Ich tue etwas für meine Depression

Ich betrachte ein Whiteboard, auf dem “Das Management” die Marschrichtung für 2018 notiert hat. Das sollte ich nicht tun. Nicht, weil das Unleserliche strengst geheim wäre, sondern weil zu meiner Depression beiträgt, was ich da entziffere.

Denn, was da steht, hätte genauso gut schon 1998 dort stehen können. Wechselnde Vorgesetzte motivierten uns zwanzig Jahre lang mit wechselnden Methoden, die immer gleichen Probleme mit immer gleichen Methoden und immer gleichem Ergebnis zu lösen. An der Harvard Business School nennt man das Konstanz. Ich habe ein anderes Wort dafür.

Nach einem für die Firmenpolitik von Yoyodyne suche ich noch. Die neuen Inhaber legen mehr Wert als ihre Vorgänger darauf, dass wir Gewinn machen, vorzugsweise ohne jede Investition von Hirnschmalz und Geld. Dabei vermitteln sie zielstrebig den Eindruck,, dass sie kein Ziel haben und folgerichtig ihr europäisches Verkaufsbüro, jetzt, so sie eines haben, austrocknen lassen wie O2 Netzclub.  Ob die alle an der gleichen Universität studiert haben?

Lüg! Mich! An!

Eingedenk des Versprechens eines Autos, das mir Paula gab, habe sie denn erst die Rente und einen Mini-Job mit 450 Ecu pro Monat, liess ich mir in der Roller-Werkstatt einer Prospekt von Motowell reichen. Sehr angetan war der Mechaniker meines Vertrauens von der Qualität dieser Fortbewegungsmittel, nie habe er in den letzten vier Jahren einen Motorschaden gesehen.

Es bremste ihn dann die Frage, ob man damit auch 12.000 km im Jahr bewältigen könne. Denn es habe wohl, meinte er dann, das noch keiner versucht, von dem er wüsste. Allerdings müsste man eine Motowell auch alle 3.000 km inspektionieren lassen. Das Pendant von Peugeot ist nicht wirklich teurer, muss aber nach den ersten beiden Inspektionen nur noch alle 5.000 km oder mit einem platten Reifen in die Werkstatt.

Ob mir klar ist, dass Paula mich (und sich) die Taschen voll lügt? Oh ja, und es sind die extra-grossen Satteltaschen, die man an ein fettes Motorrad hängt, wenn man für Gemma Morrow den Einkauf erledigen soll.

Ich weiss nur nicht, was ich mit dieser Erkenntnis anfangen soll.

Hail to The Fatman

Volker Kutschers Roman “Der nasse Fisch” wirft für mich zwei Fragen auf. Zum einen wüsste ich gerne, wie der Held die Kugel aus einem Polizei-Karabiner von einer aus einem Gewehr eines Kommunisten unterscheiden kann.

Denn die eine Partei hat die preussische Landesregierung ja wahrscheinlich mit dem Karabiner 98 ausgerüstet, die andere sich selbst bei der Auflösung der Wehrmacht mit dem gleichen Modell für kommende Revolutionen gewappnet. Da hakt die Logik ein wenig.

Die andere Frage ist die, ob Nero Wolfe vielleicht als Rex Stouts Vorstellung davon begann, was aus Ernst Gennat geworden wäre, hätte er nach einem informellen Treffen mit dem zukünftigen preussischen Innenminister Hermann Göring am Kuchen-Büffet bei Kranzler beschlossen, seine Aufmerksamkeit den Patissiers und Mördern von New York zu widmen.

Der deutsche Kriminalist und der montenegrinische Migrant teilen ein lebhaftes Interesse an Nahrung, die ausufernde Figur, die Bereitschaft, auf physische Bewegung weitgehend zu verzichten, und die tiefe Abneigung gegen Frauen. Tatsächlich war Nero Wolfe nach Sherlock Holmes vermutlich der erste Asexuelle, von dem ich gehört habe.

