Tot… aber schlau

Irgendwann gab es in China einige weise Männer. Sie sind sich vielleicht nicht einmal begegnet, lebten wahrscheinlich hunderte Jahre und hunderte Kilometer von einander entfernt und tausende Jahre und tausende Kilometer von mir. Das heisst auch, dass sie ziemlich tot sind.

Allerdings hält sie das nicht davon ab, immer mal wieder Recht zu haben.

So warnten sie mich mit dem Bild 29 vor einer Gefahr, in der ich sei. Erst dachte ich, es sei Paulas komplette Untauglichkeit, die Krankenkasse von ihrer Arbeitsunfähigkeit zu überzeugen, die mich in die Gefahr brächte, in die nämlich, Haus und Hof zu verlieren. Tatsächlich glaube ich jetzt aber, dass die wirkliche Gefahr eine ganz andere ist.

Denn wenn ich ihr zuhöre, habe ich das überwältigende Bedürfnis, in mein Bett zu gehen und die nächsten zwei bis fünf Monate dort zu bleiben. Kein Ritt in den Sonnenaufgang auf meiner Peugeot Flash, keine Arbeit bei der Illinois Electro Door und auch nicht bei der Pizzeria San Grigorio. Das heisst dann auch kein Geld, und das ist die einzige Art, wie ich Paula wirklich noch treffen kann.

Nun spricht nichts gegen einen Nervenzusammenbruch. Es gibt Situationen, in denen das die einzige gesunde Vorgehensweise ist. Aber damit schade ich doch vor allem mir. Und ohne Freund den Kater gibt es nur noch einen, der mich liebt und für mich sorgt, und das bin ich selbst. Da kann ich mich doch nicht hängen lassen.

Es gibt nur eine Sache, die ich tun kann, und das ist das Mögliche. Es gibt nur eine Sache, die ich tun muss, und das ist das Nötige.

Mein Name ist Bond, Frau Bond

https://www.n-tv.de/leute/Mein-Name-ist-Bond-Frau-Bond-article17764896.html

Auch auf die Gefahr hin, nun gepudert und geteert, mit Mascara-Stäbchen aufgespießt, im Haarspray-Nebel erstickt oder mit Hermès-Tüchern erdrosselt zu werden: Eine Frau als Bond ist doof. Egal, ob sie eine Super-Frau ist.

Eine Frau als Bond ist doof, sagt Sabine Oelmann auf NTV.de.

Ein bisexueller James Bond allerdings hat einige Möglichkeiten, sage ich. Er kann in gewohnter Weise durch die Gegend toben und reichlich Flurschaden hinterlassen, um am Abend dann zu vernaschen, was gerade schön und zur Hand ist.

Er kann ein Poster von John Barrowman als Captain Jack Harkness an der Wand haben, den Leibwächter des wahnsinnigen Wissenschaftlers verführen und am Ende mit dessen Frau in den Sonnenuntergang fahren.

Why not? Und warum sollte nicht Sarah Michelle Gellar Miss Moneypenny spielen?

Mann mit Zylinder

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Der Zylinder meines Rollers sollte eine Kompression von sechs Bar haben. Laut dem jüngeren Lenoir, mit dem ich eben sprach, sind es gerade noch vier. Die Differenz sind, übertragen in meine Sprache 200 – Ecu, nicht Bar. Als Temperenzler habe ich keine Affinität zu Bars. Bargeld ist da schon eine andere Sache. Das habe ich gerne, aber nur selten.

Mein Roller lief mit vier Bar Druck allerdings in guten Momenten immer noch 70 km/h. Ich kann also guten Gewissens stets sagen, dass er 50 läuft, denn 50 sind ja in 70 enthalten. Die Logik ist der Schraubenschlüssel des menschlichen Verstandes. Sie passt nicht auf jede Schraube, aber im Ernstfall kann man immer noch damit zuschlagen.

Ich mache jetzt einige Tage Urlaub, bis der jüngere Lenoir dem Peugeot Flash einen neuen Kolben samt Zylinder verpflanzt hat. Die Zeit will ich nutzen, um mit Hilfe des I Gings und meines eigenen Verstandes zu erraten, was die neue Leitlinie des Unternehmens sein wird. Denn die beiden Video-Vorträge, die ich dazu gesehen habe, waren eher philosophisch gehalten.

Sie beantworteten nicht die Frage, wem ich schmeicheln muss, und wen ich auf dem Flur ignorieren kann. Wer von denen, die nun aufsteigen werden, kennt mich so wenig, dass er mich unterstützen würde?

Die anonymen Pizzafahrer

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Ich war auf dem Treffen anonymer Pizzafahrer. Wieso heissen diese Treffen eigentlich anonym? Schliesslich ist doch das erste, was man sagt, sein Name. Es heisst also bei jedem zuerst immer: „Mein Name ist Pineas. Ich liefere Pizza aus“ oder „Ich heisse Yilmaz und bin Pizzabote.“ Dabei wollte ich doch gar nicht wissen, dass der junge Mann mir gegenüber Yilmaz heisst und er wahrscheinlich nicht, dass ich Pineas bin.

Trotzdem nutzte ich die Gelegenheit sofort, um ihm eine Zukunft nach dem Abschluss der Fachoberschule Wirtschaft auszumalen, in der er trotz Vollbeschäftigung in einem leidlich grossen texanischen Konzern weiter neapolitanische Flachkuchen ausliefern muss. Es sah aus, als würde er sich zum ersten Mal in seinem Leben mit dem Zölibat auseinandersetzen. Dabei schien ihm dieses ihm ihm als Moslem fremde Konzept spontan sympathisch zu sein.

Er fuhr wie die meisten der anderen, um die Defizite ihrer Herkunft auszugleichen. Wer nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren ist, kann sich das Geld für Freundin, fettes Galaxy-Handy und klapprigen Kleinwagen verdienen, indem er… Kompromisse eingeht. Das Leben ist kein Streichelzoo. Wer trotzdem gestreichelt werden will, soll es im Dark Room der nächsten Stadt versuchen.

 

Ein kurzer Prozess dauert 15 Minuten

„At 3pm on August 13 2004, Akku Yadav was lynched by a mob of around 200 women from Kasturba Nagar. It took them 15 minutes to hack to death the man they say raped them with impunity for more than a decade. Chilli powder was thrown in his face and stones hurled. As he flailed and fought, one of his alleged victims hacked off his penis with a vegetable knife. A further 70 stab wounds were left on his body. The incident was made all the more extraordinary by its setting. Yadav was murdered not in the dark alleys of the slum, but on the shiny white marble floor of Nagpur district court.“

http://www.theguardian.com/world/2005/sep/16/india.gender