Metamorphose

Am übelsten Tag des Weihnachtsverkaufes beobachtete ich die Verkäufer im Mondo-Kaufhaus. Da wurde mir klar, wieviel ich erlebt und erlitten hatte, als ich an ihrer Stelle war. 

So verstand ich endlich, wieviel negative Erfahrungen sich in mir angesammelt hatten. Wieviel Ablehnung habe ich erlebt, wieviel Dunkelheit! Wahrscheinlich nicht mehr als jeder andere; ich habe nur lange genug gelebt, um es zu verstehen. 

Die Triebfeder meines Lebens war der Wunsch, Anerkennung und Liebe von anderen zu erlangen. Dafür habe ich gearbeitet, dafür habe ich gelogen und manipuliert. Aber bedeutet das nicht vor allem, dass ich mich selbst nicht genug geliebt habe?

Diese Frage ist weniger wichtig als die, wie ich mich jetzt weiter entwickeln kann. 

Das ist kein Pech

Da behauptete meine Schwägerin doch tatsächlich, eine Pechsträhne zu haben. Und zwar nur, weil sie zweimal geblitzt wurde, Schwierigkeiten mit dem Finanzamt und 1 & 1 hat. Weicheier, alles Weicheier. Kein Wunder, dass vor jedem True Crime-Podcast heute ein gescheiterter Schauspieler darauf hinweist, dass im folgenden Tonwerk von Mord und Verstümmelung gesprochen wird. Ja, deshalb hört man es doch an, n’est-ce pas?

Uns verblich kurz darauf das Untertisch-Gerät in der Küche. Zwar tauschte man es uns im Baumarkt im Rahmen der Gewährleistung umgehend aus, jedoch versehentlich in ein Obertisch-Gerät. Mit dem lief ich am nächsten Tag pünktlich um acht wieder dort auf, um es in ein Untertisch-Gerät wechseln zu lassen. 

Dieses Gerät wiederum beschädigte ich umgehend irreparabel bei der Montage. Kleiner Hinweis: man sollte die Muttern nur mit der Hand anziehen. Ein 19er Schraubenschlüssel ist das Werkzeug übertriebener Gewalt. 

Um eins am gleichen Tag stand ich also wieder im Baumarkt, wog meine Erfolgsaussichten gegen den letzten Fetzen meiner Selbstachtung ab und entschied mich, eins von meinem Schwarz-Geld zu kaufen. Ja, so ein bisschen Selbstachtung ist teuer.

Addiert man zur Untermalung des Ganzen einen mehrstündigen Wutanfall Paulas, so hat man eine brauchbare Vorstellung von dem, was ich für normal halte. Eine Pechsträhne sieht da schon ganz anders aus. Ich habe mich an unzähligen Steuerbescheiden, Erbschaftstreitigkeiten und Beziehungskrisen stählen dürfen.

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Über Schweinsbraten, Rotkohl und Klössen logen wir uns die Hucke voll, meine Schwägerin von ihrem ambulanten Handel, Paula von den Plänen, die sie für das Haus hat, und ich, na, eigentlich schwieg ich meistens. Meiner Erfahrung nach ist es schwieriger, einem vorzuwerfen, was er nicht gesagt hat, als dass was er gesagt hat. Sonst aber tat ich, als wäre unsere Beziehung nicht jenes Schlachtfeld, dass sie ist.

Präsident Pence

Das Impeachment-Verfahren gegen Präsident Trump ist brillant aufgezogen. Es befriedigt zum Einen das Bedürfnis der Demokraten nach einem massiven Vorgehen, stellt sein Scheitern aber sicher. Denn niemand, wirklich niemand will einen Präsidenten Pence. 

Der würde nämlich ratzfatz die Homosexuellen aus den Streitkräften und dem öffentlichen Dienst werfen, bei den Chinesen andere Saiten aufziehen, weil sie a) die Macht und den Reichtum der Mächtigen und Reichen in den USA bedrohen und b) Heiden sind, die nach ihrem Tod ihre Sünden in der Hölle abbüssen müssen. Diese Sünden sind in diesem Fall, dass sie Jesus nicht angenommen haben und a). Vor allem a).

Als Anhänger des Prosperity Gospel würde er vermutlich auch die Sozialausgaben zurück fahren, weil ihre Empfänger ja arm sind, weil das Gottes Wille ist. Ihnen Essensmarken zu geben, ist in diesem Sinne also ein Verstoss gegen Seinen Willen und damit Sünde. 

