The‌ ‌Real‌ ‌Idiot‌ ‌of‌ ‌Orlando‌

DECEMBER‌ ‌4–Suspecting‌ ‌that‌ ‌a‌ ‌young‌ ‌boy‌ ‌was‌ ‌gay,‌ ‌a‌ ‌Florida‌ ‌man‌ ‌abandoned‌ ‌the‌ ‌child‌ ‌on‌ ‌the‌ ‌side‌ ‌of‌ ‌a‌ ‌highway‌ ‌Sunday‌ ‌night,‌ ‌telling‌ ‌him‌ ‌that‌ ‌“the‌ ‌police‌ ‌will‌ ‌find‌ ‌you‌ ‌a‌ ‌new‌ ‌home,”‌ ‌according‌ ‌to‌ ‌a‌‌ ‌court‌ ‌affidavit‌.‌ ‌

Investigators‌ ‌say‌ ‌that‌ ‌Evenaud‌ ‌Julmeus,‌ ‌30,‌ ‌became‌ ‌“very‌ ‌upset”‌ ‌and‌ ‌argued‌ ‌with‌ ‌the‌ ‌child‌ ‌after‌ ‌discovering‌ ‌that‌ ‌the‌ ‌boy‌ ‌had‌ ‌been‌ ‌watching‌ ‌“male‌ ‌pornography‌ ‌with‌ ‌no‌ ‌females”‌ ‌on‌ ‌his‌ ‌ phone.‌ ‌

Julmeus,‌ ‌…,‌ ‌“told‌ ‌the‌ ‌victim‌ ‌to‌ ‌pack‌ ‌a‌ ‌bag‌ ‌and‌ ‌get‌ ‌into‌ ‌his‌ ‌vehicle.”‌ ‌Once‌ ‌inside‌ ‌the‌ ‌car,‌ ‌the‌ ‌preteen‌ ‌boy–who‌ ‌was‌ ‌carrying‌ ‌a‌ ‌small‌ ‌duffel‌ ‌bag‌ ‌containing‌ ‌several‌ ‌pieces‌ ‌of‌ ‌clothing–was‌ ‌ told‌ ‌by‌ ‌Julmeus‌ ‌that‌ ‌he‌ ‌was‌ ‌being‌ ‌driven‌ ‌to‌ ‌police‌ ‌headquarters‌ ‌in‌ ‌Haines‌ ‌City,‌ ‌which‌ ‌is‌ ‌ about‌ ‌35‌ ‌miles‌ ‌south‌ ‌of‌ ‌Orlando.‌ ‌

Tja,‌ ‌was‌ ‌hätte‌ ‌der‌ ‌Herr‌ ‌Stiefvater‌ ‌wohl‌ ‌gemacht,‌ ‌wenn‌ ‌der‌ ‌Junge‌ ‌stattdessen‌ ‌einen‌ ‌Porno‌ ‌ mit‌ ‌‌Frauen‌ ‌gesehen‌ ‌hätte?‌ ‌Begeistert‌ ‌geklatscht?‌ ‌

Bin‌ ‌ich‌ ‌oder‌ ‌bin‌ ‌ich?‌

Betrachte‌ ‌ich‌ ‌das‌ ‌Chaos,‌ ‌das‌ ‌ich‌ ‌gerade‌ ‌veranstalte,‌ ‌gibt‌ ‌es‌ ‌nur‌ ‌zwei‌ ‌Möglichkeiten.‌ ‌
Entweder‌ ‌ich‌ ‌bin‌ ‌ein‌ ‌Idiot‌ ‌oder‌ ‌so‌ ‌sehr‌ ‌von‌ ‌meinem‌ ‌Leben‌ ‌überfordert,‌ ‌dass‌ ‌ich‌ ‌mich‌ ‌wie‌ ‌einer‌ ‌verhalte.‌ ‌Ich‌ ‌hoffe‌ ‌jetzt,‌ ‌dass‌ ‌die‌ ‌zweite‌ ‌Variante‌ ‌stimmt.‌ ‌ ‌

