Karma The Bitch

Wir standen in der Küche und warteten auf einen Auftrag, der nicht kommen würde, der Baktrier drei, ein dunkelhäutiger Erbe des Britischen Empires und ich. Herr Patel erklärte derweil ausführlich einem 13-jährigen Jungen am Telefon, was er davon hielt, dass der eine Pizza an eine Adresse bestellt hatte, wo sie nicht gewollt wurde. Ein Freund, so schwor der Junge, habe ihn darum gebeten und jene Adresse als seine eigene angegeben.

Mir schien, dass er Freunde habe, die man anderen nicht als Feinde wünschte. Der Herr Patel tat, was er tat, nicht zu seinem eigenen Vergnügen, wie er mir danach versicherte. Nein, keineswegs, es sei sein Beitrag zur Erziehung des Delinquenten, die sonst wohl zu lax gewesen sei.

Am nächsten Abend glich ich diese Schuld bei Karma The Bitch aus, als mich eine Frau an einer Tankstelle ansprach. Sie fuhr einen Ford, dessen Besitz und Nutzung exklusiv alleinerziehenden Frauen mit geringem Einkommen vorbehalten ist. Entsprechende Bescheinigungen stellt beim Kauf jeder libanesische Autohändler auf Wunsch aus.

Sie hatte ausser einem miesen Auto und wenig Geld auch noch einen leeren Akku in ihrem Samsung Galaxy, sollte aber andererseits jemandem in einem Internet Café treffen, dessen Adresse sie vergessen hatte. Dafür wusste sie immerhin, dass das aber nicht weit von der Pizzeria Il Cazzo sei. Allerdings gilt diese Einschränkung nun für den grössten Teil von Hagen. Des Weges kundig liess ich sie hinter mir her fahren, machte auch den kleinen Umweg zum Internet Café, um weiteren Verwicklungen vorzubeugen.

Karma The Bitch hat sich den Namen des Herrn Patel wahrscheinlich sowieso schon gemerkt und sich meinen auf den Unterarm tätowiert.

Paula hatte mir nämlich für den Sonntag Steuererklärung des Nachbarn aufgegeben, der Personalrabatt im Mondo-Warenhaus bekommt. Mit einer halb-fertigen Erklärung auf dem Laptop kehrte ich Stunden später zurück, um heftiger Kritik daran zu begegnen, dass ich mich des Haushalts zu wenig annehme, mutmasslich in eben der Zeit zu wenig angenommen habe, die ich gerade mit der Umsetzung ihres Auftrages verbracht hatte, oder aber doch am Samstag, den wir in St. Willibrord verbracht hatten, um dort die Wohnung katzengerecht umzurüsten, bevor Nr. 2 und Nr. 4 nächste Woche umziehen.

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