Der Zorn des Achilles

https://aeon.co/essays/the-anger-that-fuels-homers-hero-is-both-honourable-and-divine

Anger or rage (mênis, thumos, orgê) is an emotion, a mixture of belief and desire. It is not a somatic feeling, as nausea and giddiness are, though it is usually accompanied by such feelings – trembling and blushing, for example, and the sense of seeing red. It is, in Aristotle’s definition, ‘a desire, accompanied by pain, to take apparent revenge for apparent insult’.

Anger is triggered by insult, then, and so is connected to worth (aretê) and to honour (timê). A person is insulted when the treatment he receives is worse than the treatment his worth entitles him to receive.

Heroes must learn to control their anger, to be propitiated, to recognise that they’re mortal beings destined to suffer.

 

Wie lernt man zu verzeihen? Und warum sind einige von uns wütend, ohne dass sie jemand gekränkt hat? Sind wir denn so unhöflich, dass wir nicht einmal jene Vorarbeit abwarten wollen, die unsere Mitmenschen so zuverlässig abliefern?

 

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Dem unbekannten trojanischen Soldaten

Der Generationenwechsel sieht oft aus wie eine Schrankwand in Eiche P43 vor der Türe eines Einfamilien-Hauses, wahllos auf einander gestapelt, einst der Stolz einer ehrbaren und vermutlich nie berufstätigen Hausfrau, jetzt langsam im Regen durchfeuchtend.

Er hört sich an wie jene frisch gebackenen Hausbesitzer, die mich Tag um Tag anrufen, um sich mit einer Anleitung oder Fernbedienungen für einen betagten Garagentorantrieb zu versorgen, den aus irgendeinem Grund selbst die rücksichtsloseste Renovierung schont. Da fallen Namen, die heutigen Menschen so fern sind wie die der Helden des Trojanischen Krieges. Von Praktiker ist die Rede, von Castorama, Quelle, Endress, Einhell, Bosch, Genie, Wecla und Simba.

Einst wird man den Namen der Illinois Electro Door an einer anderen Hotline in dieser Weise nennen, als Hersteller zuverlässiger Antriebe, als Betreiber einer telefonische Kundenbetreuung von (nach meiner Ansicht und gemessen am Aufwand) ungemeiner Effizienz. Ich selbst werde dann vergessen sein, ein alter Mann, der anderen alten Menschen leise und vermutlich zusammenhanglos von vergangenenen Heldentaten erzählt oder tot, meiner Neigung zum übertriebenen Genuss von Zucker im besonderen und Lebensmitteln ganz allgemein oder der Unachtsamkeit des Fahrers eines Fleisch-Lasters zum Opfer gefallen.

Sagt dann aber nicht, ich sei gestorben. Sagt, ich sei weiter gezogen, an einen anderen Ort gegangen, weil dort jemand – ganz, ganz wahrscheinlich – einen Kundenbetreuer gebraucht hat.

Systembedingte Unzulänglichkeiten

http://www.welt.de/kultur/history/article113131121/Die-geheimnisvollen-Seevoelker-die-es-nie-gab.html

Seevölker

„Zum Beispiel der Seevölkersturm. Es gehört scheinbar zum historischen Grundwissen, dass der Zusammenbruch der levantinischen Welt der Spätbronzezeit von seefahrenden Wanderern herbeigeführt wurde, die ihren Namen von ägyptischen Inschriften haben. Ihnen fielen die mykenischen Paläste Griechenlands, und Handelsmetropolen wie Ugarit zum Opfer. Nur mit größter Mühe konnte Pharao Ramses III. sich ihrer erwehren, doch wurde die Großmacht am Nil bis in die Grundfesten erschüttert. Noch in der Bibel werden die Philister als Nachfolger der Seevölker vorgestellt.
Sommer entwirft ein neues, beklemmend modern anmutendes Erklärungsmuster. Zwar bestreitet er nicht die Züge von gut bewaffneten Übeltätern. Doch die eigentliche Ursache für den Zusammenbruch mehrerer Großmächte sieht er in ihren „systembedingten Unzulänglichkeiten“. Nicht Invasoren aus fernen Ländern berannten die Mauern von Tiryns oder Hattuscha, sondern verarmte Gruppen, die durch die immer drückender werdenden Abgaben immer mehr an den Rand gedrängt wurden, protostaatliche Strukturen entwickelten und sich schließlich gegen ihre Herren erhoben.
Zunächst waren es nur Nadelstiche an der Peripherie, aber sie reichten aus, um die bereits eng vernetzte Welt der Imperien zu erodieren. Denn die großen Reiche waren vom regelmäßigen Nachschub an Bodenschätzen, Baumaterial und Nahrung abhängig. In ihren Ruinen etablierten sich schließlich neue „ethnische“ Gruppen wie die Aramäer in Syrien oder die Hapiru in Palästina, die unschwer als Hebräer zu erkennen sind. Dazwischen behaupteten sich die Kanaanäer, die als Phönizier schließlich in die Geschichte eintraten.“