Denn‌ ‌zur‌ ‌Alternative‌ ‌sagt‌ ‌das‌ ‌deutsche‌ ‌Sprichwort‌ ‌sehr‌ ‌klar:‌ ‌“Doof‌ ‌bleibt‌ ‌doof.‌ ‌Da‌ ‌helfen‌ ‌keine‌ ‌Pillen.”‌ ‌Im‌ ‌anderen‌ ‌Fall‌ ‌gibt‌ ‌es‌ ‌Antidepressiva,‌ ‌um‌ ‌den‌ ‌Druck‌ ‌zu‌ ‌reduzieren.‌ ‌Man‌ ‌
kann‌ ‌parallel‌ ‌dazu‌ ‌auch‌ ‌seine‌ ‌Lebensverhältnisse‌ ‌verkleinern,‌ ‌um‌ ‌der‌ ‌Überforderung‌ ‌
Grenzen‌ ‌zu‌ ‌setzen.‌ ‌ ‌

Dann‌ ‌gibt‌ ‌es‌ ‌natürlich‌ ‌Psychotherapie‌ ‌als‌ ‌eine‌ ‌Hilfe,‌ ‌um‌ ‌das‌ ‌Leben‌ ‌im‌ ‌Zustande‌ ‌
permanenter‌ ‌Überforderung‌ ‌auszuhalten..‌ ‌Aber‌ ‌da‌ ‌sind‌ ‌die‌ ‌Wartezeiten‌ ‌6‌ ‌-‌ ‌9‌ ‌Monate,‌ ‌und‌ ‌man‌ ‌muss‌ ‌alle‌ ‌6‌ ‌Wochen‌ ‌anrufen,‌ ‌um‌ ‌nicht‌ ‌wieder‌ ‌von‌ ‌der‌ ‌Liste‌ ‌gestrichen‌ ‌zu‌ ‌werden.‌ ‌ ‌

Wäre‌ ‌ich‌ ‌ohne‌ ‌diese‌ ‌Behinderung‌ ‌heute‌ ‌beruflich‌ ‌weiter?‌ ‌Vielleicht,‌ ‌aber‌ ‌vor‌ ‌allem‌ ‌wäre‌ ‌ich‌ ‌wahrscheinlich‌ ‌zufriedener.‌ ‌Da‌ ‌nun‌ ‌wohl‌ ‌eine‌ ‌Karriere‌ ‌und‌ ‌reichlich‌ ‌Geld‌ ‌als‌ ‌Ziele‌ ‌wohl‌ ‌vom‌ ‌Tisch‌ ‌sind,‌ ‌ist‌ ‌das‌ ‌einzige‌ ‌verbliebene,‌ ‌logische‌ ‌Ziel‌ ‌jetzt‌ ‌also‌ ‌zu‌ ‌heilen.‌ ‌

