Planlos schrauben

Ich habe noch nicht verstanden, was ich gestern abend getan habe. Im Ergebnis aber gehe ich davon aus, dass der Motor meines Rollers jetzt hin ist. Das ist das Ergebnis weniger einer Verkettung widriger Umstände als meiner Unfähigkeit, dazu zu lernen.

Ich sollte von manchen Dingen Abstand halten, etwa von der Ölablassschraube, mich weigern, irgendwas an solchen Fahrzeugen zu tun. Vor allem aber sollte ich die Wünsche anderer Menschen ignorieren.

Das ist natürlich schwierig, wenn Paula mir vorjammert, dass das Auto ruckt und ich doch bitteschön mal zusehen soll, dass La Mosca, die viergetaktete, wieder läuft, damit sie mich nicht zur Arbeit und zurück befördern muss.

Na, wenn die raus kriegt, was ich getan habe, wird sie auch nicht glücklich sein. Ich habe schon einmal die App der Strassenverkehrsbetriebe installiert.

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Davon rede ich nicht

Ich spreche nicht über Sexualität. Es ist kein heiteres Thema. Das liegt an mir, der diese Dinge nie leicht nehmen kann. Spräche ich davon, spräche ich von wenigen und seltenen Gelegenheiten, Menschen und Interessen, die mich… motivierten. Ich spräche von einem Spannungsfeld zwischen diesem Thema und dem Hang, manche Dinge recht ernst zu nehmen. Ich spräche von Wünschen und Ängsten und von einer Frau, die ich geheiratet habe, weil man das halt so tut. Aber ich spreche ja darüber nicht.

Wie lange kann man unbeteiligt gucken?

Paula konfrontiert mich neben ihren Stimmungsschwankungen, Gedankensprüngen und Wortfindungsschwierigkeiten in letzter Zeit auch mit einer Reihe merkwürdiger Theorien. Wespen etwa sind männliche Biene, um sich über die gesetzlichen Bestimmungen zum Bau eines Zaunes zu informieren, muss man zum Rathaus fahren statt anzurufen oder eine mail zu schicken und in jedem Raum im Haus brennen die ganze Nacht LED-Kerzen.

Ich bin mir hinlänglich unschlüssig, ob das jetzt einfach bedeutet, dass sie sich viel zu lange von der Menschheit zurück gezogen hat oder dass sie eine Persönlichkeitsstörung hat, die schlimmer wird. Das mit der Persönlichkeitsstörung scheint mir dabei fest zu stehen, dass die schlimmer werden könnte, beunruhigt mich allerdings. Da muss ich am Ende Entscheidungen treffen, und da bin ich doch schlecht drin.

Gerade jetzt ist aber die Information wichtig und nützlich, dass vieles, was sie zu mir und über mich sagt, dann eigentlich nichts mit mir zu tun hat.

CasKna

https://unfugbilder.tumblr.com/image/174849037948

 

Ich falte mir aus Papier einen Hut

Eine gute Voraussetzung für die Durchführung einer Arbeitsmassnahme, in diesem Fall der Renovierung eines Badezimmers, innerhalb einer vorgegebenen Zeit, in diesem Fall einer Woche Urlaub, sind eine gute Planung und die Verwendung von Werkzeug, das nicht vom Shopping-Kanal beworben wurde.

Denn was dort mit manischem Lächeln vorgestellt wird, ist das Ergebnis des Versuches eines Mitbürgers, eine Sache mit Gewinn neu zu erfinden, die es bereits gibt und die kaum noch zu verbessern ist. Eine Farbrolle, die Tropfen auf dem Boden verhindern soll, funktioniert aber nur auf den Flächen. Die Aufgabe erfordert also ein zusätzliches Werkzeug, das sich für Ecken und Kanten eignet. Das wurde auch mitgeliefert, erwies sich aber als für Ecken und Kanten und jeden anderen Zweck als ungeeignet.

Zweifel an Paulas Planung zu äussern ist mir ja von ihr verboten worden. Sonst würde ich davon sprechen, wie sie grün als Farbe in Erwägung zog, nachdem das rote Bad gelb gestrichen worden war. Oder wie die vor Wochen gekauften Möbel durch andere ersetzt werden mussten, die jetzt getauscht werden müssen. Oder dass sie zwar die Leuchte erwarb, jedoch keinen Schalter vorsah.

Da stelle ich doch gerne mein von minimalistischen Anleitungen unterstütztes geringes Heimwerker-Geschick als Ursache unseres hohen Zeitverbrauches zurück.

