Wie die Pyramiden gebaut wurden

Ich schreibe gerade nichts von Paula. Ich bin es müde, über sie zu klagen. Nur soviel: Findet einer meiner Leser einen Menschen, der ihn ebenso glücklich macht wie sie mich, fliehe er oder sie weit und schnell. 

Der klapprigste Karren sei ihm ausreichend. Reicht das Geld nicht dafür, dann eben die Bahn, und ist die zu teuer, dann der Fernbus. Selbst ein Fahrrad kann in diesem Zusammenhang dem eigenen Glücke förderlich sein. 

Menschen wie sie bauten die Pyramiden als Lösung für das einfache Problem, eine Leiche zu begraben. Jedes ihrer zahllosen Projekte ufert in ähnlicher Weise aus, kostet reichlich und bietet unzählige Gelegenheiten, mich zu beleidigen und herab zu setzen. 

Das aber scheint ebenfalls zu dieser Welt zu gehören, die sie sich baut. In diesem Sinne scheine ich unverzichtbar zu sein. 

Recht muss geschaffen werden

„Wenn es rechtlich nicht geht, dann muss man das entsprechende Recht schaffen, dass es geht.“

https://www.boersennews.de/nachrichten/artikel/dobrindt-f-r-testpflicht-f-r-r-ckkehrer-aus-risikogebieten/2409800/

Der Herr Dobrindt ist ein gescheiterter Charakter, eine dieser verkommenen Figuren, die man abwertend Politiker nennt. Er hat Ansichten, z. B. über die gleichgeschlechtliche Ehe und die Doppelstaatsbürgerschaft und die PKW-Maut, aber ungefähr soviel Überzeugungen wie auf den Rand eines Pennies gehen.   

Ich habe ihn jahrelang und mit voller Absicht ignoriert. Es gibt soviele von diesen Gesellen, da kann man nicht auf jeden eingehen. Das ist wie bei bei Drogenhändlern, Hackern, Bankern, bei anderen Randfiguren der Gesellschaft. 

Herr Dobrindt aber hat mit dem oben angeführten Zitat zumindest verbal den Kriegszustand ausgerufen. Recht wird jetzt nicht mehr befolgt, es wird geschaffen und zwar zack-zack. Holt die Polizei demnächst die Verdächtigen ab? Ich meine natürlich die die verdächtig sind, infiziert zu sein. Schnittgruppen mit anderen, etwa kritische Journalisten, kann es ja geben, Verwechslungen auch. 

Wir haben diesen Punkt in der aktuellen Krise recht schnell erreicht. Vielleicht gelang uns das nur, weil wir vergessen haben, dass wir schon vorher da waren. Wir waren dort, als auf Rudi Dutschke geschossen wurde, wir waren während des Deutschen Herbstes dort. Wahrscheinlich ist selbst die schönste Republik immer nur einen Schritt davon entfernt. Da lauern immer ein Marius, ein Marat und ein Dutzend nützlicher Idioten, um das Schlechteste daraus zu machen.  

Sprach ich von Gaius Marius, von Jean Paul Marat? Ich verrate meine klassische Halbbildung. Stattdessen sollte ich von Adolf Hitler und Donald Trump sprechen, der Reinkarnation Hermann Görings. Jener Amerikaner, der so bewundernswert Gerissenheit und Mangel an Skrupeln verbindet, hat den Kongress bereits entmachtet, indem er “kommissarische Minister” einsetzt, wann es ihm passt. 

Einer davon, Chad Wolf, hat ihm bereits, nun, bewaffnete Kräfte verschafft, die die Denkmäler der Nation schützen, indem sie Demonstranten verhaften oder zusammen prügeln. Wir könnten sie “Verfügungstruppen” nennen, denn letzten Endes stehen sie dem Präsidenten zur Verfügung. 

Reuters schreibt am 25.07.: A person briefed by the Biden campaign said the candidate’s staff was bracing for a “nightmare scenario” in which Trump declares victory based on leading the in-person vote count in battleground states on November 3.” In der Vergangenheit wurden solche Fälle geregelt, indem die Vorsitzenden der Parteien clevere Deals aushandelten, die vor allem ihnen dienten.  Heute sind die Parteien bereits weitgehend machtlos. 

