German Guilt, French Restraint

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Der Wagen war ein betagter Golf. Ich studierte das Vehikel vor der Pizzeria San Grigorio wie einst Old Shatterhand eine Fährte in einem Fly-Over-State.

Es war klar, dass der Besitzer es nicht als Neuwagen erworben hatte. Zum einen war er zu jung, zum anderen hatte das Auto ein Kennzeichen, das so typisch an Gebrauchtwagen vergeben wird.

Es war auch klar, dass er auf jemanden wartete und kein Native German war. Beides folgerte ich daraus, dass er den Motor laufen liess. Ich habe immer noch Schuldgefühle, weil ich vor zwei Jahren einmal auf einem Behinderten-Parkplatz gestanden habe.

Für den Liter Diesel, den ich beim Tanken am Samstag habe daneben laufen lassen, fühle ich mich weniger schuldig. Denn ich war abgelenkt. Paula war nämlich los gezogen, um einer jungen Französin ihre Meinung darüber kund zu tun, dass die ihr Auto nach dem Tanken vor der Zapfsäule und damit ihr im Weg hatte stehen lassen. .

Ich hatte inständig gehofft, dass die Madeleine Paula auf ihren Euro herausgeben würde. Sie hätte es doch schon dafür verdient, dass sie mir immer eingeredet hat, dass ich minderwertig bin. Aber die junge Dame war wohl einsichtig, zu gut erzogen oder hatte sich im Einzelhandel darin geübt, solche Einwürfe zu ignorieren.

Ich war enttäuscht von ihr. Mit dieser Einstellung wäre De Gaulle im Exil gestorben.

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You’re a mean man, Mr. Grinch

Be excited to start the party with a Christmas Adventure Race… One highlight will be that everyone can cut his own Christmas Tree…”

Ich bin schon total “excited”, wenn ich daran denke, mit einer Axt in der Hand in einem dunklen Wald meinen Vorgesetzten zu begegnen. Die scheinen mir recht optimistisch, wenn sie glauben, dass ich damit einer Tanne zu nahe trete, wenn sie mir vorher zu nahe getreten sind.

Die Liste ihrer Vorgänger ist so lang wie die ihrer Inkompetenzen. Bei einem hat nur der Drogenhändler um die Ecke gemerkt, ob er im Büro war oder nicht, ein anderer leitet jetzt einen Imbisswagen statt einer Abteilung, und eine macht etwas Unanständiges mit Kettensägen in einem Cabaret.

Aber die waren allesamt clever genug, um mich in Ruhe zu lassen. Denn die Arbeit, die ich mache, hat mit Produkten zu tun, die nicht funktionieren, und mit Kunden. Mit ENDkunden! Wir reden hier über wirre, alte Männer und manchmal auch über die Witwen wirrer, alter Männer. Mit solchen Leuten WILL man als Hipster/Manager einfach nichts zu tun haben.

Und mit denen, die mit ihnen zu tun haben, auch nicht. Das sind Typen, die man sonst nur im Steh-Imbiss trifft, wenn man auf Geschäftsreise Heisshunger bekommt, vielleicht noch am Bahnhof oder im Darkroom. Deren Jeans ist formlos, die Schuhe ausgelatscht und ihr Beförderungsmittel fragwürdig. Sie führen Leben, über die man am liebsten gleich gar nichts weiss.

Dafür halten sie einem aber diese Kunden vom Hals. In der Zeit, die man mit denen verbrächte, kann man in Meetings sein, die Folio für die eigene Hybris sind. Entsprechend lässt man ihnen einen gewissen Freiraum und fragt sich nicht, wie sie ihre Zeit verbringen, wenn sie nicht telefonieren, mailen oder chatten – immer unter der Voraussetzung, dass sie diese drei Dinge in hinlänglicher Weise mit Kunden tun.

Man beschert sie aber nicht mit der freudigen Kunde, dass man den Firmensitz in die Hauptstadt verlegen will, so den Arbeitsweg auf zwei Stunden pro Richtung und die Kosten dafür  um das 2,5-fache erhöhend. Da wird der Angestellte dann zum Axtmörder. Oder wenigstens zum Grinch.

Nikolaustag

Santa Claus — also known as Father Christmas or, according to the Eleventh Doctor, Jeff — was a legendary figure who distributed presents to good children on Christmas morning under their trees. He played an important part in the Christmas tradition on the planet Earth. Much like other Earth legends such as King Arthur, sources heavily contradict and dispute each other on the topic of whether Santa was a real figure or a fictional entity. …

In order to deliver presents to all children in a single night, Santa used time loops and clones of himself. 

http://tardis.wikia.com/wiki/Santa_Claus

Die Glasschale

Seit dem Gespräch mit dem Finanzbeamten habe ich die anstehende Zahlung schon zweimal verplant.

Dann allerdings wurde mir klar, dass es durchaus möglich ist, dass einem anderen Beamten die Unrechtmässigkeit dieser Zahlung auffällt oder ihm zumindest einfällt, sie sei unrechtmässig.

Das sind feine Unterschiede. Beiden Ansätzen gemeinsam ist das traurige Ende, wenn wir das Geld wieder rausrücken müssen.

Problematisch war allerdings, dass Paula das Geld in der Zeit zwischen der Zustellung der aktualisierten Steuerbescheide und meiner Ankunft zuhause selbst auch sauber verplant hatte.

Zu ihrer Form der Einspruchsbearbeitung gehören Beleidigungen, Drohungen mit einem Baseballschläger und das Werfen mit Schokoriegeln. Immerhin hatte sie sie vorher aus der Glasschale genommen. Man muss auch um kleine Dinge froh sein.

