Die 50 Shades of Grey-Barbie

http://www.huffingtonpost.com/2014/11/19/barbie-computer-engineer_n_6187554.html

Barbie ist bekanntlich „anatomical incorrect“. Jetzt ist sie zur allgemeinen Überraschung auch political incorrect. Und dabei ist sie in „Barbie: I can be a computer engineer“ nicht anders als fast alle anderen und in ihrer Mehrheit vermutlich anatomisch korrekten Frauen. Denn nur 0,5 % aller Schülerinnen der letzten drei Klassen allgemeinbildender Schulen interessieren sich laut einer Studie des Allensbach-Institutes für eine Ausbildung in der IT.

Vermutlich wäre diese Zahl noch geringer, wüssten die jungen Damen, dass es in diesem Tätigkeitsfeld nicht darum geht, Videos per Whatsapp zu versenden. Ist Barbie also abgesehen von ihren anatomischen Unzulänglichkeiten realistisch? In diesem Fall erwarten uns als nächstes die Kawaii-Barbie mit niedlich-nuttigen Outfits à la Ariana Grande und kitschigen Accessoires, ein Crossover mit Hello Kitty und die Underground-Version einer 50 Shades-of-Grey-Barbie.

http://www.huffingtonpost.de/2014/11/23/studie-madchen-computerberufe_n_6206510.html?utm_hp_ref=germany

Denn unsere Gesellschaft ist einmal mehr im Umbruch. Sie leidet schon seit einiger Zeit an einem Missverhältnis zwischen Yin und Yang, an einem Übergewicht von Yang, das allzu oft denn auch in knallenge Leggins gepresst wird. Um Taylor Swift an dieser Stelle einmal frei zu zitieren: „You’re the King, Baby (but) I am your Queen“ (Blank Space).

Nun aber werden wir wohl einer neuen Generation junger Frauen ins zu stark geschminkte Gesicht sehen, die die Gleichberechtigung als zu anstrengend ablehnen. Anthropologisch gesehen reduzieren sich dann aber die Fortpflanzungschancen all jener jungen Männer aus der Mittelklasse, die zwangsläufig gut an diese Yang-Gesellschaft angepasst sind und von denen nun eine Paradigmenwechsel verlangt wird, dessen Werte denen ihrer Sozialisation entgegen gesetzt ist. Für die klassische Rolle des Ernährers/Fürsorgers fallen sie aber gleichzeitig schon deshalb aus, weil die Gehälter der typischen Berufe dieser sozialen Gruppe im Vergleich zum Preisanstieg dazu zu sehr gesunken sind.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/diw-studie-die-mittelschicht-fuerchtet-den-abstieg-seite-2/3462334-2.html

Sollten sie aber diese ökonomischen Möglichkeiten trotzdem irgendwann wieder erlangen, werden sie daraus wieder einen Anspruch auf Macht ableiten, auf die Rolle des Herrn im Hause. An dieser Stelle verschiebt sich dann vielleicht das Verhältnis zwischen Yin und Yang einmal mehr, diesmal eben wieder zu Gunsten des Yin, leider viel zu spät für mich, den inzwischen das Alter beugen wird, sofern es nicht der geistige Verfall ist, der mich davon abhalten wird, mich am intellektuellen Unterbau dieser Veränderung zu beteiligen. Und wie gerne täte ich es doch, bin ich doch mit dem Hinweis auf meine eigenen, durch die Pizzeria „Il Cazzo“ gesteigerten finanziellen Möglichkeiten an Paula einmal mehr gescheitert.

http://www.huffingtonpost.de/2014/11/24/erdogan-gleichberechtigung-unnatuerlich_n_6211140.html?utm_hp_ref=germany

So sind wir auf Herrn R. T. Erdogan angewiesen, einen selbst-ernannten Theologen aus der Türkei, der feststellt, dass die Gleichberechtigung per se der islamischen Lebensweise widerspricht. Alternativ können wir noch auf des Heiligen Paulus‘ 1. Korinther-Brief, Kapitel 14, zurück greifen, dem wir entnehmen können, dass auch die christliche Lebensweise eine Gleichberechtigung grundsätzlich nicht vorsieht: „Wie in allen Gemeinden der Heiligen lasset eure Weiber schweigen in der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, daß sie reden, sondern sie sollen untertan sein, wie auch das Gesetz sagt. 35Wollen sie etwas lernen, so lasset sie daheim ihre Männer fragen. Es steht den Weibern übel an, in der Gemeinde zu reden.…“

http://bibeltext.com/1_corinthians/14-34.htm

In der Mittagspause konnte ich meine Erfahrungen um eine erweitern, die nämlich einen Chevrolet gefahren zu haben. Leider handelte es sich dabei weder um einen Impala noch um eine Corvette, sondern um einen Tico, eine Art motorisierte Handtasche.

In diesem Fall war es Laroux‘ motorisierte Handtasche, zu der sie mir die Schlüssel in die Hand drückte. Sie stand unter dem Eindruck, es sei lustiger damit durch den Regen zu fahren als mit meiner Peugeot Flash. Damit lag sie nicht so ganz falsch. Mit ihrer abfälligen Einschätzung unserer neuen Bilder hier im Flur schon.

Ich mag speziell „Nouvelle Vague 2“ des amerindianischen Künstlers Ignace Greyboar auf der linken Seite, mehr als „La Speranza“ von Jussep Torres Campalans auf der rechten Seite.

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Der Gelbe Zwerg

Mir fehlt der Inhalt meines Rucksacks an allen Ecken und Enden.

