Take the Silver Train

In meinem letzten Traum war Natasha Negovanlis in einer fremden Stadt. Es gab zwei verschiedene Strassenbahnlinien mit unterschiedlichen Fahrzeugen und Antriebssystemen, eine normale und eine mit kleinen silbernen Wagen.

Während sie auf einen der silbernen Züge wartete, ging sie in ein Kaufhaus, wie es sie früher gab, nicht sehr gross, aber mit einer Rolltreppe, die hinauf führte. Ich bin ziemlich sicher, dass man hinunter nur über eine Treppe kam.

Vielleicht verpasste sie ihren Zug, das kann ich nicht sagen, denn ich musste aufstehen, um einen Vogel heraus zu bringen, den eine der Katzen mitgebracht hatte.

In Memoriam David Cronenberg

Djangobw

Mit dem jüngeren Lenoire nahm es ein schlimmes Ende. Gerade, als ich an seiner Werkstatt ankam, beförderten ihn zwei Herren in Weiss in einen gleichfalls weissen Kleinbus mit geweissten und daher undurchsichtigen Fenstern.

Einer der beiden richtete kopfschüttelnd das Wort an mich, den er gewiss für einen harmlosen Alten hielt: “Schlimm, schlimm,” sagte er, “wirklich schlimm. So ein junger Mann, und jetzt sitzt er schon den ganzen Tag in Fötus-Haltung in einer Ecke seiner Werkstatt und faselt immer etwas von einer Fliege.”

“Ja, schlimm. Was hat er nur mit dieser Fliege?” Während der weisse Wagen tüchtig beschleunigte und ganz knapp eine blau-weisse Peugeot Django verpasste, in die ich mich für einen kurzen Moment verliebte, betrat ich den Laden, um La Mosca abzuholen, die Viergetaktete.

Irgendetwas schien den älteren Lenoire fürchterlich aufgebracht zu haben. Er schäumte geradezu vor Wut, sicher jedoch nicht auf mich, den harmlosen Alten. Für 80 Ecu händigte er mir mein treues Fahrzeug wieder aus. Das hat nun einen neuen Auspuff, ist aber aus einem Grund, den zu erklären ihm offensichtlich der Atem mangelte, gerade noch 25 km/h schnell.

Als guter Ehemann warte ich nun darauf, dass Paula mich anschnauzt, die Piaggio Fly in eine andere, mindestens ebenso geeignete Werkstatt zu befördern.

We will never surrender

“We will never surrender America’s sovereignty to an unelected, unaccountable global bureaucracy. America is governed by Americans. We reject the ideology of globalism. And we embrace the doctrine of patriotism.

We are taking a hard look at US foreign assistance … whether the countries who receive our dollars and protection also have our interests at heart. Moving forward, we are only going to give foreign aid to those who respect us and, frankly, are our friends.

We congratulate the European states such as Poland for leading the construction of a Baltic pipeline so that nations are not dependent on Russia … Germany will become totally dependent on Russian energy if it does not immediately change course.

We must defend the foundations that make it all possible. Sovereign and independent nations are the only vehicle where freedom has ever survived.”

https://edition.cnn.com/2018/09/25/world/robertson-trump-un-worldview/index.html

Das ist vermutlich die Kurzfassung von Donald Trumps politischer Philosophie. Diese Zitate stammen übrigens aus seiner Rede vor der UN-Vollversammlung, jener Versammlung, der er im ersten Abschnitt so unverblümt seine Feindschaft erklärt.

Dafür hält er recht viel von Staaten, die die amerikanischen “interests at heart” haben. Damit sind vermutlich die gemeint, die die USA aktiv  und ohne Kritik unterstützen, statt sie infrage zu stellen. Das Selbstbewusstsein, mit dem die Europäer sich als Partner der USA empfinden statt als ihre Vasallen, ist ihm so suspekt wie die Bereitschaft gewisser Schwellenstaaten, auch alternative Angebote anzunehmen. Auf dieses Thema geht er im nächsten Abschnitt noch einmal genauer ein.