Ich tippe mal auf Besy DeVos als Vizepräsidentin. Sie hat die gleiche Kombination aus Frömmigkeit, Überzeugung und Ahnungslosigkeit wie er. 

Liberty is attractive

Ich versuche, die Eindrücke zu sortieren, die ich in den letzten Monaten hatte, die Gefühle, die Gedanken. Da scheint mir gerade nicht, dass mein Leben besser geworden ist. 

Denn mein Verhältnis zu Paula ist immer noch zerrüttet, meine Berufstätigkeit unbefriedigend  und, von meinen Vorgesetzten zu schweigen, scheint mir politisch korrekt. Immerhin habe ich etwas gelernt. 

Ich weiss jetzt nämlich, dass ich dumm bin und dass ich keine Milch mehr  vertrage. Beide Erkenntnisse mahnen zur Vorsicht, die eine beim Umgang mit Menschen, die andere beim Umgang mit Lebensmitteln. Auf die Wirkung der Milch ist Verlass, auf die Menschen auch. 

Sie werden zuverlässig ihren Vorteil aus meinem Mangel an Verstand ziehen, um sich selbst in irgendeiner Weise zu bereichern, finanziell oder persönlich. 

Blicke ich aber in meinen eigenen Kern, ist das, was ich finde, nicht wesentlich anders als vor 30 Jahren. Da ist der Wunsch nach Gemeinschaft mit anderen, die Notwendigkeit, ihnen zugleiche aber aus dem Weg zu gehen, da sind die Abende mit dem Doktor im Fernsehen, die gleiche unsichere Sexualität. Wie bedauerlich, dass ich damals keinen Roller hatte. Es hätte mein Leben bereichert. 

Ich habe jetzt eine Piaggio Liberty gesehen. Sie ist fast so schön wie die Fly.

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Das Fest des Friedens und der Familie

Irgendwann am Ende eines stundenlangen Vortrages über meine Defizite zog ich die Verwendung einer Wäscheleine in Erwägung. Es gibt da im Keller ein solides Stahlregal, das mit der Wand so verbunden ist, dass sich einer dran aufhängen kann. Deutsche Heimwerkerqualität eben

Ich verschob die Ausführung dann aber. Schliesslich kann man derlei Dinge ja an jedem Tag erledigen. Das muss also nicht unbedingt heute sein. Aber die Vorteile einer solchen Vorgehensweise liegen auf der Hand. Denn einerseits könnte ich dorthin, wo Freund der Kater auf mich wartet, auf der anderen Seite bekäme Paula von der Lebensversicherung, was sie verdient, also nichts. 

Foto0209Eine Stunde später unterhielt ich mich an der Fleischwarentheke mit einem Gastronomen über das klassische Problem, ob denn Hähnchenschenkel oder -flügel vorzuziehen seien. Er argumentierte vom Standpunkt des Gourmets, ich von dem des Gourmands aus. 

Sollte Weihnachten nicht weiss sein? Und wenn ja warum und wieviele sollten es sein?

Fragen über Fragen stellen sich im Zusammenhang mit diesem Fest. So ist den Heutigen kaum noch klar, worum es denn dabei eigentlich geht. Und sollte Weihnachten nicht Schnee liegen, die Sorte, die vom Himmel fällt und nicht in einem kleinen Kunststoff-Beutel verpackt ist, den man vor dem Hauptbahnhof kauft?

Für die Beantwortung der ersten Frage gibt es eine Reihe Youtube-Videos und Veranstaltungen der christlichen Kirchen und vielleicht sogar noch der Mithras-Jünger. Die sind sich beim Datum ungewohnt einig, während die Muslime zu diesem Thema schweigen. Zur Frage der Farbe von Weihnachten jedoch lässt sich keine verbindliche Aussage treffen.

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Denn unser Bild davon ist von unseren Erfahrungen geprägt, die nicht allgemein verbindlich sind. Unseren einkommensschwachen Vorfahren im 18. und 19. Jahrhundert hiessen weisse Weihnachten gerne einmal die nicht auszuschliessende Möglichkeit, sich etwas abzufrieren. Wo im Lied von Nuss und Apfel als Geschenken die Rede ist, ist das keine poetische Übertreibung, sondern die Aussicht auf sonst im Winter schwer zu erlangende Vitamine. 

Schöner schien das den Wohlhabenden, die mit warmem Kakao und dicken Socken die Ästhetik besser würdigen konnten. Sie verschickten dann buntbedruckte Postkarten mit den entsprechenden Motiven. Diese Karten wiederum sind die Wurzel der ganzen Weihnachtsromantik, die sich Jahr für Jahr aus dem Fernsehen auf uns entlädt.

