Leckere Lesben

“Carmilla flips the book open and 

starts to read to us. “Yogoth, raised 

with twelve virgins burned at the 

stake; Kalos, the sprinkled blood 

of virgins on the roots of the 

sacrificial tree; Nyarlothog, Spinner 

of Lies, prefers the livers of virgins 

force-fed red wine for three days.”

Kim Turrisi, Carmilla. 

Der erste Schluss aus dieser Passage, die Carmilla hier vorliest, ist natürlich, Sex zu haben, um sich vor einer passiven Beteiligung an einem entsprechenden Opferritual zu schützen. 

Vermutlich ist hier an Frauen gedacht, die einerseits bereits ovulieren, andererseits aber noch keinen penetrativen Sex gehabt haben. Das erklärt das Konzept der Dekanin, bei dem Carmilla ihr junge lesbische Frauen zuführt, die sie Lophii opfert.  

Unsere Sicht auf dieses Thema ist jedoch komplizierter als die der Babylonier, die dafür eine komplexere Mythologie hatten. Denn es bedarf ja keines Mannes, um penetrativen Sex zu haben. Und nicht jeder, der penetriert wird, ist eine Frau. Der Begriff “Sex” wird zumindest ausserhalb der Evangelikalen Bewegung und vergleichbarer Gruppen dann auch weiter gefasst.

Interessant ist aber auch die Frage, was diese “Jungfrauen” in besonderer Weise als Opfer qualifiziert. Die invasive Begegnung mit einer flüchtigen Erektion  verändert die Biochemie wohl kaum in einer Weise, die eine als Groupie bei der Band “Low Shoulder” disqualifiziert. 

Bleibt die Möglichkeit der magischen Sichtweise, die Körperflüssigkeiten besondere Eigenschaften zuschreibt. Sperma ist in diesem Fall dann das Gegenteil des Sang-Real und muss durch ein spezielles, vorhergehendes Ritual gereinigt werden, bevor es zur Sache geht. 

Damit sind die Schwestern vom Orden der Labrys komplett aus der Nummer raus und direkt auf der Speisekarte von Vampiren, Dämonen und obskuren Indierockern. Klingt durchaus nach der Dekanin der Silas-Universität. En passant haben wir dann auch mal erklärt, wieso sich die klassischen Religionen mit den Schülern Ganymeds so schwer tut. Zuviel Sperma, zu wenig Ritual. 

Ich bin nicht nutzlos

Ich erkenne einmal mehr, dass ich in der Therapie mehr über Paulas Probleme spreche als über meine. Aber wie sollte ich jemandem eine Welt zeigen, in der Anerkennung selten und Liebe ein anderes Wort für die Bereitschaft ist, sich unterdrücken und manipulieren zu lassen? Es gibt nicht viele, die sich da zurecht finden. 

So verbrachte ich einen Teil der letzten Sitzung damit, den Therapeuten in einigen Anwendungen zu unterrichten, die geeignet sind, den Besitz von Geld zu verschleiern. Derlei Griffe und Kniffe könnten sich für den einen oder anderen seiner Besucher als nützlich erweisen. 

Denn unter ihnen sind ja auch einige, die wirklich, wirklich einen Partner verlassen müssen. Andere beziehen Hartz IV und werden vom Staat für den Besitz von ein paar Euro bestraft, die sie zur Seite gelegt haben. Können meine Informationen auch nur einem von ihnen helfen, bin ich nicht ganz nutzlos. 

Die maximale emotionale Gesamtlast eines Menschen beträgt…

Das Blau des Himmels, das Rot der Ziegel, das Grün der Tannen, die Farben sahen aus, als hätte jemand einen Filter auf sie verwendet. Für einen kurzen Moment verstand ich etwas. 

Ich verstand, warum Nathanael mich manchmal anlügt. Ich verstand, dass Yoyodyne mich nie wieder einstellen wird. Ich verstand, dass jeder Mensch nur eine bestimmte Last tragen kann, ohne zusammen zu brechen. Ich verstand, wann ich angefangen hatte zu brechen. 

Nathanael lügt mich natürlich an, weil in seiner Wahrnehmung ich keine von Paula unabhängige Person bin. Paula aber verlangt seine Hilfe wie sein Vater etwas von ihm verlangt, sein Chef, seine Freundin, jeder. Er trickst und biegt die Wahrheit, damit er mit dem Druck zurecht kommt. 

Ich habe das auch getan und noch einiges mehr. Das ist der Grund, warum Yoyodyne mich nicht mehr einstellen wird. Ich war noch nie ein netter Mensch. Mit reichlich Stress wurde das auf keinen Fall besser. Dessen ungeachtet habe ich in diesem Beruf einiges geleistet und fühlte mich kaum jemals als Versager. 

Paula erhöhte den Druck, als sie sich aus dem Arbeitsleben abmeldete. Weniger Geld zu haben, hiess für sie nicht unbedingt, die Kosten zu reduzieren, die Zahl der Katzen zu verringern, ihnen kein Schweinefilet zu servieren oder gar das Haus zu verkaufen. Es hiess einfach, von mir zu verlangen, dass ich Geld ranschaffe. 

