Attack in Orange

Zu meiner grossen Freude verweigerte sich Paula dem Versuch, sie mit “Orange is the new Black” bekannt zu machen. Je weiter sie sich in ihr handgehäkeltes Taschen-Universum zurückzieht, desto weniger ist sie offen für Neues und zugleich geneigt, jemanden pervers zu finden. Kaum hatte eine mollige Afra einen prüfenden Blick auf die Möpse der Heldin geworfen, hiess es schon, ich sollte das Video abschalten. Ich hatte schon ein Binge Watching befürchtet.

Tommy Chong und der Kleine Bruder hatten mich mit einem Link zu einem Hort an Serien versorgt und mir “Attack On Titan” ans Herz gelegt. Davon habe ich aber erst eine Episode gesehen, abgelenkt von der Möglichkeit, die ersten beiden Folgen von BTVS noch einmal schauen zu können.

“Attack on Titan” variert zumindest am Anfang ein Thema, das im Anime immer wieder auftaucht, den Angriff einer anonymen Macht aus dem Quasi-Nichts auf die menschliche Zivilisation. Das wird vielleicht am schönsten in “Neon Genesis Evangelion” dargestellt und am frühesten in “Saber Rider and the Star Sheriffs”. Die Titanen, die Engel, die Outrider sind vor allem und überhaupt fremd. Sie sind sozusagen das Fremde an sich. Und sie können jederzeit und immer zuschlagen, blind für die Bedürfnisse der Menschen, ihre Ängste, ihre Schuld oder hypothetische Unschuld.

In dieser Hinsicht ähneln sie den griechischen Göttern, die mir als exzentrischem Eurozentriker näher liegen als die Kami des Shinto. Im Gegensatz zur Einstellung der Hellenen aber wappnen sich die Japaner mit sovielen Waffen wie möglich und von so grossem Kaliber als nur möglich und nehmen den Kampf auf. In wieweit da eine unterbewusste Erinnerung an die Bomberangriffe der Amerikaner im 2ten Weltkrieg auf ein als heilig empfundenes Japan mitschwingt, wäre ein Thema für eine Magister-Arbeit (also für einen anderen mit mehr Verstand).

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Wer nennt denn seinen Gaul „Plötze“?

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Das ist Gänseblümchen von der scimagischen Gesellschaft” So beginnt eine werbende email aus dem fernen China. Das Produkt ist uninteressant, da Yoyodyne es schon in gleicher Qualität und zu günstigerem Preis bezieht. Die mail wirft aber die Frage auf, wer den Google-Übersetzer Mandarin-Deutsch programmiert hat. Besonders verdächtig scheint mir hier ein Pole namens Andrej Sapkowski.

Ich habe seine Bücher um Geralt von Rivien gelesen. Da ignoriert dieser Geselle doch alle Regeln, die man im Unterricht für kreatives Schreiben lernt, klaubt sich die Namen von Figuren und Orten aus allerhand europäischen Sprachen zusammen und pfeift auf alle Regeln und Vorbilder. Und überhaupt – seine Sprache! Das ist ja regelrecht Umgangssprache. Da nennt der Held seinen Zossen dann doch wirklich „Plötze“, und sein Begleiter, ein Herr Julian Rittersporn, äussert sich kritisch über Religion und Frauen.

Hier ein besonders verabscheuenswertes Beispiel: 

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In diesem Jahr habe ich noch nichts Besseres gelesen als das. Die Welt, die Herr Sapkowski da entwirft, ist schlüssig, schon weil sie so voller unangenehmer Gesellen ist. Einige von ihnen sind sogar, was die Menschen Monster nennen. Der Rest der Monster sind Menschen. Die 12,99, die ich dafür ganz legal nicht bezahlt habe, haben sich auf jeden Fall gelohnt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Plötze

http://hexer.wikia.com/wiki/Geralt_von_Riva

http://www.buffed.de/The-Witcher-Spiel-38484/News/Netflix-produziert-Serie-1228135/

http://www.szscimagic.com

Vögeln?

„Kennst Du jemand, der sich gut mit vögeln auskennt?“

Wie antwortet man auf eine Frage wie diese? Und welche Antwort führt nicht zu einem Konflikt, der in Ausmass und Art selbst das Niveau unterschreitet, das ich mich in meiner Beziehung zu Paula immer noch zu erhalten bemühe.

