Wir sind nicht wie andere

Sam Puckett, meine Damen und Herren, liebe Freunde, führt stets Lebensmittel mit sich. Wer jemals iCarly gesehen hat, weiss das. Es ist jedoch nicht (nur) Ausdruck eines gesunden Appetits, sondern zugleich und vor allem einer ihrer Unsicherheit. 

Diese Unsicherheit hat etwas mit ihren Eltern zu tun, ihrem Vater, der sich irgendwann abgesetzt hat, und ihrer Mutter, die sich danach elfmal verlobt hat. Ich kenne mich da ein wenig aus. Der Tod meiner Mutter, die Stimmungsschwankungen Paulas, das sorgte und sorgt in meinem Leben für ein erhebliches Gefühl der Unsicherheit. 

Entsprechend habe ich immer zwei Packungen Ramen-Nudeln im Rucksack, ein Survival-Paket mit Bargeld, Power-Bank und Ladekabeln bei der Hand und ein wenig Geld auf einem Konto. In Wirklichkeit sind die Chancen, dass mich Paula einmal rauswirft nicht so gross. Dafür hängt sie zu sehr an ihrem Leben mit einem grossen Haus, vielen Katzen, und vor allem hat sie Angst davor, allein zu sein.  

Aber ich kann meine Reflexe nicht immer kontrollieren. Immerhin ist es mir gelungen, meine Vorräte zu reduzieren, während ich gleichzeitig etwas Selbstsicherheit aufgebaut habe. Trotzdem gilt noch immer, dass andere Freunde für schlechte Zeiten haben, ich aber nicht wie andere bin. Wenn es hart auf hart kommt, kann ich auf niemand anderen rechnen. 

Eine wahre und echte Liebe

Ich bin heute nicht im Einklang mit mir. Irgendwas passt nicht zueinander, irgendwas ist nicht richtig. Ausserdem vermisse ich den Kater, der mich liebte, ich vermisse, ach, sogar bestimmte Fernseh-Serien.

Ich habe gelernt, dass diese Empfindungen bald weniger intensiv sein werden, dass sie mich aber nicht verlassen werden. Dass ich immer das Gefühl vermissen werde, dass ich hatte, wenn dieses doofe Vieh morgens neben meinem Kopfkissen lag,

Und das Gefühl, dass ich hatte, als ich in Sam Pucketts Verfressenheit meine eigene Angst erkannte. Von Sam habe ich übrigens auch swipen gelernt.

Ich vermisse auch The Dean, die Superschurkin der Serie “Carmilla”. Wo Ihr anderen bei der Liebe zwischen Carmilla und Laura dahin schmelzt, erwärmte ihr aus Liebeskummer gewachsener Wunsch nach der Zerstörung der Welt mein Herz.

Mein Liebeskummer allerdings ist die Frucht verletzter Eigenliebe, der einzigen Liebe, die ich wirklich empfinden kann. Und gerade deshalb ist es eine wahre und echte Liebe, um die mich mancher beneiden würde.

Ich öffne mich langsam dem Gedanken, dass Ihr nicht alle böse seid. Es gibt also vermutlich auch Menschen, die meines Hasses nicht würdig sind. Mit jedem Tag aber, den ich älter werde, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ich ihnen begegnen werde.

 

Sombrero, Poncho, Motorroller – Die Blonde reitet wieder

Irgendwie, manchmal, abends bastele ich an einer Geschichte. Ich verwende Elemente, die mir ein gutes Gefühl geben, weil ich im Augenblick viel fühle, für meine Verhältnisse viel fühle.

 MotorcycleMamâ

Ich nehme Sam Puckett, eine versatile Figur mit interessanten Entwicklungsmöglichkeiten, setze sie auf eine Piaggio Fly 150, weil auch das immer eine gute Wahl ist, und mache aus ihr eine Kopfgeldjägerin in Vegas. Gerade denke ich darüber nach, wie ich sie mit einer anderen jungen Dame bekannt machen kann, und wie die wohl sein könnte.

Ist das passende Werkzeug einer Bounty Huntress Extraordinaire ein Colt Python oder ein Charterarms Target Patriot? Das eine hat mehr Bums, das andere – frauentauglicher – weniger.

