she that dies this year is quit for the next

Waldfriedhof, strömender Regen, Regenschirme mit Werbeaufdruck, LaRoux und ich teilen uns einen, während Maniac am offenen Grab über seine Frau spricht. Es fällt mir schwer, Trauer zu empfinden. Mein Bild von ihr ist negativ besetzt, aber ich habe ja auch Vorurteile gegen Frauen, Alkoholiker und Neurotiker, und sie war alles davon. Auch LaRoux, Sara und Wilhelmina Peppermunt sehen eher pflichtschuldig betroffen als wirklich traurig aus.

Mein Geist, der eine bedauerliche Neigung zum Praktischen hin entwickelt hat, beschäftigt sich mit der Frage, wie die unweigerlich noch anstehenden Beerdigungen der mir bekannten, oft konfessionslosen Kollegen würdiger zu gestalten seien. Ein wenig Musik zur Einstimmung, ein griffiges Zitat aus einem Buch, beides erfordert eine gewisse Vorbereitung. Auch heitere Anekdoten machten sich gut, das Zerschlagen von Tongefässen, Verbrennen von irgendetwas wohlriechendem oder Aufsteigenlassen von Luftballons.

Die Anhänger organisierter Religionen haben in dieser Beziehung einige Vorteile. Allein das Gewand des Priesters schafft schon eine Verfremdung, einen Unterschied zum Alltagsleben, das Ritual, der Weihrauch, den die Rom-Katholiken einsetzen, unterstützen diesen Effekt.

Übrigens könnte man doch ganz praktisch gesehen nach dem Verbrennen eines/r Verstorbenen seine/ihre Beerdigung auf eine weniger feuchte Jahreszeit verschieben. Die anteilnehmenden Teilnehmer schätzten dies gewiss.

Ich zum Beispiel schätzte dies heute auch, schon weil ich meine besten Schuhe anhabe. Da hilft auch kein Zitat aus Hamlet.

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Mit den Flüchtlingen kommt der ökonomische Aufschwung nach Prümburg

In Prümburg, unlängst noch ein verschlafenes Städtchen mit hohem Altersdurchschnitt, gibt es jetzt einen Goldankauf und einen Laden, in dem schäbige Verschläge stehen, von denen aus man exotische Länder anrufen kann, die den Anrufenden dunkler Hautfarbe wahrscheinlich weniger exotisch sind als das Deutschland, in dem sie gestrandet sind.

Der örtliche Elektronikhandel, der in Personal-Union auch der örtliche Elektro-Händler ist, offeriert eine beachtliche Auswahl an Mobiltelefonen preiswertester Art vom Alcatel 1010D über das Nokia 130 bis Samsung S5260 und dazu Sim-Karten aller gängigen Anbieter wie Lebara, Lycamobile und Ortel. Überschlägig berechnete ich den Bedarf bei 200 Flüchtlingen, die pro Woche eintreffen, auf 50 – 70 dieser Mobiltelefone und gewiss die doppelte Zahl an Sim-Karten.

Insgesamt hat sich da eine muntere, kleine Ökonomie um das Lager herum entwickelt, in die auch die Mondo-Filiale und der Discounter Norma eingebunden sind. Zu bestimmten Zeiten ist im einen gewiss die Hälfte der Kunden aus dem Nahen Osten oder dem Balkan, während im anderen ein Wachmann mit ebenfalls nahöstlichem Migrationshintergrund neben der Kasse das Publikum beaufsichtigt.

It could be Cleveland, it could be worse

“It could have been noon, it could have been midnight. Hell, it could have been Cleveland for all I know.”

All the Blue-Eyed Angels, Jen Blood, http://jenblood.net/ http://books.noisetrade.com/jenblood

“I mean it could be worse. At least my life has the unmistakable benefit of starring the one and only Lydia Bennet, aka me.“

The Epic Adventures of Lydia Bennet, https://www.wattpad.com/163940959-the-epic-adventures-of-lydia-bennet-chapter-one

Dem unbekannten trojanischen Soldaten

Der Generationenwechsel sieht oft aus wie eine Schrankwand in Eiche P43 vor der Türe eines Einfamilien-Hauses, wahllos auf einander gestapelt, einst der Stolz einer ehrbaren und vermutlich nie berufstätigen Hausfrau, jetzt langsam im Regen durchfeuchtend.

Er hört sich an wie jene frisch gebackenen Hausbesitzer, die mich Tag um Tag anrufen, um sich mit einer Anleitung oder Fernbedienungen für einen betagten Garagentorantrieb zu versorgen, den aus irgendeinem Grund selbst die rücksichtsloseste Renovierung schont. Da fallen Namen, die heutigen Menschen so fern sind wie die der Helden des Trojanischen Krieges. Von Praktiker ist die Rede, von Castorama, Quelle, Endress, Einhell, Bosch, Genie, Wecla und Simba.

Einst wird man den Namen der Illinois Electro Door an einer anderen Hotline in dieser Weise nennen, als Hersteller zuverlässiger Antriebe, als Betreiber einer telefonische Kundenbetreuung von (nach meiner Ansicht und gemessen am Aufwand) ungemeiner Effizienz. Ich selbst werde dann vergessen sein, ein alter Mann, der anderen alten Menschen leise und vermutlich zusammenhanglos von vergangenenen Heldentaten erzählt oder tot, meiner Neigung zum übertriebenen Genuss von Zucker im besonderen und Lebensmitteln ganz allgemein oder der Unachtsamkeit des Fahrers eines Fleisch-Lasters zum Opfer gefallen.

Sagt dann aber nicht, ich sei gestorben. Sagt, ich sei weiter gezogen, an einen anderen Ort gegangen, weil dort jemand – ganz, ganz wahrscheinlich – einen Kundenbetreuer gebraucht hat.