TrustN01

Eigentlich war ich fest entschlossen, La Soucis Bleue zur Werkstatt zu schieben. Ich bin allerdings kein sehr standhafter Mensch. 

Also konterkarierte ich meine feste Annahme, dass der Roller defekt war, und startete den Motor. Und da waren sie wieder, die vollen 50 ccm, der Tecnigas-Auspuff, die Sportkupplung, die Fortbewegung. 

Ich marschierte wieder los, holte Helm und Jacke und nahm mein normales Leben wieder auf. Das, bitteschön, sich als eine eher triste Angelegenheit darstellt. 

Denn so wie ich irrte auch Doc. Für ein Gutachten, das der Behausung meiner Schwester ein beachtliches Mass an Vernachlässigung bescheinigte, muss ich dem Gericht jetzt 777 Ecu entrichten. 

Finanziell gesehen ist das eine Katastrophe. Es erinnert mich aber auch daran, dass ich nicht einmal Doc trauen darf. Oder wie Fox Mulder es einmal formulierte, um es dann als Passwort zu verwenden: TrustN01. 

Die Blaue Maus

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Es hat nicht zufällig einer meiner Leser ein Werkstatthandbuch für eine Vivacity S1C herumliegen, das er mir scannen könnte? Nein? Das hätte mich auch sehr überrascht, immerhin sind es fast immer weniger als zehn, die lesen, was ich schreibe. Da spricht die Statistik schon einmal dagegen.

Aber so ein WHB wäre nicht unpraktisch gewesen. Mein neues Vehikel nämlich kam ohne ein solches, und das Internet ist da auch wenig ergiebig. Vor 15 Jahren, als La Soucis Bleue gebaut wurde, war es nämlich noch nicht so, dass es zu jeder Anleitung auch ein pdf gab. Ich habe zwar Peugeot-Scooters angeschrieben, aber die reagieren noch weniger als vor einigen Jahren, als ich noch eine Ludix hatte.

Deren Handbuch ist zwar im Web grosszügig verfügbar, passt aber nicht zur Vivacity. Die hat nämlich einen stehenden Motor und keinen liegenden. Was mir prinzipiell egal ist, weil ich eh keine Ahnung habe. Das bedeutet aber, dass mir diese Anleitung bei der Suche nach der Standgas-Schraube nicht helfen wird.
An der sollte ich aber mal drehen, damit sie morgens besser anspringt.

Anzug und Geschwindigkeit der Blauen Maus sind dann recht beachtlich. Den Berg flitzt die doppelt so flott hinauf wie La Mosca, die Viergetaktete. Da konnte auch Dora The Explorer nicht mithalten.

Paula hat Stunden in die Suche nach dem passenden Roller investiert. Ich habe mich darauf beschränkt, kurz vor Ende des Auswahlverfahrens noch einen Vorschlag beizusteuern, eine Derbi Boulevard, die natürlich
umgehend verworfen wurde. Das führte dann zu einem Vortrag darüber, dass ich sowohl blöd bin als auch mich so gar nicht beteilige.

Der Guerillero im Dschungel der Gesetze

Doc, der Biker-Anwalt, ist nach dem Tod seines Geschäftspartners in eine andere Kanzlei umgezogen. Die ist gerade drei Strassen weiter und mir von einer anderen Sache her noch bekannt. 

 

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Als ich aber sein Büro betrat, grüsste er mich gleich mit der Information, dass er hier demnächst wieder ausziehe. Dies sei nämlich kein Unternehmen, sondern höchstens ein Unterfangen, organisatorisch aber auf jeden Fall ein Desaster. Ich zeigte mich wenig überrascht, immerhin wusste ich aus Erfahrung um die Fähigkeit der Kanzlei-Angestellten, Akten, Forderungen und gelegentlich auch einmal einen Anwalt unauffindsam zu verlegen. 

Einige Minuten vorher hatte ich noch einen Dialog zwischen einer von ihnen und einer Klientin verfolgt. Die wollte ihre Unterlagen abholen und berief sich auf eine mail einer Sachbearbeiterin, die behauptete, sie an den Empfang zu legen . Die Mitarbeiterin vom Empfang hielt dagegen, dass zu einem keine Unterlagen bei ihr angekommen seien, zum anderen diese mail ja nicht von ihr und deshalb belanglos sei. 

Am Ende sollten der Klientin die Unterlagen in ihre neue Kanzlei und der Rest ihres Geldes aufs Girokonto geschickt werden. Ob und wann das passiert, ist eine interessante Frage. Ich kontrollierte derweil, ob ich denn im August letzten Jahres auch wirklich eine bestätigende email zu einem Widerspruch erhalten hatte, den Doc für mich beim Abmahn-Anwalt hatte einreichen sollen. 

