Ihr seid mir verdächtig

Über dem ausgebauten Vergaser meiner Peugeot Flash erklärte mir ein zahnlückiger Frührentner den Unterschied zwischen einem guten Mechaniker und einem geschickten. Wie es aussieht, war der jüngere Lenoir kein guter, aber noch geschickter, als es in seinem Berufszweig eh schon üblich ist.

Das bestätigte mir immerhin ein merkwürdiges Gefühl, das mich statt in seine Werkstatt in diese Garagenwerkstatt am Ende der Strasse gebracht hatte. Ich war nur ein wenig beunruhigt, weil der Zahnlückige nicht nur den Vergaser gereinigt und sämtliche Einstellungen neu vorgenommen, sondern auch ein Kabel ersetzt und das Federbein lackiert hatte. Er hatte auch den Ansaugstutzen ausgetauscht, dem der jüngere Lenoir einen Mangel an Dichtigkeit unterstellt hatte, mehr aber aus Prinzip, als weil er diese Diagnose in irgendeiner Weise bestätigt fand.

Das sagte mir etwas darüber, wie Menschen mich leider immer noch sehen, und diente mir ebenso unterstützend für meine nicht unerhebliche Abneigung der Spezies Mensch gegenüber wie die wütenden Ausführungen von Paula, in denen es a) darum ging, dass ich das Haus nicht putze b) darum, dass ich gar nichts tue c) darum, dass ich davon ausgehe, dass sie das Haus putzt, nur weil sie keiner geregelten und bezahlten Tätigkeit nachgeht, d) darum dass sie von ihren 53 Lebensjahren ungefähr 58 hart körperlich gearbeitet hat und e) um meine generelle und tiefgreifende Minderwertigkeit.

Langsam kommt mir der Verdacht, dass ich Euch nicht nur aus Prinzip nicht mag, sondern weil Ihr in Eurer breiten Mehrheit böse seid, böse wenigstens zu mir.

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Ich hoerte Testikel schrumpfen

Er  mochte 15 oder 16 sein und hatte seine Peugeot Jetfire von 25 km/h auf 45 km/h beschleunigt, erst in der heimischen Garage durch geschickten Einsatz technischen Halbwissens, dann auf der Hauptstrasse seines Dorfes. Stolz wie Oskar forderte er mich zu einem Rennen auf, die Flash offensichtlich im Rückspiegel mit dem Vehikel eines seiner Schulkameraden verwechselnd.

Ich zoegerte einen Augenblick lang, ihn Ernst zu nehmen, und gab dann … zart Gas. Ich hörte seine Testikel schrumpfen, als ihn ein alter Mann auf einem Roller überholte, der arg nach Arbeitspferd aussah, für die literarisch Vorgebildeten auch wie die Rosinante eines gewissen spanischen Edelmannes, von dessen Diener ich ja auch die Statur habe.

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Die Qualität bei Peugeot ist beklagenswert schlecht. Da ist der Keilriemen meines Motorrollers doch nach gerade mal 30.000 km so abgenutzt, dass ich gerade noch 60 fahren kann. 60 ist zwar immer noch 10 km/h schneller als erlaubt, aber doch auch 5 km/h weniger, als mir manchmal lieb ist. Ausserdem störte mich der Verlust an Kraft, wenn ich etwas mehrl Gas gab und der Riemen durchrutschte. Vom Gedanken an einen Keilriemen, der irgendwann reisst, bekam ich spontan das gleiche Druckgefühl im Magen, dass mir sonst nur unsere finanziellen Perspektiven und die Salatsosse in der Pizzeria „Il Cazzo“ bescheren.