Ein kommissarischer Präsident zu sein, ist sogar noch besser als ein gewählter Präsident zu sein. In diesem Zustand politischer Schwebe lässt sich erreichen, was sonst nicht zu schaffen ist, schon gar, wenn man eine uniformierte Schlägerbande und einen Walther Wecke zur Hand hat

Kinofilme auf dem Smartphone

 Ware kommissionieren gehört nicht zu den Aufgabenfeldern, die ich am meisten schätze. Jedoch lässt sie mir die Gelegenheit, mit Kollegen zu sprechen und Begriffe wie “Schnatterzappen” zu lernen. 

Einer dieser Gesellen lässt auf seinem Iphone Kinofilme laufen, während er Ware zusammenstellt. Das hatte ich vorher noch nie gesehen. Musik aus einem Radio, einem Computer oder Smartphone, das ja. Filme noch nie. 

Ich habe noch nicht heraus, was er für diese Datenmengen und die Versicherung für sein Mobiltelefon bezahlt. Dafür weiss ich unabhängig davon aber schon, dass er ein Idiot ist. Allerdings scheint er dabei glücklich zu sein. Und das kann ja auch nicht jeder von sich sagen. 

Carles Dexter Ward is dead

The 10-part podcast from the BBC is an updated version of that original story, and there’s a meta quality to the series as you follow a pair of journalists trying to put together a podcast like Serial or S-Town. It’s an enthralling listen — the series updates the story for the modern day, and follows the efforts of two reporters who are trying to unravel the connection between Ward and Willett. The show’s Lovecraft roots become apparent halfway through as Matthew and Kennedy discover that the people they are investigating are linked to some very ancient cults, with supernatural overtones. In many ways, the series feels like a mashup of Serial with the first season of HBO’s True Detective.

https://archive.org/details/thecaseofcharlesdexterward_201910

In diesem Hörspiel bemühen sich ein Journalist und eine Ermittlerin für einen Podcast den Verbleib eines jungen Mannes zu ermitteln, eben des oben erwähnten Charles D. Ward, eines Amerikaners. Das ähnelt wohl nicht so ganz ohne Absicht the Podcasts von Pacific Northwest Stories, den “Black Tapes” und “Tanis”, die um 2015 herum erfolgreich waren. 

http://pnwstories.com/

Die Geschichte selbst ist eine ins 21ste Jahrhundert transferierte Version einer Kurzgeschichte von H. P. Lovecraft. Nach der ersten Episode bin ich durchaus angetan, spätestens nachdem die Ermittlerin, ein Fräulein Kennedy Fisher, auf den Gedanken verfallen ist, in der Schulbibliothek auszuforschen, welche Bücher Herr Ward ausgeliehen hat. 

Sie nannte das Ergebnis “more Buffy”, der Bibliothekar beschrieb es sogar als “very Buffy indeed, well, kind of Evil Willow”. Es fehlt nur noch ein HInweis auf die Summer Society, um mein kleines, leicht verfettetes Herz gänzlich dahin schmelzen zu lassen. 

Gesprochen wird BBC-voice, eine auf Verständlichkeit hin optimierte Version des britischen Englisch. Daher ist es auch für einen Non-Native-Speaker einfach, der Handlung zu folgen. 

Die Möglichkeiten sind endlos

Mit aufgesetzter Office-Brille lese ich die Nachrichten auf meinem Bildschirm. Tatsächlich erlaube ich mir die Vorstellung, etwas zu verstehen. 

Corona zum Beispiel wird uns in Europa noch zwei Jahre beschäftigen, in den Gegenden, deren Kenntnis wir Europäer Christoph Kolumbus verdanken, gleich gar zehn. Da wird die Seuche immer wieder irgendwo ausbrechen, weil Armut und Mangel an Organisation und Disziplin in einer solchen Situation nun einmal hinderlich sind. Da ist der Chinese dank kommunistischer Erziehung den Amerikanern überlegen. 