Im letzten Zitat kommt er dann noch einmal auf den Anfang zurück, den Konflikt zwischen transnationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen und der Europäischen Union und den souveränen und freien Nationen, die für ihn Bedingung für ein Leben in Freiheit sind.

An diesem Punkt kann ich nicht sagen, welches dieser politischen Konzepte das bessere ist. Die historische Entwicklung geht vom kleineren Staat zum Staatenverbund hin, etwa vom Königreich England hin zum Vereinigten Königreich, zu dem auch Wales, Schottland und Nord-Irland gehören. Ähnliche Entwicklungen hat es in den meisten anderen Staaten auch gegeben, die “natürlich” entstanden sind.

In denen, die aus Kolonien hervorgegangen sind, sieht das allerdings anders aus. Bei ihnen ist die Aufgabenstellung oft, die staatliche Einheit zu erhalten, die durch die schiere Grösse des Staates, die Vielfalt von Wirtschaft und Bevölkerung bedroht ist. Die Amerikaner haben zu dem Thema einmal einen Bürgerkrieg geführt.

Hier noch ein Zitat aus der Zeit davor, in dem es um Rassismus geht:

FGFPM

Ying, Yang und eine grosskalibrige Remington

Mit zunehmendem Alter werde ich offensichtlich gelassener. Oder Paula formuliert anders, weniger verletzend. Auf jeden Fall habe ich ihren einstündigen Vortrag über meine Einschränkungen aufgenommen, ohne länger als ein paar Minuten wütend zu sein.

Ich verstehe ihre Sichtweise durchaus. Mein geringes Interesse an intensiven menschlichen Beziehungen ist für Andere stets irritierend, mein Art, mit ihnen zu kommunizieren, verwirrend, und nichts davon befriedigt Paulas emotionalen Bedürfnisse.

Sie behauptet inzwischen, ich fiele ins Autismus-Spektrum. Ich habe auch einen Test im Internet gemacht, nach dem das vielleicht stimmt. Nach einem anderen Test bin ich vielleicht Soziopath. Einer Karriere in Politik, Militär oder Verbrechen steht also auch nichts im Wege.

Bei der Psychotherapie, die sie mir nahegelegt hat, sieht es da schon anders aus. Ein gutes Drittel der psychologischen Berater, die das Internet in meiner Gegend nennt, sind, äh, unkonventionell qualifiziert, haben also nur irgendeinen Wald-und-Wiesen-Wochenend-Kurs in Rückführungstherapie oder so.

Das nächste Drittel hat einen so gesunden Geschäftssinn, dass sie sich nach dem Heilpraktiker-Gesetz haben registrieren lassen und so die Krankenkasse umgehen können. Damit bleibt gerade mal noch ein Drittel, die für ein Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse erreichbar sind.

Ob eine Therapie nun die gewünschte Veränderung bringen kann, scheint mir fraglich. Denn nach meiner Erfahrung steht für diese Gesellen meist im Vordergrund, dass ihre Patienten lernen, mit ihren Eigenheiten zufrieden zu leben. Die Wünsche diverser Partner sind für sie da weniger wichtig. Verschrobenes Volk

Produkte, die die Welt braucht, Yoyodyne aber nicht

Ich plädierte im Meeting mit dem Marketing gegen die Einführung eines SmartHome-Systems für Yoyodyne-Garagentorantriebe. Die Entwicklungskosten eines solchen Produktes sind obszön hoch, wenn man sie mit denen für Lösungen vergleicht, die die Kunden schon längst auf dem Markt erwerben können.

Dazu kommt, dass die Hausbesitzer, die unsere Zielgruppe sind, sehr wahrscheinlich nicht zwei Apps haben wollen, von denen eine das Tor steuert, die andere alle anderen Funktionen im Haus. Schon deswegen wäre eine Kooperation mit dem einen oder anderen Anbieter, der schon auf dem Markt erfolgreich ist, für mich die bessere Wahl.

