A lesson to be learned. A lesson learned

Paula faselt von all den Dingen, die sie am Haus erledigen lassen will, unter besonderer Berücksichtigung meines Beitrages. Das wechselt sich mit der Drohung ab, sich von mir trennen zu wollen. Ich bin an diese Wechselhaftigkeit gewöhnt, verstehe sie aber nicht.

Denn ich bin ja überaus zuverlässig in meinen Gefühlen. Ich hasse morgens alle Menschen, mittags hasse ich sie auch, und abends verabscheue ich sie hingebungsvoll. Allerhöchstens dass ich beim Kleinen Bruder einmal eine Ausnahme mache.

Insgesamt war die einzige glückliche Beziehung in meinem Leben die mit Freund, dem Kater. Er war der einzige, der mich liebte, wie ich bin, der einzige, dem ich je begegnet bin, der dieses Kunststück vermochte. Jetzt erhoffe ich mir nichts anderes mehr, als in Ruhe gelassen zu werden.

ich bin lernfähig. Und das ist es, was Ihr mich gelehrt habt.

Nowhere

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Ich finde das wenig nett

Die Welt verändert sich. Tut sie das wirklich? Oder befinden sich einfach andere (und vielleicht sogar wir selbst uns) nicht an den Positionen, an denen wir sie fest angenommen haben?

Mein Schwager zum Beispiel ist nicht nur physisch meiner Schwester entrückt sondern auch geistig. Seinen Beitrag an ihrem Leben sieht er als erfüllt an, wenn er ihr Unterhalt zahlt und sich gelegentlich von ihr am Telefon anschreien lässt. Wo es um die Kosten der Abfallentsorgung geht, empfiehlt er, ihr zu schreiben. Will er sie oder mich schützen, wenn er mir ihre Telefonnummer nicht gibt?

In meiner Wahrnehmung rücken Paula und meine Schwester zusammen, werden sich immer ähnlicher. Ich nehme sie als Personen wahr, die mich ihre Probleme lösen lassen und nicht an meinen Bedürfnissen interessiert sind. Paula “macht Tierschutz” und beschwert sich über jede nicht mit Katzen zusammen hängende Tätigkeit, Phiridia macht, was auch immer sie tut, überlässt es aber mir, diese Gebühren zu zahlen.

Ich nehme einmal an, dass es ihr egal ist, ob ich dazu das Geld habe, und finde das nun wenig nett. Jemand, den so viele Jahre im Kundendienst nicht zu absoluter Selbstkontrolle erzogen hätten, ergriffe das Minimi.

Ich bin auf Diät

Es war eine Verwandte der Influentia, eine Cousine wohl, nennen wir sie Donatia, die mich nieder streckte. Ich verbrachte einen ganzen Tag im Bett mit einer Reihe unerquicklicher Symptome und einem kleinen schwarzen Kater, der alles toll fand, weil ich ihm nicht weg laufen konnte.

Drei- bis viermal stürmte Paula ins Zimmer, um inpromptu eine Ansprache zu halten, es handele sich bei meinem Aufenthalt im Bett um schieres Simulantentum, Ausdruck meiner tief verwurzelten Faulheit, die Weigerung, ihr bei der Hausarbeit zu helfen, Sabotage an ihren Zielen. Zu den angenehmeren Aspekten einer Virus-Erkrankung gehört, dass man in solchen Augenblicken wieder einschlafen kann.

Zu den unangenehmeren, dass man keinen Appetit hat. Das wird jeden erschüttern, der mich kennt. Mich erschütterte es auch. Schliesslich ist für mich ein kleiner Snack normalerweise ein frittiertes Lechon. Ich lasse seit einiger Zeit allerdings den Salat weg, weil ich ja auf Diät bin.

Lüg! Mich! An!

Eingedenk des Versprechens eines Autos, das mir Paula gab, habe sie denn erst die Rente und einen Mini-Job mit 450 Ecu pro Monat, liess ich mir in der Roller-Werkstatt einer Prospekt von Motowell reichen. Sehr angetan war der Mechaniker meines Vertrauens von der Qualität dieser Fortbewegungsmittel, nie habe er in den letzten vier Jahren einen Motorschaden gesehen.

Es bremste ihn dann die Frage, ob man damit auch 12.000 km im Jahr bewältigen könne. Denn es habe wohl, meinte er dann, das noch keiner versucht, von dem er wüsste. Allerdings müsste man eine Motowell auch alle 3.000 km inspektionieren lassen. Das Pendant von Peugeot ist nicht wirklich teurer, muss aber nach den ersten beiden Inspektionen nur noch alle 5.000 km oder mit einem platten Reifen in die Werkstatt.

Ob mir klar ist, dass Paula mich (und sich) die Taschen voll lügt? Oh ja, und es sind die extra-grossen Satteltaschen, die man an ein fettes Motorrad hängt, wenn man für Gemma Morrow den Einkauf erledigen soll.

