Ich bin sozusagen völlig unschuldig

Aus mir völlig unbegreiflichen Gründen neigt meine Büchersammlung im Google Drive dazu, ein wenig auszuufern. Völlig ohne mein Zutun haben sich da hunderte Bücher versammelt. Wahrscheinlich halten sie eine Protestversammlung gegen den Untergang der Zivilisation ab. Der aber wurde, wie ich hörte, inzwischen abgesagt, weil niemand daran teilnehmen wollte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Finsteres_Mittelalter

Um der Sache Herr zu werden, legte ich ein neues Account bei einem Buchhändler im Tolino-Trust an und lud alle Bücher hoch, die ich unbedingt lesen oder noch einmal lesen will. Also, fast alle. Mir fällt nämlich gerade ein, dass mir dort noch alles von Zelazny fehlt. Auf Lovecraft glaube ich, verzichten zu können. Bei Robert E. Howard bin ich noch nicht sicher.

https://docs.google.com/document/d/1iaPu6HCXihYcAygeeTgfoKdH2B5j2tD-htutu7SIBnM/edit?usp=sharing

Sollten nicht auch “Been Down So Long It Looks Like Up to Me” und “Fear and Loathing in Las Vegas” auf diese neue Leseliste? Ich hörte Gutes von beiden Büchern und habe sie noch nicht. Und “Haus der Sonnen” von Alastair Reynolds? Und sollte ich Tim Powers nicht noch eine Chance geben? Was ist mit “My Sister is a Serial Killer” von Oyinkan Braithwaite? Ich ahne Schlimmes.

https://www.hugendubel.de/de/ebook_epub/richard_farina-been_down_so_long_it_looks_like_up_to_me-33016063-produkt-details.html?searchId=153550264
https://www.hugendubel.de/de/ebook_epub/hunter_s_thompson-fear_and_loathing_in_las_vegas_harper_perennial_modern_classics-23167740-produkt-details.html?searchId=153551139
https://www.hugendubel.de/de/ebook_epub/alastair_reynolds-das_haus_der_sonnen-9224241-produkt-details.html?searchId=153549274&originalSearchString=
https://www.hugendubel.de/de/ebook_epub/tim_powers-dinner_at_deviant_s_palace-23250231-produkt-details.html?searchId=153553450

König des Chaos

Der Whatsapp-Chat mit der Vodafone-Hotline war am Ende doch nicht zielführend. Der letzte Mitarbeiter, mit dem ich da schrieb, versäumte es nämlich, schliesslich auch zu tun, was er mir versprochen hatte. 

Es bedurfte also eines weiteren Anrufes bei der Hotline der Verzweiflung, um zu bekommen, was Paula brauchte. Mein Interesse an RTL, RTL2 und Vox in HD ist zu gering, um einen korrodierten Schilling dafür aufzuwenden. 

Der ganze Prozess hatte eine nicht unerhebliche Ähnlichkeit mit dem, den ich beim Finanzamt erlebe. Meine Schulden haben sich inzwischen auf 3.128 Ecu reduziert, von denen 2.126 auf 2018 und 1.002 auf 2019 entfallen. 

Das Finanzamt erwartet von mir tatsächlich Vorschüsse auf die Steuererklärung zum Jahr 2019. Die erste Abschlagszahlung wäre übrigens schon im Februar 2019 fällig gewesen. Dieser Termin liegt geringfügig vor der Abgabefrist für die Erklärung im Juli 2020, sodass ich die Höhe der Abschläge gar nicht kennen konnte, mit denen ich daher mit einer Zwangsläufigkeit im Rückstand war, die dem Finanzamt in keiner Weise einleuchtete. 

An dieser Stelle wurde mir klar, dass ich mich in einer Welt des Wahnsinns bewege. Da meine Kollegen meine Erfahrungen nicht teilen – ich fragte wenig diskret, indem ich mich beklagte – liegt die Vermutung nahe, dass ich auch Urheber des Chaos bin. Es gibt ja Effekte wie den des Schmetterlings, vielleicht auch solche, die darüber hinaus gehen, karmatische.  

In diesem Fall wird das Desaster erst enden, wenn ich meinen Seelenfrieden finde. An dem Tag werde ich zum König des Chaos. Nennt mich Merlin, Sohn Corwins.

Sankt Albrecht von Preussen

Sollte ich lutherisch werden? Die Frage hat sich in Deutschland ja schon mancher gestellt und ganz verschieden beantwortet.

Zwar glaube ich nicht, dass für mich wie für Albrecht von Brandenburg-Ansbach ein Herzogtum heraus springt, aber zu einer Kirche zu gehören, die ein viel dichteres Filialnetz hat als die Deutsche Episkopalkirche, könnte später im Leben nützlich sein. Immerhin könnte mich eine solche Gemeinde ja mit einem Grundgerüst oberflächlicher sozialer Beziehungen versorgen, wenn mir eines Tages der Sinn danach steht.

