Et finis, Taylor-Marie

Sulaiman der Mittelprächtige, Der, der kein Zeuge Jehovahs werden wollte, Der dreifach abgebrochene, die Liste der Kollegen, die nicht mehr in der Pizzeria arbeiten, ist lang. Taylor-Marie Kowalowski hat sich jetzt auch darauf geschrieben. 

Angeblich will sie sich einem Metier widmen, das bei jungen Frauen sehr beliebt ist, dem Ankauf nämlich von Kosmetika en gros online und dem Absatz en detail irl. Kann man bei freier Zeiteinteilung reichlich Asche machen etc. etc. etc. Klingt zutiefst nach einem MLM. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Netzwerk-Marketing

In meinem Kopf ist sie noch da. Sie sitzt neben mir im Pizza-Auto auf dem Weg zu ihr nach Hause und redet mit mir. Das ist der feine Unterschied zur Realität, in der ich sie nur zugetextet habe. Ich stelle mir vor, offen mit ihr über meine Sexualität sprechen zu können. 

Wie gesagt, das ist far off der Realität. Aber ich erkenne in der dunklen Windschutzscheibe hinter dem quietschenden Scheibenwischer keine kleine Goth-Braut, sondern ein Bedürfnis oder zwei. 

In my personal closet

In meinem Scheinwerferlicht überquert Taylor-Marie die Strasse. Sie sieht mich nicht, weil ich ausnahmsweise in einem Auto sitze und nicht auf meinem Roller. 

Eine halbe Stunde früher hatte ich ihr angeboten, sie mitzunehmen. Sollte ich der kleinen Goth-Braut die gleichen Gründe für ihre Zurückweisung unterstellen wie allen anderen Menschen?

Ich bin an Ablehnung gewöhnt, sogar an eine gewisse Form von Misshandlung. Meine Seele fliesst über von negativen Erfahrungen mit der menschlichen Spezies. Ich bin so daran gewohnt, herum geschubst zu werden, dass ich stets davon ausgehe, selbst schuld zu sein. 

Deshalb eignet sich die Zustellung von Flachkuchen und Teigwaren neapolitanischer Art so gut für mich. Ich habe mit niemandem so lange Kontakt, dass es negativ werden könnte. 

Meinen Kollegen auf dem Day-Job erzähle ich nichts über mein Leben. Ich verstelle mich, verberge meine Persönlichkeit. Wie lange kann das gut gehen?

Das All-you-can-eat des Auges

Einem Voyeur ist das Schwimmbad das gleiche wie das All-you-can-eat-Menü beim Chinesen. Hier wölbt sich ein zarter Busen, dort schwillt eine schwere Brust und da, da sieht man kurz einen festen, weissen Po. 

Was sollte mir auch sonst Ausgleich für die Zeit sein, die ich mit Paula und ihrer Schwester dort verbringe? Ich höre Gesprächen zu, die mir zusammenhanglos erscheinen, sinnlos. Ich selbst bin nur eine, offensichtlich allerdings benötigte Dekoration. 

Vor kurzem hatte ich einen Traum über Taylor-Marie Kowalowski. Umgehend nahm ich mir die Zeit, bei unserer nächsten gemeinsamen Schicht aller Anziehung die Spitze zu nehmen. Ungefiltert liess ich sie auf mich wirken, ihre altersgerechte Naivität, ihre Antriebslosigkeit, die Tätowierungen, zugleich fein ausgeführt und sinnlos, die Schnitte, die sie sich selbst zugefügt hat, die Narben der Zigaretten. 

Danach war alles wieder in Ordnung. Die Menschen bleiben mir fern. Fern bleibt es mir auch, Konsequenzen aus dem zu ziehen, was ich sehe. Die Reize sind vorhanden, bleiben aber diffus. Ich habe nicht die Fähigkeit, auf diesem Weg eine Brücke zu einem anderen Menschen zu bauen. 

Blümchensex und Salzkartoffeln

Bekomme ich ein Handgeld, wenn ich der Krankenpflegeschule einen Bewerber bringe? Ich hätte da noch Platz auf meinem Paypal-Konto.

Ich versuchte am Wochenende, den Dreifach Abgebrochenen zu einer solchen Karriere zu überreden, hatte mich vorher aber darüber nicht informiert. Mir schien er ob seiner Ausbeutungswilligkeit und verträglichen Art recht geeignet für dieses Metier. Zugleich war ich leidlich optimistisch, dass er die Einjährige Ausbildung schaffen könne.

In Verbindung mit einem Ausbildungsgehalt und einer Auswahl an jungen Schwesternschülerinnen, Schwesternhelferinnen und Medizinischen Fachangestellten eignete sich diese Ausbildung auch Ablenkung von seiner Trennung von Taylor-Marie Kowalowski.

Ihre Wünsche und Hoffnungen waren zu verschieden. Er wünschte sich Harmonie und Salzkartoffeln und hoffte auf Blümchensex, sie wünschte sich Drama und Antidepressiva und… aber da kann ich nur spekulieren.

Sie hat mich mal, wie sagt man, angemacht, als wir zusammen in einem Kleinwagen eingesperrt waren. Ich habe es ihr ausgeredet. Minderjährigkeit und psychische Probleme finde ich wenig attraktiv. In diesem Zusammenhang verweise ich auf den vorläufigen Höhepunkt der Trennung, bei dem die strunzbesoffene Taylor-Marie vor des Dreifach Abgebrochenen Türe kniete und ihn anflehte, ihr ins Gesicht zu treten. Er würde es sonst bereuen!

Meine Neigungen sind da einfach andere.

Greg Bear, Aeon


Lasst mich in Ruhe, Ihr Hormone!

Die Counter Managerin der Pizzeria San Gregorio heisst Taylor-Marie Kowalowski. Sie ist antriebsschwach, aber triebstark. Das eine erklärt, warum sie immer noch keinen Ausbildungsplatz hat, das andere ihr Top, in dem weisses, festes Fleisch fast unbehindert von Stoff der Gravitation trotzte.

Davon ein wenig irritiert eilte ich einer Adresse entgegen, wo jemand einer Pizza Familia bedurfte. Es öffnete mir eine junge Frau ähnlichen Alters, unter deren recht kurzem Mini-Rock zwei gebräunte Beine hervor schauten. Ihr weisses T-Shirt war gerade soweit bedruckt, dass die Abwesenheit eines BHs infrage gestellt werden konnte.

Ich fühlte mich an dieser Stelle belästigt. Es war nicht ihre Absicht, da seien ihre Hormone davor. Aber ich hatte mich mit leidlichem Erfolg diesem Thema doch so weit entfremdet, dass mich dieser Augenblick unangenehm berührte, er für mich ein Eingriff in meine persönliche Autonomie war.