Schlimm und schlimmer

 

Ich gestehe mir ein, wie wenig Einfluss ich auf mein Leben habe. Wer versucht, “das Richtige” zu tun landet schnell bei der Frage, welche Handlungsweise denn der Situation “angemessen” sei. 

Die wenigstens ist einfacher zu beantworten als die, was richtig ist. Richtig nämlich kann bedeuten, richtig für eine Person, richtig für mehrere, richtig in einem moralischen, sogar einem religiösen Sinn. 

Tue ich aber, was angemessen ist, ordne ich mich der Situation unter. Ich akzeptiere also, dass ich nicht frei bin, dass ich Verpflichtungen habe. Es bedürfte eines nicht unerheblichen Masses an Verzweiflung oder Entscheidungskraft, um die ebenso zu ignorieren wie das wahrscheinliche Ergebnis. 

Denn im besten aller möglichen Fälle wird es erst ganz grauenhaft und dann vielleicht besser, meistens aber zuerst schlimm und dann schlimmer. 

La Chapelle Dans Le Foret

Nachdem ich des Kleinen Bruders kleinen Bruder, den, der mit Lena-Lisa-Marie schläft, in seiner Wohnung abgesetzt habe, hielt ich an einer religiösen Versammlungsstätte in der Nähe an. Dort, dachte ich, sei doch gewiss kein Mensch, sei Ruhe, sei Frieden. 

Natürlich waren Menschen da, gar nicht so wenige zumal, meist alte, die von ihren Sprösslingen in meinem Alter begleitet wurden. Während sie ihrem Glauben frönten, betrachtete ich mir die Anlage. Ein weiter halbrunder Raum im Wald, eine Mariengrotte, Bankreihen, ein Kreuzweg, der den Hügel hinauf zu einer Kapelle kriecht wie die Mehrheit der Gläubigen, die nicht mehr so gut zu Fuss waren. 

Ich war von der angenehmen Atmosphäre ebenso beeindruckt wie von der Grösse der Anlage und den Gläubigen. Die organisierte Kirche mag ja angeschlagen sein, aber hier wird noch munter einem Marienkult gefrönt, den ich schon abgehakt hatte. 

Vielleicht lerne ich in den nächsten Jahren ja noch das Beten, nähere mich Gott wieder. Das scheint mir zunehmendem Alter ja nicht unüblich zu sein. Ich bin gespannt. 

Chapelle

Roger Williams (c. 21 December 1603 – between 27 January and 15 March 1683)[1] was a Puritan, an English Reformed theologian, and later a Reformed Baptist who was expelled by the Puritan leaders from the colony of Massachusetts because local officials thought that he was spreading „new and dangerous ideas“ to his congregants. Williams fled the Massachusetts colony under the threat of impending arrest and shipment to an English prison; he began the settlement of Providence Plantation in 1636 as a refuge offering freedom of conscience.

Williams was the 1638 founder of the First Baptist Church in America, also known as the First Baptist Church of Providence.[2][3]

Williams was also a student of Native American languages, an early advocate for fair dealings with American Indians, and one of the first abolitionists in North America, having organized the first attempt to prohibit slavery in any of the British American colonies. He is best remembered as the originator of the principle of separation of church and state.[4]

Williams wanted his settlement to be a haven for those „distressed of conscience“, and it soon attracted a collection of dissenters and otherwise-minded individuals. From the beginning, a majority vote of the heads of households governed the new settlement, but „only in civil things“. Newcomers could be also admitted to full citizenship by a majority vote. In August 1637, a new town agreement again restricted the government to „civil things“. In 1640, thirty-nine „freemen“ (men who had full citizenship and voting rights) signed another agreement that declared their determination „still to hold forth liberty of conscience“. Thus, Williams founded the first place in modern history where citizenship and religion were separate, that provided religious liberty and separation of church and state. This was combined with the principle of majoritarian democracy.

https://en.wikipedia.org/wiki/Roger_Williams

Da gibt es manch einen Ort auf Gottes Erde, dem ich mit Vergnügen ein Denkmal dieses rechtschaffenen Mannes spendieren möchte.  Immerhin gründete er mit Providence im heutigen Rhode Island den ersten Platz, wo die Religionszugehörigkeit (bzw. auch der Mangel daran) eines Menschen keine Rolle spielte.

