La peur est la soeur de la stupidité

Schnee fällt leise auf die Strasse, die schon weiss ist. Es ist definitiv kein Wetter, um mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Ich nehme also den Motorroller. Spätestens nachdem ich ihn den Berg hinauf zur Bundesstrasse geschoben habe, kommen mir Zweifel an meinem gesunden Menschenverstand. Dann aber fällt mir ein, dass ich so etwas ja gar nicht habe.

Also fahre ich wie Valentino Rossi los, nur viel, viel langsamer. Und viel, viel, viel vorsichtiger. An manchen Stellen erreiche ich 40 Stundenkilometer, auf jeden Fall aber erreiche ich, dass eine Menge Autofahrer hinter mir vor Wut ins Lenkrad beissen. Untermalt mein Handeln vielleicht gar eine Radio-Meldung, die einen Stau anzeigt, ausgelöst von einem Irren auf einem silbernen Roller?

Ich höre nichts, ich sehe nichts, nichts anderes als die Strasse vor mir. Jeder Kreisel ist eine Herausforderung, die Brücke ein Wagnis, die Dorfstrasse ein Abenteuer. Als ich einmal anhalte, tue ich es aus Vorsicht, gleich jedoch meine Dummheit bestätigend an einer besonders engen Stelle der Strasse. Der Linienbus weist mich darauf hin.

Ich rutsche nach rechts vom Sattel herunter und halte die Maschine schief, damit er mich nicht streift. Ich habe meinen Eigenanteil für die letzte Fahrt im Krankenwagen noch nicht bezahlt. Langsam geht das ins Geld.

Ich frage mich, wie ich die Strasse “Kein Winterdienst Nr. 10” schaffen soll, die nicht ohne Grund so heisst. Sie ist dann aber die einzige, auf der kein Schnee liegt. Ich denke an das abgefahrene Ticket der RPR in Paris, das ich noch in der Tasche habe und denke an einen alten französischen Film. Den Parkplatz überquere ich mein Fahrzeug schiebend.

Rubens_-_Judgement_of_Paris

In der Gesellschaft von Paula und ihren beiden Schwestern fühle ich mich wie Paris mit den drei Grazien. Ich kann mich nicht entscheiden, welcher ich den Wachsapfel geben sollte – jede von ihnen würde herzhaft hineinbeissen.

Hier noch eine Anleitung zur Herstellung von Wachsäpfeln:

http://www.kidsweb.de/apfel_spezial/wachsaepfel_herstellen.htm

Leichtes Gepäck

Irgendwo zwischen einem OneDrive und dem anderen gingen meine Bilder aus Paris flöten. Nichts ist mir damit von dieser Reise 2009 geblieben als die Erinnerungen an Notre Dame, den Arc de Triomphe, die Champs Elysees, den Blick von der Ile de la Cité flussabwärts, vier Fotos auf meinem Mobiltelefon und ein entwertetes Metro-Ticket. Die Erinnerungen sind allerdings sowieso mehr wert als die Fotos.

Arc de Triomphe Noir
Wir Bürger des 21. Jahrhunderts reisen mit leichtem Gepäck. Unsere Online-Speicher, USB-Sticks und Speicherkarten ersetzen die Schrankwände, Bibliotheken und Plattensammlungen unserer Vorgänger. Sterben wir, werden unsere Daten gelöscht und wir unter einem Rasentrittstein ohne Namen beigesetzt. Was wir an Möbeln und Kleidung hinterlassen, stammt vom Discounter und taugt nicht zum Vererben.
Vielleicht sollten wir religiös werden, um die psychologischen Folgen dieser materiellen Lücke auszugleichen, vielleicht glich das Materielle nur die psychologischen Folgen einer religösen Lücke aus, einer Glaubens-Askese nach zwei Weltkriegen. Zum Verbrennen von Ketzern bin ich allerdings nicht bereit, höchstens dazu, mal einen Ungläubigen auszuplündern, sobald denn diskutiert sei, wer ein solcher sei.
Und wie immer liefert Silbermond den Soundtrack:

Far from Paris

„Far from Paris“ weiterlesen

French Soap

„French Soap“ weiterlesen