Planlos schrauben

Ich habe noch nicht verstanden, was ich gestern abend getan habe. Im Ergebnis aber gehe ich davon aus, dass der Motor meines Rollers jetzt hin ist. Das ist das Ergebnis weniger einer Verkettung widriger Umstände als meiner Unfähigkeit, dazu zu lernen.

Ich sollte von manchen Dingen Abstand halten, etwa von der Ölablassschraube, mich weigern, irgendwas an solchen Fahrzeugen zu tun. Vor allem aber sollte ich die Wünsche anderer Menschen ignorieren.

Das ist natürlich schwierig, wenn Paula mir vorjammert, dass das Auto ruckt und ich doch bitteschön mal zusehen soll, dass La Mosca, die viergetaktete, wieder läuft, damit sie mich nicht zur Arbeit und zurück befördern muss.

Na, wenn die raus kriegt, was ich getan habe, wird sie auch nicht glücklich sein. Ich habe schon einmal die App der Strassenverkehrsbetriebe installiert.

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Wie lange kann man unbeteiligt gucken?

Paula konfrontiert mich neben ihren Stimmungsschwankungen, Gedankensprüngen und Wortfindungsschwierigkeiten in letzter Zeit auch mit einer Reihe merkwürdiger Theorien. Wespen etwa sind männliche Biene, um sich über die gesetzlichen Bestimmungen zum Bau eines Zaunes zu informieren, muss man zum Rathaus fahren statt anzurufen oder eine mail zu schicken und in jedem Raum im Haus brennen die ganze Nacht LED-Kerzen.

Ich bin mir hinlänglich unschlüssig, ob das jetzt einfach bedeutet, dass sie sich viel zu lange von der Menschheit zurück gezogen hat oder dass sie eine Persönlichkeitsstörung hat, die schlimmer wird. Das mit der Persönlichkeitsstörung scheint mir dabei fest zu stehen, dass die schlimmer werden könnte, beunruhigt mich allerdings. Da muss ich am Ende Entscheidungen treffen, und da bin ich doch schlecht drin.

Gerade jetzt ist aber die Information wichtig und nützlich, dass vieles, was sie zu mir und über mich sagt, dann eigentlich nichts mit mir zu tun hat.

CasKna

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Meine Pistole und das Finanzamt

Fina

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Ich kämpfe mich durch einen Stapel neuer Steuerbescheide. Zweite und dritte Bescheide zu längst vergangenen Steuerjahren, widersprüchlich und im Wechsel logisch und unlogisch. Ich erfasse die Daten in einer Excel-Tabelle, um heraus finden zu können, wieviel ich der Republik aus fünf Jahren noch schulde, nachdem ich bereits ungefähr sechs Nachzahlungen geleistet habe.

Betrachte ich das Durcheinander, zweifle ich, ob ich denn wirklich so clever bin, wie ich mir immer vorkomme.. Denn am Anfang des ganzen Debakels standen ja die Eingaben, die ich gemacht, und die Entscheidungen, die ich getroffen habe. Die waren denn natürlich alle richtig gewesen, das Ergebnis sieht aber aus als wäre mir versehentlich die Five-Seven losgegangen. Zehnmal.

Wie ältere Menschen den Sonntag Morgen verbringen

Widmet Paula den Samstag Morgen der Aufgabe, mich über meine Unzulänglichkeiten zu informieren, gehört der Sonntag dem ZDF-Fernsehgarten:

https://www.zdf.de/show/zdf-fernsehgarten

Der Reiz dieser Sendung verschliesst sich mir. Es ist sehr, sehr deutsch, was ich da ansehen muss, und von einer Qualität, dass man spontan das Bedürfnis hat, Mitbürger mit Migrationshintergrund nicht über die Existenz des Fernsehgartens zu informieren.

Der Ruf Deutschlands als Kulturnation ist schliesslich ein schützenswertes Gut, dem der Anblick der offensichtlich permanent beschickerten Moderatorin ebenso schaden kann wie das, was die Stars abliefern, deren Namen ich in aller Regel googeln muss.

Paula erzählt mir derweil eine komplizierte Geschichte, in der eine Nachbarin stockbesoffen in Nachthemd und Schlüpper im Vorgarten herum torkelt, laut an die Türe einer Nachbarin schlägt, bis die die Gendarmen ruft.

Die walten dann ihres Amtes und sorgen für Ruhe, den Lebensgefährten von seinem Führerschein befreiend, als er gerade im ungünstigsten Augenblick zurück kehrt. Er hatte sich offensichtlich eine Auszeit genommen, vielleicht auf einem Parkplatz an der Route Nationale, vielleicht – das ist meine Empfehlung – im 24h-Spielcasino in Panzerbach.

Wohl wissend um ihr Desinteresse an meinem eigenen Leben versage ich es mir, ihr von einem Gespräch im Keller der Pizzeria zu erzählen. Da äusserte eine junge Kollegin den Wunsch, sich die Gebärmutter entfernen zu lassen, um jeder Fortpflanzung wie jeder Menarche vorzubeugen.

