Auf der Flucht vor mir selbst und allen anderen

Ich entfleuchte den Begrenzungen meines Lebens in die Landeshauptstadt, betrachtete mir im Sonnenschein alte Gebäude und junge Menschen, Stadtstreicher und Touristen und Werktätige aus den drei Ländern. Ich trieb mich herum, um nicht an meinem Arbeitsplatz sein zu müssen und nicht zuhause.

Am einen Ort störte mich, dass drei Leuten, die nur Anrufe entgegen nehmen und Rückrufe versprechen können (oder wollen) nur einer gegenüber steht, der diese Rückrufe auch machen kann. Es störte mich auch die Art, in der der Tzar mit meinen Mitarbeitern umgeht, die Verschrobenheit Maniacs, der nicht ohne Grund so heisst, und die unverbindliche Art, mit der die entlassenen Kollegen sich mit einem Kopfnicken verabschieden.

Am anderen Ort störte mich Paulas Verzweiflung, die die losen Ketten endgültig bricht, die ihre Persönlichkeitsstörung bisher leidlich hielten. Da entlädt sich die Wut auf die Rentenversicherung, den Zahnlückigen und manchen anderen, dem sie im Leben begegnet ist, auf mich. Ich werde dann zum Avatar aller Schurken in ihrer an Schurken nicht knappen Weltsicht.

Und mich störte natürlich, dass ich ihren Machtspielen mit meiner ökonomischen Macht als Alleinverdiener begegne. So möchte ich eigentlich nicht sein, kann es aber gerade nicht immer vermeiden und finde es in diesem Augenblick dann auch noch gut, weil ich nicht immer nur der sein will, der aushalten muss.  

Meinen Frieden fand ich etwas später dann auf dem Parkplatz einer dieser lustigen Versammlungen von Discountern verschiedener Ausrichtungen, die an den Ausfallstrassen abgehalten werden.

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Das fröhliche Landvolk

Als wir vor etlichen Jahren nach Lützling zogen, mussten wir uns nur mit der Ablehnung und Verachtung der Ortsansässigen herumschlagen, allesamt Enkel, Urenkel und Ururenkel von Bauern, die ihr Dorf nie verlassen hatten. Ihren Nachfahren war ihre beschränkte Weltsicht heilige Tradition und tiefe Überzeugung.

Inzwischen aber sind andere hierhin gezogen, Menschen wie meine Nachbarn auf der anderen Strassenseite, deren Leben erst bei Sonnenuntergang beginnt. Sie drängen sich auf 65 Quadratmetern, Grossmutter, Mutter, Tante, Enkelin, diverse, wechselnde Lebensgefährten und Gespielen, vier Katzen, vor der Türe dann drei Roller der Marke SYM.

Über ihnen wohnt ein Frührentner mit Alkoholproblem, schräg gegenüber ein junger Mann mit geringer Arbeitsmoral und einer Freundin, die im Sommer im Bikini im Aufblaspool neben der Türe sitzt. Die Strasse abwärts erfreut der Zahnlückige seine eigenen Nachbarn mit seinem Mangel an Benehmen und Moral. Ihm gegenüber wohnt eine Familie hinter zugenagelten Fenstern, ein wenig die Strasse hinab dann ein Paar, von dem sicher ist, dass sie beide keine Arbeit haben, und fast sicher, dass sie sich mit leichtem Betrug etwas dazu verdienen.

Nun gibt es aus dieser Beobachtung zwei mögliche Folgerungen. Die eine ist die sogenannte “RTL2-Vermutung”, die also, dass ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung Hartz IV bezieht und es als Lebensziel empfindet, in “Armes Deutschland” als Pflaumenaugust aufzutreten. Dieser Denkansatz ist wohl recht beliebt bei jenen, die viel fernsehen, also vermutlich selbst nicht oder nur eingeschränkt berufstätig sind.

Die andere Möglichkeit ist, dass durch das Wegsterben der Bauernenkel ihre Häuser leer stehen und ihre bauernschlauen Nachkömmlinge den Wohnraum an die Gemeinde vermieten. Die wiederum weist diese Wohnungen Flüchtlingen, Migranten und Einheimischen zu, die den beiden zuvor genannten Gruppen vermutlich zutiefst peinlich sind. Diese Idee, die insgesamt etwas schlüssiger als die andere ist, vertrat zumindest unsere Tierärztin, die in Ausübung ihres Berufes wie als Mutter eines Schulkindes wohl über das Thema nachgedacht hatte.

