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Die Ratte im Schädel, das Gift in der Ratte

„William starb kurz nach seiner Rückkehr und wurde als erster in der neuen Kathedrale von Salisbury bestattet. Die Liegefigur seines Grabes war überhaupt die erste, die einen Ritter in vollständiger Rüstung darstellte. Bei der Öffnung seines Grabes 1791 wurde in seinem Schädel die gut erhaltene Leiche einer Ratte gefunden, die Spuren einer Arsenvergiftung aufwies.“
https://de.wikipedia.org/wiki/William_Longesp%C3%A9e,_3._Earl_of_Salisbury

Leichtes Gepäck

Irgendwo zwischen einem OneDrive und dem anderen gingen meine Bilder aus Paris flöten. Nichts ist mir damit von dieser Reise 2009 geblieben als die Erinnerungen an Notre Dame, den Arc de Triomphe, die Champs Elysees, den Blick von der Ile de la Cité flussabwärts, vier Fotos auf meinem Mobiltelefon und ein entwertetes Metro-Ticket. Die Erinnerungen sind allerdings sowieso mehr wert als die Fotos.

Arc de Triomphe Noir
Wir Bürger des 21. Jahrhunderts reisen mit leichtem Gepäck. Unsere Online-Speicher, USB-Sticks und Speicherkarten ersetzen die Schrankwände, Bibliotheken und Plattensammlungen unserer Vorgänger. Sterben wir, werden unsere Daten gelöscht und wir unter einem Rasentrittstein ohne Namen beigesetzt. Was wir an Möbeln und Kleidung hinterlassen, stammt vom Discounter und taugt nicht zum Vererben.
Vielleicht sollten wir religiös werden, um die psychologischen Folgen dieser materiellen Lücke auszugleichen, vielleicht glich das Materielle nur die psychologischen Folgen einer religösen Lücke aus, einer Glaubens-Askese nach zwei Weltkriegen. Zum Verbrennen von Ketzern bin ich allerdings nicht bereit, höchstens dazu, mal einen Ungläubigen auszuplündern, sobald denn diskutiert sei, wer ein solcher sei.
Und wie immer liefert Silbermond den Soundtrack:

Hope City Chronicles

They had started Hope City with Central County, a base for various government and cultural institutions. From there, they had laid out neighborhoods for 25 miles around, razing everything that originally had existed in its radius–the old buildings and towns and roads–to set up a planned community for a hundred million people. The buildings rose 70, 80, 90 stories into the sky, living units interspersed with meticulously planned park spaces and commercial and industrial units. Integrated communities tied together by trams and trains, an engineering marvel meant to reduce humanity’s footprint on the Earth by concentrating resource use more efficiently. The government created four such cities across the nation, and enticed people’s retreat through the promise of guaranteed income, the offer of tax breaks, and the cessation of government subsidies to those who remained outside.

Todd Honeycutt, Hope City Chronicles

Hope City Chronicles

Mächtige Berge, schmaler Pfad

Begegnete mir dieses Jahr bereits die „Hand Gottes“, so war es am Samstag einer jener mythischen Hybriden. Es war aber nicht die übliche Mischung aus Mensch und Löwe oder Mensch und Pferd. Sphinxe und Zentauren kennt heute ja jeder, viele haben auch einen Onkel oder eine Tante, die zu einer dieser Gruppen gehört, oder sind mit einem Satyr liiert.

Die junge Dame war aber ein Misch-Typ aus Mensch und Kamel, jedenfalls hatte sie gewaltige Höcker, die es ihr leicht gemacht hätten, eine Wüste gängiger Grösse zu durchqueren, ohne Durst leiden zu müssen. Da ihr Freund, den ich im Hintergrund sah, als ich das Ritual von Geld gegen Pizza an ihrer Haustür spielte, nur karierte Shorts trug, ging ich von einer Zwischenmahlzeit zwischen zwei Partien in einem Spiel aus, das noch älter ist als das, das mir des Abends Beruf ist.

Überhaupt begegnete ich allenthalben an Haustüren verliebten Pärchen im Taumel der Hormone. Wie einfach ist doch ihr Leben – ich gehe einen schmalen Pfad zwischen dem Reiz, den das alles auf mich ausübt, und dem Widerwillen, den ich zugleich spüre.

Teenage Badass

I am told there are worse ways to die: Mom always told me she was afraid she might waste away at that nothing little desk job she had before she met Dad, pushing buttons on keyboards according to on-screen instructions from 9 to 5. Sometimes, when my dad was gone for a long time hunting some creepy-crawly across the Urals, she would have nightmares. She would dream that faceless accountants would drag her kicking and screaming back to her cubicle, to serve until the end of her days.
Kostas Paradias, Teenage Badass

Teenage Badass

Wollt Ihr das perfekte Weihnachten?

Für Paula ist das perfekte Weihnachten vor allem eine Materialschlacht, bei der ungeheure Mengen an Lebensmitteln gekauft  und zubereitet werden müssen, bevor ein Teil gegessen und der andere eingefroren wird.

Parallel dazu müssen, ja, müssen diverse Verfilmungen von Astrid Lindgren-Büchern angeschaut werden, und zwar auch, wenn sie dabei auf der Couch einschläft.  Überhaupt scheitert ihr perfektes Weihnachten regelmässig an unserer geringen Personaldecke. Zwei schaffen nun einmal nicht, was für fünf ausgelegt ist. Das gilt für das Pensum an Arbeit wie für die Menge an Nahrungsmitteln.

Ich hingegen hätte gerne ein klassisches Weihnachten, wie ich es in den 80ern immer gefeiert habe, damals, bevor ich sie kennengelernt habe. Dabei muss man am 23. die Tür ordentlich verschliessen und darf sie vor dem 27. nicht öffnen. Das soll die bösen Weihnachtsgeister aussperren, hilft aber auch gegen Menschen. Eine IED an der Tür kann da zusätzliche Sicherheit geben.

Heitere Familienkomödien im Fernsehen beugen derweil der Langeweile vor. Dabei denke ich spontan an Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück, Santa’s Slay, The Long Kiss Goodnight und Piratenfilme mit Walter Matthau, Geena Davis und Ashley Ann Erickson.

Zwangsläufig scheitere auch ich mit meinem Wunsch nach einem perfekten Weihnachten an der Personaldecke. Mir aber hat es zuviele Menschen hier. Und Menschen sind nun einmal… Menschen und von daher fremd und unangenehm.

 

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