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Der Anwalt meiner Wahl konnte mir jetzt nur sagen, dass er noch mit einem Kompagnon beraten will, der auf Immobilienrecht spezialisiert ist. Der Wert des Hauses meiner Schwester lässt sich nach dem Gutachten auf ca. 100.000 Ecu berechnen, auf Grund der Lage geht er jedoch von 130.000 aus. Für diese Informationen hätte es des Weges nach St. Louis nicht bedurft. Das hätte er mir auch per Fernsprecher mitteilen können. Seiner ist von Sony-Ericsson. 

Das beförderte die Sache in keiner Weise. Jedoch wusste ich jetzt, dass mir von dieser Seite in nächster Zeit kein Ungemach droht. Ohne die Aussicht auf Forderungen kann ich mich jetzt der Frage widmen, wovon ich die Steuernachzahlung begleichen soll. 

 

Ja, was will ich denn?

Der Herr Ambros fragte mich im Whatsapp-Chat, was ich denn eigentlich will. Er ist der einzige, den das interessiert. Selbst ich bin da nicht auf dem Laufenden und musste entsprechend lange über die Antwort nachdenken. 

Tatsächlich will ich wohl langfristig meine Depression los werden und Paula. Beide kleben allerdings hartnäckig an mir und profitieren vom jeweils anderen. Dann hätte ich gerne noch ein bis zwei Jobs von jener Art, mit der ich zurecht komme, ein bis zwei Zimmer mit Küche, Bad und Anschluss an den Öffentlichen Nahverkehr, einen Motorroller mit 4-Takt-Motor und 12-Zoll-Rädern und eine Casper-Matratze. 

Ich habe schon ein paar Ideen, wie ich meine Zeit verbringen könnte. Persönliche Beziehungen, gemeinsamer Besitz von Immobilien und ein eigenes Auto kommen darin eher nicht vor. Denn ich habe vor, allen und allem aus dem Weg zu gehen, was nicht gut für mich sind, die mich überfordern. Den Rest der Zeit möchte ich dann mit den Zehen wackeln, solange es denn noch geht.   

Sic transit gloria mundi

Im übelsten Sturm, während der Wind pfiff, der Zaun unter dem Druck ächzte und die Rollläden klapperten, da hörte ich ein höchst vertrautes Geräusch. Irgendjemand war mit einem Motorroller unterwegs. 

Wer aber fährt, wenn selbst ich es mich nicht traue? Wer ist so verwegen? Ein Nachbar von mir war jener unbesungene Held. Ja, einst eroberten Männer wie er Kolonialreiche, stürmten Peking, kämpften sich durch den Dschungel von Madagaskar und fochten im Rif. 

Vaterlandsliebe beflügelte sie, diese Heroen vergangener Zeiten, und reichlich Doppelkorn und Angst vor Offizieren, die nicht zögerten, jeden zu erschiessen, der nicht mittat. Ach, die guten alten Zeiten!

Um den Roller wird es sicher schade sein, bei dem Säufer, der ihn fährt, habe ich so meine Zweifel.

Fehler-Kaskaden und halbe Defekte

Mit höchstens 20 km/h strebe ich auf La Mosca den Berghang hinauf. Wieso die Geschwindigkeit an dieser Stelle so mässig ist, darüber hatte ich im Lauf der Zeit verschiedene Theorien. Der Herr Schrammel tippt auf die Gewichte, deren Unversehrtheit aber der jüngere Lenoire behauptete, bevor er dem Wahnsinn verfiel. 

Doch stellen wir uns einmal folgende Abfolge von Ereignissen vor: ich beförderte mein Vehikel vor einem Jahr in seine Werkstatt, um einen Fehler beheben zu lassen. Dies, vielleicht eine falsche Einstellung der Ventile, sei uns der Fehler 1

Er könnte ihn behoben haben, merkte es aber nicht, weil inzwischen Fehler 2 auftrat, ein defekter Bremssattel vorne. So etwas behindert den Vortrieb in nicht unerheblicher Weise. Als er dann durchdrehte, mag es sein, dass er bei der Rekonstruktion des Rollers nicht mehr die gebotene Sorgfalt hat walten lassen. Das könnte dann Fehler 3 verursacht haben, als da sind falsch installierte oder defekte Gewichte oder ein mangelhaft angeschlossener Schlauch.  

Wir wissen jetzt nicht, ob das stimmt, jedenfalls nicht, bevor der Herr Schrammel oder ein anderer, ähnlich Todesmutiger ins Innere des Rollers vorstösst. Aber solche Fehler-Kaskaden sind tatsächlich nicht ungewöhnlich. Als einzige Voraussetzung braucht es dazu jemanden, der die Übersicht verliert, und jemanden, der ihn nicht aufhält. 

Dass kann bei Schiffen, Atomkraftwerken und ähnlichen Fahrzeugen und Vorrichtungen Konsequenzen haben, die weit über das Empfinden eines Potenz-Defizites hinaus gehen, das ich da am Berg habe. 