Light Bulb Moments in the Electronics Store

Bei Saturn lernte ich am Regal mit den Routern zwei Dinge. Erstens ist die FritzBox in ihren verschiedenen Varianten immer noch das Mass aller Dinge bei Modems und Routern und zweitens ist, was mich am Einkaufen mit Paula stets aufbrachte, das Gefühl des Kontrollverlustes.

Danach stand ich also relativ entspannt in der Gegend herum, während sie eine FritzBox 6490 und einen Grundig-Fernseher 8852 mit CI+ Modul und Wandhalterung  kaufte. Ich blieb selbst bei dem Gedanken daran ruhig, dass da 10% der zweiten Rentennachzahlung verschwanden.

Dabei wurde mir dann klar, dass ich mich ihr in den letzten Monaten finanziell überlegen fühlen konnte. Das ist jetzt – vorübergehend – nicht mehr der Fall.

Vom Gebrauch des Schraubenschlüssels in den Religionskriegen

Ich schaue mir gerade zum dritten Mal das Video an, wie man an La Mosca das Öl wechselt. Zwar hoffe ich immer noch, dass der Kleine Bruder sich als lernender Kfz-Mechatroniker sich der Sache annimmt, habe aber so meine Zweifel.

Denn bei seinem letzten Besuch äusserte er ein seinem ungewöhnlich beschränkten Horizont entsprechendes Unverständnis für die Erstkommunion des Nachbarsjungen. Für Baptisten spielt die Kommunion nämlich keine allzu grosse Rolle, die erste eh nicht.

Man entscheidet sich mit 18 dafür getauft zu werden… oder nicht. Als Belohnung winken statt Guthaben fürs Handy oder einer Armbanduhr von Casio nur die Erlösung.

Den Lesern dieses Blogs ist Paulas Toleranz und Geduld durchaus schon bekannt. Gewiss können er, sie und sier sich vorstellen, wie das Gespräch verlief. Eben so, dass ich nicht sicher bin, dass er mir noch einmal helfen wird.

Ich habe jetzt eine klarere Vorstellung davon, wie Kreuzzüge beginnen, nämlich in dem eine berentete Krankenpflegehelferin und ein Mechatroniker-Lehrling in einer Garage über die Erwachsenentaufe streiten.

Hatte ich etwas anderes erwartet?

Es ist eine in höchstem Masse erstaunliche Sache, dass Menschen, die Geld haben, dazu neigen, es auch wieder auszugeben. Sie bezahlen Schulden, kaufen neue Katzentoiletten und Säcke mit Katzenfutter und neue Kleidung. Das wohl, weil ihre Löcher hat, eingelaufen ist und Nichtsesshafte dankend abwinken, wenn man versucht, sie an sie weiter zu reichen.

Das taten wir in der nächstgelegenen Filiale von C & A Brenninkmeijer in einer winzigen Mall, die blitzsauber ist, und deren Besitzer sie dem Merkantilen bereits soweit entfernt hatte, dass nicht einmal Drogenhändler ihren Innenraum frequentieren. Als quasi einzige Attraktionen bietet sie ausser dem bekannten Textilhandel noch einen Tabak-Laden, einen Drogerie-Markt, einen Fahrstuhl und eine öffentliche Toilette.

Ich liess Paula für mich kaufen, was sie wollte. Immerhin ist das wahrscheinlich in ihrer Wahrnehmung meine Belohnung für die fünf Jahre, die ich mit ihr die Rentenschleife gedreht habe. Mit dem, was ich vorher en passant schon an T-Shirts und Hosen erworben habe, Frucht meiner Bemühungen bei ebay und ihr unbekannt, ist mein Kleiderschrank zum ersten Mal seit Jahren leidlich gut sortiert.

Sollte ich ein ganz kleines bisschen nachtragend sein, ich, die Wiedergeburt Buddhas an einem seiner besonders chilligen Tage, so hätte es mir vorläufig genügt, sie am Dyson Airblade scheitern zu sehen. Einige Minuten nachdem ihr eine junge Frau die Funktion erklärt hatte, konnten wir dann den Telekom-Shop ansteuern.

Dort lernte sie dann einiges über die Position von Sony auf dem Mobilfunkmarkt. Eine solche Position nennt das Handbuch des Handels nämlich eine NIsche, und in diese Nische passte am POS genau ein Telefon. Wie angenehm ist es doch, wenn die Realität einmal jemanden anderen mit einer neuen Einschätzung der Gegebenheiten versorgt.

Bevor ich mir aber ein neues Telefon aussuchen konnte, war ihr wieder eingefallen, dass es ja ihre Rentennachzahlung war, Geld, für das sie 35 Jahre lang gearbeitet hat.