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Die Generation, die jetzt die Grundschulen Mitteleuropas besucht, kennt weisse Weihnachten auch nur noch aus diesem Zusammenhang und dem Gefasel alter Säcke wie mir. Ob sie nun dieses Fest eines Tages als besonders schön empfinden werden, wenn es in Strömen regnet und 15° warm ist, weil das in ihrer Kindheit ja so war, wird sich erweisen. 

https://www.youtube.com/watch?v=b6wK8Y1ZxuY

https://www.livescience.com/mithraeum-of-colored-marbles-temple-discovered.html

Ich kommentiere das nicht

Sofern aber diese Bedingungen erfüllt sind – das hat der „Guardian“ ausführlich recherchiert -, soll folgendes erlaubt sein: Ein Arzt darf einem transsexuellen Menschen sagen, sein Glaube lehre ihn, dass es nur Frauen und Männer gibt. Ein Lehrer darf einem behinderten Schüler sagen, dessen Behinderung sei eine durch Gott auferlegte Prüfung. Ein Manager darf einer Frau sagen, seinem Glauben zufolge habe sie ihrem Ehemann zu dienen.

Weitaus einschneidender noch sind die künftigen Befugnisse von Gläubigen im medizinischen Bereich. Dem Gesetzentwurf zufolge können sich religiöse Ärzte weigern, Verhütungsmittel zu verschreiben, die Pille danach zu verabreichen, Hormonbehandlungen für Geschlechtsangleichungen vorzunehmen oder sich an Schwangerschaftsabbrüchen zu beteiligen. Ein Psychiater kann einer Frau, die unter Depressionen leidet, empfehlen, „auf das Himmelreich“ zu vertrauen. Für die sogenannte Konversionstherapie, durch die Homosexuelle „umgepolt“ werden sollen, darf geworben werden.

Kein religiöser Mediziner – ob Arzt, Krankenschwester, Hebamme oder Apotheker -, soll zu Handlungen gezwungen werden dürfen, die seinem Glauben widersprechen. Das „Religionsgesetz“ steht daher im Konfliktfall über dem Verbot der Rassendiskriminierung, die in Australien seit 1975 unrechtmäßig ist.

https://www.tagesspiegel.de/politik/australien-plant-gesetz-gegen-religioese-diskriminierung-fromm-frei-und-frivol/25339690.html

Examples:

  • A Christian may say that unrepentant sinners will go to hell, an example cited in the EM which mirrors the facts of Israel Folau’s case
  • A doctor may tell a transgender patient of their religious belief that God made men and women in his image and that gender is therefore binary (EM)
  • A single mother who, when dropping her child off at daycare, may be told by a worker that she is sinful for denying her child a father (Public Interest Advocacy Centre)
  • A woman may be told by a manager that women should submit to their husbands or that women should not be employed outside the home (PIAC)
  • A student with disability may be told by a teacher their disability is a trial imposed by God (PIAC)
  • A person of a minority faith may be told by a retail assistant from another religion that they are a “heathen destined for eternal damnation” (PIAC).

Caveats – statements must be made in good faith; not be malicious or harass, vilify or incite hatred against a person or group; not advocate for the commission of a serious criminal offence.

https://www.theguardian.com/world/2019/dec/14/religious-discrimination-bill-what-will-australians-be-allowed-to-say-and-do-if-it-passes

Ultrasüsse Kaninchen in Leder und Latex

Ich begann meine Suche nach einer neuen Handy-Hülle als Weihnachtsgeschenk mit der Idee, mir eine anfertigen zu lassen. Da gibt es ja inzwischen einige Unternehmen, die das anbieten. Die Auswahl des Motivs war dann richtig schwierig. Beendet wurde das Projekt schliesslich aber von der Überlegung, dass Paula sich fragen könnte, woher ich genug Geld für so etwas habe. Zumal diese Unternehmen samt und sonders nicht an Packstationen liefern. Diese Eigenheit haben übrigens auch all diese mail-order-DNA-Firmen.

Etudo

Danach tauchte ich tief in die Welt des chinesischen Designs ein. Das ist bunt und vielfältig und geht von Kätzchen, Einhörnern und Steindekoren bis zu Bildern im Comic-Stil, deren Kunstfertigkeit nur von den Aussparungen für Fingerabdruck-Sensor und Kamera konterkariert wird.  