Oder aber die CDI meines Vehikels ist halb-defekt wie es Elektroniken manchmal sind. Dann ginge sie unter bestimmten physikalischen Bedingungen leidlich und unter anderen unleidlich. 

KSR 50

Die Defizite meiner getreuen Zhongshen addierend beschloss Paula, ich bedürfte eines neuen Fahrzeugs. Dem Gedanken stand ich nicht völlig ablehnend gegenüber. Sie fand ein geeignetes in einem Dorf in Sichtweite jenes grossen Flusses, den schon Gaius Iulius erwähnte. 

Dieses Dorf befand sich zu meiner Begeisterung ganz in der Nähe eines anderen, in dem der Ex-Kollege Schrammel lebt. Der hat einen Transporter und äusserte zu meiner Überraschung auch noch die Bereitschaft, den Roller zu reparieren. Denn die Kiste sah auf den Fotos sehr gut aus, sollte aber einen Kolbenfresser haben. 

Als wir dann dort anlangten, wir drei, sah die Sache anders aus. Der Roller wirkte, als hätte ihn ein Blinder auseinander- und wieder zusammengeschraubt, die Gabel hatte einen Lagerschaden, der Ansaugstutzen fehlte, und das alles noch zu dem Kolbenfresser. 

Die drei eher harmlos wirkenden jungen Leute, die versuchten, ihn zu verkaufen, hatten noch vier Maschinen in verschiedenen Zuständen des Verfalls in einem Carport stehen und einen Panzer im Vorgarten. Dies schien mir ausgesprochen nützlich. Denn wer weiss schon, wann es Streit mit den Nachbarn um die Länge der Grashalme im Vorgarten gibt. Da wäre es doch herzlich doof, hätte man nicht einen Panzer zur Hand. 

Ich war dagegen, den Roller zu kaufen, befürchtete ich doch, Schrammel bei weitem zuviel Arbeit aufzubürden. Der allerdings war ungefähr aus diesem Grund dafür, das Ding für 100 Ecu statt der ausgelobten 300 zu erwerben. Paula war aus welchen Gründen auch immer meiner Meinung. 

Der Herr Schrammel aber ist Verkäufer. Er weiss, wie er etwas erreichen kann. In diesem Fall lud er uns zu einer Rostwurst auf dem Springturnier um die Ecke ein. Ich beobachtete seine Vorgehensweise genau. Schliesslich ist er in Leben und Beruf ja bei weitem erfolgreicher als ich. Am Ende kauften wir das Ding also doch, allerdings für 50 Ecu. Er wird es jetzt zerlegen und ermitteln, ob sich eine Reparatur lohnt. 

 

Manche, sagt man, sind verflucht

Filme wie dieser: https://de.xhamster.com/videos/bbw-nude-pizza-delivery-8656728?pb= verführen junge, rechtschaffene Männer und auch einige Frauen dazu, sich jenen moralisch verkommenen Subjekten zu verpflichten, die Pizzerien besitzen und für sie Flachkuchen und Teigwaren neapolitanischer Art auszuliefern.

Ich weiss um die traurige Realität. In all den Jahren hat mir noch nie eine die Türe nackig aufgemacht. Aber trotzdem steige ich an fast jedem Wochenende in ein klappriges Auto und mache mich auf den Weg.

An manchen Tagen kann ich mir neuerdings, vorstellen, meiner Haupttätigkeit zu entsagen, um lange zu schlafen und im Bett die Nachrichten zu lesen und zu frühstücken. Aber ich würde trotzdem zwei- bis viermal die Woche mit einem Kofferraum voll fertiger Speisen und einem Handy voller Podcasts losziehen.

Dabei triebe mich zum einen die Versorgung meiner selbst mit Nahrung, erhält ein Fahrer doch zu seinem Gehalt noch eine gratis Mahlzeit, zum anderen die Beschaffung von Geld. Denn dann würde ich meinen Motorroller alle 24 Monate austauschen und in schöner Regelmässigkeit mal in die Hauptstadt, mal anders wohin fahren.

Das aber täte ich schön alleine. Meine Erfahrung rät dazu. Meine Lebenssituation ist aber in jeder Weise eine andere. Von der Rente bin ich noch weit weg, und alleine bin ich auch nicht.

Ich hab’s ganz allein gemacht

Also, den Öl-Wechsel an La Mosca, der viergetakteten, den habe ich ganz alleine hingekriegt und zwar ohne eine einzige Panik-Attacke. Aber der Öl-Filter sieht aus, als hätte er sich mit drei betrunkenen Russen angelegt. Ganz verdreht ist er. Ein neuer kostet aber nur ein paar Ecu.

https://www.ebay.de/itm/Ersatz-Olfilter-50ccm-4Takt-Piaggio-Fly-ZAPC442-LBMC445-Piaggio-Motor-/172142738858