Ist es ein Widerspruch, wenn wir in unserer Gesellschaft unseren Kindern höchst-prätensiöse Namen geben, auf der anderen Seite aber alle Toten-Kulte bis hin zum anonymen Begräbnis zurück fahren?

Bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts hinein blühte das Geschäft des Steinmetzes, der aus Carrara-Marmor noch dem letzten Kleinsparer ein opulentes Grabkreuz meisseln durfte, während als Name ein schlichter Günter, Hans, Michael oder ein Thomas einzugraben war. Es gibt keinen nachvollziehbaren Grund für diese Veränderungen in der Kultur; das stellt dann einige Schlüsse infrage, die Archäologen daraus ziehen, ob sich die Menschen einer bestimmten Region zu einer bestimmten Zeit verbrennen oder begraben liessen.

Ich dachte über dieses Thema nach, während mich Paula schlecht gelaunt anschrie. Vielleicht hätte ich stattdessen über ein anderes, realistisch betrachtet näherliegendes Thema nachdenken sollen, wurde aber einmal mehr von den Gefühlen abgelenkt, die sie bei mir auslöste.

Um eine der grössten amerikanischen Dichterinnen des frühen 21sten Jahrhunderts zu zitieren: “You, with your words like knives… You have knocked me off my feet again. Got me feeling like I’m nothing. … Calling me out when I’m wounded.” Aber diese Gefühle verbrauchen sich bei steter Wiederholung wie sich jedes Werkzeug abnutzt, wenn man es nur oft genug gebraucht. Oder wie sie an anderer Stelle im gleichen Gedicht sagt: “All you are is mean And a liar, and pathetic, and alone in life.” (https://www.youtube.com/watch?v=jYa1eI1hpDE)

Wir können also folgern, dass wer von Taylor Swift lernt, siegen lernt. Das allerdings widerspricht meiner verinnerlichten Misogynie, ist sie doch unbestreitbar eine Frau. Diesen Konflikt habe ich sonst nur bei Buffy Anne Summers, Lisbeth Salander, JK Rowling und vielleicht noch bei der Frau wie ein Lancia.

The Future is Near

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“I retired six months ago. I moved from five acres in Texas to a small apartment in Harlem, and I just love it. I can do whatever I want, all day long. This morning I explored the Garment District. Right now I’m going home to eat some chicken and waffles with my neighbor. Tonight I’ll probably smoke some pot.”

So könnte ich mir meine Zukunft vorstellen. Nur über das Rauchen muss ich noch einmal nachdenken.

Ein echter Mann fürchtet allein sein Weib

http://www.gutenberg.org/ebooks/16961

„To prove how obstinate his determination was it is enough to mention that he dared to oppose his wife’s strong will, though he avoided all discussion; and to give an adequate idea of all that his opposition implied I ought to mention that Don Alonso was afraid of no mortal thing or creature–neither of the English, the French, nor the savages of Magellan, not of the angry sea, nor of the monsters of the deep, nor of the raging tempest, nor of anything in the earth or sky–but only of his wife.“

„During forty years of married life you have never seen me angry (he saw it every day)–but if you join the squadron I swear to you … remember, Paquita lives only for you!“

Benito Perez Galdós, Trafalgar, 1873

Ein Motorrad namens „Therapy“

http://www.amazon.de/Biddy-Debeau-Rides-His-Life-ebook/dp/B00QVWATVG

Über die moralischen Qualitäten Dan G. Hiltons kann ich nicht sagen, aber Biddy Debeau, der Held von Hiltons Novelle „Biddy Debeau rides for his life“ ist ein Arsch.

Er ist die Sorte Mensch, zu der man immer mindestens eine Kondom-Stärke Abstand halten sollte. Das ist allerdings recht schwierig, da er offensichtlich ein frenetischer Anhänger ungeschützten Geschlechtsverkehrs ist, ein Verbreiter von Geschlechtskrankheiten und Schwängerer von Frauen, die ihn mehr lieben als er sie.

Er ist kurzgefasst ein Drogenfreak und Alkoholiker auf einem Selbstzerstörungs-Trip, der ihn auf einem Motorrad namens „Therapy“ durch Baja California führt, während er dabei noch rasch eine Spur der Vernichtung durch das Leben anderer zieht.

Das Buch allerdings ist gut geschrieben, wenn auch an manchen Stellen zu detailliert und hin und wieder unentschieden, ob Herrn Debeau nicht doch ein Happy-End mit Akiko blühe, der hübschen japanischen Praktikantin.

Sollten wir mit Bashar al-Assad verhandeln?

Hier eine Karte Syriens vor dem Bürgerkrieg:

Und hier eine Syriens heute:

Warum sollten wir also mit jemandem verhandeln, der eh nächstes Jahr um diese Zeit wahrscheinlich in Russland im Exil ist? Da könnten wir ja auch mit Cyrus Reza Pahlewi über den Atom-Konflikt mit dem Iran verhandeln. Oder uns von einem Uhrmacher das Raum-Zeit-Kontinuum erklären lassen. Oder mich nach dem Sinn des Lebens fragen.

Heute bin ich alt

Müde scrolle ich durch mein Tumblr, eine Mischung aus Berichten über Kunst, Literatur, die Einsätze der IDF und Buffy. Sie ist durchsetzt mit Bildern nackter Frauen. Ich foltere mich mit ihnen. Denn einer diffusen Anziehung steht immer das Wissen gegenüber, dass ich mit ihnen nichts anfangen kann.

Die Frauen, denen ich in der Realität begegne, sind leichter zu tolerieren. Sie begegnen mir meist in meinem Zweitjob und dann so, wie sie sonst nur ihr Mann sieht, also in einer abgetragenen Jogging-Hose und einem verwaschenen T-Shirt oder in Ensemble aus einem Pyjama mit Kuhfellmuster und schreiend-pinken Hausschuhen.

Sie sind die Frauen, die in der Stadt ihre Kinder anschreien, die Mädchen, die mich in der Schule ignorierten, die Schwester, die mein Vater mir vorzog, die Frau, die mich seit mehr als 20 Jahren unterdrückt und beleidigt, sie sind die Ablehnung, die ich immer wieder erfahren habe, die Kränkung, die Zurücksetzung, sie sind die Wut, die ich immer unterdrücken musste.

Nein, ich glaube nicht, dass ich generell gesehen Frauen mag. Oder ganz speziell Paula. Oder meinen Zweitjob. Vorhin dachte ich an die Frau wie ein Lancia, eine schmerzhafte Erinnerung daran wie das Leben hätte sein können, wäre ich ein anderer.

Immerhin kann ich aus der Auswahl, mit der mich AsTheIncaPrincessBeganToChant und Sublygirl versorgen, Maniac das eine oder andere schicken, um eine Normalität vorzutäuschen, die mir so fremd ist wie ihre Vortäuschung vertraut.

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“I had four restaurants, a beautiful family, and a beautiful wife. I was healthy, rich, and successful. But I was unhappy. My success felt like an illusion, and I was so fearful that it would disappear that I began to have panic attacks. I was about to go to a shrink, but my friend convinced me to try Buddhism instead. That was five years ago. Now I chant for an hour and a half every morning. Many of the things that I feared ended up happening: I got involved in some lawsuits, I had to sell my vacation homes, I lost one of my restaurants. But the thing is— I’m happier now than I was when I was more successful.”