Vögeln?

„Kennst Du jemand, der sich gut mit vögeln auskennt?“

Wie antwortet man auf eine Frage wie diese? Und welche Antwort führt nicht zu einem Konflikt, der in Ausmass und Art selbst das Niveau unterschreitet, das ich mich in meiner Beziehung zu Paula immer noch zu erhalten bemühe.

Schliesslich ergäbe sich ja doch stets im nächsten Schritt die Frage, woher ich weiss, dass Sara angeblich einen Golfball durch einen Gartenschlauch saugen kann. Es gebricht mir da tatsächlich auch an persönlicher Expertise; diese Information stammt nämlich von Herrn Ambros, der auch mit seinen eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen in dieser Richtung angibt. Das muss einem aber natürlich nicht geglaubt werden.

„Ich habe nämlich Vögel vom Dachboden gehört und die Klappe geöffnet.“

Wie beruhigend war diese Information, ergab sich doch hier Konfliktpotential allein aus der später noch korrekt zu verschliessenden Klappe, die jetzt recht gewiss nur von zwei Stahlfedern gehalten und mit einer handgeschmiedeten Klapp-Treppe beschwert in einer 80% geschlossenen Position über den Köpfen von Menschen und Katzen schwebt.

„Da sind drei Vogeljunge heruntergefallen. Ich konnte sie noch fangen, bevor „Katze Nr. 10“ sie erwischt hat.“

Die Szene konnte ich mir gut vorstellen. Katze Nr. 10 ist eine verwachsene kleine Person, die ihre körperlichen Defizite durch Engagement ausgleicht, und die viel Persönlichkeit hat.

„Jetzt sitzen sie im Katzentransporter. Aber ich kann mich natürlich nicht auch noch um die kümmern. Ich hab ja noch „Katze Nr. 11“.

Die erholt sich gerade von einer gepflegten Toxoplasmose mit Myotis und muss ein paar Mal am Tag dazu bewegt werden, etwas zu essen. Ebenfalls ein ungefährliches Thema; ich hätte dieses Grundes jedoch nicht bedurft, um so gar keine Lust zu haben, noch drei weitere Viecher zu füttern.

Um uns nun dieser Vögel zu entledigen, versorgten wir sie später bei der Wildvogel-Aufnahmestelle des Deutschen Naturschutzbundes. Die kennen sich mit Sperlingen, denn als solche entpuppten sie sich, aus, hatten auch gerade schon dreissig da, dazu Meisen, Eichelhäher und allerlei anderes gefiedertes Spielzeug für Katze Nr. 10, die wir allerdings vorsichtshalber nicht mitgenommen hatten.

 

In Rio und Steinheim an der Murr

Wartezimmer

Einst, in einem anderen Jahrhundert, einem ganz anderen, hatte meine Familie in und um ein Dorf in der Nähe von Contiomagus herum einige Grundstücke. In Verbindung mit harter, vorzugsweise körperlicher Arbeit und einem ganz normalen 60 Stunden-Job in einem metallverarbeitenden Betrieb dienten sie dem Erwerb des Lebensunterhaltes einer recht durchschnittlichen 13-köpfigen Familie jener unteren Mittelklasse, der wir uns seit Generationen verbunden fühlen.

Von all dem war mir nur ein Acker geblieben, 13 1/2 Ar sandigen Bodens, üppig bestanden mit allzeitgrünem Ginster. Er war mir nur als Verbindung zu meiner Familie wichtig, ein letzter Anker in einer Welt, die untergegangen war, eine Art post-augustulisches weströmisches Reich unter einer Starkstromleitung. Einer Steuernachzahlung vorbeugend beschloss ich, es zu verkaufen. Meine Erfahrungen mit dem Finanzamt raten von jeder Konfliktbereitschaft ab.

Der Bedarf entfiel dann eigentlich, als Paulas Rente genehmigt wurde. Ich hielt aber an meinem Plan fest, vielleicht mit dem Gedanken, mich meiner Wurzeln zu entledigen, vielleicht mit dem an einen Citroen Saxo, Proton 300 oder gar einen Peugeot 309. Freiheit hat viele Gesichter und manchmal vier Räder.

Das Sitzmobiliar im Wartezimmer des Notars gehört zum Programm „Rio“ der Firma Fröscher-Sitzmöbel in Steinheim an der Murr, an deren Kantine ich einige angenehme Erinnerungen aus den 90er Jahren habe.

Defätisten! Wehrkraftzersetzer! Gesindel!

Meine Kollegen sind alle Defätisten. Wehrkraftzersetzer! Gesindel!

So jedenfalls hätte sie der grosse (1,93 m) Dr. Helmut Kohl genannt, der seit seine ehemalige Büroleiterin Kanzlerin ist, nicht mehr Birne ist, nicht mehr die bleierne Schwere, die 16 Jahre lang auf diesem Land lastete. Statt dessen ist er verklärt zum Kanzler jener Einheit, die über ihn hereinbrach wie eine ansteckende Krankheit.

Stiesse mir ähnliches zu, ich würde diese Welle der Veränderung nach einem kurzen Jammern über die damit verbundene Mühe reiten wie Big Kahuna selbst, so wie der dicke Kanzler des Schwartenmagens und des Schweinebauches es damals tat, der sich den Ruhm der Bürger von Dresden angelte, die wirklich die Wiedervereinigung in Gang setzten. Eine ähnliche Massenbewegung hätte in der Bundesrepublik, hätte es denn dort soviel “Druck von der Strasse” gegeben, Terrorismus gehiessen.

Meine Kollegen, die vielleicht aber auch nur realistisch sind, gehen davon aus, dass diese Niederlassung von Yoyodyne geschlossen wird. Düstere Menetekel sehen sie, wo Kunden ob geringer Margen gestrichen werden sollen, Produkte als zu teuer und zu kompliziert gestrichen werden sollen, auf deren Angebot andere Kunden bestehen und die Zulassung anderer Produkte auf bestimmte Toren beschränkt werden soll, die nur ein Drittel des Marktes ausmachen.

Ich hingegen, der ich positiv bin, setze darauf, dass wir einfach nur zum Verkaufsbüro mit 10 Mitarbeitern reduziert werden. Ich sehe da einen Online-Shop, ein kleines Verkaufsteam, einen Buchhalter und einen Lageristen. Es ist eine Lösung, mit der ich mich anfreunden könnte. Irgendwie. Es ist allerdings eine Lösung, die maximalst halten wird, bis ich in Sichtweite meines Altersruhegeldes komme.

Und dabei fühle ich mich gerade wie Ray Kroc:

 „Ich hatte Diabetes und eine beginnende Arthritis. Ich hatte eine Gallen- und eine Schilddrüsenoperation hinter mir. Aber ich war immer noch davon überzeugt, dass das Beste noch vor mir lag. Ich war immer noch grün und auf Wachstum gepolt und flog innerlich auf einer Höhe, die leicht über der Reisehöhe des Flugzeugs lag“.

Bevor einer fragt – von den nächsten beiden Kanzlern hielt ich auch nicht viel und tu es bis heute nicht.

Das Geheimnis eines langen Lebens

Als Geheimnis ihres langen Lebens gab sie den Konsum von Foie gras, Rindfleisch, Schweinebauch und viel Butter an und riet von Turnübungen und dem übermäßigen Konsum von Gemüse ab.[2] Am 24. Mai 2017 starb Juliana Young Koo im Alter von 111 Jahren in der Stadt, in der sie Jahrzehnte gelebt hatte.[3]

https://de.wikipedia.org/wiki/Juliana_Koo