Fern‌ ‌ist‌ ‌das‌ ‌Land‌ ‌der‌ ‌Phäaken‌

Ich‌ ‌entzog‌ ‌mich‌ ‌einer‌ ‌weiteren‌ ‌Auseinandersetzung,‌ ‌deren‌ ‌Inhalt‌ ‌nur‌ ‌wieder‌ ‌war,‌ ‌dass‌ 
Paula‌ ‌meiner‌ ‌überdrüssig‌ ‌ist,‌ ‌und‌ ‌widmete‌ ‌mich‌ ‌der‌ ‌Bügelwäsche.‌ ‌Und‌ ‌Homer,‌ ‌dem‌ 
Einzigartigen,‌ ‌Odysseus,‌ ‌dem‌ ‌Göttergleichen,‌ ‌und‌ ‌der‌ ‌Göttin‌ ‌mit‌ ‌den‌ ‌strahlenden‌ ‌Augen.‌  
Sollte‌ ‌ich‌ ‌glauben,‌ ‌dass‌ ‌Scheria,‌ ‌das‌ ‌Land‌ ‌der‌ ‌Phäaken,‌ ‌existiere,‌ ‌suchte‌ ‌ich‌ ‌es‌ ‌an‌ ‌der‌ 
Nordküste‌ ‌Afrikas,‌ ‌vielleicht‌ ‌in‌ ‌Tunesien‌ ‌oder‌ ‌Algerien,‌ ‌oder‌ ‌auch‌ ‌auf‌ ‌Sizilien,‌ ‌das‌ ‌einst‌ 
fruchtbarer‌ ‌war‌ ‌als‌ ‌heute.‌ ‌Es‌ ‌müsste‌ ‌eine‌ ‌Halbinsel‌ ‌sein,‌ ‌auf‌ ‌drei‌ ‌Seiten‌ ‌vom‌ ‌Meer‌ 
umgeben,‌ ‌auf‌ ‌der‌ ‌vierten‌ ‌durch‌ ‌Berge‌ ‌vom‌ ‌Hinterland‌ ‌abgeschirmt,‌ ‌mit‌ ‌fruchtbarem‌ 
Ackerland‌ ‌und‌ ‌einem‌ ‌flachen‌ ‌Strand,‌ ‌um‌ ‌Schiffe‌ ‌zum‌ ‌Überwintern‌ ‌darauf‌ ‌zu‌ ‌ziehen.‌ 
Die‌ ‌Phäaken‌ ‌sind‌ ‌allerdings‌ ‌wahrscheinlich‌ ‌im‌ ‌Hauptberuf‌ ‌Piraten.‌ ‌Manches‌ ‌an‌ ‌der‌ 
Beschreibung,‌ ‌die‌ ‌der‌ ‌Blinde‌ ‌von‌ ‌diesem‌ ‌Volk‌ ‌gibt,‌ ‌erinnert‌ ‌nämlich‌ ‌durchaus‌ ‌sowohl‌ ‌an‌‌
Karthago‌ ‌als‌ ‌auch‌ ‌an‌ ‌die‌ ‌Stützpunkte‌ ‌der‌ ‌Barbaresken.‌ ‌Recht‌ ‌oft‌ ‌gebraucht‌ ‌der‌ ‌Sprecher‌‌
dieses‌ ‌Hörspiel‌ ‌die‌ ‌Worte‌ ‌Sklavin‌ ‌und‌ ‌Dienerin,‌ ‌wenn‌ ‌er‌ ‌von‌ ‌den‌ ‌Anwohnern‌ ‌spricht.‌  
Nehme‌ ‌ich‌ ‌dazu,‌ ‌dass‌ ‌Alkinoos‌ ‌seine‌ ‌Nichte‌ ‌geheiratet‌ ‌hat‌ ‌und‌ ‌nur‌ ‌allzu‌ ‌bereit‌ ‌ist,‌ ‌einem‌ ‌Wildfremden‌ ‌mit‌ ‌maritimer‌ ‌und‌ ‌militärischer‌ ‌Erfahrung‌ ‌Green‌ ‌Card,‌ ‌Unterbringung‌ ‌und‌ ‌die‌ ‌eigene‌ ‌Tochter‌ ‌anzubieten,‌ ‌mutmasse‌ ‌ich‌ ‌mal‌ ‌munter‌ ‌vor‌ ‌mich‌ ‌hin,‌ ‌dass‌ ‌die‌ ‌Personaldecke‌ ‌bei‌ ‌den‌ ‌freien‌ ‌Bürgern‌ ‌dünn‌ ‌ist.‌ ‌Dieser‌ ‌Fachkräftemangel‌ ‌ist‌ ‌vermutlich‌ ‌die‌ ‌Folge‌ ‌einer‌ erfolgreichen‌ ‌Teilnahme‌ ‌am‌ ‌Seevölkersturm‌ ‌als‌ ‌Piraten‌ ‌und‌ ‌eines‌ ‌geringen‌ ‌Zuzugs‌ ‌von‌ ‌Migranten‌ ‌aufgrund‌ ‌der‌ ‌abgeschiedenen‌ ‌Lage‌ ‌Scherias.‌ ‌ ‌
In‌ ‌diesem‌ ‌Sinne‌ ‌war,‌ ‌was‌ ‌sie‌ ‌Odysseus‌ ‌an‌ ‌Schätzen‌ ‌mitgaben,‌ ‌als‌ ‌er‌ ‌nach‌ ‌Ithaka‌ ‌
zurückkehrte,‌ ‌wohl‌ ‌eher‌ ‌sein‌ ‌Beuteanteil‌ ‌nach‌ ‌einem‌ ‌Aufenthalt,‌ ‌der‌ ‌nicht‌ ‌nur‌ ‌ein‌ ‌paar‌ ‌Tage‌ ‌gedauert‌ ‌hat.‌ ‌Überraschend‌ ‌wäre‌ ‌das‌ ‌nicht,‌ ‌denn‌ ‌der‌ ‌klare‌ ‌Sinn‌ ‌des‌ ‌Helden‌ ‌für‌ ‌materiellen‌ ‌Besitz‌ ‌wird‌ ‌von‌ ‌Homer‌ ‌ja‌ ‌mehrfach‌ ‌dargestellt.‌ ‌ ‌
Die‌ ‌Plünderung‌ ‌Trojas‌ ‌war‌ ‌nach‌ ‌zehn‌ ‌Jahren‌ ‌Krieg‌ ‌wohl‌ ‌wenig‌ ‌ertragreich,‌ ‌weil‌ ‌Priamos‌ ‌und‌ ‌Co.‌ ‌den‌ ‌Staatsschatz‌ ‌auf‌ ‌die‌ ‌Verteidigung‌ ‌verwendet‌ ‌hatten‌ ‌und‌ ‌durch‌ ‌die‌ Belagerung‌ ‌der‌ ‌Handel‌ ‌unterbrochen‌ ‌war.‌ ‌Nicht‌ ‌ohne‌ ‌Grund‌ ‌versucht‌ ‌sich‌ ‌Odysseus‌ ‌direkt‌ ‌nach‌ ‌seiner‌ ‌Abreise‌ ‌daran,‌ ‌die‌ ‌Kikonen‌ ‌zu‌ ‌auszurauben.‌ ‌Was‌ ‌ihm‌ ‌blieb,‌ ‌ging‌ ‌später‌ ‌mit‌ ‌seinem‌ ‌Schiff‌ ‌unter.‌ ‌

