Reisst die Shoppingcenter ab

“In den Malls indes: toter Raum. Man läuft durch Gänge ohne Tageslicht und voller verhängter Schaufenster, nur um zu Supermarkt oder Apotheke zu gelangen. Ob es in Zeiten eines Virus, das durch die Luft übertragen wird, sinnvoll ist, durch geschlossene Räume zu laufen, um zu lebensnotwendigen Einkäufen zu gelangen, bleibt dabei genauso fragwürdig wie die geschlossenen Läden.

Man merkt, wie austauschbar sie sind: Das meiste, was die Ladenketten anbieten, kann man längst besser online bestellen. Das Gegenargument „Beratung“ des stationären Handels hat sich in Malls lange schon totgelaufen. Braucht man eine Waschmaschine oder ein Handy, weiß man selten, ob man im Elektronikmarkt unabhängig beraten wird oder jemand einem etwas andreht, das mehr Gewinnmarge bringt. Die Auswahl und Positionierung der Waren ist ohnehin genauso von Algorithmen gesteuert wie in Onlineshops, aber im Internet ist ein unabhängiger Test nur einen Klick entfernt. In Malls muss man dafür das Smartphone zücken und peinlich in der Ecke googeln.”

Hendrik Lehmann

(1) Corona revolutioniert die Stadt Berlin: Reißt die Shoppingcenter ab! – Gesellschaft – Tagesspiegel

Herr Lehmann geht nicht auf die Kirchen ein. Sie sind seinem Blick wahrscheinlich entschwunden. Auch sie sind nur einem Zweck gewidmet, anders als zum Beispiel die griechischen Tempel der Antike. 

Aber die Organisationen hinter den Gebäuden tragen auch so wenig zum gesellschaftlichen Diskurs bei. Wie Mediamarkt/Saturn und einige andere Ladenketten, das europäische Parlament und der deutsche Föderalismus gehören sie zu den Verlierern der Covid-Krise. 

Corona fordert uns allen viel ab

Kommissioniererin Nr. 1 hat die neuen Zeiten eindeutig noch nicht verinnerlicht. Sie legt immer noch ihre Material-Bestellungen auf den Schreibtisch einer Kollegin, die ich seit Monaten nur fünf Minuten lang gesehen habe. Ich fotografiere die Zettel dann und schicke sie per Teams weiter. 

Wer wäre ich, sie zu kritisieren? Ich weiss selbst ja kaum, wo ich bin und was ich tue. Dabei geniesse ich meine Isolation ebenso sehr wie ich unter ihr leide. Denn sie nimmt der Kritik meiner Kollegen jeden Filter, den ein freundlicher Umgang, Gestik und Mimik sonst böten, und mir jede Grenze. So empfinde ich alles als feindlich. 

Ihr Geburtstag allerdings stellt mir eine neue Herausforderung. Nur mit der Hilfe zweier Lageristen muss ich nun soviel Fleischkäse und Stangenweissbrot bewältigen wie sonst fünf Mitarbeiter verzehrten. Ja, Corona fordert uns allen Opfer ab. 

Dort wohnen sie immer noch

Machhapuchhare (6,997m) viewed from Tadapani. From here the origin of the name, meaning ‚fish tail‘, becomes apparent.

BBC – Travel – The Himalayan peak off limits to climbers

die letzten jener Denisov-Menschen, die als Yetis bekannt sind. 

Colonel Roberts und die Regierung von Nepal haben diesen Berg damals in den 30ern des vorigen Jahrhunderts als Reservat für sie ausgehandelt, bevor sie tausende Bergsteiger aus der ganzen Welt auf die anderen Berge des Landes losliessen.

Ein Inder mit furchtbarem Akzent hat einmal auf Youtube einen Vortrag darüber gehalten, dass die Veden aus den Überlieferungen der Denisov-Menschen entstanden sein könnten. Logisch betrachtet ist das nicht ausgeschlossen, wenn es eine denisovisch Population parallel zu einer Sapiens-Population gibt.

Fische, die Fahrräder stehlen

Aus der letzten Therapie-Sitzung habe ich mitgenommen, wie weit ich mich von allem entfernt habe, was andere (lies: der Therapeut) für normal und schön halten. Genau die Sorte Information, die ich gar nicht haben wollte. Schliesslich hatte ich mich gewiss mit einiger Mühe, letztendlich doch aber recht erfolgreich abgefunden, nicht dazu zu gehören. 

Jeder Versuch zu verstehen, wie Paula und ich uns zu der Situation herab gearbeitet haben, die wir erreicht haben, ist da nur schmerzhaft. Ich finde ihn auch nicht nützlich. Ein Wollknäuel, das so verknotet wäre, würde man auch nicht aufdröseln, sondern wegwerfen. 

Wer hatte noch einmal den Spruch aufgebracht, dass eine Frau ohne Mann wie ein Fisch ohne Fahrrad ist? Denn wie kann jemand Königin sein, wenn kein Misthaufen zur Hand ist, den sie beherrschen kann. In dieser Beziehung rücken in meiner Wahrnehmung Paula und meine Schwester näher zusammen. Eigentlich sind da schon lange alle Frauen zusammen gerückt. 

Ich kann mir auch keine Frau vorstellen, die einem Mann mit einem umfangreichen Wissen in vielen eher entlegenen Gebieten nicht einen vorziehen würde, der ein Dach reparieren kann. Von Sex schweigen wir an dieser Stelle hingebungsvoll, von dem, was die Familie dann über Menschen wie mich denkt und sagt auch. 