Schliesslich ergäbe sich ja doch stets im nächsten Schritt die Frage, woher ich weiss, dass Sara angeblich einen Golfball durch einen Gartenschlauch saugen kann. Es gebricht mir da tatsächlich auch an persönlicher Expertise; diese Information stammt nämlich von Herrn Ambros, der auch mit seinen eigenen Fähigkeiten und Erfahrungen in dieser Richtung angibt. Das muss einem aber natürlich nicht geglaubt werden.

„Ich habe nämlich Vögel vom Dachboden gehört und die Klappe geöffnet.“

Wie beruhigend war diese Information, ergab sich doch hier Konfliktpotential allein aus der später noch korrekt zu verschliessenden Klappe, die jetzt recht gewiss nur von zwei Stahlfedern gehalten und mit einer handgeschmiedeten Klapp-Treppe beschwert in einer 80% geschlossenen Position über den Köpfen von Menschen und Katzen schwebt.

„Da sind drei Vogeljunge heruntergefallen. Ich konnte sie noch fangen, bevor „Katze Nr. 10“ sie erwischt hat.“

Die Szene konnte ich mir gut vorstellen. Katze Nr. 10 ist eine verwachsene kleine Person, die ihre körperlichen Defizite durch Engagement ausgleicht, und die viel Persönlichkeit hat.

„Jetzt sitzen sie im Katzentransporter. Aber ich kann mich natürlich nicht auch noch um die kümmern. Ich hab ja noch „Katze Nr. 11“.

Die erholt sich gerade von einer gepflegten Toxoplasmose mit Myotis und muss ein paar Mal am Tag dazu bewegt werden, etwas zu essen. Ebenfalls ein ungefährliches Thema; ich hätte dieses Grundes jedoch nicht bedurft, um so gar keine Lust zu haben, noch drei weitere Viecher zu füttern.

Um uns nun dieser Vögel zu entledigen, versorgten wir sie später bei der Wildvogel-Aufnahmestelle des Deutschen Naturschutzbundes. Die kennen sich mit Sperlingen, denn als solche entpuppten sie sich, aus, hatten auch gerade schon dreissig da, dazu Meisen, Eichelhäher und allerlei anderes gefiedertes Spielzeug für Katze Nr. 10, die wir allerdings vorsichtshalber nicht mitgenommen hatten.

 

In Rio und Steinheim an der Murr

Wartezimmer

Einst, in einem anderen Jahrhundert, einem ganz anderen, hatte meine Familie in und um ein Dorf in der Nähe von Contiomagus herum einige Grundstücke. In Verbindung mit harter, vorzugsweise körperlicher Arbeit und einem ganz normalen 60 Stunden-Job in einem metallverarbeitenden Betrieb dienten sie dem Erwerb des Lebensunterhaltes einer recht durchschnittlichen 13-köpfigen Familie jener unteren Mittelklasse, der wir uns seit Generationen verbunden fühlen.

Von all dem war mir nur ein Acker geblieben, 13 1/2 Ar sandigen Bodens, üppig bestanden mit allzeitgrünem Ginster. Er war mir nur als Verbindung zu meiner Familie wichtig, ein letzter Anker in einer Welt, die untergegangen war, eine Art post-augustulisches weströmisches Reich unter einer Starkstromleitung. Einer Steuernachzahlung vorbeugend beschloss ich, es zu verkaufen. Meine Erfahrungen mit dem Finanzamt raten von jeder Konfliktbereitschaft ab.

Der Bedarf entfiel dann eigentlich, als Paulas Rente genehmigt wurde. Ich hielt aber an meinem Plan fest, vielleicht mit dem Gedanken, mich meiner Wurzeln zu entledigen, vielleicht mit dem an einen Citroen Saxo, Proton 300 oder gar einen Peugeot 309. Freiheit hat viele Gesichter und manchmal vier Räder.

Das Sitzmobiliar im Wartezimmer des Notars gehört zum Programm „Rio“ der Firma Fröscher-Sitzmöbel in Steinheim an der Murr, an deren Kantine ich einige angenehme Erinnerungen aus den 90er Jahren habe.