Bevor Sir Timothy Berners-Lee die geheiligte erste Website in HTML-Code schrieb, mussten wir uns unsere Identifikationsfiguren im Fernsehen und Büchern suchen. Und im Fernsehen wurden selbst A. J.Raffles und Monsieur Poirot als Heten dargestellt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Mauser_Modell_98

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_nasse_Fisch._Gereon_Raths_erster_Fall

http://www.gereonrath.de/die-buecher/7-der-nasse-fisch.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Gennat

https://de.wikipedia.org/wiki/Nero_Wolfe

https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_G%C3%B6ring

https://de.wikipedia.org/wiki/Tim_Berners-Lee

Oxford-Ökonom Frey: Digitalisierung lässt Jobs der Mittelklasse verschwinden

Digitalisierung und Automatisierung kosten (bisher) keine Jobs, verschieben aber die Qualität der Positionen signifikant. „In jeder entwickelten Volkswirtschaft sind in den vergangenen drei Jahrzehnten die Jobs der Mittelklasse verschwunden. Im Gegenzug haben wir haben Wachstum in Jobs für Hochqualifizierte und in Jobs für Niedrigqualifizierte gesehen. Automatisierung macht die Menschen also nicht arbeitslos, sondern verschiebt sie häufig in Positionen mit anderem Einkommen und sozialem Status“, sagte Oxford-Ökonom Carl Benedikt Frey auf der DLD-Konferenz von Hubert Burda Media in München.

Viele Freigesetzte mit geringer Qualifikation seien in Servicejobs gelandet; Menschen mit hoher Qualifikation verdienten ihr Geld heute mit professionellen Dienstleistungen. Frey ist Ko-Autor der inzwischen berühmten Studie „The Future of Employment“, in der er schon 2013 warnte, dass Digitalisierung 47 Prozent der Industriejobs in den USA gefährde. Mit dieser Studie wurde die Diskussion über die Beschäftigungswirkungen der Digitalisierung losgetreten.

Über den Weg aus der Mittelklasse nach oben oder unten entscheide meist die Bildung und auch das Geschlecht. Frauen finden sich heute viel häufiger vor dem Computer an ihrem Arbeitsplatz, während Männer arbeitslos zu Hause vor dem Fernseher sitzen. Die sozialen Konsequenzen: Diese Männer haben eine weit geringere Chance, Frauen für eine Ehe zu finden und mit ihr Kinder zu bekommen. „Welche Frau will solche Loser schon heiraten?“, fragte Frey. In diesen Regionen wachse die Gewalt und es werde anders gewählt, sagte Frey in Anspielung auf die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Auch während der ersten industriellen Revolution sei es vielen Menschen in den ersten 70 Jahren schlechter gegangen, bevor die Produktivitäts- und Wachstumseffekte für höheren Wohlstand für die Massen geführt haben. Aber in der Übergangszeit sei es natürlich schwierig, die Unterstützung der Menschen für den Wandel zu bekommen.

Dass Digitalisierung/Automatisierung am Ende nicht zum Wegfall von Jobs führt, erwartet auch Paul Dougherty, CTO von Accenture. „Das Problem liegt nicht bei den Jobs, das Problem liegt bei der Fähigkeiten“, sagte Dougherty. Weiterbildung müsse auf eine Ebene gehoben werden, damit die fehlenden AI-Kenntnisse nicht zu einer Wachstumsbremse werden. Bisher gebe es nur rund 10.000 KI-Spezialisten weltweit, die stark umworben seien. Diese Zahl müsse schnell steigen. Welche Jobs die vielen künftig freigesetzten Taxi- oder LKW-Fahrer künftig machen sollen, konnte aber auch er nicht beantworten.

Für Frey führt Digitalisierung noch zu einem zweiten Effekt einer regionalen Clusterung: „Neue Stellen für Hochqualifizierte werden nur in den Städten geschaffen“. Das sei gut für die Städte, schlecht für die Regionen, in denen sie fehlen.

Dennoch stehe die Entwicklung erst am Anfang. „Millionen intelligente Roboter werden unser tägliches Leben erleichtern und werden in den kommenden 5 bis 10 Jahren viel präsenter, zum Beispiel im Gesundheitswesen. Wir müssen dringend die jungen Menschen im Umgang mit diesen Robotern trainieren. Und damit meine ich nicht das Spielen mit dem Smartphone. Wir müssen die Menschen auf diese Reise mitnehmen“, sagte Sami Haddadin von der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover auf der DLD-Konferenz. Im Vergleich zum Vorjahr bestimmten heute mehr die Potentiale und weniger die Ängste der Automatisierung die Diskussionen. Die nächste Generation der Industrie unterscheide sich, weil Maschinen und Menschen neue Formen der Arbeit entwickelten.

