Karriere? Hammernet, ist aus

SonHub

Meine neuen Vorgesetzten googlend lande ich immer wieder in Sackgassen. Ist man heute prinzipiell in sozialen Medien nicht mehr präsent? Ist es ein Privileg der Arrivierten? Ist es vielleicht Zeit für eine neue Verschwörungstheorie?

Der Tzar konfrontierte mich in der Zwischenzeit mit einer Frage, die ich mir in diesem Unternehmen bisher nie stellen musste. Er bestand nämlich darauf, dass ich in einem Personalbogen den Abschnitt über meine Karriereplanung ausfülle.

Karriere? Haben wir hier noch nie gehabt. Wo kommen wir denn da hin. Da könnte ja jeder kommen. Und wo Elvira Manager ist, macht sowieso nur eine Person Karriere, und die hat den gleichen fragwürdigen und ziemlich einzigartigen Geschmack in Kleidung wie sie.

Sollte ich die Impertinenz, mit der er auf einer Antwort besteht, als ein Zeichen sehen, dass meine Anwesenheit hier auch weiterhin erwünscht ist?

Oder ist es einfach die umfassende Unfähigkeit zu verstehen, dass das hier die Teufelsinsel der Antriebs- und Ehrgeizlosen ist? Dass wir jahrelang nur die Statisten waren, die das Folio für die Selbstbeweihräucherung unserer Vorgesetzten waren? Dass wir gelernt haben, nichts anderes zu erwarten?

Da fällt es selbst mir schwer, mich wieder zu motivieren. Zumal Paula ja darauf besteht, dass meine kognitiven und sozialen Fähigkeiten mich nicht einmal zu der Tätigkeit qualifizieren, die ich jetzt ausübe.

Die Invasion von Texas

Zum ersten Mal kann ich der Übernahme durch Yoyodyne etwas positives abgewinnen. Denn so kann ich mir jetzt die Probleme mit unserem Flügeltorantrieb TA100 auf Armeslänge vom Leib halten.

Das Modell wurde von einem Nerd entwickelt, dem man die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG so lange um die Ohren gehauen hatte, bis er ganz und gar von der Rolle war. Die Einzelteile dieses Antriebes kommen aus China, Ungarn und Italien und werde in Texas von Burschen zusammen gepackt, die ihre Zeit sonst nur damit verbringen würden, unanständige Sachen mit Nutzvieh zu machen. Der neue Entwicklungsleiter hat seinen Ersatz auch bereits mit Priorität angeordnet.

Allerdings hat ein Verkäufer, den ich vor einiger Zeit in St. Michael an der Furt geschult hatte, dem Präsidenten von Minutien beim Staatsbesuch in Berlin einen solchen TA100 verkauft, den der dann in seinem schwarzen Zastava Yugo mit Aufkleber „CD“ auf dem Kofferraumdeckel, Wimpel am Kotflügel und Wappen auf den Türen als Diplomatengepäck in seine Heimat befördert hat. Sollte also Minutien demnächst in Texas einmarschieren… ändere ich ausser dem Namen des Unternehmens auch den meinen, emigriere nach Österreich und arbeite dort für den Tousek.

Hier für die Jüngeren unter uns und jene, die nicht in Minutien, Serbien und Bosnien leben oder den Film „Schlappe Bullen beissen nicht“ auswendig kennen, der Link zu des Präsidenten Dienstlimousine:

https://de.wikipedia.org/wiki/Zastava_Yugo

Was man ausschalten kann, kann man auch wieder einschalten. Fast immer

Den altmännerurinfarbenen Opel Corsa durch die Strassen von Panzerbach pilotierend betrachtete ich das Display meines Mobiltelefones, das an einer frühen Stelle eines von mir nicht autorisierten Startprozesses stehen geblieben war. Es liess sich so weder ausschalten noch neu starten.

Aus einer Erfahrung mit einem Odys-Tablet heraus schloss ich die Powerbank mit dem Logo der Illinois Electro Door an. Sie einzustecken war mein erster und bis jetzt auch wichtigster Beitrag zum Rebranding auf Yoyodyne gewesen. Mit dieser konstanten Spannungsversorgung war nun ein Neu-Start möglich, der mich aber erst einmal nicht weiter brachte, denn dieser Vorgang endete an der nämlichen Stelle.

Dafür zeigte ein Versuch, dass sich das Telefon jetzt ausschalten liess. Und was sich ausschalten lässt, lässt sich fast immer auch wieder einschalten. Das jedenfalls versicherte ich mir, während ich eine Motowell Magnetic RS umfuhr. In diesem Fall stimmte die Regel sogar.

Wieder mit Navigation und der neuesten Folge von Rabbits versehen:

https://www.rabbitspodcast.com

blieb mir nur die Frage, was die Roller von Motowell so taugen.

Yoyo2

Die Bezeichnung eines der Modelle ist mir unbestimmt sympathisch. 

Von gewissen Teilen und groben Händen

Im Amerikanischen nennt man gewisse Dinge „private Parts“, und genau dorthin steckte der Kleine Bruder seine Hand. Mit dem Ungeschickt der Jugend zerrte er, wo Feinfühligkeit mir sinnvoller schien.

Aber gerade diese Grobheit war hilfreich. Da löste sich etwas, wurde in seiner Hand frei und öffnete sich. Wie es schien war der Grund für meines Fortbewegungsmittels Start-Probleme ein zu geringer Kontakt zwischen Zündkabel und Zündkerzenstecker.

Nachdem er das Kabel etwas gekürzt und La Moscas „gewisse Teile“ wieder zusammen gefügt hatte, sprang der Roller wieder in der gewohnten, widerstrebenden Weise an. Nun brauche ich nur noch jemanden, der Choke und Tachowelle ersetzt und vielleicht noch den Treibriemen und finde – mit einigem Vorbehalt natürlich – das Leben wieder leidlich ertragenswert.

 

Köln 55322

Cologne_Dean Gulstad_2006

Ich bin hoffnungslos überfordert, seit ich weiss, dass es drei Köln gibt. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine Neu-Aufteilung der bekannten Millionenstadt am Rhein mit dem mächtigen Dom im gotischen bis neugotischen Stil. Der Bau hat bekanntermassen von der einen bis zur anderen Stilperiode glatte 800 Jahre gedauert.

Ausser dieser Grossstadt gibt es aber noch Neu-Kölln, eine inzwischen in Berlin aufgegangene Stadt, die mit der mittelalterlichen Verfassung Kölns als Betriebsanleitung gegründet wurde, und Cologne, einen Flecken in Minnesota, den ausgewanderte Rheinländer und Rheinland-Pfälzer gründeten. Die Postleitzahl dieses Ortes benutze ich stets, wenn das Internet sich anstellt und nur für US-Amerikaner da sein will.

Es gibt über diesen kleinen Ort hinaus soviel Deutsches, ohne die die amerikanische Gesellschaft, wie wir sie kennen, undenkbar ist. Da ist Luther, der Reformator, da sind die Psychoanalyse, der Hamburger, das Auto und die Maschinenpistole. Wieviel unsere Ahnen der Menschheit gegeben haben, und wie sehr wir doch herunter gekommen sind! Selbst die Prostituierten und Drogenhändler in Köln sind heute Zuwanderer.

Das Foto wurde 2006 von Dean Gulstad aufgenommen.