Der 4/4 Takt der Mechatronik

Ich glaube, der Kleine Bruder hat eine wichtige Lektion für sein Metier als Kfz-Mechatroniker schon gelernt. Denn er widmete mehr Zeit der Beruhigung meiner Nerven als dem Zustand von La Mosca, der viergetakteten.

Deren Peilstab zeigte nämlich nach einem Tag der Ruhe tatsächlich den gewünschten Ölstand an. Er musste also nur die Ölablassschraube mit meiner Wasserpumpenzange etwas stärker fest drehen und mich hinlänglich ermutigen, den Boliden zu starten.

Der sprang darauf und mit ein wenig Gas sogar an und tut nun, was er immer tat und damit fast, was er tun sollte.

Ich fasse also zusammen, dass ich in der Lage bin, einen Ölwechsel durchzuführen. Hierfür benötige ich:

  1. Die Wasserpumpenzange meines Vertrauens, die mit dem grau-orangenen Griff
  2. Eine Gummi-Dichtung für die Ölablassschraube – eine habe ich noch auf Vorrat
  3. u. u. einen neuen Ölfilter für ca 10 Ecu comme cette:

https://www.roller.com/oelfilter-piaggio-4-takt-50ccm-m01-m05-c25-4016050.html

  1. einen Liter handelsüblichen Öles, z. B. dieses: https://www.obi.de/oele-additive/high-star-4t-sae-10w-40-motorradoel-1-l/p/1350289

Die Vorgehensweise ist wie folgt:

Oelablasschraube

  1. Ablassschraube öffnen
  2. Dichtung ersetzen
  3. Dose unter den Ablauf stellen, weil mir spätestens dann einfällt, dass die Suppe ja irgendwo hin muss
  4. Peilstab heraus ziehen
  5. warten, bis das Öl aufhört, heraus zu fliessen, Roller ggf. ein wenig nach rechts kippen
  6. Sieb sauber wischen oder ersetzen
  7. Ablasschraube wieder festdrehen
  8. Öl da einfüllen, wo sonst der Peilstab sitzt
  9. warten
  10. Ölstand prüfen
  11. wenn ok, Peilstab wieder festschrauben

Peilstab

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Saved by the App

Mit einer gewissen Übung überwand ich die den Problemen an meinem Vehikel folgende Panik-Attacke. Hilfreich war da, 2018 setzen wir ja bei psychischen Problemen gerne einmal auf Technologie, die App der Strassenverkehrsbetriebe.

Es ist in gewisser Weise sehr beruhigend, wenn man nachts um zwei auf das Display seines Mobiltelefones schaut und sieht, dass man um 7:21 Uhr mit dem Bus fahren kann, dass man nicht gestrandet ist, dass man Arbeitsstätte und Lebensmittel-Discounter erreichen kann.

Dieses alternative Beförderungs-Konzept muss noch in einigen Kleinigkeiten optimiert werden. Aber es funktioniert… wenn man bereit ist, zweimal am Tag etwa zwei Kilometer zu Fuss zurück zu legen.

Diese Entfernung hat mich überrascht. Ich hatte sie geringer eingeschätzt, bis eine andere, gesundheitsorientierte App meines Telefones mich darüber informierte. Ich fühlte mich daraufhin sofort verpflichtet, mir abends einen jener türkischen Wraps voller Salat zu holen.

Ich fühlte mich auch dazu verpflichtet, dieses Ergebnis zu posten, als interessiere es jemanden ausser mir. Immerhin sind dafür ja wohl die kostenlosen 50 MB wlan im Bus gedacht. Ich bekam dann postwendend, also schnell und per Whatsapp, die Häme des Kleinen Bruders und des Herrn Ambros. Ich hatte von ihnen nichts anderes erwartet.

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Wieso schleppt mich nie jemand ab, mit dem ich mich dann auch unterhalten kann?

Es gibt Berufsgruppen, also Berufsgruppen gibt es, denen begegnet man erst nur ungern und dann mit einem Kopfschütteln. Abschlepper gehören zum Beispiel dazu. Vielleicht liegt es an den Arbeitszeiten, aber irgendwie haben sie meist eine eingeschränkte Kommunikations-Fähigkeit.

Eben konferierte ich mit einem dieses Standes am Telefon über die Beförderung meines Rollers samt plattem Hinterreifen in die Werkstatt. Am Telefon, weil ich mich zu bestimmten Zeiten nun einmal zwecks Erlangung meines Lebensunterhaltes ausser Haus aufhalten muss. Beides war ihm suspekt und die Kommunikation per Fernsprecher zutiefst zuwider.

Ich hätte mich auch lieber nicht mit ihm unterhalten müssen, war aber einer Glasscherbe begegnet, die Freundschaft mit dem Reifen geschlossen hatte. Dabei hatte ich gehofft, auf seinem abgefahrenen Profil noch die Zeit bis zum Eingang der Renten-Nachzahlung durchhalten zu können. Das war mal nichts. Ich bin nicht überrascht.

Ich fahre Zweirad, weil ich nicht bis drei zählen kann

Ich habe meine Schwiegermutter noch kurz vor ihrem Tod im Krankenhaus besucht. Allerdings zweifle ich daran, dass sie mich noch wahrnahm. Es sei denn, dass jenes kurze Zittern, als ich ihr die Hand auf den Arm legte, Ausdruck des Wunsches war, weg zu laufen.

Mir war auch danach, weg zu laufen. Seitdem will ich immer nur weg laufen. Mit dem TOD komme ich klar, hab ihn in Ankh-Morpork mal kurze Zeit gedated. Aber Paula hat seitdem quasi einen Dauer-Nervenzusammenbruch, der nur deshalb kein vollständiger Zusammenbruch ist, weil sie eigentlich immer einen Nervenzusammenbruch hat. Ihr ganzes Leben ist ein Ausnahmezustand, ein Konzert aus sozialen Phobien, Minderwertigkeitsgefühlen, dem sich daraus ergebenden Gefühl, nicht genug geliebt zu werden.