Zur gleichen Zeit erschlugen sich die Deutschen noch darüber, wer Katholik und wer Protestant sein durfte. Als sie 1648 einen Frieden schlossen, den westfälischen nämlich, durften sie sich das auch nicht aussuchen. Es wurde dann nämlich gesetzlich geregelt. Wer die Deutschen kennt, wundert sich nicht darüber.

In den Niederlanden wurden derweil die Katholiken benachteiligt, in England auch die Calvinisten, und überall im spanischen Weltreich verbrannte man noch Protestanten. Die Sunniten benachteiligten die Schiiten, Christen und Juden, und die Schiiten sahen das wenig anders, nur eben bezogen auf die Sunniten, Christen und Juden. Gewiss hätten auch die Juden jemanden unterdrückt, wäre ihnen nur ein eigener Staat gegeben worden. So waren sie benachteiligt und blieben es noch lange.

Herr Williams in seinem entlegenen Winkel der Erde nun grüsste auch noch freundlich jede Rothaut in ihrer Sprache, kaufte ihnen das Land ab, wo er siedelte (jawohl, er kaufte, als habe er keine Flinte gehabt), reihte Neger unter die Menschen ein statt unters Nutzvieh und vertrat die irre Idee, dass Entscheidungen in seiner Kolonie nicht von ihm allein, sondern einer Mehrheit der freien Bürger getroffen werden sollte.

Jesus bar Marijam-Tzu

dao

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Ich weiss nicht, ob Richard Wilhelms Sprache bei der Übersetzung des Tao-te King von seinem europäisch-christlichem Hintergrund beeinflusst wurde. Tatsächlich finden wir die Gleichsetzung von Wort, Gott, Leben und Licht auch beim Evangelisten Johannes.

“Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.  Dasselbe war im Anfang bei Gott.  Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht begriffen.” 

http://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/johannes/1/

Interpretieren wir aber den Gott des Neuen Testamentes, den, von dem Jesus spricht, wie den Heiligen Geist als Emanationen des Chi und ihn selbst als Schüler eines taoistischen Mönches, ergibt sich ein merkwürdiges, aber in gewisser Weise stimmiges Bild.

Was wäre das für eine Geschichte, könnte ich sie nur schreiben! Der riesige Zimmermann, der zur Umkehr, zur Hinwendung zum Tao aufruft, das Land durchstreift und eine Gruppe um sich sammelt, seinen Erwartungen gemäss hingerichtet wird und das zu seiner Überraschung überlebt und am Ende schwerfällig, aber gut gelaunt die Strasse nach Osten hinunter hinkt, um dazu zu lernen.

Hinter ihm bleiben seine Freunde zurück, die beginnen, eine eklektische Religion zu erschaffen, indem sie seine Lehren im Lichte der mosaischen Religion, des Mithraismus und des Dodekatheismus neu interpretieren, jetzt, wo der Weltuntergang wahrscheinlich dann doch ausfällt, den er vorhergesehen hat wie seinen Tod. Sie adaptieren die ethnien-übergreifende Philosophie des Römischen Reiches und geniessen Schweinswürste.

Auf emotionaler Ebene, der, die sich mir weitgehend entzieht, gäbe es eine Liebesbeziehung mit Johannes, die tiefe Zuneigung zwischen ihm und Maria, die Geschwisterrivalität mit Jakobus und den Konflikt mit dem pragmatischen Judas, dem das Ende der Welt ungewiss, die Not der Armen aber gewiss ist, und die Eifersucht zwischen Johannes, Judas und Petrus auf verschiedenen Ebenen und aus verschiedenen Motiven.

Der Selbstmord des Judas ist dann eine tragische Ironie wie die ganze Geschichte von einem hintergründigem Humor getragen würde, der typisch für Jesus sei, in seinem Leben aber über lange Zeit von seiner Erwartung eines schrecklichen Endes für ihn und die Welt überlagert würde.