Neulich auf dem Flohmarkt

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Ich hab die Cassette nicht gekauft. Hab schon längst keinen VHS-Player mehr.

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Attack in Orange

Zu meiner grossen Freude verweigerte sich Paula dem Versuch, sie mit “Orange is the new Black” bekannt zu machen. Je weiter sie sich in ihr handgehäkeltes Taschen-Universum zurückzieht, desto weniger ist sie offen für Neues und zugleich geneigt, jemanden pervers zu finden. Kaum hatte eine mollige Afra einen prüfenden Blick auf die Möpse der Heldin geworfen, hiess es schon, ich sollte das Video abschalten. Ich hatte schon ein Binge Watching befürchtet.

Tommy Chong und der Kleine Bruder hatten mich mit einem Link zu einem Hort an Serien versorgt und mir “Attack On Titan” ans Herz gelegt. Davon habe ich aber erst eine Episode gesehen, abgelenkt von der Möglichkeit, die ersten beiden Folgen von BTVS noch einmal schauen zu können.

“Attack on Titan” variert zumindest am Anfang ein Thema, das im Anime immer wieder auftaucht, den Angriff einer anonymen Macht aus dem Quasi-Nichts auf die menschliche Zivilisation. Das wird vielleicht am schönsten in “Neon Genesis Evangelion” dargestellt und am frühesten in “Saber Rider and the Star Sheriffs”. Die Titanen, die Engel, die Outrider sind vor allem und überhaupt fremd. Sie sind sozusagen das Fremde an sich. Und sie können jederzeit und immer zuschlagen, blind für die Bedürfnisse der Menschen, ihre Ängste, ihre Schuld oder hypothetische Unschuld.

In dieser Hinsicht ähneln sie den griechischen Göttern, die mir als exzentrischem Eurozentriker näher liegen als die Kami des Shinto. Im Gegensatz zur Einstellung der Hellenen aber wappnen sich die Japaner mit sovielen Waffen wie möglich und von so grossem Kaliber als nur möglich und nehmen den Kampf auf. In wieweit da eine unterbewusste Erinnerung an die Bomberangriffe der Amerikaner im 2ten Weltkrieg auf ein als heilig empfundenes Japan mitschwingt, wäre ein Thema für eine Magister-Arbeit (also für einen anderen mit mehr Verstand).

Schlafen wie ein Serienmörder

Mir ist vorhin klar geworden, dass ich schon lange nicht mehr nachts wach gelegen habe. Zwar träume ich dann und wann Beängstigendes, aber nichts, was mich nicht weiter oder doch wenigstens gleich wieder einschlafen lässt.

Übrigens scheint es mir, als sei ich nicht depressiv, wenn ich träume. Allein das sollte mir schon Grund sein, um möglichst viel und lang zu schlafen.

Doch welchem Schritt in meiner Persönlichkeitsentwicklung verdanke ich diesen zweifachen Segen? Es ja nicht einfach so, dass ich auf mein Gute-Nacht-Schälchen Doppelt-Scharfes Chili verzichte und seitdem den Schlaf des Gerechten schlafe. Und jeden Rechtschaffenen brächte allein mein Kontostand um die Nachtruhe. Ich hingegen schlafe wie es sonst nur die Serienmörder tun selig einem Morgen entgegen, der wie jeder Morgen ist.

Dabei hinterfrage ich gerade sogar die Loyalitäten, denen ich mein Leben gewidmet habe, und schlafe trotzdem gut. War es richtig, soviele Jahre der Illinois Electro Door verbunden zu bleiben? Und wie steht es mit der Arbeit, Mühe und dem Geld, das die Beziehung mit Paula erfordert hat? Alles das scheint mir gerade fragwürdig und doch muss ich die Nacht nicht mit dem Meeresrauschen aus dem Audio-Archiv meines Mobiltelefones verbringen.

Das I Ging ermuntert mich mit dem Bild 31 zur Beharrlichkeit und zur Rücksichtnahme. Doch auf wen muss ich Rücksicht nehmen? Bin ich es vielleicht selbst? Denn niemand ist mir näher und lieber.