Denn schliesslich, was braucht es schon? Einen Aktuator mit potentialfreiem Ausgang, der an den Taster-Eingang des Antriebes angeschlossen wird, einen Lichtsensor, der zwischen hell und dunkel unterscheiden kann und das als Information “Tor auf” – “Tor zu” weitergibt und eine Lichtschranke, die Ein-Fehler-sicher ist.

Den Aktuator haben etliche Anbieter schon im Sortiment und wir die Lichtschranke. Der Sensor wird nur dann ein Problem, wenn wir statt eines fähigen Inscheniörs ein ganzes Team einsetzen.

Ich wäre jetzt gerne in Baskerville

Ich habe eine gepflegte Erkältung und belle wie der Hund von Baskerville. Während meine Kollegen mit Protesten und Mahnwachen gegen meine Anwesenheit in diesem Zustand protestieren, habe ich mich mit dem Äquivalent einer Hühner-Suppe in eine Ecke des Büros verzogen.

Hühnersuppe

Ohne auf Gründe und Abläufe einzugehen, ich wäre trotzdem ungern zuhause. Das Verhältnis zwischen Paula und mir ist so entspannt wie das zwischen Russland und der Ukraine. Da knallt*s öfters mal. Nach so vielen Jahren hat jeder reichlich Material, das sie /er dem/der anderen vorwerfen kann.

Victor Frankenstein   

Um einen häufigen Irrtum aufzuklären, Herr Frankenstein ist kein Deutscher. Zwar forscht er in Ingolstadt und greift mit seinem Moral-Defizit dort der Entwicklungsabteilung von Audi voraus, aber er ist ein Schweizer aus Genf.

Dass sich am Ende der Geschichte das “Monster” umbringen will, scheint mir logisch. Nicht nur hat es seine literarische Aufgabe erfüllt, die Familie Frankenstein bis auf den lieben Ernest abzumeucheln, sein Lebenszweck ist auch psychologisch erschöpft.

Denn wo er den Menschen mit Freundlichkeit und Zuwendung begegnete, war das zu seinem, wo er ihnen mit Hass entgegentrat, zu seinem und ihrem Nachteil. Menschen zu erwürgen, das schlägt nun einmal auch aufs Gemüt.

An der Ausführbarkeit seines Planes, sich in der Arktis zu verbrennen, zweifle ich jedoch. Denn so ein langer Kerl von 2,10 braucht einiges an Holz, geradezu einen Wald, der jenseits des Polarkreises nicht wächst. Da müsste er schon einen gestrandeten Walfänger finden, um das Material zu haben.

Wie bekannt kommt mir doch dieser Satz von ihm vor: “Satan had his companions, fellow devils, to admire and encourage him, but I am solitary and abhorred.” Allerdings stellt die Bereitschaft meiner Mitmenschen, mir in manchen Situationen zu helfen, diese Einstellung dann wieder infrage. Paula jedoch besteht auf ihrer Richtigkeit.

Stephen King hat dazu auch eine Meinung und sagt die in „Drei“:

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Das Rittertum, das stolze

“This encouraged the prince’s party, and presently the Spaniard surrendered. Her entire crew was, nevertheless, as was the custom in that age, and long afterwards, flung overboard. The prince and his followers had barely time to crowd into the prize before their own craft foundered.[6]

https://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Winchelsea

Sehr chevaleresk, die hohen Herren, König, Prinz und Ritter. Wahrscheinlich schrieben sie auch Minne-Lieder über die sexfreie und vergebliche Liebe zu einer Fruwe und vergewaltigten en passant die 13-jährige Küchenhilfe.

Ernst Prost, der Geschäftsführer von Liqui Moly formulierte seine Ansichten zu diesem Thema in einem Interview so:

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