Das Ergebnis wird wahrscheinlich nicht einmal für Wattpad taugen. Aber diese Geschichte und dieses Blog, das ist meine Insel zwischen einer wütenden Paula und einem Arbeitgeber, der mir „drastische Veränderungen“ ankündigt. Merkwürdigerweise macht mir weder das eine noch das andere wirklich Angst.

Und sollte ich bei dieser Gelegenheit auf irgendeine Weise einen anderen Vorgesetzten als Elvira bekommen, so werde ich darüber weniger Tränen vergiessen als das durchschnittliche Krokodil, wenn es den Fisch bedauert, den es zum Brunch verzehrt hat. Sie gehört eindeutig zu den Menschen, die man umso weniger mag, je besser man sie kennt.

https://www.youtube.com/watch?v=MaquDVqd4Nw

Blue Dog Energy

Blue Dog Soda hat einen Energy Drink herausgebracht. Der ist zwar genauso wie jeder andere Energy Drink der preiswerteren Sorte, kommt aber in einer schätzenswert-quietschblauen Plastikflasche.

Ich hatte sie mitgebracht, die schätzenswert-quietschblaue Plastikflasche mit Blue Dog Energy, um mich über das trösten zu können, was mir Elvira heute morgen im Meeting sagen würde. Denn ich kenne sie ja seit vielen, vielen Jahren und zwar sovielen, dass ich mich schon dann als Versager fühle, wenn ich darüber nachdenke, seit wievielen.

Selbstverständlich arbeiten wir nun zwischen 8:00 Uhr morgens und 8:00 Uhr abends. Baumarktmitarbeiter schult vor Ort ein anderer, noch zu ermittelnden Mitarbeiter. Todesmutig habe ich auch nach der Feiertagsarbeit gefragt, entging auch um Haaresbreite nur den Mordanschlägen meiner Kollegen, die offensichtlich alle am Wochenden vorher “Sartana – Noch warm und schon Sand drauf” gehört hatten, und liess es mir gefallen, dass Elvira mir sagte, dass könne ich mir doch selber denken. Ich dachte mir dann auch etwas über sie, aber das war auch nicht nett.

Jetzt sitze ich hier mit meiner schätzenswert-quietschblauen Flasche und denke an Sam Puckett und Cat Valentine und daran, dass Freund tot ist, der einzige, den es gestört hätte, wenn ich erst um halb neun nach Hause komme.

http://samandcat.wikia.com/wiki/Blue_Dog_Soda

http://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-hoerspiel/sartana-bela-b-100.html

Die normative Kraft des faktisch Doofen

In diesen ersten Wochen des neuen Jahres bin ich ein wenig sentimental. Wohin sind die Tage verschwunden, in denen ich in diesem Blog die sexuelle Disposition von Sam Puckett diskutierte und die Frage aufwarf, welche Erfolgschancen das Islamische Kalifat als Staat hätte?

Statt dessen beschäftige ich mich hier mit den Kleinlichkeiten eines Lebens, in dem es immer zu wenig Geld und zuviele Katzen gibt. So ökonomisch immer scheiternd und immer wieder davon überrascht, habe ich mich in Umständen eingerichtet, die ich eigentlich ablehne, sei es, weil ich das Gefühl habe, persönlich dabei zu kurz zu kommen, oder weil sie einfach dem widersprechen, was ich für gesunden Menschenverstand halte.

So bin ich wenig optimistisch, dass Paulas Rente noch vor dem Ende ihres Krankengeldbezuges genehmigt wird. Da steht der Hoffnung die Erfahrung entgegen. Bei der Idee, dann wieder vorübergehend eine Tätigkeit aufzunehmen, ist es die normative Kraft des Faktischen. Denn arbeitet sie dann täglich mehr als drei Stunden, wird die Rentenkasse diesen Fakt gewiss in die Beurteilung ihrer Möglichkeit, weniger als drei Stunden zu arbeiten einfliessen lassen und die Rente normativ mal nur zur Hälfte gewähren.

Auch der Vorstellung der Bausparkasse, dass wir die Abschlussgebühr zum neuen Vertrag im nächsten halben Jahr abstottern, stehe ich kritisch gegenüber. Ich habe meine Zweifel Paula und der Bausparkasse gegenüber sogar geäussert. Mir wurde dann aber bedeutet, dass das und damit auch ich unhöflich sei.

