Manfred Haimbuchner (FPÖ) lässt Nutzer an einer „Bildersuche“ teilnehmen. Mit der Frage „Wer findet das neue iPhone?“ publiziert er ein Bild von Flüchtlingen in Linz.

http://www.huffingtonpost.de/franzreinhard-habbel/jenseits-von-pegida-fluechtlingshilfe-smartphone_b_6405998.html

Der FAZ Redakteur Rüdiger Soldt schrieb Ende Juli in einem bemerkenswerten Beitrag über minderjährige Flüchtlinge: „Sie kommen aus Algerien und steigen in Freiburg aus dem ICE. Sie kommen ohne Rucksack und ohne Pässe. Nur ein Smartphone haben sie immer dabei. Das brauchen sie, um Kontakt zu halten. Zur Familie in Afghanistan oder Eritrea. Vielleicht auch, weil sie manchmal Anweisungen von den Schleppern bekommen, in denen ihre Familien mehrere 1000 € bezahlt haben.“ Auch in der Stadt Witten an der Ruhr gab es zunächst Skepsis, was die Handynutzung betrifft. Sie legte sich erst, als ein Mitarbeiter aus dem Amt für Wohnen und Soziales, der die Flüchtlinge unterbringt, erzählte, dass mindestens 50 % von Ihnen bereits „mit einem Handy in der Hand, auf der eine Übersetzungs-App bereits gestartet ist, den Raum betreten“.

Boah ey, die Flüchtlinge haben Handys, denen geht es doch gut!