Das ist dann wohl auch das Ende der Nato. Eilen uns nämlich die Amerikaner und Kanadier im Verteidigungsfall zu Hilfe, müssen sie nach der Ankunft erst einmal 14 Tage in Quarantäne. Bis dahin sollte die russische Armee (oder wer auch immer gut genug organisiert und ausgerüstet ist, um uns anzugreifen) die Sache bereits sauber erledigt haben. 

Überhaupt, der Russe – jetzt soll Herr Marsalek in der Nähe von Moskau in einem sicheren Haus des GRU sitzen. Schade, schade, ich hoffte, von seiner erfolgreichen Flucht lernen zu können, wie sich jemand in den digitalisierten Zeiten der Strafverfolgung entziehen kann, ohne auf die Hilfe einer staatlichen Organisation zurückgreifen zu müssen. Ich frage da für einen Freund. 

Die Frage, die aber niemand zu stellen wagt, ist eine andere. Was wäre, wenn Marsalek von Anfang an ein russischer Agent gewesen wäre, der Wirecard infiltriert und zehn Jahre lang im Intereresse des GRU und Putins geführt hätte. Hunderte Millionen Rubelchen hätten so erwirtschaftet werden können zusammen mit Daten über Online- und Kreditkarten-Zahlungen, Gesprächen mit anderen Managern in Fitness-Studios, Bars, Bordellen und Saunen. 

Da geht es ebenso um Informationen über die Geldströme des 21sten Jahrhundertes wie um Informationen, wofür bestimmte Personen ihr Geld ausgeben, wie sie denken, wer sie sind, wenn sie sie selbst sind, betrunken, zugekokst, frei. Die Möglichkeiten, die sich da ergeben, sind endlos. Mord, Erpressung, Insider-Geschäfte, Marktmanipulationen, da braucht man nirgendwo mehr einzumarschieren, um seine Ziele zu erreichen. 

Cancel the Culture

Ich versuche zu verstehen, was Cancel Culture sein mag. Odysseyonline belehrt mich folgendermassen: “Cancel culture is, essentially, when people who have said or done problematic things, either now or in the past, are decidedly “canceled,” and people no longer support them or their endeavors. In this day and age, examples are everywhere. Celebrities getting called out for problematic behavior, or racially insensitive words, and losing network deals or TV shows, as a result.”

Es sind also die Menschen inzwischen gleichzeitig so zimperlich und so von sich eingenommen, dass sie ein Kunstwerk nicht an seiner Güte, sondern stattdessen an der moralischen Qualität des Künstlers messen. Absehbar ist nun der kulturelle Rückfall der Menschheit auf das Niveau der Jäger und Sammler. Denn jeder Künstler ist Mensch und jeder Mensch fehlbar. Das gilt vorbehaltlich denn auch für jene, die sich über die anderen zum Richter aufwerfen. 

Mir fällt kein Künstler ein, gegen dessen Privatleben sich nicht etwas einwenden liesse. Wechselnde und gelegentlich auch gleichzeitige Liebschaften, durchaus auch einmal mit Partnern, die zu jung waren, Drogen, Vorurteile aller Art über Rassen, Hautfarben, sexuelle Neigungen und Geschlechtsangehörigkeiten, Betrug, Diebstahl, Verrat, Opportunismus, Hinterlist. Also nichts, was nicht jeder andere Mensch auch tun würde. Mich halten allein Feigheit und Verschrobenheit davon ab, ebenfalls einer Auswahl dieser Dinge nachzugehen, und der Verstand davon, andere dafür zu verurteilen. 

Von Political Correctness zu Cancel Culture adaptieren einige Menschen eine Rechthaberei, die sonst nur den wahren Gläubigen vorbehalten ist, und verbinden sie mit einem Säkularismus. Es ist allerdings wohl wenig mehr als ein Wohlstandsproblem wie die Frage, ob man zwingend ein Sony-Ladekabel nehmen muss oder ob es auch eines von Ugreen sein darf oder ob man den Kaviar vom Büffet nehmen kann, wenn man weiss, wie er gewonnen wird. 

Hat man nur ein Ladekabel von TEdi oder gar nur einen leeren Kühlschrank stellen sich diese Fragen nicht.