„Vergesslichkeit ist ein zutiefst menschliches Phänomen, das sich durch die ganze Lebensspanne zieht,“ sagt der Hamburger Psychologe Michael Thiel, „das hat nichts mit Krankheit zu tun.“ Der französische Philosoph Théodule Ribot fasst es noch schärfer: „Vergesslichkeit ist keine Krankheit des Gedächtnisses, sondern eine Voraussetzung für seine Gesundheit.“ Man muss also weder allzu früh eine behandlungsbedürftige Aufmerksamkeitsstörung argwöhnen, noch später gleich das Alzheimer-Gespenst heraufbeschwören, wenn man Dinge vergisst und Gegenstände irgendwo liegen lässt – soweit die gute Nachricht.

https://www.tagesspiegel.de/berlin/vergesslichkeit-bei-kindern-du-schussel-warum-kinder-immer-ihre-sachen-verlieren/25383468.html

Beschreiben und Beschneiden

Nachts um halb vier bedachte ich, in welcher Schrift wohl jene Geboten verfasst worden seien, die Herr Moses einst vom Berge Sinai brachte. Die Auswahl war in jenen Tagen klein, und der kulturelle Hintergrund jenes ins Ägyptische hinein sozialisierten angehenden Religionsstifters schränkte sie weiter ein. 

Das Material, solide Steintafeln einheimischer Provenienz, schloss die hieratische Schrift aus, sodass die zehn Gebote wohl in Hieroglyphen gemeisselt worden waren. Diese Schriftform liessen die Juden später hinter sich, während sie den Monotheismus und die Beschneidung weiter führten, die sie ebenfalls aus Ägypten mitgebracht hatten. 

Wobei – die, die da relativ orientierungslos durch die Sinai-Halbinsel wanderten, waren im eigentlichen Sinne noch keine Juden. Sie waren gerade dabei, welche zu werden. Dazu mussten sie aber erst einmal den Jahwe-Kult der Midianiter kennenlernen und diesen Gott mit Aton, dem Sonnengott Ägyptens verschmelzen, sich mit den Verlockungen der Religionen Kanaans auseinandersetzen und sich im Babylonischen Exil vom Zoroastrismus intellketuell beflügeln lassen. Der Weg zum Glauben, dass es nur einen Gott gibt, ist ein langer.  

Die 12 Stämme Israels übrigens sind wohl nur ein politisches Konstrukt gewesen, um verschiedene zugezogene und einheimische Gruppe, die zu einem Volk zusammen wuchsen, auf einen gemeinsamen, irgendwie ruhmreichen Ursprung zurückzuführen.  

Wären sie übrigens, was praktischer gewesen wäre, über die kürzere und besser ausgebaute Strasse von Ägypten nach Kanaan am Mittelmeer entlang gezogen, hätte die Geschichte der Menschheit eine ganz andere Richtung genommen. In diesem Sinn ist Moses also der Columbus des 10ten Jahrhunderts vor der christlichen Zeitrechnung. Vielleicht wollte er ja auch gar nicht nach Kanaan, sondern wie der bekannte Genueser ebenfalls nach Indien. Von dem denkt ja mancher auch, er sei Jude gewesen.

https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-31182832.html