Der Kurier des Tzaren

theworst

Der Tzar sandte die Kündigungen per Kurier an einem Sonntag Abend. Herr Strogoff besuchte dann die Hälfte meiner Kollegen, band sein Mongolenpferd an ihre Zäune und an Lichtmasten vor ihren Türen, um seinen Brief bei ihnen einzuwerfen.

Mich jedoch besuchte der zuverlässige Kurier mit der Pelzmütze nicht. Ich ziehe jetzt in Erwägung, deswegen zutiefst beleidigt zu sein. Immerhin gehöre ich solange zum Team, dass man mich und meine Arbeit wenigstens in dieser Form hätte würdigen können. Ausserdem hatte ich für diesen Fall schon einiges geplant, in dem die Abfindung eine tragende Rolle spielen sollte.

Der Neandertaler ist nicht mehr da, Mimi ist nicht mehr da, Laroux, Dionysos, der Typ im Cocktailkleidchen und etliche mehr, die nicht durch ihre eigene Schuld in diesem Blog nicht auftraten, im Leben aber sehr präsent und in einigen Fällen auch tüchtig waren. Sie ersetzte ein Mangel an Strategie, den ich dem Tzaren anlaste. Entweder weiss er nicht, was er tut, oder er weiss sehr genau, was er tut, und es ist etwas ganz anderes, als sowohl die Unternehmensleitung von Yoyodyne als auch wir, seine getreuen Unterlinge, denken.  

https://www.goodreads.com/ebooks/download/17456778-jules-verne—michael-strogoff—der-kurier-des-zaren—vollst-ndig-ber

http://www.j-verne.de/verne21.html

 

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Oinos und der Tisch des Aeneas

Zwischen den Männern aus Ceuta, der alten Stadt am Meer, die an Pizza-Ofen und Gasherd arbeiten, diskutieren Gengis der Mongole und ich seine Religion. Er, der Enkel, den Dschingis-Khan verleugnen würde, hat dem animistischen Glauben seiner Ahnen abgeschworen und sich dem Dionysos geweiht.

Ich fragte mich, ob dieser Gott vielleicht irgendwann ein Mensch gewesen war, ganz am Anfang, tief in der Ackerkrume der Zivilisation, als die Grenzen zwischen diesen beiden Gruppen und den Tieren, Pflanzen und Orten noch nicht so genau gezogen waren. Dann hätte ihn, der vielleicht auf Kreta oder Zypern geboren wäre, nicht Hera mit Wahnsinn gestraft, sondern es wäre der ganz normale Wahnsinn gewesen, der allzu menschliche
Wahnsinn, der immer gerade um die Ecke auf uns lauert.

Geheilt durch eine Kombination aus heiligen Riten, Psychotherapie und steinzeitlichen Psychopharmaka könnte er sich dann daran gemacht haben, den Menschen das Heil zu bringen, das ihm selbst zuteil geworden war. In diesem Fall wäre er ein Vorläufer des Christus, des Buddha, des Guru Nanak gewesen, der anders als diese moderneren Erleuchter jedoch nicht die Askese, sondern die Exstase als Heilsweg gepredigt hätte.

Der lange Mongolensprössling störte sich wenig an meinen Gedanken. Die moderne Ausprägung dieser alten Religion ist recht tolerant, vielleicht auch weil sie den Oinos durch Haschisch und andere Substanzen ersetzt hat.

Dionysos

http://www.kika.de/sagenhaft-maerchen-aus-aller-welt/sendungen/sendung67880.html

Die Roten Wasser der Apokalypse

http://www.ard.de/home/intern/presse/pressearchiv/_Rote_Wasser____ARD_Radio_Tatort_im_November/2219448/index.html

In diesem Tatort spielt „Der dionysische Strom im Leben Nietzsches“ eine Rolle. Dieser wie die meisten deutschen Philosophen zu weitgehender Unverständlichkeit neigende Berufs-Denker übernahm von einem Vorgänger die Idee zweier Konzepte, die das Leben des Menschen bestimmen.

Dionysisch ist dabei der Rauschzustand, das Chaos, apollinisch die Ordnung, das Gesetz. Beiden gemeinsam scheint mir ein bewusster Verzicht auf die Kontrolle über das eigene Leben. Denn im Rausch entledige ich mich dieser Kontrolle völlig, sonst aber ordne ich mich dem Gesetz unter, übertrage diese Kontrolle also willentlich auf eine andere Instanz.

In welcher Weise sich in Nietzsches Auffassung und seiner folgenden Ablehnung des apollinischen Prinzips der Konflikt zwischen einer repressiven, immer noch religiös geprägten Gesellschaft und seiner Homosexualität ausdrückt, überlasse ich mit grosser Begeisterung den Fachleuten.

Meine Helden betrachten den Kontrollverlust von einem anderen, kraftvollen und eher amerikanischen Standpunkt aus. Corwin etwa entsagt in Zelaznys „Prinzen von Amber“ dem Thron und der Macht über ein komplexes Reich, um die Kontrolle über sein eigenes Leben zu gewinnen, sein Sohn Merlin besteigt den Thron aus dem gleichen Grund. Buffys Leben ist ein Zweifrontenkrieg, hier gegen Vampire, Dämonen und die Mächte der Finsternis, dort der darum, Herrin ihres eigenen Geschicks zu sein.

Als sie am Ende der Fernsehserie alle potentiellen Jägerinnen weltweit aktivieren lässt („Von jetzt an wird jedes Mädchen auf der Welt, das eine Jägerin sein könnte, auch eine Jägerin sein. Jedes Mädchen, daß die Kräfte haben könnte, wird die Kräfte haben.“), ist das übrigens eine Form asexueller Reproduktion.

In „Carmilla“ haben am Anfang weder Mircalla von Karnstein noch Laura Hollis wirklich die Macht über ihr eigenes Leben. Die so akzentfrei kanadisch sprechende Österreicherin steht unter der Herrschaft ihrer Mutter, die sie auch so nennt und nie mit einem Diminuitiv, ihre Zimmergenossin/Freundin/Liebhaberin hingegen unterliegt ihren eigenen Zwängen, die sie in jeden Kreuzzug zwingen, eine Kriegerin um des Krieges willen, mutig zwar, aber ohne Verständnis für den Preis, den sie am Ende zahlen muss.

Am Anfang von Staffel 3 hat Carmilla ihren Ablösungsprozess vollzogen und ist bereit, ihre Mutter nicht deswegen zu töten, weil sie ihre Mutter ist, sondern weil die ihr nach dem Leben trachtet. Laura allerdings steckt noch tief in einer Entwicklungskrise.

Und ich bin immer noch im Team Dean. Theo, Danny und die Aussicht auf die Apokalypse? Alle drei sehen verflixt gut aus, und das ist eine bekannte Tatsache.

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