Zwar komme ich – mit etwas Mühe – damit zurecht, keine zwei Packungen chinesischer Ramen-Nudeln mit mir herum zu tragen. Aber meinen Bluetooth-Dongle, mein Datenkabel, mein USB-Micro-Adapter, diese Dinge, die ich brauche, um Daten zwischen meinem Mobiltelefon und den diversen Computern in meinem Leben hin und her zu bewegen, mein Taschenmesser, mein Essbesteck und vor allem den “Gelben Zwerg”, meinen Lieblings-USB-Stick mit den Aufzeichnungen eines halben Lebens, diese Dinge vermisse ich schon.

Maniac hat mich jetzt mit einem quietschgelben, kleinen Rucksack ausgestattet, eine ältere Sicherungskopie meines Lebens fand sich auf einem USB-Stick mit dem Werbeaufdruck der Gewerkschaft und schon auf der Messe deckte ich mich mit einer kleinen Blechdose als Behältnis für diesen Stick, einen Kugelschreiber und eine Reserve-Sim-Karte ein. Bei der Suche nach der passenden Dose begegneten mir noch en passant etwa ein Dutzend Mini-Schokoriegel, gut 100 g Haribo, ein Notizblock, ein Pudding im Einmach-Glas und zwei komplette Mittagessen, die sich mir spontan anschlossen, um mich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für meinen faktischen wie emotionalen Verlust zu trösten.

Ein Hattinger Autohändler rief mich inzwischen an, den Fund wenigstens eines Teiles meiner Habe anzeigend, jedoch Zweifel an seinen Möglichkeiten äussernd, mir diesen Teil per Post zukommen zu lassen. In den nächsten Tagen werde ich erfahren, ob ich ihn vom Gegenteil überzeuge konnte.

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Vorurteile behindern nicht nur den, der ihr Gegenstand ist, sondern stets auch den, der sie hat. Ich habe in meiner langen Berufstätigkeit mit den verschiedensten Menschen zusammengearbeitet, von Westafrikanern bis zu Neo-Nazis. Dabei haben die Afrikaner keinen anderen Vorbehalt gegen die Rassisten, als den, dass sie Rassisten sind, während jene sich schwertun, sich in ein Team mit Einwanderern zu integrieren und man sie daher am Besten gleich gar nicht einstellt.

Auf ein anderes Vorurteil stiess ich vor einigen Tagen in Hattingen. Dort unterstellte mir ein unbekannt bleiben wollender Mitbürger angesichts des quasi neuen EMW Astoria, den ich hinter dem Hotel geparkt hatte, Wohlstand und Besitz. Sogleich fühlte er sich berufen, die hintere Seitenscheibe des Firmenwagens einzuschlagen und meinen Rucksack zu entwenden. Seine Beute belief sich auf etwa 12 Ecu in Kleingeld, zwei Päckchen der beliebten Ramen-Nudeln, die man bei Netto für 49 Centimes erwerben kann, eine Kollektion USB-Sticks, ein Schweizer Soldatenmesser und ein Datenkabel. Da er wahrscheinlich nicht organisiert ist, hat er denn auch keinen Anspruch auf kostenlose Behandlung der sich bei dieser Beute unweigerlich einstellenden Depression durch einen Psychologen der Diebes-Gilde.

Mich aber zwang das, die Gendarmen zu rufen und danach das Fenster abzukleben. Nach genauer Überlegung entschied ich mich übrigens für eine Applikation in einem zur Wagenfarbe passenden Mülltütenblau. Und genau so übernahm meine Kollegin Nicole am nächsten Morgen den EMW, um sich und ihre Blasenentzündung auf dem schnellsten Weg in die Heimat zu befördern. Der schnellste Weg war dabei nie schneller als 110 km/h, da sich bei einer höheren Geschwindigkeit mein Scheiben-Ersatz von seiner Befestigung gelöst hätte. Mich selbst liess sie mit dem Nassauer auf der Hausmesse von Onkels Kleinem Baumarkt zurück, einer Einzelhandelskette, die vor allem im Westen und Nordwesten Deutschlands ihre Filialen hat.

Dummerweise bestand der Nassauer dann umgehend darauf, meine Vorurteile über seine kognitiven Kapazitäten zu bestätigen, womit sie keine Vorurteile mehr waren, sondern eine zutreffende, da auf Beobachtung basierende Beurteilung. Da ist es vielleicht keine schlechte Entscheidung von ihm, beim Kunden-Kontakt einfach zu replizieren, was andere ihm gesagt haben. Das setzt natürlich voraus, dass ich mir überlege, was ich ihm sage.

Abgesehen von seinem eher schlichten Gemüt ist er aber ein freundlicher Mensch, der mir das erste indische Abendessen meines Lebens bezahlt hat, und mich auf dem Rückweg mit einer Auswahl heiterer Schwänke unterhielt, die sich in einer Häufigkeit um Pornografie und Peep-Shows drehten, die für eine gewisse Bedürftigkeit sprachen. Da er gerade einmal 40 Stunden lang nicht zuhause bei seiner lieben Frau gewesen war, unterstellte ich ihm mit etwas Vorsicht den Sexualtrieb eines Kaninchens. Und schwieg hingebungsvoll über alle Erfahrungen, die ich mit heiteren Filmen dieser Art hatte. Ich gab allerdings und auch das nur mit viel Zurückhaltung zu, dass mir die Namen der bekannten amerikanischen Schauspieler Tracy Lords (Blade, Cry-Baby), John Holmes (Boogie Nights, Wonderland) und Ron Jeremy (Return to Nuke ‚Em High Vol.1) nicht völlig unbekannt waren.

Ich sammelte unterwegs Nicoles Peugeot ein und eilte mich dann, mich von Paula deswegen oder aus einem anderen Grund herunter machen zu lassen. So enden alle meine Abenteuer.