Ich dachte mehr darüber nach, wie sich diese Mischung aus Gesocks mit und ohne Geld auf den Wert des Hauses auswirkte.

Gott sieht alles – und redet über keinen schlecht

http://www.thesmokinggun.com/documents/sex/mississippi-threesome-294037

“In an interview with the Sun Herald newspaper, Sheriff Ricky Adam said that the trio engaged in sexual activity “In the middle of the day. In broad daylight. In front of God and everybody.”

Ich bin verhältnismässig sicher, dass es nicht Gott war, der sie bei der Polizei angezeigt hat. ER sieht nämlich auch, wenn wir Sex haben und das Licht ausgeschaltet ist.

38,50 €

Harsch kritisiert der Kunde in meinem rechten Ohr, dass wir vor fünf Jahren ein neues Funksystem für unsere Garagentorantriebe implementiert haben. Wieso, so fragt er, machen wir denn so etwas?

Da kann er ja mit den Handsendern, die er damals mit seinem Joe50 bekommen hat, den neuen Antrieb Typ 7 ja gar nicht bedienen. Und er wollte die doch noch aufbrauchen, bevor er auf die beiden Sender zurückgreift, die dem Typ 7 beigefügt waren.

Ich will ihm da ein gewisses Mass an Logik nicht abstreiten. Es mag eine verschrobene Logik sein, Ausdruck eines Lebens vielleicht, indem 38,50€ manchmal viel Geld waren. Aber in diesem Rahmen ist seine Ansicht immerhin logisch.  

Die Produktentwickler der Illinois Electro Door führten für ihr Engagement bei der Entwicklung neuer Fernbedienungen damals aber drei recht überzeugende Gründe an:

  1. Ältere Sender verschlüsselten ihr Signal mit einem Algorithmus, der keeloq genannt wird. Durch den Fortschritt der Scanner-Technologie ist dieses Codierungs-Verfahren ungefähr so undurchlässig wie ein Einkaufsnetz. Bei diesen Sicherheitsstandards war die Illinois Electro Door anspruchsvoller als Klitschen wie Fiat. Informationen zur Sicherheit von keeloq-Codes finden sich hier: https://www.cosic.esat.kuleuven.be/keeloq/ und hier: http://www.emsec.rub.de/keeloq
  2. Je komplexer ein Funkcodierungsverfahren ist, desto länger dauert es, bis vor allem in China, aber auch in Italien angesiedelte “3rd-Party-Companies” Kopien der Fernbedienungen eines Unternehmens zum halben Preis in den Markt drücken können. Manche dieser Produkte funktionieren sogar. Andere eher nicht. Manche schalten dann zwar den Antrieb/Lichtschalter/Rollladen/etc., aber dann auch noch gerade die Pumpe am Gartenteich des Nachbarn und die Zentralverriegelung des Fiat Panda: https://www.fiat.de/panda/panda. Oder umgekehrt.
  3. Die Produkt-Entwickler waren eine Bande von Hardcore-Nerds, die Technologien umso mehr liebten, je komplizierter sie waren. Die Arbeit an Funksendern hielt sie auch davon ab, atomare Weapons of Mass Destruction zu entwickeln. Oder atomgetriebene Weapons of Ass Destruction. Bei der Illinois Electro Door haben sie höhere moralische Massstäbe als bei Yoyodyne. Hier Links zu den feinen Unterschieden: https://en.wikipedia.org/wiki/Weapon_of_mass_destruction und https://www.amazon.de/Riesendildo-Weapon-Destruction-5x14cm-schwarz/dp/B00ZGCSHE8

Original:                                                       Kopie:                                               Kopie:

Sender                              Sender                   SenderKopie

 

Keine Zähne, aber grinsen

Unverrichtet zog der Gerichtsvollzieher Schibulski beim Zahnlückigen ab. Der arme Kerl bezieht Arbeitslosengeld II, hat nichts, ist nichts, hat nicht einmal ein Metier erlernt und fährt einen Jackfire-Roller von 2014.

Nicht alles davon deckt sich mit meinen Beobachtungen, aber alles mit meinen Erwartungen. Ich habe den Prozess nur geführt, weil er mich nichts gekostet hat. Paula hingegen ist wütend. Und zwar a) auf den Zahnlückigen, b) auf den Gerichtsvollzieher Schibulski mit dem schiefen Bein und c) ganz selbstverständlich auf mich.

JackFireRex Imola