Die Pfarrerin sprach bei der Beerdigung meiner Schwiegermutter recht reizend von der ihr so völlig unbekannten und zitierte dabei Prediger 3. Mir war mehr nach Prediger 7,26, aber ich war ja auch mit Paula da. Ich bemühte mich also vor allem, im Hintergrund zu bleiben, um nicht hinterher beschuldigt zu werden, ich drängte mich in den Vordergrund, wo doch die Kinder der Verstorbenen stehen sollten, und stand also meistens herum wie Falschgeld.

Auf jeden Fall sollte ich welchem Pfarrer auch immer einige Anweisungen hinterlassen. So zöge ich dem so gängen 23. Psalm den 30. vor:

Sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude.

Die zwei Zufalls-Gäste bei meiner Beerdigung wird es freuen, dass die Trauer nicht endlos sein wird. .

https://www.bibleserver.com/text/LUT/Prediger3

http://bibeltext.com/ecclesiastes/7-26.htm

Die Roten Wasser der Apokalypse

http://www.ard.de/home/intern/presse/pressearchiv/_Rote_Wasser____ARD_Radio_Tatort_im_November/2219448/index.html

In diesem Tatort spielt „Der dionysische Strom im Leben Nietzsches“ eine Rolle. Dieser wie die meisten deutschen Philosophen zu weitgehender Unverständlichkeit neigende Berufs-Denker übernahm von einem Vorgänger die Idee zweier Konzepte, die das Leben des Menschen bestimmen.

Dionysisch ist dabei der Rauschzustand, das Chaos, apollinisch die Ordnung, das Gesetz. Beiden gemeinsam scheint mir ein bewusster Verzicht auf die Kontrolle über das eigene Leben. Denn im Rausch entledige ich mich dieser Kontrolle völlig, sonst aber ordne ich mich dem Gesetz unter, übertrage diese Kontrolle also willentlich auf eine andere Instanz.

In welcher Weise sich in Nietzsches Auffassung und seiner folgenden Ablehnung des apollinischen Prinzips der Konflikt zwischen einer repressiven, immer noch religiös geprägten Gesellschaft und seiner Homosexualität ausdrückt, überlasse ich mit grosser Begeisterung den Fachleuten.

Meine Helden betrachten den Kontrollverlust von einem anderen, kraftvollen und eher amerikanischen Standpunkt aus. Corwin etwa entsagt in Zelaznys „Prinzen von Amber“ dem Thron und der Macht über ein komplexes Reich, um die Kontrolle über sein eigenes Leben zu gewinnen, sein Sohn Merlin besteigt den Thron aus dem gleichen Grund. Buffys Leben ist ein Zweifrontenkrieg, hier gegen Vampire, Dämonen und die Mächte der Finsternis, dort der darum, Herrin ihres eigenen Geschicks zu sein.

Als sie am Ende der Fernsehserie alle potentiellen Jägerinnen weltweit aktivieren lässt („Von jetzt an wird jedes Mädchen auf der Welt, das eine Jägerin sein könnte, auch eine Jägerin sein. Jedes Mädchen, daß die Kräfte haben könnte, wird die Kräfte haben.“), ist das übrigens eine Form asexueller Reproduktion.

In „Carmilla“ haben am Anfang weder Mircalla von Karnstein noch Laura Hollis wirklich die Macht über ihr eigenes Leben. Die so akzentfrei kanadisch sprechende Österreicherin steht unter der Herrschaft ihrer Mutter, die sie auch so nennt und nie mit einem Diminuitiv, ihre Zimmergenossin/Freundin/Liebhaberin hingegen unterliegt ihren eigenen Zwängen, die sie in jeden Kreuzzug zwingen, eine Kriegerin um des Krieges willen, mutig zwar, aber ohne Verständnis für den Preis, den sie am Ende zahlen muss.

Am Anfang von Staffel 3 hat Carmilla ihren Ablösungsprozess vollzogen und ist bereit, ihre Mutter nicht deswegen zu töten, weil sie ihre Mutter ist, sondern weil die ihr nach dem Leben trachtet. Laura allerdings steckt noch tief in einer Entwicklungskrise.

Und ich bin immer noch im Team Dean. Theo, Danny und die Aussicht auf die Apokalypse? Alle drei sehen verflixt gut aus, und das ist eine bekannte Tatsache.

well-known-fact

Die Erben Dworkins

Ich erzähle mir die Geschichte meiner Fehler und Missgeschicke wieder, sie neu bewertend, Blumen erkennend, wo ich vorher nur soliden Basalt sah, Tore in der Wüste, wie die Amerikaner früher manchmal die Auswege nannten, die nicht zu erwarten waren, und Roger Zelazny eines seiner vorzüglichen Werke.

https://en.wikipedia.org/wiki/Doorways_in_the_Sand

Auf diese Weise kann ich meine Persona vielleicht reparieren, die im Laufe der Zeit den einen oder anderen Schaden, die eine oder andere Delle erhalten hat. Denn ich muss wieder glauben können, ein einigermassen lebenstauglicher Mensch zu sein, vielleicht gar sympathisch. Ich muss mich selber heilen. Paula wird es nicht tun, Maniac wird es nicht tun, und Ambros wird es auch nicht tun. Und wer in unserer Gesellschaft auf einen Termin beim Therapeuten wartet, muss schon jung und gesund sein, damit er auch erlebt, dass ihm die Folgen von Alter und Krankheit behandelt werden.