Allerdings scheint mir auch dieses Zitat gerade gut zu passen:

Giles: „I have to believe in a better world“

Buffy: „Go ahead. I have to live in this one.“

Latotzke meets Buffy

Von schlichtem Gemüt und laienhaft wirken unsere Polizisten, wenn sie die DNA vom einen Tatort zum anderen übertragen, die Existenz des Verbrechens erst feststellen, wenn der Täter es ihnen gesteht, und er ihnen am Ende an Krücken dann doch noch davon hinkt. Wäre ich mit dem Talent eines Schriftstellers gesegnet, beschriebe ich sie genau so in einem Revier am Rand von Berlin.

Und zugleich zeichnete ich sie als Dämonenjäger und Kämpfer gegen die Finsternis mit Plattfüssen, Übergewicht, Unterhaltszahlungen und magischen Fähigkeiten. In diesem Metier wären sie dann weitaus erfolgreicher als in dem, für das wir sie nach unserer Einbildung bezahlen, würden dabei dann immer wieder behindert von häuslichen Streitigkeiten im Hartz 4-Milieu, den Beschwerden älterer Damen über die lauten Nachbarn und den Notwendigkeiten, den einen oder anderen Rollerfahrer (übergewichtig, um die 50 und mit einer Peugeot Flash) zu kontrollieren und Mettbrötchen und Currywürste zu kaufen.

Das wäre dann so eine Art Crossover zwischen Buffy (oder vielleicht eher The Gothgirl) und Taskforce Hamm.

http://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-hoerspiel/task-force-hamm-110.html

http://www.bettinabusiello.com/books/

https://de.wikipedia.org/wiki/Polizistenmord_von_Heilbronn

https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistischer_Untergrund

https://de.wikipedia.org/wiki/Heilbronner_Phantom

http://www.n-tv.de/panorama/Was-gegen-eine-Ermittlungspanne-spricht-article18960936.html

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-10/uwe-boehnhardt-dna-peggy-knobloch-nsu-ermittler-fehler

Die Roten Wasser der Apokalypse

http://www.ard.de/home/intern/presse/pressearchiv/_Rote_Wasser____ARD_Radio_Tatort_im_November/2219448/index.html

In diesem Tatort spielt „Der dionysische Strom im Leben Nietzsches“ eine Rolle. Dieser wie die meisten deutschen Philosophen zu weitgehender Unverständlichkeit neigende Berufs-Denker übernahm von einem Vorgänger die Idee zweier Konzepte, die das Leben des Menschen bestimmen.

Dionysisch ist dabei der Rauschzustand, das Chaos, apollinisch die Ordnung, das Gesetz. Beiden gemeinsam scheint mir ein bewusster Verzicht auf die Kontrolle über das eigene Leben. Denn im Rausch entledige ich mich dieser Kontrolle völlig, sonst aber ordne ich mich dem Gesetz unter, übertrage diese Kontrolle also willentlich auf eine andere Instanz.

In welcher Weise sich in Nietzsches Auffassung und seiner folgenden Ablehnung des apollinischen Prinzips der Konflikt zwischen einer repressiven, immer noch religiös geprägten Gesellschaft und seiner Homosexualität ausdrückt, überlasse ich mit grosser Begeisterung den Fachleuten.

Meine Helden betrachten den Kontrollverlust von einem anderen, kraftvollen und eher amerikanischen Standpunkt aus. Corwin etwa entsagt in Zelaznys „Prinzen von Amber“ dem Thron und der Macht über ein komplexes Reich, um die Kontrolle über sein eigenes Leben zu gewinnen, sein Sohn Merlin besteigt den Thron aus dem gleichen Grund. Buffys Leben ist ein Zweifrontenkrieg, hier gegen Vampire, Dämonen und die Mächte der Finsternis, dort der darum, Herrin ihres eigenen Geschicks zu sein.

