Ich wills auch nie wieder tun

Für den nächsten Urlaub nehme ich mir mal einen Arabisch-Kurs in Syrien vor oder eine Vergnügungs-Reise nach Detroit. Irgendwas ruhiges halt an einem Ort, der friedlicher ist als mein Zuhause.

In jedem Urlaub kommt Paula nämlich mindestens einmal zu der Erkenntnis, dass die Realität sich nur äusserst widerwillig ihren Wünschen unterordnet. Oder auch mal gar nicht. Und selbst wenn ich meine Vortäuschung eines Paula-gefälligen Verhaltens noch perfektionieren könnte, gibt es doch medizinische Sachverständige, Gerichte, die Rentenkasse und den Verein der Kriegsversehrten, die es in dieser Hinsicht allesamt an Engagement fehlen lassen.

Da im Gegensatz zu mir keiner von ihnen in diesem Augenblick da ist, werde ich eben angeschrien. Seit ich aber dabei nicht mehr einschlafe, nimmt das Gespräch dann schnell einen Verlauf, bei dem sich Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten wie Syrien, dem Kongo und Michigan heimisch fühlen.

Von der Anwendung physischer Gewalt riet der Herr Ambros ab, von dem ich mich in dieser Hinsicht beraten liess. Aber dem Physischen nähere ich mich ja in jeder Beziehung nur mit Vorsicht, weshalb ich ja auch nur 2 1/16 davon hatte.

Tatsächlich bin ich heute überrascht, dass ich mich zu sovielen überreden konnte. Ich bin überrascht, dass ich soviele andere dazu überreden konnte. Ich wills auch nie wieder tun.

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Rigatoni Bologna auf Roggenbrot

Normalerweise zöge ich stets die Rigatoni Bologna der Pizzeria San Grigorio jedem mit Salami belegten Roggenbrot von vorgestern vor. Jedoch kann ich das Brot am Schreibtisch essen und mich dann im nächsten Wald ergehen oder doch wenigstens spazieren gehen, während ich aus olfaktorischen Gründen die Nudeln mit Hackfleischsauce im Pausenraum zu mir nehmen muss. Dort aber sitze ich allein unter Kollegen, zu denen mir längst die Verbindung abhanden gekommen ist, ein Aussenseiter selbst unter ihnen.
Ihre Gespräche sind mir fast so fremd wie die Haltung, die sie sich geben. Wüsste ich nicht um die Verhältnisse des einen oder anderen unter ihnen, wäre ich gewiss beeindruckt davon, wie leichthin sie über den Salat vom Marken-Discounter über Autos sprechen, die sie sich so wenig leisten können wie ich selbst. Ich bin vielleicht ehrlicher als sie alle, jedoch nicht abgebrannter als mancher andere. Logischerweise sollte ich mir ihr Aire aneignen – diese Demonstration nicht vorhandener Stärke könnte meiner kümmerlichen Rest-Karriere aufhelfen.
Die Chancen auf Erfolg sind aber herzlich gering. Denn alle, die sich da um den Platz zur Rechten des Tzaren am Tisch streiten – allesamt erprobte Bagaluten, Sceleraten und Pusong – kennen mich ganz genau und wissen um meine Defizite. Da ist ein Platz am Tisch so wahrscheinlich wie einer vor der Türe.

Mann mit Zylinder

FredAstaire

Der Zylinder meines Rollers sollte eine Kompression von sechs Bar haben. Laut dem jüngeren Lenoir, mit dem ich eben sprach, sind es gerade noch vier. Die Differenz sind, übertragen in meine Sprache 200 – Ecu, nicht Bar. Als Temperenzler habe ich keine Affinität zu Bars. Bargeld ist da schon eine andere Sache. Das habe ich gerne, aber nur selten.

Mein Roller lief mit vier Bar Druck allerdings in guten Momenten immer noch 70 km/h. Ich kann also guten Gewissens stets sagen, dass er 50 läuft, denn 50 sind ja in 70 enthalten. Die Logik ist der Schraubenschlüssel des menschlichen Verstandes. Sie passt nicht auf jede Schraube, aber im Ernstfall kann man immer noch damit zuschlagen.

Ich mache jetzt einige Tage Urlaub, bis der jüngere Lenoir dem Peugeot Flash einen neuen Kolben samt Zylinder verpflanzt hat. Die Zeit will ich nutzen, um mit Hilfe des I Gings und meines eigenen Verstandes zu erraten, was die neue Leitlinie des Unternehmens sein wird. Denn die beiden Video-Vorträge, die ich dazu gesehen habe, waren eher philosophisch gehalten.

Sie beantworteten nicht die Frage, wem ich schmeicheln muss, und wen ich auf dem Flur ignorieren kann. Wer von denen, die nun aufsteigen werden, kennt mich so wenig, dass er mich unterstützen würde?

Rötger Feldmann piekt

Ich widmete meinen Morgen der Aufgabe, unserem neuen Einkäufer eine einzige Information zu vermitteln. Es war nicht die, die er eigentlich hatte haben wollte. Aber ich denke mir halt, er könne recht gut leben, ohne wirklich zu wissen, was ich bei der Illinois Electro Door tue. Das ist sowieso eine der Sachen, die nicht zu wissen wahrscheinlich das Lebensgefühl verbessert.