Litt ich? War ich überfordert? Das hiess ja wohl nur, dass ich nicht belastbar war. Wie oft hatte ich selbst so von anderen gedacht und geglaubt, dass ich Recht hatte? Nun, ich hatte Unrecht. 

Gib auf, du hast ein Recht darauf

Gib auf, du hast ein Recht darauf

Gib auf

Du hast ein Recht darauf

Gib auf

Du hast ein Recht darauf

Juse Ju, Bye-Bye

Carmilla, Camus et la Parisienne

Kim Turrisi, Carmilla

Does anybody else imagine Carmilla Karnstein with a beret, discussing philosophy with famous existentialists, hitting on their girlfriends, wives and sisters?

She would try to avoid the vampires of Paris, not always successful, and would have an on-off-relationship with Helene Chatelaine, assistant of famous private eye Nestor Burma.

Bars, jazz music, the catacombs, ruins, the Champs d’elyssee, philosophers, vampires, gangsters, former collaboratours and her mom spoiling the party.

Sie sind wieder da

Seit ein paar Tagen sehe ich wieder junge Leute am McD und ihrem anderen üblichen Treffpunkt im Gewerbegebiet, das mir so etwas ist wie Euch Euer Dorf, Euer Viertel. Frisch gewachsene Brüste und erster Flaum am Kinn, Haarschnitte, für die man einen Friseur nicht nur verklagen könnte, sondern auch unbedingt sollte. 

Ihre Unbekümmertheit ist nicht vorgetäuscht, sondern doppelbödig. Unter diesem Palast aus Hoffnung und Jugend ist ein tiefer Keller, vollgepackt mit Angst. Als hätten die üblichen Enttäuschungen und Schmerzen nicht gereicht, hat ihnen die Seuche jenes natürliche Gefühl von Sicherheit geraubt, das das Privileg der Jungen ist. 

Vor zwei Jahren hiess es  noch, ihnen stände alles offen, die ganze Welt. Dann zog ihnen das Universum den Teppich unter den Füssen weg. Das ist ungefähr, als würde eine Mutter ihr Kind fallen lassen; nichts, woran man sich als Erwachsener erinnert, nichts, was man jemals vergisst. 

Strip, Stupid Bitch

https://youtu.be/Ks6g_GKEA0w

Brillant wie immer, die Frau Meyer-Landrut. Sie ist vielleicht nicht die beste Sängerin der Welt, aber sie weiss, was gebraucht wird, und liefert das präzise und zur rechten Zeit ab. 

Wo sich andere noch fragen, wie es weitergeht, verbreitet sie bereits Optimismus und Selbstbewusstsein. Das passt wie die Faust aufs Auge zu der Phase, in der wir uns langsam wieder etwas freier fühlen. 

Das passt auch trefflich zum Juni als Pride Month. Gewiss wird dieses Lied nun auf etlichen Playlists direkt hinter Girl in Reds so wenig schmeichelhaft betiteltem ‘Stupid Bitch’ und ‚Monteiro‘ von LOL Nas laufen. 

Von Couscous und Unvermögen

https://audiothek.ardmediathek.de/items/89715698

Im Podcast sprechen sie über marokkanisches Essen. Tanger soll schön sein. Man kann dort auf zwei Meere schauen. Früher hatte ich zuviel Angst, um fern zu reisen, dann hatte ich kein Geld dazu. Jetzt ist es wahrscheinlich zu spät. 

Zu spät ist es wahrscheinlich auch, mir einen anderen Job zu suchen, in einer anderen Stadt, in einem anderen Land. Vor zwei Jahren hätte man gesagt, 60 sei kein Alter, da könnte man noch alles tun. Da log man und zwar sich an. 

Corona belehrte uns über unsere wahren Möglichkeiten. Sie sind bescheidener. Machen wir uns nichts vor. Europa wird ärmer sein als früher, finanziell, gesellschaftlich, kulturell. Wir werden ärmer sein. Ich werde ärmer sein. 

Mir werden die Geschichten fehlen, die ich mir davon erzählte, was mir noch alles möglich sei. Sie waren mein Vermögen. Sonst war ich unvermögend bis zum Unvermögen hin. Wäre mein Leben anders gewesen, hätte mein Vater von Couscous in der Medina von Algier erzählt, vom Blau des Mittelmeeres, der Weite der Wüste? 

So sprach er davon, dass er in Marseille an Bord der ‘Louis Pasteur’ ging und mit einer C-47 zurückkehrte. Der Rest blieb Andeutung, umwabert von Angst, beides Dinge, die nur ein paar Erwachsene verstanden.  

Das waren Männer in seinem Alter, die die Erde Afrikas und Vietnams an den Füssen hatten, und alte Männer, die den Himmel über Russland gesehen hatten, den Schnee in den Ardennen. 

https://youtu.be/aVr-Fjef8wo