Wie lange kann man unbeteiligt gucken?

Paula konfrontiert mich neben ihren Stimmungsschwankungen, Gedankensprüngen und Wortfindungsschwierigkeiten in letzter Zeit auch mit einer Reihe merkwürdiger Theorien. Wespen etwa sind männliche Biene, um sich über die gesetzlichen Bestimmungen zum Bau eines Zaunes zu informieren, muss man zum Rathaus fahren statt anzurufen oder eine mail zu schicken und in jedem Raum im Haus brennen die ganze Nacht LED-Kerzen.

Ich bin mir hinlänglich unschlüssig, ob das jetzt einfach bedeutet, dass sie sich viel zu lange von der Menschheit zurück gezogen hat oder dass sie eine Persönlichkeitsstörung hat, die schlimmer wird. Das mit der Persönlichkeitsstörung scheint mir dabei fest zu stehen, dass die schlimmer werden könnte, beunruhigt mich allerdings. Da muss ich am Ende Entscheidungen treffen, und da bin ich doch schlecht drin.

Gerade jetzt ist aber die Information wichtig und nützlich, dass vieles, was sie zu mir und über mich sagt, dann eigentlich nichts mit mir zu tun hat.

CasKna

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Das ist nicht Kansas

Die geistige Landschaft eines anderen zu bereisen, ist kein einfaches oder ungefährliches Geschäft. Nicht umsonst (und schon gar nicht ohne Kosten) erlernt ein Psychologe sein Metier jahrelang an der Universität und in der Praxis, bevor er solche Reisen regelmässig unternimmt. Und selbst dann noch geschieht es dann und wann, dass einer von ihnen von einem der Urviecher gefressen wird, die diesen oder jenen Dschungel bevölkern. Für uns Laien ist die Reise auf dem Gelben Ziegelsteinweg noch viel gefährlicher. So kann man zum Beispiel statt einem gefrässigen Saurus Depressionis ja auch sich selbst begegnen.

Denke ich zum Beispiel darüber nach, ob dicker Staub auf dem Fuss eines Fernsehers, Körbe voller Bügelwäsche und ein Dutzend Katzen bedeuten, dass Paula beginnt, sich selbst zu vernachlässigen und zu horten, stellt mir der hässliche Kerl, dessen Gesicht mir so bekannt vorkommt, auch gleich die Frage, warum ich in bestimmten Situationen anfange, Dosensuppen in der Schublade in meiner Garage zu sammeln, gleich neben dem Werkzeug, das ich für jene Reparaturen an meinem Roller brauche, die ich mir selbst zutraue.

Da liegen dann die Selbstüber- und die Unterschätzung direkt nebeneinander. Denn diese Dosen sind gerade Ausdruck eines mangelnden Vertrauens in die Welt, die Nahrungsmittelversorgung und Paula als Basis dazu. Gewinne ich an Selbstvertrauen, brauche ich diesen Vorrat nicht mehr. Er substituierte sozusagen nur, was ich an mir nicht sehen konnte. Dazu verhalfen mir dann der Zuspruch des Herrn Ambros, die Rolle als Alleinverdiener und die Freundschaft des Kleinen Bruders. Darüber zu bloggen war in gewisser Weise auch nützlich. Von nun an aber gelte für mich, dass es mir gut gehen soll.

Sex in der Wüste

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