Dafür weiss er jetzt aber, wer unsere Kunden sind, die Menschen da draussen in den sieben bewohnten Dimensionen, die unsere Produkte kaufen und am Ende sogar benutzen. Es mangelt mir nämlich keineswegs an jungen, dynamischen, qualifizierten Kollegen, die eben das nicht wissen und trotzdem neue Systeme entwickeln, voll des Vertrauens, dasss die alten Götter, die neuen Götter oder doch wenigstens Maniac und ich schon regeln würden, was sich an Problemen daraus ergäbe. In aller Regel haben sie da auch Recht, jedenfalls wo es um uns beide geht, aber die schönsten Probleme sind doch eben die, die man gerade nicht hat.

Das gilt für Geld, Geschlechtskrankheiten und eben auch für Garagentorantriebe. Hierzu bemerkt der Volksmund, der selten gewaschene, gar treffend: „Wer nie sein Brot im Bette ass, weiss nicht, wie Krümel pieken.“ Dieser Kollege weiss jetzt immerhin einmal, dass sie pieken können, die Brösel, auch wenn er in seiner Heimat Vendhya sicher nie von Rötger Feldmann gehört hat.

 

30 Jahre Kundenbetreuung

http://www.msn.com/de-de/nachrichten/panorama/mit-der-pizzabox-in-der-hand-bin-ich-losgerannt/ar-BBrqPl8?li=BBqgbZL&ocid=mailsignoutmd

Die Odyssee eines Pizzaboten, der im Dienst auf einem Acker strandete, hat viel Aufmerksamkeit erfahren. Eymen Kumaru aus Mannheim erzählt jetzt, wie es mit der Polizei weiterging – und mit der Pizza.

Kumaru: Nein, der Weg ist sehr eng. Links und rechts daneben ist Acker, da konnte ich nicht wenden. Ich konnte nur weiterfahren, und irgendwann bin ich stecken geblieben.

Die Welt: Was haben Sie gedacht, als Sie plötzlich im Matsch feststeckten?

Kumaru: Ich habe sofort zu meinem Smartphone gegriffen. Als ich merkte, dass der Akku leer war, habe ich Panik bekommen.

Die Welt: Und dann haben Sie beschlossen, zu Fuß weiterzugehen?

Kumaru: Ich musste. Es war niemand da, der mir hätte helfen können. Vielleicht wäre am nächsten Morgen der Bauer gekommen, aber das wäre zu spät gewesen. Ich musste da irgendwie herauskommen. Ich hatte immerhin eine Verantwortung gegenüber dem Kunden und meinem Chef. Also bin ich aus dem Auto ausgestiegen und habe meine Wertsachen mitgenommen – und die Pizzabox.

Schon einige Male konnte ich nur um Haaresbreite ähnlichen Situationen entkommen, mal mit einer reichlichen Portion Glück, mal durch die günstige Gewichtsverteilung des Toyota Starlet und hin und wieder auch, indem ich mein Nokia Asha benutzte, dessen Akku dann nie leer ist, wenn man es braucht. In einige Situationen bin ich allerdings auch gerade durch das Navigationssystem des Handys geraten, also eigentlich durch dessen Abwesenheit. http://www.reiseplanung.de ersetzt mir das normalerweise, funktioniert aber nicht immer und überall.

Ich kann bei dieser Tätigkeit übrigens nicht abschütteln, was ich mir an anderer Stelle angeeignet habe. Bittet mich also eine tropfnasse Kundin, eben der Dusche entsprungen, darum, die Pizza auf ein Fensterbrett zu legen, während sie mir das Geld durch den Türspalt reicht, stelle ich sie nicht einfach auf dem Boden vor der Türe ab.

Ich tue das dann sowohl, weil sie mich darum gebeten hat, als auch, damit sie die Ware bequem, also ohne sich zu bücken, aufnehmen kann. Beruft sie sich gar auf ein längst abgelaufenes Sonderangebot, so nehme ich mir auch gerne die Zeit, ihr den neuen Flyer zu bringen. An der Bereitschaft zu beidem mangelte es in der vergangenen Woche dem Kollegen von der Pizzeria Happy Heart.

Den von ihm gelieferten Salat ziehe ich dem des Il Cazzo vor, mein Service ist aber besser. 30 Jahre Erfahrung in der Kundenbetreuung kann man einfach nicht verleugnen.

 

@dolf

Ich habe mir ein neues Vorurteil zugelegt. Danach haben Menschen, die Adolf heissen, keinen Internetzugang. Ich begründe das mit der Vermutung, dass sie wie die Siegfrieds und Hermanns in einem Alter sind, in dem man für solche Neuerungen nicht mehr offen ist. Immerhin ging die Bereitschaft, mit der liebende Eltern ihren Söhnen diese Vornamen vergaben, proportional zum Vorrücken der Roten Armee zwischen dem Januar 1943 und dem Mai 1945 drastisch zurück und war danach quasi verschwunden.

Allerdings bin ich offen dafür, vom einen oder anderen überrascht zu werden, der mit einem Smartphone mit einer Display-Grösse aufwarten mag, die die schwindende Sehkraft ausgleicht. Für sie und alle Schackelines, Schayennes, Mohammeds und Kevin-Nevios, die sich über alle sozialen, kulturellen und edukativen Hemmnisse erheben und zu Hausbesitzern aufsteigen, plane ich jetzt die Einrichtung von Whatsapp als Kommunikationsmittel für Reklamationen, Belege und Fotos. Es gibt – dies ist ein Gesetz des Handels – nur eine Sorte Kunden, und das ist die Sorte, die meinen Lebensunterhalt bezahlt.

Der Nassauer zeigte sich von diesem Gedanken leidlich angetan, zumal die Kosten dafür sich in engen Grenzen halten. Es bedarf nur eines Mobiltelefones, das von der letzten Entlassungswelle übrig geblieben ist, und einer Prepaid-Karte von der Tankstelle um die Ecke.