Three Lies

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And now, Elric had told three lies. The first concerned his cousin Yrkoon. The second concerned the Black Sword. The third concerned Cymoril. And upon those three lies was Elric’s destiny to be built, for it is only about things which concern us most profoundly that we lie clearly and with profound conviction.

Michael Moorcook, Elric of Melnibone

Picture taken from Elric: The Ruby Throne

http://titan-comics.com/c/120-elric-the-ruby-throne/

Von sieben Leben das letzte

Freund, der Kater, steht nicht mehr auf. Erschien er in der Vergangenheit pünktlich morgens um 7 und abends um 9, um sich seine Scheibe Wurst zu holen und mir Gesellschaft zu leisten, döst er jetzt nur noch träge auf Paulas Bett seinem Lebensende entgegen. Er war dumm und nie nett, ein Schläger, der schwächeren Katzen zusetzte, aber zwei Dinge lagen ihm am Herzen. Das eine war sein Futter, das andere war ich.

Er lag neben mir auf dem Rasen, wenn ich die Einfahrt kehrte, und neben mir im Bett, wenn ich schlief. Er lief mir nach, wenn ich mit dem Poliziotto spazieren ging, und legte seinen Kopf auf meine Hand, wenn Paula und Nicotina mir über Pommes und Kotlelett meine Unfähigkeit wie mein vollständiges Versagen im Leben erklärten. In diesen Augenblicken waren es nur er und ich gegen eine Welt, die uns nicht schätzte.

Wir bestritten nicht die Berechtigung, wir bestritten nur unsere Möglichkeit, ein anderer Mensch und eine andere Katze zu sein und damit die Möglichkeit, anders zu sein als wir es waren. Das heisst, ich bestritt sie, er tastete mit geschickter Pfote vom Stuhl aus nach mariniertem Schweinefleisch und Bratwurst-Stücken auf dem Tisch, die er dann erfolglos gegen den Hund verteidigte, den Nicotina in ihre Beziehung mit dem Poliziotto ein- und zum Essen mitgebracht hatte.

Sein Ableben wird ihm einen Platz neben dem Komposter im Garten und mir eine neue Depression einbringen.

Take it Easy, Be Heavy

Frühling ist es, die Nase juckt, und kleine Babykatzen trudeln reihum bei uns ein. Nr. 1 ist ein vier Wochen alter Tigerkater, der nur Angst davor hat, allein zu sein. Sonst springt er munter vom Nachttisch, geht wagemutig vom ersten Abend an allein aufs Katzenklo und frisst mangels Muttermilch einfach Katzenfutter. Der Plan ist natürlich, ihn und alle, die noch kommen werden, an irgendwen zu vermitteln. Ich aber, ich bin dieses sich jährlich wiederholenden Prozesses so überdrüssig. In seinen winzigen Knopfaugen sehe ich, wie wir unsere Probleme selbst verursacht haben. Denn fütterten wir nicht alle Streuner der Umgebung, wären sie längst weitergezogen, würden sie sich sonstwo fortpflanzen, sich sonstwo bei ihren Kämpfen verletzen, anderer Leute Katzen bei ihren Kämpfen verletzen, sonstwo ihre Krankheiten verbreiten.

Maniac lässt einmal mehr seinen Simca Lutece reparieren. Diesmal sind das Lüfter-Rad, das Rücklicht samt Kabelbaum und der Halter für den 25L-Motoröl-Kanister im Kofferraum auszutauschen. Langsam, ganz langsam nähert er sich dem Gedanken, dass dieses vorsintflutliche Vehikel einem Pensionär vielleicht angemessen sei, der jeden Donnerstag zu Aldi und jeden Sonntag zur Kirche fährt, ganz gewiss jedoch nicht einem Familienvater mit zwei permanenter Beförderung bedürfender Kinder. Allein die Kosten für das Öl sind im Monat höher als die für meinen Roller, der Benzinverbrauch dieses Autos war wesentlich für die Entwicklung der Fracking-Technologie und hat viel zu seiner finanziellen Situation beigetragen. Und doch zögert er, zögert vor allem seine Frau, sich davon zu trennen, handelt es sich bei diesem verformten Stück Altmetall doch aus ihrem emotional verfremdeten Blickwinkel um einen Familienangehörigen.

