Im besten Alter für die Rente

Weitschweifig erklärt mir ein belgischer Kunde sein Problem in geläufigem Wallonisch. Mich interessiert gerade aber mehr ein Formular, das mir die Rentenversicherung gefaxt hat.

Darin soll ich bestätigen, dass eine Schulung, die vom 18.10.2004 bis zum 14.01.2005 gedauert hat, sechs Monate lang war. Das fällt mir schwer, ja, scheint mir nachgerade unmöglich.

Zeugnisse muss ich von dieser Schulung beifügen, von einer Wieder-Eingliederungsmassnahme und zwei abgebrochenen Umschulungen. Paula ist in einem gewissen, weitgehend erfolglosen Sinn durchaus nicht unausgebildet.

Auf ihre Rente wird das im wesentlichen nur eine aufschiebende Wirkung haben, denn all diese neuen Zahlen müssen ja jetzt in die Berechnung einfliessen. Der nächste Schritt ist eine ausgiebige Prüfung durch einen beamteten Juristen.

Danach gibt es einen Bescheid, der allerdings nur die Rente für die Zeit vom 1. Juni bis 1. Dezember darstellt, und zwar vom 1. Juni bis 1. Dezember 2012. Danach erst beginnt die Arbeit am Rentenbescheid für den Zeitraum danach, deren Umfang etwa dem des Baus der Cheops-Pyramide oder des Kölner Domes entspricht.

Insgesamt ist das beste Alter, um die Frührente zu beantragen, so um die vierzig. Danach lohnt es sich eigentlich nicht mehr, weil es leicht sein kann, dass die Altersrente vor Abschluss des Prozesses für die Erwerbsunfähigkeitsrente fällig wird.

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Zaster für die Laster

Für eine lange Zeit glichen unsere Vermögensverhältnisse eine jener Auseinandersetzungen wie sie Karl May am Anfang seiner Karriere so anschaulich schilderte.

Da greifen die Beteiligten im flackendern Fackellicht den Lauf ihrer Vorderladergewehrs, um sich gegenseitig den Kolben über den Schädel zu ziehen, stechen und hauen mit jenem nordamerikanischen Messer, das kaum kürzer ist als ein Kurzschwert, schwingen das Tomahawk und den indianischen Streitkolben. Das Geräusch brechender Knochen und reissender Haut und die Schreie der Verwundeten und Sterbenden untermalen diese Auseinandersetzung akustisch.

Nun aber sehen wir einer drastischen Verbesserung dieser ökonomischen Verhältnisse entgegen. Denn rückwirkend zum 1. Dezember 2012 wird Paula endlich eine Renten erhalten. Über die Höhe der zu erwartenden Nachzahlung und ihre Verwendung gibt es natürlich verschiedene Ansichten.

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Ich hoffe auf genug Bares, um mir neue Hosen, Schuhe und für mein Smartphone  einen Bumper mit dem Wappen der Silas Universität zu kaufen, Paula denkt da grösser, spricht von Heizöl, von stattlichen Mengen Katzenfutter und neuen Autoreifen, ja sogar von einem gebrauchten Kleinwagen für mich. .

Zeitgleich hat sie aber schon wieder begonnen, mir lauthals meine Defizite zu erklären. Nichts beflügelt das Selbstbewusstsein so wie die Aussicht auf ein eigenes Einkommen.

Ich hatte mich schon ein wenig darauf gerichtet, das Haus zu verlieren und ohne Paula und die schätzungsweise zehn Katzen an anderer Stelle neu zu beginnen. Tatsächlich hatte ich mich schon darauf gefreut und muss nun mit einem gewissen Mass an Frustration umgehen.

 

Nix Krankengeld, Alda

Bei meiner Bewertung des Zeichens 58 – Dui des I Ging vergass ich, dass es auch auf die zeitliche Begrenzung dieses Zustandes der Heiterkeit hinweist. Das ist ein wichtiger Hinweis, liest man das ungefähr 4te Gutachten zu Paulas Gesundheitszustand, das ihr einmal mehr die Aufnahme einer vorzugsweise bezahlten Tätigkeit nahelegt.

Dazu bedient sich der Autor gerne des Hinweises, sie sei gesundheitlich in der Lage, eine körperlich leichte Tätigkeit ohne Kundenverkehr in einem geheizten Raum aus zu üben. Die Rentenversicherung wird sich dadurch wahrscheinlich berufen fühlen, ihr keine Erwerbsunfähigkeitsrente auszuzahlen. Diese Gesellen neigen zu einer gewissen Kleinlichkeit in diesen Dingen.

Ich nutzte diese Gelegenheit, um Paula eine Reihe von Tätigkeiten vorzuschlagen, die sie in meiner beschränkten Vorstellung ausüben könnte. Das ging von Counter Manager in einer Pizza-Bude über Call Center Agent bis zur Demenzbetreuerin. Doch jedem Vorschlag begegnete sie mit Hinweisen auf ihre diversen Krankheiten, um so darzustellen, wie völlig unmöglich a) ihr die Ausübung dieser Tätigkeit und b) ich überhaupt sei.

Ich mache eine solche Phase bei ihr jetzt zum dritten Mal durch. Beim ersten Mal liess sie sich noch für eine Umschulung, beim zweiten Mal wenigstens noch für eine Weiterbildung gewinnen, nun aber für gar nichts mehr. Ich bin jetzt nicht sicher, wie ich mit der Situation umgehend soll. Mein Sortiment an im Rahmen der Sozialisation erworbenen Instrumenten für eine Problemlösung ist hier völlig unzureichend.

Far from Paris

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