Wie könnte ich das meinem Therapeuten erklären? Er gehört nicht zu denen, die emotional gesehen von der Hand in den Mund leben, dessen Gefühle auf Hartz IV sind. Meine Seele sitzt an einem Couchtisch mit einer Oberfläche aus Fliesen, stopft Zigaretten und isst Nudeln mit Ketchup. Hätte schlimmer kommen können. Manchen Leuten erfriert die Seele, oder sie verhungert. 

Simp: The new slang teenagers use to insult boys who are ‚too nice‘ to girls – CNN

Killer, Clara, Katastrophen

Ich bin alt. Ich bin tatsächlich so alt, dass ich mich an ein Lehrbuch erinnern kann, dass die englische Währung mit halben Pfennigen und Sechsern zeigte. 12 Pfennige waren übrigens ein Schilling und 20 Schilling ein Pfund. 

Das war so logisch wie der Versuch, etwas abzusägen, dass ein Achtel Zoll dick sein soll. Oder eine Sache mit einem Pfund Gewicht zu beschreiben, die aber nur 456 Gramm schwer ist und in den USA sogar nur 453 Gramm. 

In dieser trostlosen Lockdown-Welt sind Supermärkte die letzten magischen Orte (vice.com)

Ich bin so alt, dass ich mich an das letzte Mal erinnere, als wir solche Frisuren trugen, und zwar am ganzen Körper. Es waren haarige Zeiten, diese 70er und frühen 80er Jahre, als wir im Schatten der Atombombe picknickten und jede Stadt ein Porno-Kino hatte. 

Die Realität ist wie “Dr. Who”. Es gibt immer irgendeine Katastrophe, die darauf lauert, die Menschheit zu vernichten. Das kann der Kalte Krieg sein, Massenarbeitslosigkeit, die Bitcom-Blase, die Finanzkrise, eine Aschewolke nach einem Vulkanausbruch, eine Pandemie. 

Überraschenderweise scheinen es aber nie die Daleks oder die Cybermen zu sein. Die Menschen vergessen, was hinter ihnen liegt, wenn der nächste drohende Weltuntergang ihr Bewusstsein füllt. Für alles andere suchen sie Schuldige. Die finden sie auch irgendwie immer. 

Mir fehlt Clara Oswald. Ich stelle mir immer vor, dass die nicht Sonntags Morgens eine Stunde lang über Politiker wütet. Oder über mich. Oder zuerst über die Politiker und ihre Unfähigkeit und dann über mich und die meine. 

Auf meiner Liste steht jetzt ein vierteiliges Podcast-Special bestehend aus einem Interview mit Jenna Coleman über ihre Rolle in “Serpent” und einem Dreiteiler aus der Serie “Bad People” über Charles Sobhraj. Kommt direkt nach “Onno Viets und der Irre vom Kiez” dran. Öfföff

BBC Radio 1 – Radio 1’s Screen Time, Jenna Coleman Interview Special: The Story So Far

BBC Sounds – Bad People, Bad People x The Serpent Part 1: The hippie trail

BBC Sounds – Bad People, Bad People x The Serpent Part 2: Psychopathic charm

BBC Sounds – Bad People, Bad People x The Serpent Part 3: Hunting Sobhraj

Frank Schulz: Onno Viets und der Irre vom Kiez | Krimi-Komödie mit Hamburger Charme – NDR Hörspiel Box | ARD Audiothek

Anna ist raus

Anna Sorokin: Fake heiress released from US prison – BBC News

Wie ausgesprochen SCHADE, dass Flugreisen zur Zeit so schwierig sind. Da können wir Frau Sorokin gerade nicht zurücknehmen, wenn die Amerikaner sie in ihre Heimat abschieben wollen.

Sie könnten es ja mal nebenan bei den Russen versuchen. Sie ist dorten geboren, vielleicht haben die Verwendung für sie, wie sie von Depardieu bis Marsalek ja angeblich allerhand eher zwielichtige Charaktere in ihrem Land untergebracht und mit ihrer Staatsangehörigkeit versehen haben. 

Ich gönne niemandem etwas

Ungefähr zweimal am Tag schwanke ich zwischen der Überzeugung, auf dem absteigenden Ast zu sein, und der Idee, dass ich doch noch nicht am Ende bin. Damit habe ich mich im letzten August infiziert, als mein Vehikel an einer Strassenecke in der Hauptstadt seiner gewohnten Unzuverlässigkeit nachgab. 

Es ist ungemein verunsichernd. Wäre ich nur pessimistisch oder nur optimistisch, wäre es bei weitem einfach auszuhalten. Da denke ich aber jetzt im einen Moment darüber nach, was der günstigste Handy-Tarif für einen Hartz IV-Empfänger ist und im nächsten darüber, wie ich mein Leben neu starten könnte. 

Dann wiederum überfällt mich der Gedanke, dass alles immer so bleiben könnte wie es jetzt ist, und zwar bis ich tot bin. Den Tod würde ich da aber gerne vorziehen, schon weil das Leben mir in diesem Fall gar zu lange wäre. Jedoch würde ich gerne vorher noch das Geld aus meinem Sparstrumpf verplempern wollen. 

Denn ich möchte auf keinen Fall, dass irgendeiner, den ich nicht mag, etwas davon hat. Also keiner, denn ich hasse alle.