http://gutenberg.spiegel.de/buch/casanovas-heimfahrt-5361/1

Was ich gerade erlebe, hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Prozess, den Zelazny in seinen ebenso vorzüglichen Amber-Romanen beschreibt. In dem übertragen die Helden magische Fähigkeiten auf sich oder bestimmte Gegenstände, indem sie das „Muster“ oder den „Logrus“ beschreiten, zwei magische Hindernis-Parcours, die zugleich im Kleinen die beiden Teile des Amber-Universums strukturierend abbilden, Ordnung und Chaos, Amber und die Burgen. Je nachdem, welcher seiner Helden den Vorgang beschreibt, ähnelt er dann einer Psychotherapie oder dem Neu-Start eines Betriebssystems, ist aber immer ein Prozess, den man nicht abbrechen darf ohne übelster Folgen gewahr zu sein.

https://en.wikipedia.org/wiki/The_Chronicles_of_Amber

Nic Silver erwähnt übrigens Zelazny nie, obwohl der Weg nach Tanis durch die Wälder des amerikanischen Nordwestens eine ausgesprochene Ähnlichkeit mit dem Gang über das Muster hat.

https://www.tumblr.com/search/Nic%20Silver

Ich habe aus Angst gehandelt, aus verletzter Ehre, aus geringem Selbstwertgefühl und falsch verstandener Liebe, aus allen falschen Gründen, die man nur haben kann. Ich habe alles unternommen, was mann unternehmen kann. Ich habe sogar mit Paula geredet. Mehr hätte selbst Merlin Barimen nicht tun können.

https://en.wikipedia.org/wiki/Merlin_of_Amber

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Hier irrt Stephen Hawking

Unsere Vorstellung des Universums ist grundsätzlich falsch. Der Welt ist keine Scheibe, die auf den Rücken vierer Elefanten ruht, die auf dem Rücken einer riesigen Schildkröte stehen. Tatsächlich ist die Welt ungefähr kugelförmig, einer von 8 1/2 Planeten, die um eine Sonne kreisen wie die Herren Kepler und Kopernikus es bereits postuliert und wissenschaftlich bewiesen haben. Dieses Sonnensystem befindet sich im Mittelpunkt eines Universums, das allerdings einen eher bescheidenen Durchmesser von gerade mal etwa anderthalb Lichtjahren hat.

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Es wurde von Red Orc, einem Angehörigen einer uralten und ungeheuer mächtigen Rasse, nach seinen Wünschen und seinen Vorstellungen geschaffen. Auf den verschiedenen Planeten, vor allem auf der Erde, gibt es eine Anzahl verborgener Transmitter, mit denen der Eingeweihte das Universum verlassen kann, um das eine oder andere andere zu besuchen, das ein anderer Angehöriger dieser Spezies, ein Kind oder Enkel Red Orcs, nach seinen Bedürfnissen geformt und mit seinen Kreaturen besiedelt hat, die uns ähnlich sein können, aber keinesweg müssen.

So wenig diese Fakten allgemein bekannt sind, so finden wir doch bestimmte Darstellungen in der Kunst und Mythologie, die davon beeinflusst sind. Speziell die Götter des griechischen Pantheons und ihre Kollegen im Himmel der Etrusker und Wikinger ähneln Red Orc und seinen Verwandten.

In neuerer Zeit haben Roger Zelazny (Nine Princes in Amber) und Roland Emmerich (Stargate) das Thema aufgegriffen. Dabei zeigt Zelazny die Mächtigen stärker als eine weitverzweigte und inzestuöse Familie, Emmerich sie vor allem als eine fremde Rasse. Er betont auch den Konflikt aus ihrer grossen Macht und ihrem Verfall, der sie von ihren eigenen Geschöpfen abhängig gemacht hat, sie in vielen Fällen sogar zu Parasiten reduziert hat, eine Position, die wir so auch bei Philip J. Farmer finden, dessen Darstellung (The World of Tiers) wahrscheinlich die genaueste ist.

In einem gewissen Umfang scheint sich Farmer auf Berichte von Dimensionsreisenden zu stützen, die er in seiner üblichen Art mit Phantasien von Macht und Abenteuern und – die alte Hete – schönen Frauen verbindet. Wie realistisch das ist, kann ich erst genau sagen, wenn ich selbst einen Teleporter finde und benutze. Sollte das nächste Universum und seine Bewohner(innen) auch nur ansatzweise den Beschreibungen des Alten aus Peoria ähneln, werde ich allerdings weder Zeit noch Lust haben, darüber zu bloggen.

http://rooschristoph.blogspot.de/2011/08/jose-philip-farmer-die-welt-der-tausend.html

http://spielwaren-heyer.de/Puzzle-Spiele/Puzzle/Sonnensystem-Puzzle-70tlg.html

Der Tod spricht in Kapitälchen

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