Achtet aber den Burger-Brater, der nicht Spongebob heisst

Es ist eine gängige Gepflogenheit in bestimmten Kreisen, die System-Gastronomie gering zu achten. Immerhin werden Mensch und Natur zu keinem höheren Zweck ausgebeutet, um seltsam schmeckende Fleisch-Bratlinge servieren zu können. 

Ich aber, ich widerspreche der Moralisten-Bewegung, die sich überall breit macht. Wo sonst finden Migranten in diesem Umfang Arbeit, wo sonst begegnen sich Menschen so ohne Vorbehalte? Und wo sonst sollten Menschen wie ich auf ihren Reisen rasten, wenn nicht in diesen Pendants der Bahnhofsgaststätten des vorigen und vorvorigen Jahrhunderts? 

Da gibt es stets Menschen, denen man zuschauen kann, Nahrungsmittel erstaunlichster Art und mit den aberwitzigsten Bezeichnungen, freies Internet und Strom für das Mobiltelefon. Dazu sind die Toiletten leidlich sauber und kostenlos. 

Es ist also der richtige Ort, um darüber nachzudenken, dass man ein Idiot ist. Rappelstrunzdoof, der Mama beim Wickeln vom Tisch gefallen, ein Schwachmaat, der Synonyme sind viele, das Ergebnis ist das gleiche. 

Zum Anlass dafür diente mir der Hinweis des Herrn Schrammel auf einen bisher von mir ignorierten Schiebeschalter an der Explorer. Er diente verschrobenerweise dazu, von Stand- auf Fahrlicht umzuschalten. Ein anderer Schalter, den ich gefunden hatte, sollte dann den Wechsel von Abblend- zu Fernlicht ermöglichen. 

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Leider behob das den Wassereinbruch im Gehäuse der Beleuchtung nicht. Aber mangelhafte Dichtungen in diesem Bereich sind ja sozusagen chinesisches Volkstum und daher für einen weltoffenen und toleranten Menschen nicht zu beanstanden. 

Mich inspirierte dieses Gefühl dann aber zu der Überlegung, dass ich doch irgendwann den Kabelvertrag gekündigt hatte, um mich nach einer Alternative umzuschauen. Ein Blick ins Kundenaccount bei Vodafone bestätigte mich – ja, der Vertrag war gekündigt, geschlossen und tot. Einen neuen allerdings beschloss ich nicht mehr abzuschliessen. 

Denn offensichtlich streamen wir schon seit drei Wochen Sky über das Internet. Wesentliche Beeinträchtigungen im Empfang gab es über das bei Vodafone übliche hinaus nicht. Ich war zwar ein Idiot, der einen ausgewachsenen Schalter übersehen konnte, aber doch keiner, der 20 Ecu für etwas ausgab, das er so offensichtlich nicht brauchte. Dafür könnte ich doch Netflix auf Paulas Namen buchen. 

Leider brachte mich diese Überlegung dann zu der Frage, ob ich nicht doch ein Vollpfosten sei, weil ich nicht bei Yoyodyne geblieben bin. Da hätte ich doch schön vom neuen Unternehmenssitz aus eine sehr kleine Wohnung in der Umgebung suchen können. Immerhin ist um die Ecke ein sozialer Brennpunkt oder wie man in meinen Kreise sagt: ein Stadtteil mit niedrigen Mieten. Weit wäre ich mit diesem Plan aber wohl nicht gekommen, hätte sie doch gewusst, vor welchem Unternehmen ich mein Vehikel geparkt hätte.

Von urbaner Arroganz und dem fehlenden Silberlöffelchen

https://www.n-tv.de/wirtschaft/Auf-dem-Land-geht-es-nicht-ohne-Auto-article21084968.html

Von urbaner Arroganz spricht der Herr Becker in diesem Text, der auf NTV erschienen ist. Da stimme ich ihm zu und widerspreche ihm zugleich. Denn in der Diskussion über die Abschaffung von Fahrzeugen, die nach den Systemen der Herren Otto und Diesel angetrieben werden, schwingt nicht nur urbane Arroganz mit, sondern auch die Arroganz der Wohlhabenden und der Jungen. 

Mikro-Mobilität mit Leihfahrrad und e-Scooter spielt in den Dörfern und Kleinstädten einfach keine Rolle. Wer die Innenstadt von Hagen nicht zu Fuss durchqueren kann, braucht keinen e-Scooter, sondern einen Elektro-Rollstuhl. Wer ausserhalb dieser Innenstadt wohnt, braucht ein motorgetriebenes Fahrzeug oder die Geduld eines Säulenheiligen, weil die Busse nun einmal nicht so oft verkehren, dafür aber an jedem Lindenbaum entlang ihrer Strecke halten und an mancher Eiche auch. 

Der Motor dieses Fahrzeugs kann dann im Prinzip auch ein elektrischer sein. Aber solange dieses Auto neu schnell doppelt soviel kostet wie sein Pendant mit Verbrennungsmotor, ist das für viele Menschen (noch) kein Thema. Ich nehme einmal an, dass mein Schwager genau deswegen immer noch mehr gebrauchte Diesel-Fahrzeuge verkauft als der Mercedes-Händler in Hagen Elektro-Autos. Das wird sich so schnell nicht ändern

Nicht jeder ist mit dem Silberlöffelchen im Schnabel geboren worden, auch wenn ihm auf die eine oder andere Weise ein Häuschen auf dem Land mit unverbaubarer Aussicht auf den nächsten Misthaufen zuteil wurde.

