Das Wunderland

Ich betrat das Bankhaus Lombard in der Bahnhofstrasse um 14:00 Uhr. Irgendwann hatte diese Strasse einmal Kaiser-Wilhelm-Strasse gehiessen. Das war lange vor der Einführung des Internets gewesen, das fast alles kann, aber keine Schecks einreichen.

Für die Bankkauffrau hinter dem Schalter hingegen war das eine einfache Übung. Immerhin hatte sie gerade erst vor einigen Tagen diese Aufgabe schon einmal bewältigen müssen. Einige Minuten und eine Unterschrift später war ich in der Lage, die Rechnung der Zahnärztlichen Abrechnungsstelle per Überweisung zu begleichen.

Wo ich schon einmal in einer IRL-Bank war, zahlte ich auch ein Pfund Geldscheine ein, die sich so… angesammelt… hatten. Es ist immer wieder überraschend, wieviel zusammen kommt, wenn man von jeder Runde auf dem Pizza-Karussell einen Ecu abzweigt. Ich behielt soviel übrig, dass ich eine Übernachtung in einem preiswerten Hotel bezahlen konnte. Sicher ist sicher.

Zu diesem Zeitpunkt war ich schon zwei Stunden unterwegs gewesen. Eine Stunde hatte ich für den Weg vom aktuellen Standort von Yoyodyne Europe zum neuen benötigt, eine halbe von dort dann zum Hauptbahnhof, wo ich mein Vehikel neben einer V-Clic parkte. Ich hätte schneller sein können, jedoch riet das unvertraute Terrain zu einer vorsichtigen Teilnahme am Strassenverkehr.

Der neue Unternehmenssitz befindet sich auf dem Gelände einer alten, denkmalgeschützten Drahtseilfabrik. Das Areal ist riesig, die Reiferbahn leer, die Werkhallen und Lagerräume auf der anderen Hälfte zum Teil ausgehöhlt und mit Büro-Containern gefüllt, zum anderen Teil zu Werkstätten umgebaut. Ein offener, aber überdachter Teil ist abschnittsweise eingezäunt.

Dort stehen dann Wohnmobile, alte Autos, Baumaschinen zur späteren Wiederverwendung.

Diese Disproportionalität und die Abgeschiedenheit von dem Stadtteil, zu dem die Anlage formell gehört, irritiert. Es scheint den Keim dauerhafter Unvollendung in sich zu tragen. Das hierzu befragte Buch der Wandlungen weist auf den Sinn und Nutzen von Schranken und Beschränkungen hin. Gerade sie aber fehlen in gewisser Weise.

Dafür hat es in der Umgebung ein Bordell und eine Roller-Werkstatt, die von Motorini-Pizzini. Die Befähigung des Herrn Pizzini zur Reparatur von La Mosca ist noch von ihm zu dokumentieren.  

Zum Bordell, das Wunderland heisst, kann ich noch nichts sagen, als das der Eintritt 70 Ecu kostet. Ein Betrag, der für die Leistungen angemessen sein mag, aber in keiner Relation zu meinem Mangel an Bedürfnis danach steht

Der einzige Discounter in leidlicher Umgebung liegt schon auf dem Gebiet jenes Stadtteiles, zu dem die Anlage gehört und nicht gehört.  Er ist wegen seiner Einwohner bekannt, die im Ruf stehen, fehlendes Geld durch kriminelle Energie zu ersetzen. Die meisten, die ich auf der Strasse sah, wären RTL2  für “Armes Deutschland” zu herunter gekommen gewesen.

Shit-Life-Syndrome

Ich habe zwei Tage lang nur geschlafen. Zwar geschah es aus Schwäche und Krankheit, trotzdem habe ich selten Zeit angenehmer verbracht. Gelegentlich kam mir dabei allerdings  der Gedanke, es sei die Zeit gekommen abzunippeln.

Jedoch war der Gedanke hier: “Ich sterbe. Und das ist gut so.” Bedauerte ich dabei etwas, war es, dass ich nichts bedauerte. Paula, da war ich gewiss, würde sich mit der Lebensversicherung versehen, endgültig in ein Paulaversum voller Katzen verziehen und mir die Schuld an meiner Abwesenheit vorwerfen.

Mit so etwas hat sie Übung. Sie warf mir schliesslich auch vor, dass ich mich nicht an der Hausarbeit beteiligte, während ich schlief. Da kann es schon einmal vorkommen, dass jemand auf den Gedanken kommt, dieses Leben sei es nicht wert.

Zumal wenn ihn die Freude auf die Zusammenarbeit mit Abteilungsleiter Schweinebacke und vier Stunden Arbeitsweg umfasst.  Zählt es als Depression, wenn man gute Gründe dafür hat, niedergeschlagen zu sein, oder fällt das unter SLP – Shitty Life Problems?

https://www.theguardian.com/commentisfree/2018/aug/19/bad-news-is-were-dying-earlier-in-britain-down-to-shit-life-syndrome

Call me Claus

Call me Claus, 2001, director Peter Werner, with Whoopi Goldberg, Taylor Negron and Nigel Hawthorne

In this movie an older migrant, a probably asexual POC and a very, very gay guy save the world.

Just that. 18 years ago. The internet was quite new and Buffy still kicked. The early millenium was cool.

Ho! Ho! Hä?

Ich habe wieder eine Weihnachtsfeier überlebt, eine Apotheose aus Schnitzeljagd, dem britischen Kollegen als Weihnachtsmann und gefüllter Paprika.

Ich arbeite ja durchaus gerne und stehe auch dazu. Denn dabei gibt es einen Verhaltenskodex, der die sozialen Beziehungen zwischen mir und meinen Kollegen streng reguliert. Das erleichtert es beiden Seiten den Umgang miteinander.

Ausserhalb dieses Konstruktes wird es dann natürlich schwierig. Ich zumindest habe das deutliche Gefühl, mich wie der Depp vom Dienst zu verhalten. Trotzdem sind diese Veranstaltungen nötig.

Denn bei ihnen versichere ich mich immer wieder, dass sich an dieser Beziehung nichts geändert hat, dass diese Regeln weiterhin gelten. Jenseits des Menschenlandes gibt es noch die Welt des Wahnsinns voller Stimmungsumschwünge, Launen und Chaos, in der Paula lebt.

Im Übrigen wünschte ich mir für die Zukunft, mein Schnitzel nicht mehr jagen zu müssen. Es reicht mir durchaus, es gebraten auf meinem Teller zu finden, dazu ein wenig Salat, Pommes-Frites und eine kleine Cola.