Die Steuererklärung ist Gottes Gebot

Da ich deutlich älter bin als der Kleine Bruder sehe ich es als meine Pflicht an, ihn über jene Dinge aufzuklären, die im Leben wichtig sind. So legte ich ihm anhand des Matthäus-Evangeliums dar, dass er seine Steuererklärung machen muss.

Denn sagt nicht Jesus im Kapitel 22, Vers 21, dass man dem Kaiser (dem Staat) geben soll, was dem Kaiser ist. Von mehr war da nicht die Rede. Also immer schön abzählen, was man ihm in die Hand drückt.

Über dem zerlegten Roller hinweg, erläuterte ich ihm dann, dass dieses Vehikel mich dorthin befördern soll, wo ich Nahrung, Geld und Anerkennung bekomme. Es gibt nicht viele, die so gut von Yoyodyne sprechen; aber es ist auch niemand sonst mit Paula verheiratet.

Was sollte ich ihm sonst sagen? Dass ich zu feige bin, um ich selbst zu sein? Zu feige, um sie zu verlassen? Zu feige, um ganz alleine auf mich gestellt zu leben. Zu feige, um mich einer ziemlich wahrscheinlichen Insolvenz zu stellen?

Das wäre mir peinlich. So peinlich wie zuzugeben, dass die addierten und voll ausgeschöpften Überziehungskredite zweier Girokonten 10.000 Ecu ergeben. Meine finanzielle Situation ist das Äquivalent eines Standing Knock-Out.

Den Roller übrigens belebte weder der Austausch des Chokes noch der der Batterie oder der der Sicherung.

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La Mosca schweigt

La Mosca schweigt. Ist es der Choke, der Zündkerzenstecker, die Elektronik? Ich habe keine Ahnung und zweifle an des Kleinen Bruders Fähigkeit, den Fehler zu finden und zu beheben. Ein viergetakteter Motorroller ist nun einmal kein Lkw von Saviem.

Was werde ich tun, wenn es ihm nicht gelingt? Denn es mangelt mir das Geld für eine reguläre Werkstatt und auch das für die Busfahrkarte als  ökologische Alternative. Wäre ich noch bei Sinnen, wäre ich jetzt von Sinnen. Müsste ich dann einen Overall tragen oder eine Zwangsjacke?

 

Das Dreieck als Basis des parkenden Rollers

Als die gravierendsten Probleme nach dem Unfall identifizierte ich an meinem Roller hinten ein Schwinden der Bremskraft und in der Mitte einen Mangel an Standfestigkeit.

Mein Versuch, den Roller nur mit Muskelkraft und Bremshebel vor dem Untergang zu retten, hatte den Nippel am Zuggegenhalter fast abgerissen. Gleichzeitig war der Halter, an dem der Hauptständer befestigt ist, schief gezogen worden. Die genaue Abfolge der Ereignisse ist mir allerdings immer noch nicht klar.

Im ersten Schritt ersetzte ich den Bremszug. Die Fähigkeit, im Falle eines Falles, an einer Kreuzung vielleicht und hinter einem Auto, anhalten zu können, schien mir recht wichtig. Auch wenn ich mit 50 km/h einen Berg hinunter fahre, könnte sie nützlich sein, ihr Fehlen dann auch von den Gendarmen kritisiert werden.

Nachdem ich die Investitition von 20,78 Ecu mental verarbeitet hatte, wandte ich mich dem Ständer zu. Es wäre mir nämlich auch unangenehm, stürzte das Vehikel um und fiele vielleicht gar auf das Auto einer Kollegin, gar einer jener selbstbewussten und gewaltbereiten Frauen, von denen es hier einige gibt.

Ich ergänzte die Ausstattung daher um eine gebrauchten Buzzetti-Seitenständer. Er tut, was er soll, und das mit einer Kraft, die mich an seiner CE-Konformität ebenso zweifeln lässt wie an meinen Wunsch, mit meinen Fingern in seinem Weg zu sein.

Ich muss jetzt noch den Bewegungsablauf anpassen, jene Gewohnheit, mit der ich seit 8 Jahren bei drei verschiedenen Rollern einen Hauptständer nach unten gedrückt habe, wenn ich mein Fahrzeug geparkt habe.  

Beide Ständer-Systeme nutzen übrigens das Dreieck als Basis. Im einen Fall ruht der Roller auf den beiden Zinken des Hauptständers und dem Vorderrad, im anderen auf den beiden Rädern und dem Seitenständer.

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Der Stern ist Retro

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Die Nova-Motors Retro Star – sieht gar nicht so schlecht aus für Ecu 989,00 plus Versand.

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Die hier hat tatsächlich 8.090 km auf dem Tacho. Die Kunststoff-Deckel für die Innen-Sechskant-Schrauben haben in ihrer Mehrheit schon den Abschied genommen. Wird diese Schraube jemals geöffnet, wird die Chromschicht ihnen folgen und Platz für gesunde Korrosion machen.

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Im Preis nicht inbegriffen war eine vernünftige Oberflächen-Behandlung für die Felgen und den Auspuff. Da schwächelt das Preiswert-Produkt im Vergleich zu den Modellen von Peugeot und Piaggio.

