Kerima und Edna. Und Harvey

Als Abteilungsleiterassistentin zwischen zwei Abteilungsleitern hat Kerima gerade viel Zeit. Sie nutzte sie, um vor dem  örtlichem Standesamt und einem buddhistischem Priester am Strand von Jesolo ihren Verlobten zu heiraten. Davor hiess sie übrigens Kerima Abou-Chaker.

Nun limitieren die Gesetze der Republik die Verwendung von Bindestrichen bei Bürgerlichen. Zwei im Nachnamen zu haben steht allein dem Adel zu, Menschen eben wie dem Prinzen zu Solm-Hohensolms-Lich. Daher heisst sie jetzt Kerima Abou-Rosenzweig. Wir haben uns daran schon gewöhnt.

Die Buchhaltung verstärkte unlängst Edna, eine dynamische, rundliche, junge Dame, die gerade mal so gross ist wie Elise Bauman. Sie ist sehr nett, unterhält sich aber vielleicht ein bisschen viel mit einem blauen Stoffhasen auf ihrem Schreibtisch. Daran haben wir uns noch nicht so ganz gewöhnt.

Er heisst übrigens Harvey, und ich mag ihn nicht. Ich glaube nämlich, dass er ziemlich viel kifft.

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Annie Briggs ist cool, ich nicht

Ich weiss, wer Elviras Nachfolger werden wird. Doch keine Panik – ich bin es nicht. Ich stehe soweit unten in der Organisation, dass sich niemand meines zwanzigjährigen Firmenjubiläums erinnerte.

Der Delinquent ist ein ehemaliger Mitarbeiter, der die letzten Jahren als Angestellter eines unserer Kunden damit verbracht hat, Karriere zu machen. Wilhelmina Peppermunt und Charles sollten hoch in seiner Gunst stehen, sind sie doch wie er Wolsanier. Und man kennt ja dieses Völkchen.

Von mir wird er, sobald er sich mit einiger Mühe meiner Existenz erinnert hat, annehmen, dass es mir an Ehrgeiz oder Fähigkeiten fehlt. Er weiss nichts von den Schulungen, die ich gehalten habe, von den Kenntnissen, die ich mir in all den Jahren erworben habe, den Kämpfen, die ich ausgestanden habe.

Eines Tages werde ich in Rente gehen, und mein Vorgesetzer wird unweigerlich fragen, wer ich war, sobald die Türe sich hinter mir geschlossen hat. .

Low-Calorie Sacrifice to the Goddess Minnie Mouse

Mit einem Glas elsässischen Schaumweines in der Hand verkündete uns Elvira gestern abend, wo sie ihre Karriere nun weiterführen würde. Ich war sowohl neugierig als auch leicht gestört. Immerhin war ich gerade in ein Gespräch über Thanatologie mit einem Schweinefilet in Sosse vertieft gewesen.

Wie es aussieht übernimmt sie die Leitung der Marketing-Abteilung von “James Cooper Nachfolger”, einem regional führenden Betrieb der Arzneimittel-Branche. Der ungewöhnliche Name leitet sich von einem Jim Cooper ab, der das Unternehmen 1924 ursprünglich in Chicago gründete.

Die Inhaber, Rolf und Alexandra Becker, wollen den Vertrieb ihrer Schmerzmittel, der bisher noch recht unkompliziert  als Direktvertrieb B2C erfolgte, ausweiten und neue Marktsegmente erschliessen.

Da geht es natürlich auch um neue Produkte wie Hautcremes und Augentropfen mit Schmerzmitteln und stärkere Schmerzmittel. Was für Pferde gut ist, kann für Menschen nicht schlecht sein.

Dazu meinte sie, wir würden überrascht sein, wenn wir wüssten, wer ihr Nachfolger sei.  Ich habe da schon seit Tagen ein ganz merkwürdiges Gefühl.

Dass ichs nicht vergesse…

Dieser Post ist sozusagen eine Gedankenstütze für mich. Denn es gibt in meinem Metier gelegentlich Kunden, die nach älteren Fernbedienungen fragen, für kein Ersatz mehr lieferbar ist.