Als sie am Ende der Fernsehserie alle potentiellen Jägerinnen weltweit aktivieren lässt („Von jetzt an wird jedes Mädchen auf der Welt, das eine Jägerin sein könnte, auch eine Jägerin sein. Jedes Mädchen, daß die Kräfte haben könnte, wird die Kräfte haben.“), ist das übrigens eine Form asexueller Reproduktion.

In „Carmilla“ haben am Anfang weder Mircalla von Karnstein noch Laura Hollis wirklich die Macht über ihr eigenes Leben. Die so akzentfrei kanadisch sprechende Österreicherin steht unter der Herrschaft ihrer Mutter, die sie auch so nennt und nie mit einem Diminuitiv, ihre Zimmergenossin/Freundin/Liebhaberin hingegen unterliegt ihren eigenen Zwängen, die sie in jeden Kreuzzug zwingen, eine Kriegerin um des Krieges willen, mutig zwar, aber ohne Verständnis für den Preis, den sie am Ende zahlen muss.

Am Anfang von Staffel 3 hat Carmilla ihren Ablösungsprozess vollzogen und ist bereit, ihre Mutter nicht deswegen zu töten, weil sie ihre Mutter ist, sondern weil die ihr nach dem Leben trachtet. Laura allerdings steckt noch tief in einer Entwicklungskrise.

Und ich bin immer noch im Team Dean. Theo, Danny und die Aussicht auf die Apokalypse? Alle drei sehen verflixt gut aus, und das ist eine bekannte Tatsache.

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Either/Or

 

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Talia: „You know, I wouldn’t have let regulations stop me if we we partners.“ Deeks: „I’m sorry, just to clarify, if you and I were partners, or if you and Kensi were partners?“ Talia: „Either/or.“ Deeks: „Wow, I’m going to go ahead and save that image in my head.“
Hat sich schon jemand die Mühe gemacht, eine Liste der LGBT-Charaktere im NCIS-Franchise aufzustellen? Ich erinnere mich aus dem Stand an eine lesbische und eine transsexuelle Mörderin, ein homosexuelles Mordopfer, einen Offizier, der sich selbst umbringt, weil er sich Freund, Frau und militärischer Karriere aufgerieben wird, zwei homosexuelle Zeugen und einen schwulen NCIS Special Agent, der allerdings dann auch bald bei einem Anschlag auf der Strecke bleibt.

Dazu kommen dann noch zwei bisexuelle Mörderinnen und DEA Special Agent Talia Del Campo, die im vorgenannten Zitat ein theoretisch bleibendes Interesse an Marty Deeks und Kensy Blye äussert.
Damit limitiert ihr Autor quasi automatisch ihre Lebenserwartung in der Serie. Denn wie der vorige Abschnitt zeigt, lebt das Volk des Regenbogens auch in dieser amerikanischen Serie gefährlich. Das drückt aber wahrscheinlich kein Vorurteil aus, sondern ist Teil einer alten Tradition, so wie der Couchtisch, hinter dem der Held Deckung bezieht, wenn er unter Beschuss gerät.
Die hochwertigste amerikanische Spanplatte leistet Kupfermantelgeschossen genauso viel Widerstand wie eine Packung Deutsche Markenbutter. Als diese Tradition aber vor fast 100 Jahren begründet wurde, schoss der längst vergessene Schurke noch mit einem ausgemusterten Armee-Revolver und Schwarzpulverpatronen. Der Tisch, hinter den sich Tom Mix duckte, war seinerzeit aus fingerdickem Eichenholz, in dem die Bleikugeln mit etwas Glück dann doch stecken blieben.
Willow Rosenberg, Captain Jack Harkness und Susan Ivanova erlebten schliesslich als LGBT-Charaktere auch das Finale ihrer jeweiligen Serien. Als gefährlich betrachteten ihre Schöpfer eher ihre Lebensstile als Hexe,  Leiter einer Geheimorganisation und Kommandantin einer Raumstation während eines galaktischen Krieges und nicht ihre Partnerwahl.