Es mangelt mir an Profil

Kaum, dass La Mosca und ich den Ölwechsel leidlich überstanden hatten, musste ich meine Reifen zu einem Gespräch bitten. Der vordere profilierte sich nicht mehr richtig, der hintere war lustlos und schlapp.

Nun wies der vordere Reifen darauf hin, er habe schon meinem Vorgänger an dieser Stelle gedient, der hintere auf seine verrichtete Arbeit als Vorderreifen meiner alten Peugeot Ludix Blaster. Aber mit solchen Mitarbeitern kommt man nicht recht voran! Es fehlt ihnen eben an der richtigen Einstellung.

Das eigentliche Problem ist aber, dass ich nicht angemessen auf das Problem reagiert habe. Denn ich eiere jetzt immer noch von Tankstelle zu Tankstelle, um den Hinterreifen wieder aufzupumpen, statt direkt in die Werkstatt zu fahren.

Ja, ich habe inzwischen noch einen umfangreichen Zahnarzttermin gehabt, der mich aufgehalten hat, weil er mich auch geistig beschäftigt hat, aber trotzdem hätte ich hier schneller reagieren müssen.

130-70/12 und 120-70/12 sind übrigens die Taufnamen jener schwarzen runden Gesellen.

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Der 4/4 Takt der Mechatronik

Ich glaube, der Kleine Bruder hat eine wichtige Lektion für sein Metier als Kfz-Mechatroniker schon gelernt. Denn er widmete mehr Zeit der Beruhigung meiner Nerven als dem Zustand von La Mosca, der viergetakteten.

Deren Peilstab zeigte nämlich nach einem Tag der Ruhe tatsächlich den gewünschten Ölstand an. Er musste also nur die Ölablassschraube mit meiner Wasserpumpenzange etwas stärker fest drehen und mich hinlänglich ermutigen, den Boliden zu starten.

Der sprang darauf und mit ein wenig Gas sogar an und tut nun, was er immer tat und damit fast, was er tun sollte.

Ich fasse also zusammen, dass ich in der Lage bin, einen Ölwechsel durchzuführen. Hierfür benötige ich:

  1. Die Wasserpumpenzange meines Vertrauens, die mit dem grau-orangenen Griff
  2. Eine Gummi-Dichtung für die Ölablassschraube – eine habe ich noch auf Vorrat
  3. u. u. einen neuen Ölfilter für ca 10 Ecu comme cette:

https://www.roller.com/oelfilter-piaggio-4-takt-50ccm-m01-m05-c25-4016050.html

  1. einen Liter handelsüblichen Öles, z. B. dieses: https://www.obi.de/oele-additive/high-star-4t-sae-10w-40-motorradoel-1-l/p/1350289

Die Vorgehensweise ist wie folgt:

Oelablasschraube

  1. Ablassschraube öffnen
  2. Dichtung ersetzen
  3. Dose unter den Ablauf stellen, weil mir spätestens dann einfällt, dass die Suppe ja irgendwo hin muss
  4. Peilstab heraus ziehen
  5. warten, bis das Öl aufhört, heraus zu fliessen, Roller ggf. ein wenig nach rechts kippen
  6. Sieb sauber wischen oder ersetzen
  7. Ablasschraube wieder festdrehen
  8. Öl da einfüllen, wo sonst der Peilstab sitzt
  9. warten
  10. Ölstand prüfen
  11. wenn ok, Peilstab wieder festschrauben

Peilstab

Ihr seid mir verdächtig

Über dem ausgebauten Vergaser meiner Peugeot Flash erklärte mir ein zahnlückiger Frührentner den Unterschied zwischen einem guten Mechaniker und einem geschickten. Wie es aussieht, war der jüngere Lenoir kein guter, aber noch geschickter, als es in seinem Berufszweig eh schon üblich ist.

Das bestätigte mir immerhin ein merkwürdiges Gefühl, das mich statt in seine Werkstatt in diese Garagenwerkstatt am Ende der Strasse gebracht hatte. Ich war nur ein wenig beunruhigt, weil der Zahnlückige nicht nur den Vergaser gereinigt und sämtliche Einstellungen neu vorgenommen, sondern auch ein Kabel ersetzt und das Federbein lackiert hatte. Er hatte auch den Ansaugstutzen ausgetauscht, dem der jüngere Lenoir einen Mangel an Dichtigkeit unterstellt hatte, mehr aber aus Prinzip, als weil er diese Diagnose in irgendeiner Weise bestätigt fand.

