WWBST – Was würde Buffy Summers tun?

Bei Jean-Baptistes Geburt legten ihm die guten Feen Intelligenz in die Wiege und ein leidlich gutes Aussehen, die böse Fee aber schenkte ihm die Fähigkeit, sich mühelos unbeliebt zu machen. Das – und seine Freundschaft mit zwei Mitschülern, bei denen die guten Feen nach einem kurzen Blick auf die beiden erst einmal rauchen gegangen waren – brachte ihm den Unwillen seines Schulleiters ein. Er spielt jetzt auf seinem PC Zombie-Killer, bis das Schulamt eine neue Bildungseinrichtung für ihn gefunden hat.

Der Trägheit seines Stiefvaters und seiner Mutter gewahr, die sonst auch schon einen anderen Stiefvater für ihn gefunden hätte, ergriff ich seine Partei und behauptete, er werde schon noch die Kurve kriegen, also weder Hartz IV-Empfänger auf Langzeit-Basis noch Anwalt für Abmahnrecht werden. Um ihn auf sein Meeting mit dem nächsten Oberstudiendirektor seiner schulischen Laufbahn vorzubereiten, versorgte ich ihn mit einem Video, einem Ausschnitt aus der ersten Episode meiner Lieblings-Serie, indem die junge Miss Summers einer ähnlichen Situation begegnet.

Von Buffy Summers lernen heisst siegen lernen. Wer einem Robert Flutie ins Auge blicken konnte, bestand danach auch jede Auseinandersetzung mit Dämonen, Vampiren, Werwölfen, Zombies, Elite-Soldaten, schlechtem Geschmack bei Kleidung und seinen eigenen Schwächen.

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Isst Superman kosher?

Ich wünschte, ich hätte Paula zugehört. Irgendwie ging es wohl um die tausend ECU, die uns jetzt monatlich fehlen werden.

Allerdings dachte ich gerade darüber nach, ob es einen Unterschied gemacht hätte, wäre Ka-El statt von Jonathan und Martha Kent von Herbert und Rachel Feinstein gefunden worden. Formen Synagoge, Lichterfest, gefillte Fisch und eine Eisenwaren-Handlung an der einzigen Strassenkreuzung von Smallville, Kansas, statt Kirche, Weihnachten und Landarbeit einen anderen Superhelden? Es hätte ihn auf jeden Fall schon ein Molah auf Krypton beschneiden müssen, denn ein irdisches Skalpell hätte ihn ja nicht verletzen können.

Wäre er dann mehr wie Sampson gewesen als der Hercules Americanus, der amerikanische Avatar des Herakles, immer noch im Konflikt mit seiner Herkunft, immer noch seinen Schuldkomplex verarbeitend? Oder hätte er als Clark Feinstein eine Psychotherapie machen können? Wir werden es nie erfahren.

Wie es allerdings bei uns mit tausend ECU weniger weiter geht, werden wir bald erfahren. Allzu viele Möglichkeiten gibt es da wohl nicht.

Der Schmock hat seine Schuldigkeit getan…

Bild 22 des I Ging lässt sich grob mit „Form follows function“ übersetzen. Ich muss also in der Situation, die sich aus der Kündigung des Schmocks ergeben wird, darauf achten, dass vor allem das Ergebnis stimmt. Meine größte berufliche Leistung ist es immerhin, über Jahre eine Stelle gehalten zu haben, die sonst keiner wollte. Und das soll ja doch nicht verschwendet sein.

Sire, geben Sie Gedankenfreiheit

David McAllister, Spitzenkandidat der CDU für die Europa-Wahl, spricht sich gegen eine weitere Erweiterung der EU in den nächsten fünf Jahren aus. Ist es sein Ziel, jene Bürger zu beruhigen, denen die Einwanderung billiger Arbeitskräfte aus Rumänien und Bulgarien nicht geheuer ist? Aber genau wegen dieser Geringverdiener wurden diese beiden Länder doch in die EU aufgenommen.

