Die Invasion von Texas

Zum ersten Mal kann ich der Übernahme durch Yoyodyne etwas positives abgewinnen. Denn so kann ich mir jetzt die Probleme mit unserem Flügeltorantrieb TA100 auf Armeslänge vom Leib halten.

Das Modell wurde von einem Nerd entwickelt, dem man die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG so lange um die Ohren gehauen hatte, bis er ganz und gar von der Rolle war. Die Einzelteile dieses Antriebes kommen aus China, Ungarn und Italien und werde in Texas von Burschen zusammen gepackt, die ihre Zeit sonst nur damit verbringen würden, unanständige Sachen mit Nutzvieh zu machen. Der neue Entwicklungsleiter hat seinen Ersatz auch bereits mit Priorität angeordnet.

Allerdings hat ein Verkäufer, den ich vor einiger Zeit in St. Michael an der Furt geschult hatte, dem Präsidenten von Minutien beim Staatsbesuch in Berlin einen solchen TA100 verkauft, den der dann in seinem schwarzen Zastava Yugo mit Aufkleber „CD“ auf dem Kofferraumdeckel, Wimpel am Kotflügel und Wappen auf den Türen als Diplomatengepäck in seine Heimat befördert hat. Sollte also Minutien demnächst in Texas einmarschieren… ändere ich ausser dem Namen des Unternehmens auch den meinen, emigriere nach Österreich und arbeite dort für den Tousek.

Hier für die Jüngeren unter uns und jene, die nicht in Minutien, Serbien und Bosnien leben oder den Film „Schlappe Bullen beissen nicht“ auswendig kennen, der Link zu des Präsidenten Dienstlimousine:

https://de.wikipedia.org/wiki/Zastava_Yugo

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Wichtig und erfolgreich

Stumm stehe ich zwischen Kollegen, die alle wichtige Projekte verfolgen, stolz auf ihre Erfolge verweisen. Ich habe das Gefühl, weder wichtig noch erfolgreich zu sein. Der Nassauer würde mir widersprechen, wäre er nicht eben in Texas. Aber ich glaubte ihm auch nicht; da bin ich von einem dreistelligen Intelligenzquotienten wie von meiner Erfahrung behindert.

Sobald er das Gefühl hat, mich nicht mehr zu brauchen, meine Funktion ob schwindender Umsätze in das Baumarkt-Betreuungs-Team integrieren zu können, wird er sich meiner entledigen. In diesem Fall rechne ich damit, dass Maniac, mit sieben Beipässen und zwei schulpflichtigen Kindern sozial schützenswerter als ich Technical Service Coordinator wird. Da er dann wahrscheinlich Wilhelmina Peppermunt untergeordnet wird, nehme ich mir schon einmal fest vor, ihn nicht zu beneiden.

War ich früher zu offen, sprach ich zuviel und zu laut, bin ich jetzt verschlossen, schweige, ziehe mich zurück. Meine Mitmenschen scheinen das angenehm zu finden. Ich selbst bin mir noch nicht sicher, was ich von der aktuellen Inkarnation meiner Persönlichkeit halten soll. Sie kommt mir erwachsener vor. Das finde ich sowohl befriedigend als auch irritierend. Ich habe auch gelernt, auszusprechen, dass ich überfordert bin und emotional leide. Doch wie kann ich mir nun wieder vormachen, dass ich wichtig und erfolgreich bin?

Diese Illusion ist für das Überleben in einem nach amerikanischen Massstäben arbeitenden Unternehmen nun einmal von äusserster Wichtigkeit. Wem sie fehlt oder wer sie nicht hinlänglich vortäuschen kann, geht unter.

Working for Lofwyr

Der Evangelist ist der nicht der schnellste. Er gehört zwar schon seit einem Jahr zu unserem Team bei der Illinois Electro Door, merkt jetzt erst, wessen Geistes Kind der Nassauer ist, als der ihn bittet, ihn zu einer Messe zu begleiten.

Nun erwartet der Evangelist Anweisungen, gerne von der detaillierten Sorte, die ihm der Nassauer nicht geben kann. Details interessieren ihn nämlich nicht und manche Verästelung der Organisation und etliche Eigenschaften der Produkte, die er verkauft, sind ihm immer noch fremd und werden es wohl bleiben. Ich hoffe, dass sein Nachfolger aus dem gleichen Holz geschnitzt ist. Denn was dem Evangelisten solche Probleme bedeutet, gibt mir freien Raum, in dem ich handeln kann.

Und ich denke schon jetzt über seine Nachfolge nach, weil ich an Feronias Zukunft im Unternehmen zweifle. Da bestärkte sie mich, indem sie statt der üblichen professionellen Anteilnahme, mit der sie ihre Mitarbeiter in allen Lebenslagen beglückt, Maniacs Trauerfall weitgehend ignorierte. Den Vorgesetzten, der sie einstellte und protegierte, sahen meine Gewährsleute im Kaiserreich Texas vor kurzem unsere Firmenzentrale, die schwarze Glaspyramide in Houston, betreten und nie wieder verlassen.

Das legt nahe, dass er jene Mächte der Finsternis erzürnt hat, die in der Geschäftsleitung sitzen (oder aber dass er zur Essenszeit gelegen kam). Ich sehe also der Ankunft eines neuen Managers entgegen, nicht ohne ein gewisses Schaudern, da Herr Leczynski aus dem Wareneingang dann wieder ein schwarzes Huhn schlachten muss, bevor sich Frau Mayer von der Personalabteilung in Trance tanzt.

Honi Soit Qui Mal Y Pense

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