Wer nicht mehr tätig sein kann, muss tätig werden

Ich werde irgendwann eine weitere Psychotherapie brauchen. Wie sonst sollte ich verarbeiten, dass mein erstes Klingeln ein Finanzbeamter beantwortete?

Er kannte seinen Namen und meine Steuernummer, die eine neue Steuernummer war, aber nicht den zuständigen Mitarbeiter der Behörde, von dem er aber überzeugt war, nicht mit ihm identisch zu sein.

Er verwies mich an das Bürgerbüro, dessen Mitarbeiterin ebenfalls sofort abnahm und mich umgehend mit einem Finanzbeamten verband, der tatsächlich nicht der erste war, mir dafür aber einen Aufschub für die Abgabe meiner Lohnsteuer-Erklärung einräumte.

Ich möchte nämlich dieses Meisterwerk der angewandten Mathematik erst einreichen, wenn mir ein Rentenbescheid mit entsprechend zurückliegendem Datum Erleichterung verspricht.

Ich rate allgemein vom Versuch, eine Rente wegen Erwerbsminderung ab. Sollte es sich denn gar nicht vermeiden lassen, so bedarf es bei der Verfolgung jenes Projektes jene Tatkraft, die man Penetranz nennt.

Dem regelmässigen Besuch von Ärzten aller Fachrichtungen muss eine Erwerbstätigkeit gegenüber stehen, die verbissen ausgeübt und zwanglos dokumentiert wird. Die Ergebnisse der Arztbesuche müssen als Gutachten, Atteste und Bescheinigungen zusammen mit überwiegend aussichtslosen Anträgen auf Kuraufenthalte, Ein- und Widersprüchen.

Paula hat sich hier nicht genug engagiert. Hätte sie zum Beispiel eine Psychotherapie gemacht, stände längst jeden Monat ein Renteneingang auf dem Kontoauszug. Hätte sie sich eine stundenweise Beschäftigung gesucht, wäre unsere ökonomische Situation anders. Ihr Verständnis für diese, meine Einstellung ist gering. Aber wer nicht mehr tätig sein kann oder gar will, muss tätig werden.

 

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Let’s be happy

Ich höre jemandem auf Youtube zu, der mir erklärt, wie ich mit meinen Aggressionen umgehen soll. Ganz zufrieden stellen mich seine psychotherapeutisch-orientierten Erklärungen nicht.

Denn eigentlich möchte ich ja auch diese negative Energie nutzen, um Dinge zu verändern, um mein Leben zu verändern. Denn ich bin gerade in einer dieser Situationen, in der sich das Leben um einen herum verändert, in der andere mein Leben verändern und ich deshalb zwangsläufig das Gefühl habe, die Kontrolle zu verlieren.

Bedenkt man dazu das Verhältnis, das ich zu Paula habe, und unsere Finanzkrise, so ist vielleicht nachvollziehbar, dass es mir an negativer Energie so gar nicht mangelt. Ihr gegenüber habe ich den geringen Vorteil, sie bloggend anders äussern zu können als indem ich jemanden anschreie.

Ich bin davon überzeugt, dass mich diese Wut in gewissem Umfang mein Leben lang begleiten wird. Und, nein, Paula ist nicht ihre Ursache. Sie hat mich aber auch nie wirklich aufgehalten. Dazu hätte es eines Einfühlungsvermögens bedurft, das ihr fremd ist.

Freud und Nietzsche in Las Vegas

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