Nennt mich… Winifred

Aus irgendeinem Grund stelle ich mir Kaitlyn Alexander, die kanadische Schauspielerin, ungewohnt ernst und in schwarzen Lederhosen und einer passenden Lederjacke auf einem kräftigen Apfelschimmel vor. Wohin reitet sie? Wo reitet sie? Australien ist eine gute Wahl, aber dann ein Australien, das es so nicht gibt.

Die Zeit sei das viktorianische Zeitalter, und England erhebe den Anspruch darauf, dass der ganze Kontinent zu seinem Empire gehört. Allerdings patrouillierten seine Rotröcke zu Pferd, Schaufeldampfer und Luftschiff nur ein Gebiet um Sidney herum ab, das etwa der Hälfte von New South Wales entspricht. Mit etwa ebensoviel Berechtigung beanspruchte das Kaiserreich Japan die Herrschaft über Australien. Neu-Kagoshima läge etwa da, wo sich in unserer Welt die Stadt Perth befindet.

Keinen Anspruch dieser Art erhöbe der Freistaat, eine Kolonie am Golf von Carpentaria, wo man niederländisch spräche und sich selbst verwaltete. Hier balancierte der ominöse Statthalter geschickt die Interessen der Bewohner aus, die zu einem guten Teil Mischlinge sind, zum anderen aber Einwanderer aus den Niederlanden, Deutschland, China und Indonesien. Sie treiben Landwirtschaft und Handel und frönen dem Säkularismus etwa so wie wir.

Jenseits dieser Grenzen, wohin unsere noch namenlose Heldin bald vorstiesse, lebten nomadische Aborigines, deren Schamanen über gewaltige Macht gebieten. Sie sicherten die Freiheit ihrer Völker mit mächtigen Bannsprüchen und gelegentlich, indem sie die Toten aus ihren Gräbern rufen, um eine Armee aus Zombies gegen ihre Feinde einzusetzen. Die namenlose Heldin, die in der Liebe, im Krieg und bei ihren Freundschaften keine Farbe kennt, setzte eher auf einen Sharps-Karabiner und einen Mervin & Hulbert-Revolver.

Sie begegnete auf ihren Wanderungen einem asexuellen Händler aus dem Freistaat, Crocodile Dundee, der Traumschlange, dem Geist von Paula Schultz, Matt Quickley und dem Kampfkunst-Meister Pai Mei, ihr erzählt, wie er die Bennet-Schwestern ausbildete und wie stets seine eigenen Ziele verfolgte, verführte die Töchter von Bauern und Schamanen und einen Afro-Amerikaner, der behauptete, aus einer Kolonie geflohen zu sein, die exilierte Südstaatler nach dem Ende des Bürgerkriegs gegründet hätten.

Sie kämpfte mit britischen Soldaten, Aborigines, Dingos und Krokodilen, flöhe aus Neu-Kagoshima vor den Annäherungsversuchen eines hochrangigen Samurai und seiner etwas unausgeglichenen Schwester, träfe bei dieser Gelegenheit Captain Nemo und reiste auf seiner Nautilus. Sie übernachtete einmal im versteinerten Wrack einer portugiesischen Karavelle und würde ein anderes Mal von einer Spinne gebissen. Knapp nur überlebte sie den folgenden nervengift-induzierten Rausch. Sie tauchte nach Perlen, schürfte nach Diamanten und verlöre ein Glied eines kleinen Fingers bei einem Unfall.

Findet sie, was sie sucht? Ich weiss nicht einmal, was sie hinaus in diese weite Land treibt. Aber an einem Punkt reitet sie durch ein Portal in einer Geoglyphe am Uluru und tränkt ihr Pferd am Abend in Taschkent, drei Jahre in der Zukunft und mit vollständigen Fingern.

Heisst sie Winifred? Ich glaube ja. Winifred DaCosta klingt irgendwie gut für diese Epigonin des Corto Maltese.

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The Sword and The Grave

Black Widow

https://www.youtube.com/watch?v=vJDZzxuokQ4

Das Video zu Iggy Azaleas Song „Black Widow“ ist eine Paraphrase auf Quentin Tarantinos Film „Kill Bill“ (Teil 1), ergänzt um Zitate aus einigen anderen japanische und chinesische Action-Filme, in denen die Protagonisten darauf bestehen, Auseinandersetzungen mit Schwertern zu lösen, als hätten Samuel Colt und John Browning nicht das Lösen von Problemen in den letzten 170 Jahren drastisch vereinfacht.

Die Arbeit dieser Wohltäter der Menschheit schuf auch eine gewisse Gleichberechtigung, denn eine Charter Arms Patriot oder eine Glock 17 ersetzen hinlänglich die Kraft, die einer Frau fehlen mag, um einen Mitbürger mit Rapier, Katana oder Franziska aus dem Leben zu befördern.

Im musikalischen Kurzfilm treten Iggy Azalea und Rita Ora an die Stelle von Beatrix Kiddo, der Protagonistin des Spielfilms, einer Auftragsmörderin von nicht unerheblichen Fähigkeiten. Sie schnetzelt sich hingebungsvoll durch beide Teile von Tarantinos Film und eine beachtliche Zahl von Gegnern.

Darüber hinaus beginnt sie ihren Rachefeldzug, indem sie aus einem langen Koma erwacht, und unterbricht ihn, um sich aus dem „einsamen Grab der Paula Schultz“ zu befreien. Bei dieser Übung beruft sie sich auf Fähigkeiten, die sie von Pai Mei, einem chinesiche Lehrer der Kampfkunst, erlernt hat.

Unerwähnt bleiben andere Lehrer, von denen sie diese Dinge gelernt haben könnte, Faith Lehane, Vampire-Slayer, zum Beispiel, die bereits einige Jahre, bevor Tarantino Kill Bill schrieb, aus einem acht Monate lange Koma erwachte, um sich auf einen Rachefeldzug gegen ihre Feindin/Freundin/Mit-Jägerin Buffy Summers zu begeben, den sie schliesslich als einen Schritt in einem Lern-Prozess abbricht.

Buffy Summers selbst arbeitet sich ohne Hilfe von Pai Mei und ebenfalls lange vor Kiddo aus ihrem eigenen Grab heraus. Sie allerdings wurde nicht lebendig begraben, sondern opferte ihr Leben zur Rettung der Welt und wurde dann von ihrer Freundin Willow Rosenberg, der guten Hexe des Westens, von den Toten zurück gerufen.

Ihre Rückkehr aus dem Grab setzte Standards für Heldinnen und wurde inzwischen nicht nur von Beatrix Kiddo, sondern auch von Lisbeth Salander kopiert. Deren eigener, relativ kurzer Rachefeldzug war aber vielleicht nur ein Kommentar zum Zerfall der Familie in der westlichen Welt und zur Wirkung der 5,6 mm-Patrone. Sie greift dann am Ende – ganz klassisch – wieder zur Axt.

CT, MRT, Blasen-Tee

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Zombies zum Tee

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