15 Ecu, die mir irgendwie von einem Kunden zuliefen, verhalfen mir zu einem entsprechenden Ersatzteil. Der jüngere Lenoir schien beruhigt zu sein, als ich ihm versprach, es nicht selbst auszutauschen; langsam scheint er ein gewisses Bild von mir zu haben. Ich war weniger beruhigt, aber das lag daran, dass der firmeneigene EMW Astoria, mit dem ich seine Werkstatt angesteuert hatte, einen Druckverlust in allen vier Reifen meldete. Er bestand dann darauf, seinen Reifendruck initialisieren zu wollen und produzierte dazu kryptische Anweisungen, von denen ich nur hoffte, dass ihre Umsetzung nicht die Verbindung des Autos mit dem Internet erforderte. Ich war nicht sicher, ob mein USB-Kabel lang genug und mit dem richtigen Stecker versehen war.

Den Einbau besorgte dann ein weitaus kompetenterer Kollege, den ich in den nächsten Wochen immer Montags mit jener Pasta versorgen werde, die ich in der Pizzeria umsonst erhalten und die mir Paula doch verbietet. Sie begründet das damit, dass ich mir diesen geldwerten Bestandteil meiner Entlohnung nur mitbringe, weil ich zu faul bin, mir ein Brot zu machen. Die Logik dahinter verschloss sich mir.

Der Kollege hat gerade noch die Trommelbremse gereinigt und so wahrscheinlich mein Leben verlängert.

Den Keilriemen seines Rollers sollte man übrigens alle ca. 10.000 km wechseln lassen.

Peugeot Ludix

Peugeot Ludix und Artverwandte:

Die untere der beiden Schrauben dient dem Ablassen lästigen Wassers im Vergaser, das bei Temperaturen zwischen 0 und 7 Grad unter Zuhilfenahme kühlenden Fahrtwindes gefriert. Der Motor ruckt dann und geht bei niedrigen Drehzahlen an Ampeln und Kreisverkehren gerne mal aus.

Mit der oberen Schraube wird das Standgas eingestellt. Sinnvollerweise dreht man nie daran. Wieso die bei mir verstellt war, ist ein Rätsel, das mich 15 Ecu kostete, den Erlös einer ganzen, jedoch schlechten Schicht. Immerhin, der jüngere Lenoir fand den Fehler in 15 Minuten, mein voriger Mechaniker jagte das Problem im letzten Jahr wochenlang ohne Ergebnis.

MostMen

In beklagenswerter Weise benachteiligt unsere Gesellschaft Männer. Von uns heisst es, wir seien triebgesteuert, verantwortungslos und ganz allgemein grobe Lackel.

Dabei habe ich zum Beispiel erst gestern trotz nicht unerheblichen Schneefalls Paula das Auto da gelassen und bin mit dem Motorroller gefahren. Dass der im Gegensatz zum Auto Winterreifen aufgezogen hatte, stand damit selbstverständlich in keiner Beziehung. Ich erreichte das weitläufige Firmengelände der Illinois Electro Door mit schneebedeckten Schultern, Eis auf den Brillengläsern und und im Vergaser, verzweifelt bereit, diese (Pantoffel-)Heldentat jedem meiner Kollegen entgegen zu halten, der es mit seinem Wagen nicht geschafft hatte.

Ich hatte es sogar auf der Strecke noch geschafft, zwei Pakete aufzugeben. Der Roller war nämlich direkt vor der Packstation stehen geblieben, und ich hatte, während der Reif im Vergaser sich wieder verflüssigte, rasch zwei e-bayern den Gegenwert jener nicht nennenswerten Beträge zukommen zu lassen, die sie mir freundlicherweise überwiesen hatten. Danach hatte ich wieder ein paar Bonuspunkte mehr bei meinpaket.de und konnte weiterfahren. Genaus bis zu einem Kreisel, an dem mein treues Fortbewegungsmittel um eine weitere Auszeit bat.

Nichts davon war so lustig, wie ich es beschreibe. Die Kälte war es nicht, die Furcht davor, weg zu rutschen, war es nicht und die Angst davor, dass der Roller wieder defekt sein könnte, war es auch nicht. In diesem Punkt zumindest konnte mich später der jüngere Lenoir im Telefongespräch beruhigen. Ganz normal sei es bei dieser Kombination aus niedrigen Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit und Verzweiflung, wenn der Vergaser vereise und mein Vehikel stehen bliebe.