Wann bekommt Donald Trump endlich den Nobelpreis?

Bisher scheiterte das Universal-Genie des 21sten Jahrhunderts ja noch am Zustand des Nobel-Komitees. Das hat sich nach einer Reihe betrüblicher Missverständnisse, bei denen Hände und Gesässbacken zueinander fanden, die nicht affin waren, quasi aufgelöst. Doch spätestens im nächsten Jahr wird er, wenn auch vielleicht nicht den Friedens-Nobel-Preis dafür, dass er den Korea-Krieg beendet hat, so doch mindestens den für Literatur gewinnen.

Schliesslich hat er wie niemand sonst die Möglichkeiten von Twitter als schriftstellerischem Medium ausgeschöpft, um die Figur des Nero als amerikanischem Präsidenten satirisch neu zu erschaffen. Das ist sozusagen die direkte Fortsetzung von Gore Vidals “Duluth wie Dallas” und Kurt Vonneguts mit Bruce Willis in der Hauptrolle verfilmtem “Breakfast of Champions.” Dort und im “Le Déclin de l’empire américain” finden sich auch die Parallelen zu dem Privatleben, das Trump dem Präsidenten zuschreibt, und den gewiss fiktiven Vorgängen im Weissen Haus.

Für eine Verfilmung plädiere ich für Eric MacCormack und Debra Messing als Schwiegersohn und Tochter des Präsidenten, Jeannette McCurdy als eine seiner wechselnden Pressesprecherinnen, Bruce Willis als Stabschef General Kelly und Yannick Bisson als CIA-Chef/Aussenminister Pompeo, Kristen Bell als First Lady und Elise Bauman als Journalistin. .

Da Douglas Adams tot ist und daran aus steuerlichen Gründen nichts ändern will, könnten wir für die Drehbücher vielleicht Russell T Davies gewinnen.

https://loomings-jay.blogspot.de/2010/03/nero-singt.html

https://www.politico.com/story/2018/06/10/trump-papers-filing-system-635164

Der Tod der Demokratie in 140 Zeichen

sms

Die Demokratie ist zum Tode verurteilt. Ihre Grundlage war die wortreiche Kommunikation wie sie die Athener auf der Agora zelebrierten, Mutter der Rhethorik von Gorgias bis Herbert Wehner.

Wo sich der Mensch in seiner Sprache aber auf 140 Zeichen beschränkt und seine Gedanken soweit verschlüsseln muss, dass nur noch ein kleiner Kreis von Eingeweihten sie versteht, hat sie ihre Basis verloren. Der Befehl hingegen und mit ihm das Militär und die Dikatur ist sparsamer in seiner Diktion.

Jay Griffiths verfolgt im Aeon-Magazin einen ähnlichen Gedanken, wenn er über Luigi Russolo spricht, einen Komponisten, der zur italienischen Futurismo-Bewegung gehörte, die in gewisser Weise dem Faschismus vorherging:

Language was reduced to shout, the hate-scream that features so heavily in contemporary libertarian discourse.

https://aeon.co/essays/the-macho-violent-culture-of-italian-fascism-was-prophetic?utm_source=Aeon+Newsletter&utm_campaign=50540abad5-EMAIL_CAMPAIGN_2017_02_08&utm_medium=email&utm_term=0_411a82e59d-50540abad5-69406069

Er unterstellt dann den Futuristen, nach einer Sprache ohne Grammatik gestrebt zu haben und wie es ordentliche Faschisten nun einmal tun, den Büchereien, Museen und Schulen den Krieg erklärt zu haben:

The Futurists sought a language ‘purified’ by removing grammar. … To the Futurists, grammar was merely a hindrance to a brutal gesture of noise. Like any good fascist, Marinetti called for the burning of libraries, museums and academies.

Dabei gibt es doch auch die Identitären, die per defintionem Neo-Nazis sind, die lesen und schreiben können.

http://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-hoerspiel/invasion-der-identitaeren-100.html

Die reduzierte Kommunikation begünstigt also die Tyrannis. Dass Donald Trump sich Twitters so hingebungsvoll bedient, sollte allein uns also schon zur Besorgnis Grund geben. Dass er sich von Erik Prince beraten lässt, ist in höchstem Mass beunruhigend.

Nach Angabe Jeremy Scahills, der sich auf einen ungenannten Informaten stützt, hat er Trump bei dessen Personalauswahl sowie bei Stellungnahmen zu Geheimdienst- und militärischen Fragen beraten[29

https://de.wikipedia.org/wiki/Erik_Prince

Denn eine Frage ist noch offen – wenn es zum Konflikt zwischen Trump und dem Parlament kommt, wer verhaftet die Abgeordneten? Und diese Auseinandersetzung ist unvermeidlich, denken doch zumindest die Republikaner, sie wären an der Macht beteiligt, weil sie ja auch von denen gewählt wurden, die sich und die sie für Opfer halten. Der Skandal um Mad Mick Flynn gehört schon zu dieser Auseinandersetzung.

http://www.tagesschau.de/ausland/flynn-erklaerung-101.html

Griffiths sieht am Ende sogar eine Parallel zwischen Trump und dem Sonnengott:

Deus Invictus is typified in libertarianism and personified in Trump’s solar solipsism, with his backdrop of gold curtains, Twitter-roaring against the unbearable restraints of respect or social justice.

und schlägt dann – vielleicht ohne es zu wissen – eine Brücke zwischen Mitra und Azathoth:

An idiot divinity unleashed upon the world.

http://pathfinderwiki.com/wiki/Azathoth