Helden, Schurken und Dolisten

Ich stelle Jack Campbells “Furchtlos” in mein virtuelles Bücher-Regal zurück. Die Geschichte des Schiffbrüchigen, dem der Befehl über eine ganze Flotte anvertraut wird, ist der der Honor Harrington ähnlich und unähnlich.

Beide sind brillant und haben Autoren, die uns das nicht vergessen lassen. Doch beförderte den einen nur der Zufall und die Dauerhaftigkeit der Lebenserhaltungssysteme seiner Kryo-Kapsel an das obere Ende der Rangliste, die andere ihre Leistungen.

Interessanter fast sind ihre Gegner. Die Republik Haven, die Honor Harrington bekämpft, ist eine Mischung aus dem revolutionären Frankreich von 1792 und dem Volks-Sozialismus à la DDR mit reichlich Hartz 4-Empfängern. Die heissen hier Dolisten und sind ein Grund für die aggressive Aussenpolitik, die ihnen durch Eroberungen jene Arbeit anderer verschafft, von der sie leben.  

John Geary hingegen schlägt sich mit den Syndiks herum, einer Diktatur, bei der ungefähr jeder in der einen oder anderen Weise Angestellter eines Konzerns ist. Bürokratie ist daher eine Grundkonstante dieser Gesellschaft, und ein Sonnensystem, das keinen Ertrag bringt, wird schnell mal aufgegeben und die Bevölkerung dahin umgesiedelt, wo die Menschen für ihre Arbeitgeber gewinnbringender sind.

Diese Entwürfe von Feinden erzählen einiges darüber, was der Durchschnitts-Amerikaner – beide Autoren sind von jenem Stamm – ablehnt. Diktaturen überhaupt scheinen dort unbeliebt zu sein, Sozialhilfeempfänger, Bürokraten und anonyme Grossunternehmen. Oh, und Kriegsverbrechen. Da scheinen die Vettern jenseits des Atlantiks nicht wirklich anders zu sein als wir.

Interessant wäre an dieser Stelle auch eine vergleichende Untersuchung der Religionen, des reformierten Katholizismus des Honorverse, des Ahnenkultes, dem Black Jack Geary folgt, und vielleicht der Kirche Aller des Musketeer Space.

Das Fabergé-Ei in der Verfinsterung des Lichts

Die Umstände meines Lebens sind von jener Art, die niemand schätzt. Denn wer mag es schon, wenn er zu schwach ist, um eine Situation auszuhalten, zu feige, sie hinter sich zu lassen und nicht dumm genug, um sich beider Eigenschaften nicht bewusst zu sein.

Das I Ging kommentiert die Situation mit dem Bild 36 – Die Verfinsterung des Lichts. Als wüsste ich nicht, dass ich gerade im Dunkel wandere. Die toten Chinesen rufen zur Pflichterfüllung auf. Doch wem gilt meine Pflicht? Dem Guten? Paula? Mir selbst? Die weisen Verstorbenen sind an diesem Punkt nur eingeschränkt hilfreich.

Da wäre dann noch die Frage, was zum Teufel denn ich selbst will. Je öfter mich Paula anschreit, desto klarer wird, was ich nicht will. Düstere Phasen von Depression werden dann von Augenblicken unterbrochen, in denen mir einfällt, wie ich ohne technische Ausbildung komplexe Probleme gelöst habe. Da fallen mir in Paulas emotionalen Ausfällen auch  taktische Aspekte auf.

Gerade als ich das schreibe, erklärt Ulysses Hooten in Russland und Schlafanzug Lady Alexandra Lindo-Parker, dass sie eigentlich gar nicht heiraten will, aber auch niemandem auf die Füsse treten will und deshalb ihre Mutter nicht stoppen kann, die ihre Hochzeit organisiert wie eine Invasion.  

Am Ende greift sie sich aber das Fabergé-Ei, das Hooten weg geworfen hat. Wir müssen uns hin und wieder beschenken. Wer gerade keine herrenlosen Preziosen zur Hand hat, dem muss auch mal ein Gedanke reichen.

Wie sehen Sie es persönlich, von Google Quellensteuer einzufordern. Wäre das für Sie in Ordnung?

Nein, absolut irrwitzig. Sie müssen sich vorstellen. Die Steuer wird ja nicht bei Google erhoben, sondern letztlich bei den inländischen Unternehmen. Das würde für die gesamte Branche einen immensen Wettbewerbsnachteil bedeuten, weil jedes ausländische Unternehmen im Online-Bereich grenzüberschreitend verkaufen kann. Ich möchte gar nicht auf die Europäer eingehen, sondern nehmen wir einmal die Chinesen, die ohnehin den Markt überfluten. So überfluten, dass sie noch nicht einmal Umsatzsteuer abführen. Wenn Sie heute eine Artikel kaufen, der von einem chinesischen Unternehmen angeboten wird und dann eine Rechnung bekommen, dann werden Sie feststellen: Sie ist netto ausgewiesen. Das heißt, es gehen Milliarden am Fiskus vorbei. Rein in Form von Umsatzsteuer. Genau diese chinesischen Unternehmen würden nochmals von einer Steuer profitieren, die den inländischen Unternehmen einen Wettbewerbsnachteil verschafft.

https://www.merkur.de/lokales/muenchen-lk/schaeftlarn-ort73337/google-millionen-nachzahlung-wegen-google-werbung-ist-absolut-irrwitzig-11792888.html

Der Herr Mayer wirft hier ein Kern-Problem des Steuer-Rechtes auf. Dessen Basis ist nämlich der Steuerzahler. Von denen gibt es aber nicht so arg viele, und es werden immer weniger.

