Morgen werde ich vielleicht verstehen, was gestern passiert ist. Heute aber bin ich nur verwirrt. Denn ich begann diesen Tag, indem ich die Wahrhaftigkeit des Strassenschildes “Eingeschränkter Winterdienst” unter Beweis stellte.

Ich zog mich dann am Pfahl hoch, an dem es hing, und barg meinen Roller, der zwei Kratzer hatte. Beflügelt von zahllosen Episoden von “Grey’s Anatomy” attestierte ich mir ein beginnendes Hämatom am Rippenbogen in Grösse und Form des Kopfhörers in meiner Brusttasche und eilte dem Meeting mit Feronia entgegen.

Die wartete flugs mit einer Begründung für die Begrenzung meines Bonus für 2014 auf 2% auf, die eines Philip K. Dick würdig gewesen wäre. Nichts anderes aber hatte ich von ihr erwartet, und so begegnete ich auch den höchst widersprüchlichen Zielen, die sie mir für das neue Jahr angab, mit hinlänglicher Gelassenheit. Ungefähr da wurde es dann surreal im “A Scanner Darkly”-Sinn.

Sie konfrontierte mich nämlich mit der Idee, ich sei unterbezahlt. Dem wollte ich nun nicht widersprechen – man widerspricht einer Dame nicht – und so verweigerte ich mich auch nicht der Idee einer stattlichen Gehaltserhöhung. Sie knüpfte daran allerdings die Bedingung, die Schulungen, die ich sowieso halte, in meine Stellenbeschreibung aufzunehmen, während ich auf der anderen Seite die Zahl meiner Schichten in der Pizzeria reduziere.

An welcher Stelle war Feronia zur guten Fee mutiert? Sicherheitshalber kontrollierte ich mit einem kurzen Blick aus dem Fenster, ob es vielleicht angefangen hatte, Rigatoni Bologna zu regnen. Wenn Dir was Gutes widerfährt, … ist das genauester Überprüfung wert. Das ist zwar nicht ganz genau der Werbeslogan eines Rüdesheimer Destillateurs, deckt sich aber dafür mit meiner Erfahrung.

Aber genau das ist jetzt passiert. Glaube ich wenigstens. Und ich habe eine geänderte Stellenbeschreibung in meinem Rucksack, die diese Erinnerung unterstützt. Und “Was wenn alles gut geht” von Laith al-Deen im Kopf.

The Sword and The Grave

Black Widow

https://www.youtube.com/watch?v=vJDZzxuokQ4

Das Video zu Iggy Azaleas Song „Black Widow“ ist eine Paraphrase auf Quentin Tarantinos Film „Kill Bill“ (Teil 1), ergänzt um Zitate aus einigen anderen japanische und chinesische Action-Filme, in denen die Protagonisten darauf bestehen, Auseinandersetzungen mit Schwertern zu lösen, als hätten Samuel Colt und John Browning nicht das Lösen von Problemen in den letzten 170 Jahren drastisch vereinfacht.

Die Arbeit dieser Wohltäter der Menschheit schuf auch eine gewisse Gleichberechtigung, denn eine Charter Arms Patriot oder eine Glock 17 ersetzen hinlänglich die Kraft, die einer Frau fehlen mag, um einen Mitbürger mit Rapier, Katana oder Franziska aus dem Leben zu befördern.

Im musikalischen Kurzfilm treten Iggy Azalea und Rita Ora an die Stelle von Beatrix Kiddo, der Protagonistin des Spielfilms, einer Auftragsmörderin von nicht unerheblichen Fähigkeiten. Sie schnetzelt sich hingebungsvoll durch beide Teile von Tarantinos Film und eine beachtliche Zahl von Gegnern.

Darüber hinaus beginnt sie ihren Rachefeldzug, indem sie aus einem langen Koma erwacht, und unterbricht ihn, um sich aus dem „einsamen Grab der Paula Schultz“ zu befreien. Bei dieser Übung beruft sie sich auf Fähigkeiten, die sie von Pai Mei, einem chinesiche Lehrer der Kampfkunst, erlernt hat.

Unerwähnt bleiben andere Lehrer, von denen sie diese Dinge gelernt haben könnte, Faith Lehane, Vampire-Slayer, zum Beispiel, die bereits einige Jahre, bevor Tarantino Kill Bill schrieb, aus einem acht Monate lange Koma erwachte, um sich auf einen Rachefeldzug gegen ihre Feindin/Freundin/Mit-Jägerin Buffy Summers zu begeben, den sie schliesslich als einen Schritt in einem Lern-Prozess abbricht.

Buffy Summers selbst arbeitet sich ohne Hilfe von Pai Mei und ebenfalls lange vor Kiddo aus ihrem eigenen Grab heraus. Sie allerdings wurde nicht lebendig begraben, sondern opferte ihr Leben zur Rettung der Welt und wurde dann von ihrer Freundin Willow Rosenberg, der guten Hexe des Westens, von den Toten zurück gerufen.

Ihre Rückkehr aus dem Grab setzte Standards für Heldinnen und wurde inzwischen nicht nur von Beatrix Kiddo, sondern auch von Lisbeth Salander kopiert. Deren eigener, relativ kurzer Rachefeldzug war aber vielleicht nur ein Kommentar zum Zerfall der Familie in der westlichen Welt und zur Wirkung der 5,6 mm-Patrone. Sie greift dann am Ende – ganz klassisch – wieder zur Axt.

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“I came from a very poor family. My father was a small farmer in Nigeria. And even though he had no education, he always taught me that education was the most important thing. He told me: ‘When you have no education, it’s like being in a small room with many people. There is little opportunity available to you, and many people are competing with you. But as you educate yourself, the room grows. You have more opportunities, and less people competing with you.’ I always remembered that. My mother died when I was twelve. I started working as a maid when I turned thirteen. I made 5 cents a day, which I saved for school. There was no free education in Nigeria. When I ran out of money, I’d stop going to school and go back to work. Stop, work, go back to school. Stop, work, go back to school. And all along my father would say, ‘You aren’t done yet. This is not your last bus stop. One day you will have so much education that you will teach in America.’”

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“I used to be a public defender. One time I represented a man who was facing thirty years for crack possession. He hadn’t graduated from middle school, and he had a previous record with several drug charges. I worked on his case, and I managed to get his sentence reduced to twelve years. He was always so good about thanking me, and after the case was finished, he wrote me a thank you note. It really bothered me that we live in a society where this man felt he needed to thank me for getting him a twelve-year prison term. I didn’t decide to become a teacher until two years later. But I always think of that note as the turning point. I still keep it in my classroom.”