Doch zitieren wir an dieser Stelle die treffliche Miss Lola Perry:

Aber wenn all die schrecklichen Dinge real sind, dann müssen die guten Dinge auch real sein. Und wir müssen nur herausfinden, wie wir zu ihnen gelangen.” (The Trouble with Tinkerbell).

Heil Kaiser Norton!

Ich habe inzwischen einiges über das Vertriebsnetz von Kaiser-Norton gelernt. Einen ganz kleinen Knotenpunkt betreibt Paulas Bruder, einen weitaus grösseren in Frankfurt betreiben die Gebrüder Duffrey. Das spricht man französisch aus, weil es Welsche sind.

Paula hatte nämlich den Auftrag übernommen, einen Wagen bei Duffrey abzuholen und zu ihrem Bruder zu bringen. Denn im 21sten Jahrhundert kauft man nicht mehr, was gebraucht vor der Türe eines Autohauses steht oder hinten auf dem Hof zwischen der Mülltonne und einem zerlegten Mofa.

Statt dessen kann der Verkäufer genau das Vehikel, das sein Kunde sucht, in einer Datenbank finden. Zurück in der Realität findet sich der Wagen irgendwo in Deutschland, bei einer Filiale der Duffreys, der Baden-Garage, Von Stern oder einem anderen Autohaus. Irgendein Frührentner zieht sich dann seine ausgelatschten Treter an und holt den fast neuen Kaiser-Norton ab.

Dazu bewaffnet er sich mit einem guten Buch seiner Wahl, roten Nummernschildern, einem fernkopierten  Kaufvertrag und einem Fahrschein für den Zug. Dem öffentlichen Nahverkehr abhold beschloss Paula mit unserem eigenen Kombi zu fahren. Für die Rückfahrt durfte ich dann diesen Wagen lenken.

Kaum dass ich ihr an jenem Kaiser-Norton Enterprise S das Navigationssystem programmiert hatte, entfleuchte sie mit grösstmöglicher Geschwindigkeit. Das ist bei diesem relativ schweren Mini-Van zwar nicht so üppig, liegt aber deutlich oberhalb der von mir persönlich zu erreichenden Geschwindigkeit von ca. 130 km/h.

Ich hatte mich darauf vorbereitet, indem ich mich nicht auf ihrer Führung verlassen, sondern gleich selbst Google Maps gestartet hatte. Um den Radio-Sender nicht umschalten zu müssen, ein Unterfangen, das bei diesen Geschwindigkeiten übel ausgehen kann, setzte ich gleichfalls auf mein Mobiltelefon, das kanadische Musik spielte, und über die Power-Bank mit Strom versorgt wurde.

Immerhin hatte ich die Gelegenheit, mir vom Verkäufer bei Duffrey die Zusatz-Qualifikation als Überführungsfahrer zu erwerben. Das ist eine gute Ergänzung zum Food Distribution Assistant. Man weiss ja nie, ob einem nicht selbst irgendwann die Frührente blüht, so üppig wie ein Mykobiont, so üppig wie die Landschaften im Osten.

Ich konnte mir auch eine Airbus A380 anschauen, von unten und näher als es meiner Angst-Störung in diesem Augenblick lieb war, eine Citroen Dyane und Squaire, die Zentrale der LustHansa. In “Dr. Who” wäre das ein getarntes Raumschiff. Wahrscheinlich IST es ein getarntes Raumschiff. Allein die Häufigkeit, mit der die Zahl 6 in den Massen wie in der Postleitzahl auftaucht, ist extrem verdächtig.

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https://de.wikipedia.org/wiki/Frankfurt_am_Main

https://de.wikipedia.org/wiki/Flechte

https://de.wikipedia.org/wiki/Changhe_Freedom_Mini_Van

https://de.wikipedia.org/wiki/Chrysler_Voyager

https://de.wikipedia.org/wiki/Airbus_A380

https://de.wikipedia.org/wiki/Citro%C3%ABn_Dyane

https://de.wikipedia.org/wiki/The_Squaire

https://noisetrade.com/pledgemusiccanada/o-canada-mixtape-vol-2

https://de.wikipedia.org/wiki/Bl%C3%BChende_Landschaften#

https://de.wikipedia.org/wiki/Kaiser_Motors

https://de.wikipedia.org/wiki/Norton_(Automobilhersteller)

https://de.wikipedia.org/wiki/Nash_Bridges

Alles Schweinebacken, diese Schweinebacken!

Der General Manager fand tatsächlich wieder zurück. Ich weiss nicht recht, wie er in diesen zwei Tagen zu einem Vollbart gekommen war, aber das war mir ja auch egal, konfrontierte mich diese Leuchte doch mit einem neuen Plan, der ihm offensichtlich in der geistigen und räumlichen Entfernung von unserer Realität gekommen war.

Zum Vorgesetzen meines fröhlichen Fähnleins von Service-Mitarbeitern erklärte er nämlich einen Mitarbeiter aus einer anderen Abteilung, der sich durch die Umgangsformen eines Troglodyten auszeichnet. Ach, wie viele heitere Augenblick verbrachte ich doch einst im Betriebsrat damit der Grossen Vorsitzenden zuzusehen, wenn sie versuchte, sie weiterzuentwickeln, diese Umgangsformen. Wie angemessen schien mir doch damals ihre grosszügige Verwendung einer Keule, und wie wenig Nutzen zog er aus der Ermahnung.

Gerade das aber scheint ihn in des Tzaren Gunst und damit schon gleich in der des General Managers befördert zu haben. Alles Schweinebacken, diese Schweinebacken!