Die chinesischen Händler, die er erwähnt, Google und Amazon haben sich in Eigentinitiative von der Steuerpflicht befreit. Bei den Hartz IV-Empfängern ist eh nichts zu holen. Ein beachtlicher Teil der Werktätigen zahlt zwar Steuern, das aber von einem so niedrigen Einkommen, dass ihre Familien am Ende des Monats noch einen Zuschuss vom Staat bekommen.

Erstaunlich ist die Kreativität, die das Finanzamt München III hier aufbietet, um diese Lücke zu schliessen. Da wird jemand wohl bald dahin befördert, wo er keinen Schaden mehr anrichten kann. Denn an dieser Stelle hat der Herr Mayer Recht – wer das Huhn schlachtet, sollte für den Sonntag kein Spiegelei erwarten.


Von der Kunst, eine leere Schublade auszuräumen

Unter nicht unerheblichen Mühen hat man mir beigebracht, dass mir zwar mein Arbeitgeber nach dem Umzug einen Fahrtkostenzuschuss ausbefolgt, ich dann aber die Fahrtkosten nicht mehr als Werbungskosten ansetzen kann.

Ich erhalte also zum Ausgleich der längeren Strecke und des höheren Zeitaufwandes keinen lausigen venezuelanischen Bolivar. Erklär mir mal einer, warum ich dann als Betriebsrat über einen blödsinnigen Sozialplan verhandele, bei dem nichts herauskommt?

Oder warum das Unternehmen für die ersten beiden Jahre eine Rückstellung von 48.000 Ecu für den Ausgleich gebildet hat? Denn nach überschlägiger Rechnung muss es davon ja keinen Centimo davon ausgeben.

Ich bekomme entweder einmal im Jahr 1.700 auf meine Steuernachzahlung gut geschrieben oder über das Jahr verteilt 1.600 ausbezahlt?  Bei meinem Kollegen Charles sind es 4.389 Ecu zu 2.571.

Wäre ich ein anderer, zöge ich in Erwägung, meinen Arbeitgeber zu wechseln. Jedoch ist mir wohl bekannt, dass ich unsympathisch bin. Ich habe ein extrem mieses Karma, sozusagen das spirituelle Äquivalent vom Bromhidrose. Das limitiert meine Möglichkeiten, jedoch nicht meine Frustration und meine Wut.

Die Schwarze Schar reitet wieder

Kassel zu Beginn des 19. Jahrhunderts: In der Hauptstadt des von den Franzosen regierten Königreichs Westphalen herrscht Jérôme Bonaparte. Jacob Grimm wird dessen Privatbibliothekar und arbeitet mit seinem Bruder Wilhelm an der berühmten Märchensammlung. In Paris wird gleichzeitig der Grundstein für die moderne Kriminalistik gelegt – eine wichtige Rolle spielt hier der ehemalige Dieb und Betrüger Eugène François Vidocq. Was wäre, wenn sich die Grimms und Vidocq getroffen und zusammengearbeitet hätten?

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Unter der Beschränktheit des Mediums, der Kürze des Podcasts leidet das Werk. Ich leide auch. Denn so gerne wäre ich tiefer in diese Welt eingetaucht, die Herr und Frau Koppelmann da entworfen haben.

Immerhin handelt es sich eigentlich um eine Diktatur. Die allerdings gestattet im Gegensatz zu denen, die wir aus dem 20. Jahrhundert kennen, den Staatsbürgern ein nicht unerhebliches Mass an persönlicher Freiheit. Da wird die Leibeigenschaft abgeschafft, wo sie sich denn noch hält, die Religionsfreiheit eingeführt und den Bürgern mosaischen Glaubens die Ausübung aller Berufe gestattet.  

All das halten wir heute für quasi für Basics. 1807 war das noch relativ neu. Mich interessierte an dieser Stelle auch, welche Wünsche die Untertanen König Jeromes haben, die mit dem Regime unzufrieden sind. Stört es sie, dass die Regierung vor allem aus Franzosen besteht? Ziemlich sicher. Störte es sie, dass sie sich ihre Religion und ihren Beruf aussuchen können? Wahrscheinlich nicht.

Von diesen Dissidenten treten im Hörspiel zwei Gruppen auf. Da gibt es einmal diverse Geheimbünde und auf der anderen Seite die Schwarze Schar, eine Guerilla-Armee, die unter dem Befehl des alten Herzogs die Franzosen bekämpft, um ihn wieder an die Macht zu bringen. Viele dieser “Franzosen” aber sind Deutsche, denn durch das ganze Land und alle Familien geht die Frontlinie zwischen alter und neuer Welt.

Die Koppelmanns setzen das französische Kaiserreich im Podcast einmal mit dem vereinten Europa gleich und nennen einen der Geheimbünde “Identitäre”. Genau davon hätte ich jetzt gerne mehr gewusst.