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Dominiert wird die Auswahl der Motive von einem Bedürfnis nach Unverbindlichkeit und Harmonie, das erdrückend ist. Können wir das als Kommentar über die chinesische Kultur interpretieren? Da ist kein Bild des Genossen Mao, keine Flagge von Hongkong, kein Regenbogen,  kein Bibelvers, kein Paar nackte Brüste, ja nicht einmal ein ultrasüsses Karnickel im Domina-Outfit zu sehen. Eine einzige Sure des Koran fand ich.

Sure

Ebenfalls nur mit einer einzigen Hülle vertreten sind die grossen Franchises, die in der westlichen Pop-Kultur so präsent sind. Unsere geliebten Superhelden mit ihren schwellenden Oberarmen, seien sie von Marvel oder DC, die Schiffe der Sternenflotte, die Jedis mit ihren Laserschwertern sind in dieser Rubrik von Joom.com einfach fast nicht vorhanden. Das soll vermutlich rechtlichen Schwierigkeiten mit den Konzernen dahinter vorbeugen, die allgemein ja nicht als kuschelig gelten. 

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Deutlich eingeschränkt wird die Gültigkeit dieser Beobachtungen allerdings davon, dass ich nur nach einem einzigen Handy-Modell gesucht habe, dem Sony XA2. Mit einem Samsung oder Huawei als Ausgangspunkt könnte das Ergebnis also ganz anders sein. 

Am Ende hatte ich als tiefreligiöser Mensch die Auswahl auf eine Hülle mit der Eule der Athena und eine mit einer Darstellung von Santa Muerte eingeschränkt. Jetzt muss ich mich nur noch für eine davon entscheiden. 

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Fröhliche Weihnachten, Pineas!

Ananias J. Bond

Ein geschickterer Autor als ich könnte eine Geschichte daraus machen, wie eines Tages am Ende des 19. Jahrhunderts ein Angestellter in das Büro seines Vorgesetzten gerufen wird. Das ist an und für sich nichts besonderes, nicht heute, nicht damals. Es sei aber ein Büro bei Aussenministerium in London und jener Vorgesetzte ein genialer Mann von ausserordentlicher Faulheit. So faul, dass er alle seine Brief und Anweisungen nur mit dem ersten Buchstaben seines Vornamens unterschriebe: M. 

Jener Angestellte, ein zierlicher, etwas femininer Mann namens Albert Moneypenny also erwartet seine Kündigung. Denn er ist ein eher mässiger Angestellter im Dienste ihrer Majestät, der Königin. Statt dessen bietet ihm M aber einen Posten als sein Sekretär an. Dafür aber gibt es eine Bedingung. Albert muss einen Mann finden, der in London untergetaucht ist. So weit untergetaucht, dass weder Scotland Yard noch Ms Bruder ihn finden können. 

Albert aber hat einen besonderen Zugang zu Orten, die der polizei quasi verschlossen sind. So streift er durch die Badehäuser von London, trinkt Tee in Herren-Salons und verbringt Zeit in öffentlichen Toiletten. Er ist ein vertrauter Anblick dort, keiner, den man für einen Polizisten hält. Nach fast zwei Wochen bekommt er einen Hinweis auf den Aufenthaltsort des Gesuchten, den er für seinen Ex-Geliebten ausgibt. 

Mr. Raffles versteckt sich in der grosszügigen  Wohnung eines amerikanischen Millionärs, der sich auf dem Kontinent aufhält.. Dort findet ihn Albert und übergibt ihm ein Schreiben von M. Gemeinsam begeben sie sich zu seinem Büro, wo M und Raffles, die sich als Cousins herausstellen, einen Vertrag schliessen. Raffles, ein polizeilich gesuchter Einbrecher, wird nun Aufträge für M übernehmen. Dafür erhält er eine neue Identität und Hilfe, wenn er gefasst werden sollte. 

M hat bereits eine Wohnung in Mayfair für ihn mieten lassen. Dort wird er sich als Mr. James Bond, ein Millionär aus Kanada, unter die Reichen und Schönen mischen, um aus dem Tresor des griechischen Gesandten die Angebote ausländischer Werften für den Bau neuer Kreuzer zu stehlen und ähnliche Aufgaben zu erfüllen. Seine neue Arbeit zwingt ihn zu weiten Auslandsreisen nach Ägypten, Italien, Deutschland, Russland und den USA, bei denen er reihenweise ansehnliche junge Männer verführt.