La Mosca hat dreimal soviel Kilometer und sieht an diesen Stellen deutlich besser aus. Und sie hat 12 Zoll-Räder für den höheren Fahr-Comfort. Schweigen wir an dieser Stelle von der Qualität einer Peugeot Ludix, die noch mit 43.000 km an diesen Teilen gut aussah.

https://www.nova-motors.de/nova-motors-retro-star-50-touring-schwarz

Il meraviglioso mondo del scooter marketing

Während ich La Mosca von der Werkstatt des Sizilianers, dem ich nach Jahren der Trennung wieder meine Kundschaft angetragen hatte, nach Hause steuerte, bedachte ich die Veränderungen des Roller-Marktes.

Gar mancher bekannte Zweirad-Mechaniker hat sich in den unverdienten Ruhestand verabschiedet und der eine oder andere gar in die Ewigen Jagdgründe. Die anderen haben der Markenbindung abgeschworen und reparieren, was ihnen vor die Türe geschoben wird. Vorbei die Zeiten, wo der akkreditierte Aprilia-Händler Hand nur an SRs und Sportcitys legte.

Piaggio, dem Zeitgeist fern, beschloss derweil, eine Reihe von Haupthändlern zu installieren, die nur Piaggio-Roller, davon aber hinlängliche Mengen verkaufen sollten. Bevor sie noch gemerkt hatten, dass dieses Konzept scheitern würde, hatten sie sich schon fast ihres kompletten Händler-Netzes entledigt. Mit wenigen Händlern, die hochpreisige Produkte auf einem Markt verkaufen, dessen Kunden meist preissensitive Kleinsparer sind, wird der Umsatz jetzt wohl nicht so toll sein.

Zugleich sind aus dem Gewusel neuer Hersteller langsam die ersten Marken aufgetaucht, die europäischen Zweirad-Mechanikern keine Bauchschmerzen bereiten. Zwar mögen Motowell aus Ungarn, Tauris aus Spanien und KSR/Generic aus Österreich qualitativ noch nicht in einer Liga mit Gilera, Derbi und MBK spielen, aber sie bieten ihre Produkte ja auch zu anderen Preisen an.

Der Sizilianer hat sich bereits dem Vertrieb einer dieser Marken verschrieben und lobt die Kombination aus chinesischem Motor und europäischer Fertigung. Seine Premium-Produkt kommt jetzt von einem leidlich bekannten taiwanesischer Hersteller, der qualitativ als auf einer Ebene mit TGB und Peugeot gilt.

Er schwor übrigens, in seiner Kundschaft einen zu haben, der auf genau einer solchen Mosca 70.000 km zurück gelegt habe und zwar mit einem einzigen Motor. Ich immerhin erreichte mein Ziel.

Hier ein Film, der mich in seiner Werkstatt zeigt:

Der Führerschein als Ausweis der Mittelklasse

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Mein Verhältnis mit dem Finanzamt ist deutliche besser geworden – ungefähr 1.500 Ecu besser. Damit bleibt aus der Auflösung der Lebensversicherung noch genug Geld übrig, um den Boiler im Bad auszutauschen, bevor er dem Kalk gänzlich erliegt.

Ein nicht unwesentlicher Teil meines Blogs hat seit einiger Zeit mit den ökonomischen Problemen zu tun, denen Paula und ich begegnen. Unabhängig von den Ursachen dieser Probleme definieren sie uns aber nicht. Nicht als Persönlichkeiten, nicht in unserer Zugehörigkeit zur Mittelschicht.

Was aber unterscheidet mich von dem Bürger, der seinen roten Peugeot Flash vor der Werkststatt neben meinem schwarzen parkte? Er war ein kurz geratener Vertreter der Unterschicht, von der wir uns so gerne abgrenzen wollen.

Gängige Untersuchungen definieren die sozialen Schichten rein über das Einkommen (http://www.n-tv.de/politik/Mittelschicht-schrumpft-in-Deutschland-article17635751.html). Das greift natürlich in einer Gesellschaft zu kurz, in der klassische Kriterien wie Qualifikationen, Fleiss und Sparsamkeit nur einen beschränkten Einfluss auf das Einkommen haben.

In vielen Gesprächen mit Kunden, Pizzabäckern, Rollerfahrern, Tankstellen-Kassierern, Kollegen und anderen habe ich vorläufig drei weiche Kriterien definiert, die als Indikatoren für die Zugehörigkeit zur Mittelklasse dienen können und zur Abgrenzung von der Unterschicht. Es sind dies Kenntnisse in der Sprache Englisch, dem Betriebssystem Windows und ein Führerschein der Klasse B.

Kann ich mich nur in Deutsch ausdrücken oder tue mich sogar damit schwer, habe ich keinen Zugang zur globalen Leitkultur. Kenne ich nur Android als Betriebssystem, kann ich keine Tätigkeit in Verkauf oder Verwaltung ausüben. Habe ich nur eine Mofa-Prüfbescheinigung, drückt sich darin nicht nur mein Mangel als Einkommen aus, sondern auch der meiner Eltern.

Diese Kriterien sind aber immer zeitabhängig zu betrachten. In den glücklichen Tagen meiner Kindheit galt es noch quasi als Einstieg in den sozialen Abstieg, arbeitete in einem Haushalt nicht nur der Ehemann, sondern auch die Frau. Vollends angekommen in diesem sozialen Umfeld war dann eine alleinerziehende Mutter.

Ich werde meine Untersuchungen als soziologischer Laie fortsetzen und ihre Ergebnisse hier veröffentlichen.