Gibt es vielleicht wirklich nur zwei Arten Menschen? Und in diesem Fall meine ich nicht die, die mich nicht kennen und mich daher nicht anrufen, und jene, die mich kennen und mich folgerichtig ebenfalls nicht anrufen. Nein, ich meine ganz allgemein die Menschen, die nach Glück streben, und jene, die ihre Befriedigung im Drama finden, in ihrem eigenen Leid. Die letztere Sorte ist dann wohl die, die mit einem Partner zusammenbleibt, den sie nicht liebt, immer nur von ihren Krankheiten spricht, Fake-Reality-Shows im Fernsehen schaut, streunende Katzen füttert und/oder im Extremfall sogar einen Simca Lutece fährt, alles aber immer in einem Übermass tut, das schaden muss. Take it easy, be heavy.

Partytime

Next night and for seven nights in all the Wild Dance of Melnibone would fill the streets. Potions and petty spells would ensure that no one slept, for sleep was forbidden to any Melnibonean, old or young, while a dead emporer was mourned. Naked, the Dragon Princes would prowl the city, taking any young woman they found and filling her with their seed for it was traditional that if an emperor died then the nobles of Melnibone must create as many children of aristocratic blood as possible. Music-slaves would howl from the top of every tower. Other slaves would be slain and some eaten. It was a dreadful dance, the Dance of Misery, and it took as many lives as it created.

Michael Moorcook, Elric of Melnibone

Collins & Collins – Bitte wählen Sie die 1, wenn Sie mit der Realität sprechen möchten

Paula ist wütend. Ich habe sie im Krankenhaus abgeholt, über das sie sich dann während der ersten Hälfte des Heimweges ereifert hat. Danach beschrieb sie mir ausführlich, wie gut wir finanziell da ständen, hätte sie erst ihre Rente und einen Mini-Job dazu.

Ich könne in diesem Fall von einer anstrengenderen Nebentätigkeit als Food Distribution Assistant zu einer weniger beanspruchenden als Counter Manager in einer Tankstelle wechseln. Bis zum Lidl-Markt in Hagen war sie dann allerdings dazu übergegangen, für den Tag, an dem ihr dieser Wohlstand widerfährt, eine Trennung von mir in Erwägung zu ziehen.

Ich muss zugeben, dass ich es dann ein wenig versäumte, ihren Ausführungen mit dem notwendigen Ernst zu begegnen. Aber da hätte es ja auch mindestens der schauspielerischen Fähigkeiten eines Maxwell Glick bedurft, um an diesem Punkt nicht ins Lenkrad zu beissen.

Bei allen Geistesgaben, die sie in den verschiedensten Situationen schon gezeigt hat, fehlte mir hier doch der Bezug zur Realität so vollständig, dass ich mich nicht beherrschen konnte. Seitdem ist sie einmal mehr wütend auf mich

Ich habe immer etwas zu essen bei mir

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Einiges spricht für die Dunkelheit. Da sieht man nicht, wenn ich mit offenem Kofferraumdeckel losfahre, der Wagen rollt, weil ich die Handbremse nicht gezogen habe, oder ich den Salat wieder in seinen Plastik-Behälter stopfe, weil der sich geöffnet und seinen Inhalt auf der Ladefläche meines Toyota Starlet verteilt hat.

Das ist ein Anblick, der weder dem Kunden noch Herrn Patel gefiele. Die Dunkelheit kaschiert auch die Farbe meines Vehikels, die ich als “kinderkotzegrün” beschönige. Die Wahrheit ist bei weitem… weniger tageslichttauglich. Wir haben da einiges gemeinsam.

