Ich wills auch nie wieder tun

Für den nächsten Urlaub nehme ich mir mal einen Arabisch-Kurs in Syrien vor oder eine Vergnügungs-Reise nach Detroit. Irgendwas ruhiges halt an einem Ort, der friedlicher ist als mein Zuhause.

In jedem Urlaub kommt Paula nämlich mindestens einmal zu der Erkenntnis, dass die Realität sich nur äusserst widerwillig ihren Wünschen unterordnet. Oder auch mal gar nicht. Und selbst wenn ich meine Vortäuschung eines Paula-gefälligen Verhaltens noch perfektionieren könnte, gibt es doch medizinische Sachverständige, Gerichte, die Rentenkasse und den Verein der Kriegsversehrten, die es in dieser Hinsicht allesamt an Engagement fehlen lassen.

Da im Gegensatz zu mir keiner von ihnen in diesem Augenblick da ist, werde ich eben angeschrien. Seit ich aber dabei nicht mehr einschlafe, nimmt das Gespräch dann schnell einen Verlauf, bei dem sich Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten wie Syrien, dem Kongo und Michigan heimisch fühlen.

Von der Anwendung physischer Gewalt riet der Herr Ambros ab, von dem ich mich in dieser Hinsicht beraten liess. Aber dem Physischen nähere ich mich ja in jeder Beziehung nur mit Vorsicht, weshalb ich ja auch nur 2 1/16 davon hatte.

Tatsächlich bin ich heute überrascht, dass ich mich zu sovielen überreden konnte. Ich bin überrascht, dass ich soviele andere dazu überreden konnte. Ich wills auch nie wieder tun.

Auch wer einem anderen Gutes tut, tut das gerne einmal, um sich selbst etwas gutes zu tun

In meiner Vorstellung fuhr ich jahrelang mit dem Roller zur Arbeit, weil Paulas und mein kompiliertes Einkommen nicht für acht Katzen und zwei Autos hinreichte. Wir konnten uns nur ein Auto leisten, das a) immer von Ford war und b) ich nur in Ausnahmefällen fuhr.

Und ich hatte immer wieder Nebenjobs, um zusätzliches Geld zu verdienen, und blieb der Illinois Electro Door verbunden, weil sie mir ein geregeltes Einkommen verschaffte, finanzielle Sicherheit auf bescheidenem Niveau. Schliesslich hatte Paula doch in der gleichen Zeit drei Krankenscheine, die länger als eineinhalb Jahre dauerten, und einige kürzere mehr.

All das (und viel, viel mehr) hat sie mir dann als mangelnden Ehrgeiz, Entwicklungshemmung, charakterliches Defizit und ähnliches vorgeworfen. Sie hatte mir auch einiges vorgeworfen, was sogar von meinem Standpunkt aus stimmte. Doch ob sie mir nun vorwarf, was objektiv richtig war oder was nur für sie in diesem Moment richtig war, alles das warf sie letzten Endes mir doch nur vor, um neben mir gut auszusehen.

Ich hingegen inszenierte mein Handeln, um mich über die Situation zu beschweren. Überhaupt war mich zu beschweren eine der Sachen, die ich am Besten konnte. Wahrscheinlich war es sogar die Sache, die ich überhaupt am Besten konnte. Seit ich mich aber der Neigung verweigere, stets nur das Negative zu sehen, fehlt es mir an der rechten Neigung, mich dauerhaft zu beschweren, ohne etwas zu ändern.

Wollt Ihr das perfekte Weihnachten?

Für Paula ist das perfekte Weihnachten vor allem eine Materialschlacht, bei der ungeheure Mengen an Lebensmitteln gekauft  und zubereitet werden müssen, bevor ein Teil gegessen und der andere eingefroren wird.

Parallel dazu müssen, ja, müssen diverse Verfilmungen von Astrid Lindgren-Büchern angeschaut werden, und zwar auch, wenn sie dabei auf der Couch einschläft.  Überhaupt scheitert ihr perfektes Weihnachten regelmässig an unserer geringen Personaldecke. Zwei schaffen nun einmal nicht, was für fünf ausgelegt ist. Das gilt für das Pensum an Arbeit wie für die Menge an Nahrungsmitteln.

Ich hingegen hätte gerne ein klassisches Weihnachten, wie ich es in den 80ern immer gefeiert habe, damals, bevor ich sie kennengelernt habe. Dabei muss man am 23. die Tür ordentlich verschliessen und darf sie vor dem 27. nicht öffnen. Das soll die bösen Weihnachtsgeister aussperren, hilft aber auch gegen Menschen. Eine IED an der Tür kann da zusätzliche Sicherheit geben.

Heitere Familienkomödien im Fernsehen beugen derweil der Langeweile vor. Dabei denke ich spontan an Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück, Santa’s Slay, The Long Kiss Goodnight und Piratenfilme mit Walter Matthau, Geena Davis und Ashley Ann Erickson.

Zwangsläufig scheitere auch ich mit meinem Wunsch nach einem perfekten Weihnachten an der Personaldecke. Mir aber hat es zuviele Menschen hier. Und Menschen sind nun einmal… Menschen und von daher fremd und unangenehm.

 

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Xanthippika

Das I Ging analysierte Paulas Situation recht zutreffend mit dem Bild 36 und empfahl ihr, Konflikte zu vermeiden. Ich erkenne da die gute Absicht, aber Paula ist Paula. Konflikte vermeiden ist ihr prinzipiell so fremd wie die Vorstellung, glücklich sein zu können. Manche Menschen sind so.

Ich wollte schon immer anders sein als andere. Hätte ich mal gewusst, wie einfach das sei, ich wäre schon vor Jahren ein glücklicher Mensch geworden. Natürlich hätte sie mich dann umgehend verlassen, aber das Risiko wäre ich wohl gerne eingegangen. Immerhin droht sie mir damit mindestens einmal pro Tag, am Samstag Morgen als „Finishing Act“ einer wenigstens 45-minütigen Philippika (oder heisst es in diesem Fall Xanthippika?) und gerne auch, bevor sie zu einer medizinischen Untersuchung aufbricht, die mit einer potentiell tödlichen Krebs-Diagnose enden könnte.

Mich selbst belieferten die Chinesen mit dem Bild 23. Vorsicht ist also geboten, denn mir steht eine Zeit der Bedrängnis voraus.

Mal wieder.

Nachtrag: Die Computertomographie ergab keine Hinweise auf Krebs, lieferte aber Hinweise auf einen leichten Hirninfarkt im letzten Jahr.