Oder möchte uns der Caledonia-Deutsche versichern, dass die Staatengemeinschaft eine Konfrontation mit dem autokratischen Russland nicht auf die Spitze treiben wird, indem sie der Ukraine den Beitritt anbietet? Doch tatsächlich spricht einiges für eine Pause. Da muss erst mal einiges zusammen wachsen, was noch lange nicht zusammen gehört.

Und wir, Parlament, Mitgliedsstaaten und Bürger brauchen einige Antworten auf Fragen, die sich bald stellen könnten. Wie etwa werden wir reagieren, wenn England (oder auch ganz Großbritannien) aus der EU austritt, wie wenn statt eines Staates Italien plötzlich vier da sind, wie wenn ein ungarischer Abgeordneter im Palament die Rückgabe ehemals ungarischer Gebiete von den Nachbarstaaten verlangt? Oder sich ein EU-Staat von der Demokratie verabschiedet?

Bis jetzt war auch niemand auch nur bereit, soweit zu denken. Denken wir weiter.

Mit der Panzerfaust gegen den Klimawandel

Es reiste Kronos, der Götterzeuger, nach seinem Sturz durch Zeus, zu den fernen Inseln der Seligen, die gar nicht so selig waren wie es auch mit dem Goldenen Zeitalter nicht so weit her war, dem er vorstand. Aber was ist auch von jemandem zu erwarten, der seine eigenen Kinder frisst, seinen Vater kastriert und dumm genug ist, den Unterschied zwischen einem strammen Säugling und einem Stein nicht zu erkennen?

In diesem Mythos schwingt die Erinnerung an den Kampf zwischen Kronos, einem führenden Dämonen Ahrimans, des Gottes der Finsternis, und dem Trickster-Gott Zeus mit, in dem der Verstand sich der Kraft als überlegen erweist. Kronos flieht mit seinen überlebenden Sklaven und Anhängern vor dem neuen Gott weit nach Süden. Da die Zahl seiner Anhänger angesichts seiner Gepflogenheit, sie gelegentlich zu verspeisen, immer mehr sinkt, ist er nach einiger Zeit allein und ohne seine gewohnte Nahrung auch so geschwächt, dass ein plötzlicher Klimawandel, der aus den Inseln der Seligen die Antarktis macht, ihn tiefgefrostet als die weisse Statue, die der Titelheld und sein Begleiter am Ende von Edgar Allan Poes Roman „Die denkwürdigen Erlebnisse des Arthur Gordon Pym“ sehen.

Als er am Temperaturhöhepunkt eines Milankovic-Zyklusses, unfähr im Frühjahr 2003, aus diesem Dämmerschlaf erwacht, findet er sich allein und verlassen in einer langsam tauenden Eislandschaft wieder. Mit der Hilfe einiger russischer Seeleute und italienischer Antarktisforscher, die er sich unterworfen hat, beginnt Kronos ein weitreichendes Projekt um die Welt in den Zustand vor seiner Entmachtung zurück zu versetzen. Das bedeutet natürlich das Ende der Welt wie wir sie kennen, und die Ausrottung eines grossen Teiles unserer und der meisten anderen Spezies, schon weil das einen Anstieg der Temperaturen um bis zu 6° C und eine deutliche Reduzierung der Niederschläge voraussetzen würde.

Offensichtlich entgeht das aber nicht der Aufmerksamkeit seines alten Widersachers, den wir heute als Michabou kennen, den Grossen Hasen, und als Harvey, der Schlauheit und Freundlichkeit als rechten Weg propagiert. Sein treuer Leutnant Dionysos Jones rekrutiert einmal mehr Roxy und den Wodun-Priester Aristide, um die Menschheit zu retten, die sich mit reichlich Distelsamen, Weihwassser und Patronen bewaffnet auf den Weg nach Süden machen.