Ein gelber, amerikanischer Schulbus schob sich an mir vorbei, ich passierte eine Gesellschaft von gut zwei Dutzend Menschen, die Herren im Anzug, die Damen im Kleid, die auf dem Parkplatz einer geschlossenen Tankstelle feierten. Dabei dachte ich aus irgendeinem Grund an Samantha Puckett. Irgendwie erinnert sie mich an jemanden.

Sie ist laut, trägt immer einen Mundvorrat bei sich, ist sprachbegabt, gewalttätig, aggressiv, unordentlich und eine geschickte Verkäuferin und sagt einmal, sie hasse alle Menschen, um dann in einem Moment der Schwäche eine Ausnahme für Caterina Valentine zu machen. Ich bin älter, ich mache keine Ausnahmen mehr.

Mir ist nicht klar, wie man die Serie über die Perücken-Episode hinaus hätte fortsetzen können. Denn in der gibt Sam etwas zu, dass ihre Figur seit der ersten Episode begleitet, ein Bedürfnis, das selbst eine scharfe Freundin nicht stillen kann, die aussieht wie ein Ariana Grande, das Bedürfnis nach einer Mutter nämlich. Dafür verrät sie sogar Cat, die sie in gewisser Weise ja auch vorher schon verraten hat, indem sie ihren Teil der Miete nicht bezahlt hat.

Damit ist sie weit von der ersten Episode entfernt, in der sie Cat den gesamten Erlös des Babysitter-Jobs lässt und weit von der Geldautomaten-Episode entfernt, in der sie alles tut, um mit ihr zusammen verhaftet zu werden. Sie liebt sie aber offensichtlich noch immer, denn sonst würde sie Nona nicht bitten, ihrer Enkelin von dem Miet-Problem nichts zu sagen.

Trotzdem ist Sam in gewisser Weise an diesem Punkt nicht nur finanziell, sondern auch moralisch bankrott. Diese Situation kann nur ein Deux-Ex-Machina-mässig auftauchender Vater auflösen oder der wagemutige Schritt in eine Existenz als verantwortungsbewusster Erwachsener, eine Konsequenz, die so furchtbar ist, dass ich mir ihr immer noch entzog.

Bis zu diesem Punkt war das “Schneiderverse” ein fiktiver Ort gewesen, in dem Handlungen nur wenig Konsequenzen hatten. Immerhin waren Sam und Cat bis dahin schon mit Diebstahl, Unterschlagung, Betrug, Produktfälschung (Blue Dog Soda), Urkundenfälschung (Samantito Pucketito), Sachbeschädigung (der Roboter Tandy), Verstössen gegen das Lebensmittelgesetz (und den guten Geschmack – Sloppy Waffles!), Körperverletzung, Fahren ohne Führerschein (Cat in der Tuna-Episode), Entführung und Beihilfe zur Entführung durchgekommen.

Die vielleicht charmanteste Auflösung der Situation wäre Sam gewesen, die nach Pho-è-nix fährt, um sich da ihrem ausstehenden Haftbefehl zu stellen und sich zu Cat sperren zu lassen. Mlle. Imandeus, die Autorin von “Sam & Cat – Call Me Momma”, hätte aus dieser Situation einige Inspiration für ihre Fan-Fiction schöpfen können.

Mit den Dritten kaut man besser

Ich habe eben versucht, einen Zahnarzttermin für nächste Woche zu bekommen. Der nächste freie Termin ist am 11. Juni. Im Nachhinein wundert mich das nicht.

Meine Zahnärztin hat ihre Praxis in eine kleine Stadt verlegt, wo ungefähr jeder auf der Strasse schon bei den dritten ist. Ich bewundere die Art, wie sie aus dem demographischen Wandel ihren Nutzen zieht.

Gut, dass ich nur zu einer Routine-Inspektion mit Ölwechsel muss.