Der nächste Kollege jedoch betrachtete gerade die Abstossung einer Eizelle samt allen Nebenwirkungen als definierend dafür, dass jemand Frau ist. Sie hingegen berief sich für ihre Identität als Frau auf den Besitz sekundärer und primärer Geschlechtsmerkmale Ich verwies schlichtend auf einen Transsexuellen, mit dem sie in Ausübung ihrer anderen Tätigkeit regelmässig telefoniert, bisher ohne zu wissen, dass was so männlich klingt, Rock und Strumpfhosen trägt.

Nicht alles, was einen Adamsapfel  hat, ist eben ein Kerl. Und nicht jeder Kerl schläft gerne mit Frauen. Die Welt ist bunt, mindestens so bunt wie das Outfit von Vanessa Mai auf unserem Fernseher.

 

Schauspielunterricht für Manager

Wie bedauerte ich, dass der Tzar vor uns stand und nicht, sagen wir mal, Annie Briggs. Denn viel besser als er hätte Luvvie die Vorgesetzte darstellen können, die den Austritt einer geschätzten und langjährigen Mitarbeiterin bedauert. Ihm nahm ich seine dicken Krokodilstränen nicht ab, als er uns verkündete, dass Elvira sich auf einen neuen Beruf verlegt.

Sie wartete denn auch nur, bis er ausser Sichtweite war, um zwei Flaschen Cremant d’Alsace für sich und die anderen und eine Flasche Freeway-Cola für mich zu dekantieren. Ich wartete nicht viel länger, um den Herrn Ambros per Whatsapp zu informieren. Der spekuliert seitdem, ob um welches Metier es sich handele und ob es gar eines sei, zu dem es ihr nicht so sehr an Talent fehle wie zu jedem anderen, das sie bisher ausgeübt hat.

Ich hingegen sehe mich mit der Notwendigkeit konfrontiert, mir eine Meinung über sie anzuschaffen. Denn in der einen oder anderen Weise muss ich ja bald vielleicht mit ihrem Nachfolger über sie sprechen. Werde ich gewohnt abfällig sein, überschwänglich lobend oder lege ich meine Darstellung eher sachlich-durchwachsen aus?

Und versuche ich mich bei ihm zu profilieren oder lasse ich das als nutzlos ausfallen? Die Erfahrung spricht gegen alle Anstrengungen in dieser Richtung.

Ein Adapter für den Adapter

Avisiert für eine Lieferzeit von 7 bis 10 Tagen meldete DHL die erfolgreiche Ablage meines neuen Mobiltelefones im Hausflur nach dreien. Wo ich aber einen Karton erwartete, lag dann eine Versandtasche. Sie enthielt den obligatorischen weissen Karton, eingeschlagen in Blasenfolie und zwei Adapter obskuren Aussehens.

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Der weisse Karton enthielt ein Redmi Note 4X mit einem Micro-USB-Kabel und einen US-Netzteil. Dazu fand sich darin noch ein lustiges kleines Ding, das offensichtlich jene sinnvoll gebogene Büroklammer ersetzen soll, mit denen ich seit Jahren aus Mobiltelefonen Speicher- und Sim-Karten entnehme.

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Der US-Adapter wurde in der Kombination mit einem der anderen beiden… Dinger dann zur Stromversorgung auch in Grossbritannien und im richtigen Europa. Ich packte alle Adapter mit dem Widerwillen des elektrotechnisch Halb-gebildeten zur Seite, um fürderhin das No-Name-Netzteil von TEdi weiter zu nutzen, das mir vertrauenswürdiger schien, weil es schon ein Sony Z3 und ein Huawei P8 Lite erfolgreich aufgeladen hatte.

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Dass hier offensichtlich ein eigentlich für die USA bestimmtes Handy umgeleitet wurde, spricht vielleicht für den Erfolg von Redmi, einer Marke, die in Europa als Geheimtipp gilt. Es spricht aber auf jeden Fall gegen den Händler, ein Unternehmen in Singapur mit angegebenem Artikelstandort Hannover, Versand aus Rüdersdorf und Abrechnung über ein Büro in Kowloon. Ich warte daher jetzt erst einmal die Rückgabefrist ab, bevor ich mein altes Telefon verkaufe.

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Die Anleitung ist übrigens zweisprachig, aber kurz, sehr, sehr, sehr kurz.

https://www.chinahandys.net/xiaomi-redmi-note-4x-testbericht/

Light Bulb Moments in the Electronics Store

Bei Saturn lernte ich am Regal mit den Routern zwei Dinge. Erstens ist die FritzBox in ihren verschiedenen Varianten immer noch das Mass aller Dinge bei Modems und Routern und zweitens ist, was mich am Einkaufen mit Paula stets aufbrachte, das Gefühl des Kontrollverlustes.

Danach stand ich also relativ entspannt in der Gegend herum, während sie eine FritzBox 6490 und einen Grundig-Fernseher 8852 mit CI+ Modul und Wandhalterung  kaufte. Ich blieb selbst bei dem Gedanken daran ruhig, dass da 10% der zweiten Rentennachzahlung verschwanden.

Dabei wurde mir dann klar, dass ich mich ihr in den letzten Monaten finanziell überlegen fühlen konnte. Das ist jetzt – vorübergehend – nicht mehr der Fall.