https://www.linkedin.com/pulse/oxford-%C3%B6konom-frey-digitalisierung-l%C3%A4sst-die-jobs-der-schmidt/?trk=eml-email_feed_ecosystem_digest_01-recommended_articles-5-Unknown&midToken=AQF59Hn5XV-aRQ&fromEmail=fromEmail&ut=1wfYuAwGEpJU41

Ich ergänze an dieser Stelle einmal zwei Zitate:

Ayn Rand sagt: “Jede Arbeit ist eine philosophische Tat.” und Jodie Foster sagt:

Uff, es ist schwer, optimistisch zu sein. Wir leben in schmerzhaften Zeiten. Aber wenn Sie in die Geschichte blicken, dann war es immer so: Jede echte kulturelle Umwälzung ging auch mit viel Leid einher.

http://www.spiegel.de/kultur/tv/jodie-foster-ich-will-kein-soundbite-fuer-den-weinstein-skandal-sein-a-1184673.html

 

 

Wieso schleppt mich nie jemand ab, mit dem ich mich dann auch unterhalten kann?

Es gibt Berufsgruppen, also Berufsgruppen gibt es, denen begegnet man erst nur ungern und dann mit einem Kopfschütteln. Abschlepper gehören zum Beispiel dazu. Vielleicht liegt es an den Arbeitszeiten, aber irgendwie haben sie meist eine eingeschränkte Kommunikations-Fähigkeit.

Eben konferierte ich mit einem dieses Standes am Telefon über die Beförderung meines Rollers samt plattem Hinterreifen in die Werkstatt. Am Telefon, weil ich mich zu bestimmten Zeiten nun einmal zwecks Erlangung meines Lebensunterhaltes ausser Haus aufhalten muss. Beides war ihm suspekt und die Kommunikation per Fernsprecher zutiefst zuwider.

Ich hätte mich auch lieber nicht mit ihm unterhalten müssen, war aber einer Glasscherbe begegnet, die Freundschaft mit dem Reifen geschlossen hatte. Dabei hatte ich gehofft, auf seinem abgefahrenen Profil noch die Zeit bis zum Eingang der Renten-Nachzahlung durchhalten zu können. Das war mal nichts. Ich bin nicht überrascht.

Blitzpolizei

https://www.welt.de/geschichte/zweiter-weltkrieg/article172155874/US-Elitetruppe-Die-Blitzpolizei-mit-dem-extravaganten-Outfit.html

… denn Snowden gehörte zu den United States Constabulary. Und diese Truppe setzte auf ein extravagantes Outfit: Die Helme zierten zwei breite gelbe Streifen, vorn auf dem Helm prangte in einem Kreis ein großes blaues C, von einem roten Blitz zerschnitten. Noch auffälliger war das knallgelbe Halstuch. Hätte es sich um Engländer gehandelt, wäre der Vorwurf des Snobismus erhoben worden. So aber erschien das Outfit einfach nur cool.

Die heute nahezu vergessene Spezialeinheit der US-Army war erstmals Anfang 1946 in den amerikanischen Zonen in Berlin, Süddeutschland und Österreich aufgetaucht. Während die Constabulary, zu denen auch berittene Kräfte gehörten, in der US-Armee bald die Bezeichnung „Circle-C-Cowboys“ weghatten, erhielten sie von der deutschen Bevölkerung den Spitznamen: „Blitzpolizei“ oder „Kartoffelkäfer“. Die auffällige Farbe war übrigens mit Bedacht gewählt: Die Einheit sollte sofort identifizierbar und als Elite erkennbar sein.

Die „Gelbbetuchten“ kümmerten sich um drei Aufgaben: Sie setzten Gesetze durch, gingen auf Verbrecherjagd und assistierten bei der Ausbildung der neuen deutschen Polizei. Sie übernahmen zweitens die Aufgabe eines Grenzschutzes an der Linie zur sowjetischen Zone, der in einem Streifen von zehn Meilen mit Straßensperren und „Checkpoints“ Wanderbewegungen zwischen den Zonen unterbinden sollte. Schließlich fungierten die United States Constabulary als militärische Eingreiftruppe, falls aus dem Kalten ein heißer Krieg werden würde – gerade nach Beginn des Korea-Konflikts wuchs diese Sorge.

United-States-Constabulary-1950

Das Outfit war tatsächlich auch ein Gegenentwurf zu den Uniformen der Truppe, die kurz vorher noch die Elite-Einheit in jener Weltgegend gewesen war, gekleidet in heiterem schwarz und mit Totenkopf-Applikationen.