Bei denen kann ich einen chinesischen Universal-Empfänger samt Handsendern einsetzen:

Ricevitore

Der Anschluss erfolgt so:

Ricevitore (2)

Beim Anschluss ist eine Brücke zwischen 24V- und COM zu machen, während die Stromversorgung an 24+ und COM angelegt wird (linke Seite). Beim Relais-Ausgang (rechts) wird an NO und COM angeschlossen, NC bleibt frei, sofern es sich nicht um den recht seltenen Fall eines Öffner-Kontaktes am Antrieb handelt.

Das Ganze muss natürlich belegfrei und vorzugsweise gegen Barzahlung erfolgen. Der Empfänger hat keine Zulassung, und die Sender arbeiten auf der in der EU nicht zugelassenen Frequenz 315 Mhz. Folgerichtig sollte ich meine Vorgesetzten mit diesem Aspekt meines Fachwissens nicht belästigen. Das Set kostet 6,55 Ecu bei ebay bzw. wish.

 

Tot und nicht zu finden

Der neue Kollege aus der Firmenzentrale ist mir unheimlich. Zum einen spricht er meine Sprache, kein Anglo, obwohl er auch dieses Idiom trefflich beherrscht, zum anderen spricht er mit jedem und hört jedem zu, statt nur mit Abteilungsleitern zu reden.

Ausgehend von seinem höchst technischen Fachgebiet müht er sich, die Abläufe zu verstehen, die damit in Verbindung stehen. Und die, die mit denen in Verbindung stehen. Er geht sehr methodisch vor, ganz der Ingenieur, der er nun einmal ist.

Ich bin relativ gewiss, dass an dem wenigen, was ich hier tue, nichts auszusetzen ist. Ein gutes Gewissen zu haben ist fast so schön wie zu wissen, dass alle Zeugen tot und ihre Leichen nicht zu finden sind.

Dear Debbie

Ich verfolge gerade einen email-Dialog zwischen einem meiner Kollegen hier und einem in der Firmenzentrale. Irgendjemand, nennen wir sie Debbie, hat da ein Geografie-Problem:

Dear Debbie,

Thank you for forwarding this customer’s enquiry. But we are not the Middle East-office. We are the European office. Please send it to Faizal at the ME office.  

Regards,

Maurice

und ist ein bisschen stur:

Dear Debbie,

Thank you for forwarding this customer’s enquiry again. But we are still not Middle East but Europe.

Regards,

Maurice

vielleicht könnte man sie sogar begriffsstutzig nennen:

Dear Debbie,

Germany is in Europe. Definitely. Spent my whole life here.

Regards,

Maurice

An der nächsten Anfrage hatte Kollege Maurice auch etwas auszusetzen. Irgendwie ist er heute aber auch so was von kleinlich:

Dear Debbie:

Thank you for forwarding this customer’s enquiry. But as a part of our company policy we do not answer any emails without having the customer’s email-address.

Regards,

Maurice

Ich glaube jetzt nicht, dass die zwei auf der nächsten Firmenfeier zusammen in der Besenkammer verschwinden werden.

Stuck in the 20th Century

Wilhelmina Peppermunt und Charles diskutieren an der nächsten Schreibtisch-Gruppe hingebungsvoll, warum die Einstellung ihrer Kollegen so pessimistisch ist. Was zur Hölle sollten sie sonst sein?

Die wissen nämlich auch, dass das Unternehmen eigentlich komplett neu aufgestellt werden müsste, um in einem Markt, der sich verändert hat, profitabel zu sein.. Das heisst neue Aufgaben für einige, Entlassungen für andere bei gleichzeitiger Einstellung neuer Kollegen mit neuen Fähigkeiten und Kenntnissen.

Statt dessen wurde pauschal eine Quote gefeuert, führen wir Produkt-Bereiche fort, die längst keinen Gewinn mehr bringen, und widmen uns Aufgaben, die obsolet sind. Was sagt mir das über den Tzaren, über Elvira? Wenig gutes. Trotzdem macht das Unternehmen zum ersten Mal, seit sich ein Buchhalter erinnern kann, einen kleinen Gewinn.