Und das alles lebt sie über mich aus. Ich bin der, der für sie alle möglichen Anrufe machen und Verträge schliessen muss, weil sie sich dazu nicht in der Lage fühlt. Ich bin der, der ihre Pläne umsetzen soll, der, der herumkommandiert, herunter gemacht und manipuliert werden muss, damit passiert, was sie sich wünscht, ohne dass sie selbst tun muss, was sie eh nicht kann.

Aber wenn ich all das sein muss, wie kann ich ich sein? Und wie kann sie sie sein, wenn ich sie sein muss? Das klingt alles relativ verwirrend und ist viel zu kompliziert. Jedenfalls für mich, aber schliesslich fahre ich ja Zweirad, weil ich nicht bis drei zählen kann.

Rechts oder links oder im Kreis herum?

Es liegt an den vielen Kreisverkehren in Panzerbach. Ganz eindeutig. Da kommt schon mal jemand auf den Gedanken, in England zu sein, der Heimat des Roundabouts. Doof nur, wenn jeder andere denkt, dass der Ort in Deutschland ist und deshalb auf der rechten Seite der Strasse fährt.

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Da reichte es mir an einem Abend nur noch für den Gedanken, dass mir der Spinner doch nicht etwa wirklich auf meiner Fahrspur entgegen kommt,  bevor es einen Einschlag gab und ich das Gleichgewicht verlor. Irgendwann stand ich dann mit einer Platzwunde am Finger neben La Mosca, die einiges Plastik eingebüsst und einen verbogenen Ständer hatte. Der Unfallgegner entfernte sich derweil auf die englische Art. Dabei hätte ich ihn doch so gerne kennengelernt und ihm das eine oder andere auf Deutsch gesagt.

Das bescherte mir einen Ausflug im Krankenwagen nach Hagen, wo meine Wunde genäht und verbunden wurde. Ich hatte eine interessante Zeit mit einer Krankenschwester. Sie flirtete mit jedem Mann im Raum. Mit jedem anderen. Bis ich wieder an meinem Roller ankam, waren die Rigatoni Bologna im Helmfach kalt.

https://en.wikipedia.org/wiki/Magic_Roundabout_(Hemel_Hempstead)

https://de.wikipedia.org/wiki/Unfallflucht

 

Theoretisch bin ich reich

Paula denkt über Visitenkarten nach, auf denen neben ihrem Namen und ihrer Mobilfunknummer die Berufsbezeichnung “Rentner” eingetragen ist.. Denn die Rentenversicherung hat ja mit pflichtgemässem Widerstreben ihre Berechtigung zum Bezug einer Arbeitsmarkt-Rente eingeräumt.

Jedoch konnten sich beide Parteien noch nicht über das Datum einigen, zu dem diese Zahlung beginnen sollen. Die Ansichten, über die nun ein Gericht urteilen muss, liegen da leicht drei Jahre auseinander. Sollte dann aber einmal eine Nachzahlung kommen und sollten dann gar die Steuern dieser drei Jahre neu berechnet werden, dann, ja, dann könnte ich meine Wunschliste abarbeiten, auf der Dinge wie neue Jeans, Schuhe und ein Choke für LaMosca stehen.

Und sollte dann gar der Zahnlückige dem Versäumnis-Urteil eines anderen Gerichts folgend dem Gerichtsvollzieher Schibulski 1.200 Ecu aushändigen, ach, es ist nicht auszudenken, was ich alles tun könnte. Nachdem er uns die Klageschrift vor die Haustüre geworfen hatte, so ausdrückend, was er von unserer Forderung hielt, beschloss er offensichtlich, seine Ablehnung auch auf das Gericht auszudehnen und ignoriertes es hingebungsvoll.

Das Gericht folgte seiner inhärenten Logik und unserer Klage. Einige Zeit darauf informierte mich jener Anwalt, dem ich im Rahmen der Möglichkeiten vertraue, über dieses Ergebnis und dass er mit der Einziehung des Betrages den Gerichtsvollzieher Schibulski, den mit dem schiefen rechten Bein, beauftragt habe.

Den kenne ich übrigens nicht persönlich, sondern nur von seinen Besuchen bei den Nachbarn gegenüber. Er hinkt dort so oft die Treppe vor dem Haus hinauf, dass ich ihn einige Zeit für einen der Liebhaber entweder der Mutter oder der älteren Tochter hielt, vielleicht auch beider.

Wer braucht denn Bremsen?

Im Traum wundert man sich über nichts. Ich war zum Beispiel letzte Nacht in einer fremden Stadt, um dort eine Schule zu besuchen oder zu studieren und wunderte mich weder darüber noch darüber, dass Paula es mir erlaubt hatte, mich aus ihrem Leben über einen solchen Zeitraum zu entfernen.

Aus Gründen, die mir auch im Wachen nachvollziehbar sind, mietete ich ein Zimmer in einem Bauernhaus. Von dort nahm ich Kurs auf die Bildungseinrichtung, so zufrieden mit meinem Erfolg, dass es mir nichts ausmachte, die ersten beiden Stunden zu verpassen.

Kurz vor meinem Ziel fiel mir auf, dass den Bremsen meines Rollers die so geschätzte Wirkung fehlte, links völlig und rechts reichlich. Trotzdem erreichte ich mein Ziel so problemlos, dass ich mich fragte, ob ich nicht fürderhin ganz ohne Bremsen fahren sollte und wunderte mich dieser Frage nicht.

http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/12415/3529730