Ich weiss nur nicht, was ich mit dieser Erkenntnis anfangen soll.

Katzengold

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Der Goldschmuck ihrer Mutter gab Paula kurzfristig die Möglichkeit zurück, ihr gewohntes Leben zwischen Mondo-Warenhaus und Tierfuttermarkt weiter zu führen. Erwähne ich die Möglichkeit einer erneuten Arbeitsaufnahme, erwähnt sie die 35 Jahre, die sie mit der Pflege von Alten und Kranken verbracht hat, üblicherweise gefolgt von einer Litanei von Vorwürfen.

Das hat sicher nichts damit zu tun, mit welcher geringen emotionalen Beteiligung ich den Zustand meines Rollers betrachte. Ein Grund mehr, nicht zu arbeiten. Vielleicht werde ich ja entlassen. Habe ich dann kein Geld, verlässt sie mich vielleicht. Ich bin ihrer überdrüssig und meiner selbst und des Lebens, das ich führe.

Was ich getan habe, dass ich im strömenden Regen und bei eisiger Kälte mit dem Roller zur Arbeit gefahren bin, dass ich Pizza ausgeliefert und Industriemaschinen gereinigt habe, dass ich verzichtet und mich zurück genommen habe, zählt nicht bei ihr. Ich finde keine Anerkennung dafür und werde nicht dafür geliebt. Alles spricht dafür, dass ich nie dafür geliebt werden werde.

Paula nutzt auch ganz klar meine Schuldgefühle aus, weil ich nicht wirklich ein guter Mensch bin, antisozial, ganz und gar nicht nett und schon nie nett zu anderen war. Das kombiniert sie mit einer vehement vorgetragenen Kritik an meiner Sexualität bzw. derem Fehlen und dem Versprechen eines Autos, wenn sie erst ihre Rentennachzahlung erhält.

https://de.wikipedia.org/wiki/Pyrit

http://gutenberg.spiegel.de/buch/gold-1622/1

Auf einer einsamen Insel

Paula hat eine beunruhigende Neigung dazu, das Leben anderer Menschen zu übernehmen, ob denen das gefällt oder nicht. Und wehe ihnen, wenn nicht! Vor einigen Tagen hat sie beschlossen, dem “Schwiegervater” zu einem Smartphone zu verhelfen. Der weiss von seinem Glück allerdings noch nichts.

Ich selbst beschränkte meinen Beitrag bisher auch auf einen Blick auf die Karten, auf denen die Mobilfunkanbieter die Verfügbarkeit ihrer Leistungen an den verschiedenen Orten Deutschlands darstellen. Ich weiss nicht, wovon ich mehr überrascht bin, von meinem logischen Ansatz oder davon, dass sein Haus auf einer Insel steht, wo Vodafone LTE sprudeln lässt.

Nicht überrascht war ich, als Paula die Information damit kommentierte, dass er dann ja das wlan seiner direkt daneben wohnenden Tochter in Anspruch nehmen könne.

Sie lebt in einer Art Parallelwelt, in der sich alles um eine immer noch wachsende Zahl von Katzen dreht, Dieter Bohlen ein Künstler ist, Taylor Swift ein amerikanisches Popsternchen und noch niemand von Carmilla Karnstein gehört hat.

Ungefähr 50% der Dinge, die sie zu mir sagt, machen keinen Sinn und sind vermutlich nur darauf ausgelegt, mir weh zu tun. Manchmal klappt es, manchmal nicht. Oder wie Neil Gaiman wohl in einem Buch sagt, das ich nicht gelesen habe: “You don’t pass or fail at being a person, dear.”

WTF – Where is The Future?

Das Schreiben der Rentenversicherung brauchte acht Tage für eine Strecke von 30 km. Ich schiebe das mal auf die Frankatur, die aussieht, als sei der Mitarbeiter des VDK bei der Bedienung des Postmeters besprungen worden. Die Bundespost hat sich wahrscheinlich tagelang gefragt, ob der Brief wirklich bei ihnen aufgegeben worden ist. Das alles ist so… 20stes Jahrhundert.

Ich bin jetzt gespannt, welche Bescheinigungen von Krankenversicherung, Bundesagentur für Arbeit und Berufsvereinigung Staatlich Geprüfter Pflegehilfskräfte ich jetzt wieder benötige, um den nächsten Schritt auf dem langen und beschwerlichen Weg zu Paulas erstem Rentenbezug zu tun. Darf der erforderliche Stempel rund sein oder muss er zwangläufig dreieckig sein? Ist blau eine zulässige Stempelfarbe oder ist allein ein grüner Stempel genehm? Muss er von einem Rechts- oder Linkshänder aufgebracht werden?

Ich wäre sehr, sehr dafür, wenn alles, das von jetzt an nötig ist, um mir Geld zu verschaffen, per email, link oder sogar Facebook-Chat käme.