In Argentinien lernen sie einen Mönch kennen, einen sehr kurz geratenen und breite Mann, der sein Gesicht immer unter seiner Kapuze verbirgt. Er nennt sich Cartman, betont weder verwandt noch verschwägert zu sein, und hat ein ganz unmönchisches Interesse an Gesang und Tanz und Erotik. Mit ihm zusammen reisen Roxy und Aristide weiter, erst mit einem alten Toyota-Pickup, dann mit der Jacht eines exzentrischen Hollywood-Schauspielers samt diesem Schauspieler und seiner sexuell ambivalenten Lebensgefährtin.

So erreichen die drei die Antarktis, wo sie sich Kronos, seinen Dienern und einer kleinen Armee von Zombies stellen. Die Untoten tragen Uniformen, die ziemlich deutsch und ziemlich prä-45 aussehen. Dabei stellt sich heraus, dass der Mönch nicht wirklich einer ist. In Wirklichkeit ist er der Heilige Bessus, Beschützer der Kinder, Mütter und Schafherden, der letzte Avatar von Bes, dem ägyptischen Gott, der einst mit pygmäischen „Zwergen des Gottestanzes“ aus dem tiefen Herz Afrikas in den Norden gekommen war, und nun für die allergrösste Schafherde in den Kampf gegen Kronos zieht. Seine Fähigkeiten mit dem Schwert und seine schiere körperliche Kraft sind ein Vorteil im Kampf mit Zombies.

In der Eiswüste treffen sie auf eine Gruppe türkischer Dervishi im Dienst Ahura-Mazdas, den sie Allah nennen. Mit diesen Verbündete setzen sie ihre Reise zum Sitz Kronos‘ fort, einer Art Oase. Im Kampf mit den Dienern des Titanen sterben die meisten Dervishi. Da Kronos durch keine geschmiedete, keine stumpfe und keine scharfe Waffe besiegt werden kann, verwendet Roxy, die offensichtlich alle Episoden von Buffy gesehen hat, eine Panzerfaust 30 aus den Beständen der Zombies. Am Ende stehen sie, Aristide und Bes an einem Ufer und warten in der Nähe eines Flugzeugwracks auf die Jacht.

Jenseits von Gutundböse

In Orten wie Hagen, wie Gutundböse, wie Mösseln an der Maar gibt es noch Buchhandlungen. Keine Filialen nationaler Medien-Handels-Ketten, sondern kleine, beschauliche Buchhandlungen. Und natürlich auch Buchhändlerinnen. Und Apotheker, die ihren Medikamenten-Handel in der dritten Generation betreiben, Lehrer, die Generationen in einer uralten Schule unterrichten, und vielleicht sogar noch Journalisten, das ganze Spektrum klassischer, bürgerlicher Berufe.

Hier halten sie sich noch, in kleinen Städtchen, die ihnen Rückzugsgebiet sind, nicht aber Reservat. So wird die Veränderung unserer Welt sie früher oder später auch dort erreichen, nachdem sie Berufe wie Schriftsetzer, Werftarbeiter und Bergmann entweder ausgerottet oder in Länder vertrieben hat, die wir vor der Agenda 2010 Billiglohnländer nannten. An die Stelle der kleinen Buchhandlung tritt Schritt für Schritt Amazon, an die der inhaber-betriebenen Apotheke DocMorris, der Lehrer verdient sich längst mit online-Nachhilfe etwas dazu und der Journalist ist nur noch in “Heiter bis tödlich- Zwischen den Zeilen” kein Blogger, kein mit einem IPhone bewaffneter “Bürger-Reporter”.

Betonte die Veränderung eine Generation lang den Unterschied zwischen dem auf Dauerhaftigkeit angelegten Bürgertum und den Arbeitern, Ingenieuren und Managern, die ihrer Arbeit hinterher wandern, nivelliert sie jetzt genau diesen Unterschied und deklassiert dieses kleinstädtische Bürgertum. 

Wir brauchen also unbedingt neue Unterschiede, um neue Klassen zu definieren.Wo kommen wir denn sonst hin?