Es mangelt mir an Profil

Kaum, dass La Mosca und ich den Ölwechsel leidlich überstanden hatten, musste ich meine Reifen zu einem Gespräch bitten. Der vordere profilierte sich nicht mehr richtig, der hintere war lustlos und schlapp.

Nun wies der vordere Reifen darauf hin, er habe schon meinem Vorgänger an dieser Stelle gedient, der hintere auf seine verrichtete Arbeit als Vorderreifen meiner alten Peugeot Ludix Blaster. Aber mit solchen Mitarbeitern kommt man nicht recht voran! Es fehlt ihnen eben an der richtigen Einstellung.

Das eigentliche Problem ist aber, dass ich nicht angemessen auf das Problem reagiert habe. Denn ich eiere jetzt immer noch von Tankstelle zu Tankstelle, um den Hinterreifen wieder aufzupumpen, statt direkt in die Werkstatt zu fahren.

Ja, ich habe inzwischen noch einen umfangreichen Zahnarzttermin gehabt, der mich aufgehalten hat, weil er mich auch geistig beschäftigt hat, aber trotzdem hätte ich hier schneller reagieren müssen.

130-70/12 und 120-70/12 sind übrigens die Taufnamen jener schwarzen runden Gesellen.

Der 4/4 Takt der Mechatronik

Ich glaube, der Kleine Bruder hat eine wichtige Lektion für sein Metier als Kfz-Mechatroniker schon gelernt. Denn er widmete mehr Zeit der Beruhigung meiner Nerven als dem Zustand von La Mosca, der viergetakteten.

Deren Peilstab zeigte nämlich nach einem Tag der Ruhe tatsächlich den gewünschten Ölstand an. Er musste also nur die Ölablassschraube mit meiner Wasserpumpenzange etwas stärker fest drehen und mich hinlänglich ermutigen, den Boliden zu starten.

Der sprang darauf und mit ein wenig Gas sogar an und tut nun, was er immer tat und damit fast, was er tun sollte.

Ich fasse also zusammen, dass ich in der Lage bin, einen Ölwechsel durchzuführen. Hierfür benötige ich:

  1. Die Wasserpumpenzange meines Vertrauens, die mit dem grau-orangenen Griff
  2. Eine Gummi-Dichtung für die Ölablassschraube – eine habe ich noch auf Vorrat
  3. u. u. einen neuen Ölfilter für ca 10 Ecu comme cette:

https://www.roller.com/oelfilter-piaggio-4-takt-50ccm-m01-m05-c25-4016050.html

  1. einen Liter handelsüblichen Öles, z. B. dieses: https://www.obi.de/oele-additive/high-star-4t-sae-10w-40-motorradoel-1-l/p/1350289

Die Vorgehensweise ist wie folgt:

Oelablasschraube

  1. Ablassschraube öffnen
  2. Dichtung ersetzen
  3. Dose unter den Ablauf stellen, weil mir spätestens dann einfällt, dass die Suppe ja irgendwo hin muss
  4. Peilstab heraus ziehen
  5. warten, bis das Öl aufhört, heraus zu fliessen, Roller ggf. ein wenig nach rechts kippen
  6. Sieb sauber wischen oder ersetzen
  7. Ablasschraube wieder festdrehen
  8. Öl da einfüllen, wo sonst der Peilstab sitzt
  9. warten
  10. Ölstand prüfen
  11. wenn ok, Peilstab wieder festschrauben

Peilstab

Ihr seid mir verdächtig

Über dem ausgebauten Vergaser meiner Peugeot Flash erklärte mir ein zahnlückiger Frührentner den Unterschied zwischen einem guten Mechaniker und einem geschickten. Wie es aussieht, war der jüngere Lenoir kein guter, aber noch geschickter, als es in seinem Berufszweig eh schon üblich ist.

Das bestätigte mir immerhin ein merkwürdiges Gefühl, das mich statt in seine Werkstatt in diese Garagenwerkstatt am Ende der Strasse gebracht hatte. Ich war nur ein wenig beunruhigt, weil der Zahnlückige nicht nur den Vergaser gereinigt und sämtliche Einstellungen neu vorgenommen, sondern auch ein Kabel ersetzt und das Federbein lackiert hatte. Er hatte auch den Ansaugstutzen ausgetauscht, dem der jüngere Lenoir einen Mangel an Dichtigkeit unterstellt hatte, mehr aber aus Prinzip, als weil er diese Diagnose in irgendeiner Weise bestätigt fand.

Das sagte mir etwas darüber, wie Menschen mich leider immer noch sehen, und diente mir ebenso unterstützend für meine nicht unerhebliche Abneigung der Spezies Mensch gegenüber wie die wütenden Ausführungen von Paula, in denen es a) darum ging, dass ich das Haus nicht putze b) darum, dass ich gar nichts tue c) darum, dass ich davon ausgehe, dass sie das Haus putzt, nur weil sie keiner geregelten und bezahlten Tätigkeit nachgeht, d) darum dass sie von ihren 53 Lebensjahren ungefähr 58 hart körperlich gearbeitet hat und e) um meine generelle und tiefgreifende Minderwertigkeit.

Langsam kommt mir der Verdacht, dass ich Euch nicht nur aus Prinzip nicht mag, sondern weil Ihr in Eurer breiten Mehrheit böse seid, böse wenigstens zu mir.

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