Das sagte mir etwas darüber, wie Menschen mich leider immer noch sehen, und diente mir ebenso unterstützend für meine nicht unerhebliche Abneigung der Spezies Mensch gegenüber wie die wütenden Ausführungen von Paula, in denen es a) darum ging, dass ich das Haus nicht putze b) darum, dass ich gar nichts tue c) darum, dass ich davon ausgehe, dass sie das Haus putzt, nur weil sie keiner geregelten und bezahlten Tätigkeit nachgeht, d) darum dass sie von ihren 53 Lebensjahren ungefähr 58 hart körperlich gearbeitet hat und e) um meine generelle und tiefgreifende Minderwertigkeit.

Langsam kommt mir der Verdacht, dass ich Euch nicht nur aus Prinzip nicht mag, sondern weil Ihr in Eurer breiten Mehrheit böse seid, böse wenigstens zu mir.

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Ich hoerte Testikel schrumpfen

Er  mochte 15 oder 16 sein und hatte seine Peugeot Jetfire von 25 km/h auf 45 km/h beschleunigt, erst in der heimischen Garage durch geschickten Einsatz technischen Halbwissens, dann auf der Hauptstrasse seines Dorfes. Stolz wie Oskar forderte er mich zu einem Rennen auf, die Flash offensichtlich im Rückspiegel mit dem Vehikel eines seiner Schulkameraden verwechselnd.

Ich zoegerte einen Augenblick lang, ihn Ernst zu nehmen, und gab dann … zart Gas. Ich hörte seine Testikel schrumpfen, als ihn ein alter Mann auf einem Roller überholte, der arg nach Arbeitspferd aussah, für die literarisch Vorgebildeten auch wie die Rosinante eines gewissen spanischen Edelmannes, von dessen Diener ich ja auch die Statur habe.

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Die Qualität bei Peugeot ist beklagenswert schlecht. Da ist der Keilriemen meines Motorrollers doch nach gerade mal 30.000 km so abgenutzt, dass ich gerade noch 60 fahren kann. 60 ist zwar immer noch 10 km/h schneller als erlaubt, aber doch auch 5 km/h weniger, als mir manchmal lieb ist. Ausserdem störte mich der Verlust an Kraft, wenn ich etwas mehrl Gas gab und der Riemen durchrutschte. Vom Gedanken an einen Keilriemen, der irgendwann reisst, bekam ich spontan das gleiche Druckgefühl im Magen, dass mir sonst nur unsere finanziellen Perspektiven und die Salatsosse in der Pizzeria „Il Cazzo“ bescheren.

15 Ecu, die mir irgendwie von einem Kunden zuliefen, verhalfen mir zu einem entsprechenden Ersatzteil. Der jüngere Lenoir schien beruhigt zu sein, als ich ihm versprach, es nicht selbst auszutauschen; langsam scheint er ein gewisses Bild von mir zu haben. Ich war weniger beruhigt, aber das lag daran, dass der firmeneigene EMW Astoria, mit dem ich seine Werkstatt angesteuert hatte, einen Druckverlust in allen vier Reifen meldete. Er bestand dann darauf, seinen Reifendruck initialisieren zu wollen und produzierte dazu kryptische Anweisungen, von denen ich nur hoffte, dass ihre Umsetzung nicht die Verbindung des Autos mit dem Internet erforderte. Ich war nicht sicher, ob mein USB-Kabel lang genug und mit dem richtigen Stecker versehen war.

Den Einbau besorgte dann ein weitaus kompetenterer Kollege, den ich in den nächsten Wochen immer Montags mit jener Pasta versorgen werde, die ich in der Pizzeria umsonst erhalten und die mir Paula doch verbietet. Sie begründet das damit, dass ich mir diesen geldwerten Bestandteil meiner Entlohnung nur mitbringe, weil ich zu faul bin, mir ein Brot zu machen. Die Logik dahinter verschloss sich mir.

Der Kollege hat gerade noch die Trommelbremse gereinigt und so wahrscheinlich mein Leben verlängert.

Den Keilriemen seines Rollers sollte man übrigens alle ca. 10.000 km wechseln lassen.