Trau, Schau, Bau!

Frohe Stunden verbrachte ich in der Warteschleife einer Baumarkt-Kette mit dem Werbeslogan “Trau! Schau! Bau!”, unterbrochen von heiteren Wortwechsel mit der die Telefonzentrale bedienenden Mitarbeiterin, die all meine Daten in einem Formular erfasste, bevor sie mich wieder in die Warteschleife stellte.

Jede Fahrt mit diesem Karussell begann mit dem Hinweis auf die Internet-Seite von einer Konserve. “Willst Du wissen, ob Dein Ventilator lieferbar ist? Auf www.traubaumarkt.de findest Du die Antwort.” und wurde mit einem weiteren Hinweis unterbrochen: “Möchtest Du wissen, wann Deine Bestellung kommt? Auf www.traubaumarkt.de findest Du die Antwort.”

Ich weiss zufällig, dass die Umsätze, die auf www.traubaumarkt.de gemacht werden, über die Postleitzahl dem entsprechenden Markt zugeordnet werden. Das ist ungefähr die Lösung, die etwa den Zeitungen vorschwebt, die auch gerne einmal bezahlt werden würden, wenn ein potentieller Kunde die Nachrichten bei Google liest.

Was passiert, wenn der Online-Umsatz den stationären übertrifft, weiss ich nicht. Werden Baumärkte dann kleiner, Abhollager mit bescheidenem Sortiment, von Franchise-Partnern geführt? Alles ist möglich. Das Leben ist ungemein interessant in diesen Tagen im Handel.

http://www.insightdiy.co.uk/news/amazon-front-runner-to-acquire-closing-homebase-stores/6396.htm

 

Dem unbekannten trojanischen Soldaten

Der Generationenwechsel sieht oft aus wie eine Schrankwand in Eiche P43 vor der Türe eines Einfamilien-Hauses, wahllos auf einander gestapelt, einst der Stolz einer ehrbaren und vermutlich nie berufstätigen Hausfrau, jetzt langsam im Regen durchfeuchtend.

Er hört sich an wie jene frisch gebackenen Hausbesitzer, die mich Tag um Tag anrufen, um sich mit einer Anleitung oder Fernbedienungen für einen betagten Garagentorantrieb zu versorgen, den aus irgendeinem Grund selbst die rücksichtsloseste Renovierung schont. Da fallen Namen, die heutigen Menschen so fern sind wie die der Helden des Trojanischen Krieges. Von Praktiker ist die Rede, von Castorama, Quelle, Endress, Einhell, Bosch, Genie, Wecla und Simba.

Einst wird man den Namen der Illinois Electro Door an einer anderen Hotline in dieser Weise nennen, als Hersteller zuverlässiger Antriebe, als Betreiber einer telefonische Kundenbetreuung von (nach meiner Ansicht und gemessen am Aufwand) ungemeiner Effizienz. Ich selbst werde dann vergessen sein, ein alter Mann, der anderen alten Menschen leise und vermutlich zusammenhanglos von vergangenenen Heldentaten erzählt oder tot, meiner Neigung zum übertriebenen Genuss von Zucker im besonderen und Lebensmitteln ganz allgemein oder der Unachtsamkeit des Fahrers eines Fleisch-Lasters zum Opfer gefallen.

Sagt dann aber nicht, ich sei gestorben. Sagt, ich sei weiter gezogen, an einen anderen Ort gegangen, weil dort jemand – ganz, ganz wahrscheinlich – einen Kundenbetreuer gebraucht hat.