Ich verbrachte den Rest des Meetings dann wieder mit der Frage, wann ich mir die letzte Episode von “Carmilla” gönnen soll. Die Protagonistinnen dieser Serie werden mir auch fehlen.

Ich habe immer etwas zu essen bei mir

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Einiges spricht für die Dunkelheit. Da sieht man nicht, wenn ich mit offenem Kofferraumdeckel losfahre, der Wagen rollt, weil ich die Handbremse nicht gezogen habe, oder ich den Salat wieder in seinen Plastik-Behälter stopfe, weil der sich geöffnet und seinen Inhalt auf der Ladefläche meines Toyota Starlet verteilt hat.

Das ist ein Anblick, der weder dem Kunden noch Herrn Patel gefiele. Die Dunkelheit kaschiert auch die Farbe meines Vehikels, die ich als “kinderkotzegrün” beschönige. Die Wahrheit ist bei weitem… weniger tageslichttauglich. Wir haben da einiges gemeinsam.

Ein gelber, amerikanischer Schulbus schob sich an mir vorbei, ich passierte eine Gesellschaft von gut zwei Dutzend Menschen, die Herren im Anzug, die Damen im Kleid, die auf dem Parkplatz einer geschlossenen Tankstelle feierten. Dabei dachte ich aus irgendeinem Grund an Samantha Puckett. Irgendwie erinnert sie mich an jemanden.

Sie ist laut, trägt immer einen Mundvorrat bei sich, ist sprachbegabt, gewalttätig, aggressiv, unordentlich und eine geschickte Verkäuferin und sagt einmal, sie hasse alle Menschen, um dann in einem Moment der Schwäche eine Ausnahme für Caterina Valentine zu machen. Ich bin älter, ich mache keine Ausnahmen mehr.

Mir ist nicht klar, wie man die Serie über die Perücken-Episode hinaus hätte fortsetzen können. Denn in der gibt Sam etwas zu, dass ihre Figur seit der ersten Episode begleitet, ein Bedürfnis, das selbst eine scharfe Freundin nicht stillen kann, die aussieht wie ein Ariana Grande, das Bedürfnis nach einer Mutter nämlich. Dafür verrät sie sogar Cat, die sie in gewisser Weise ja auch vorher schon verraten hat, indem sie ihren Teil der Miete nicht bezahlt hat.

Damit ist sie weit von der ersten Episode entfernt, in der sie Cat den gesamten Erlös des Babysitter-Jobs lässt und weit von der Geldautomaten-Episode entfernt, in der sie alles tut, um mit ihr zusammen verhaftet zu werden. Sie liebt sie aber offensichtlich noch immer, denn sonst würde sie Nona nicht bitten, ihrer Enkelin von dem Miet-Problem nichts zu sagen.

Trotzdem ist Sam in gewisser Weise an diesem Punkt nicht nur finanziell, sondern auch moralisch bankrott. Diese Situation kann nur ein Deux-Ex-Machina-mässig auftauchender Vater auflösen oder der wagemutige Schritt in eine Existenz als verantwortungsbewusster Erwachsener, eine Konsequenz, die so furchtbar ist, dass ich mir ihr immer noch entzog.

Bis zu diesem Punkt war das “Schneiderverse” ein fiktiver Ort gewesen, in dem Handlungen nur wenig Konsequenzen hatten. Immerhin waren Sam und Cat bis dahin schon mit Diebstahl, Unterschlagung, Betrug, Produktfälschung (Blue Dog Soda), Urkundenfälschung (Samantito Pucketito), Sachbeschädigung (der Roboter Tandy), Verstössen gegen das Lebensmittelgesetz (und den guten Geschmack – Sloppy Waffles!), Körperverletzung, Fahren ohne Führerschein (Cat in der Tuna-Episode), Entführung und Beihilfe zur Entführung durchgekommen.

Die vielleicht charmanteste Auflösung der Situation wäre Sam gewesen, die nach Pho-è-nix fährt, um sich da ihrem ausstehenden Haftbefehl zu stellen und sich zu Cat sperren zu lassen. Mlle. Imandeus, die Autorin von “Sam & Cat – Call Me Momma”, hätte aus dieser Situation einige Inspiration für ihre Fan-Fiction schöpfen können.