Rechts oder links oder im Kreis herum?

Es liegt an den vielen Kreisverkehren in Panzerbach. Ganz eindeutig. Da kommt schon mal jemand auf den Gedanken, in England zu sein, der Heimat des Roundabouts. Doof nur, wenn jeder andere denkt, dass der Ort in Deutschland ist und deshalb auf der rechten Seite der Strasse fährt.

magic-roudabout-hemel-hempstead-hertfordshire-b8857g

Da reichte es mir an einem Abend nur noch für den Gedanken, dass mir der Spinner doch nicht etwa wirklich auf meiner Fahrspur entgegen kommt,  bevor es einen Einschlag gab und ich das Gleichgewicht verlor. Irgendwann stand ich dann mit einer Platzwunde am Finger neben La Mosca, die einiges Plastik eingebüsst und einen verbogenen Ständer hatte. Der Unfallgegner entfernte sich derweil auf die englische Art. Dabei hätte ich ihn doch so gerne kennengelernt und ihm das eine oder andere auf Deutsch gesagt.

Das bescherte mir einen Ausflug im Krankenwagen nach Hagen, wo meine Wunde genäht und verbunden wurde. Ich hatte eine interessante Zeit mit einer Krankenschwester. Sie flirtete mit jedem Mann im Raum. Mit jedem anderen. Bis ich wieder an meinem Roller ankam, waren die Rigatoni Bologna im Helmfach kalt.

https://en.wikipedia.org/wiki/Magic_Roundabout_(Hemel_Hempstead)

https://de.wikipedia.org/wiki/Unfallflucht

 

Advertisements

Ich lasse Hand an mich legen

Da nicht alle meine Bewegungseinschränkungen auf eine gewisse Affinität zu Schokolade und Wurstbrot zurück zu führen sind, steuerte ich heute morgen einen Arzt in Gut&Böse an, der Chirotherapie als eine seiner Leistungen auf seinem Türschild auslobte.

Die Arzthelferin am Empfang machte mir dann klar, dass sie meine Kundendaten schon hatten. Wie es aussieht, hatte ich mir vor reichlich zehn Jahren vom einem anderen Mediziner in Panzerbach eine Krankmeldung ausstellen lassen, dessen Patientdaten diese Praxis nun geerbt hatte. Ich bekam dann zehn Minuten Reizstrom, bevor er mich aufs Zaghafteste einrenkte, als wäre ich einer seiner anderen noch klapprigeren Kunden, um mir dann ein grünes Rezept zu verabreichen, damit ich mir selbst ein Medikament verabreichen kann, das zu kaufen ich kein Rezept gebraucht hätte.

So kann ich mich jetzt etwas leichter bewegen, der grössere Vorteil aber liegt bei ihm, der der Krankenkasse den Reizstrom, das 2-minütige Gespräch, das Einrenken und sogar das Erstellen des Rezeptes in Rechnung stellen wird. Zum vertrauten Hausarzt qualifiziert ihn das nicht.

Aber Hausärzte sind wie Hausbanken. Da ist nichts mehr mit Vertrauen, da wird genommen, was am Arbeitsweg liegt und/oder eine Fähigkeit auf Schild oder Website behauptet, die halbwegs zur Krankheit passt. Da geht es nicht anders zu als bei der Auswahl des Discounters, bei dem ich eine Dose Kidney-Bohnen erwerbe. Und da sind diese Gesellen auch selber schuld.

Ich bin nicht paranoid. Ich bin im Service

Reihum befragte ich die Bewohner des Hauses Berliner Strasse 92 in Panzerbach, wer von ihnen denn eine Pizza Tonno (Ausführung 40 cm, helal) und eine Zitronenlimonade bestellt hätte. Reihum erklärten sie sich für diese Bestellung als nicht verantwortlich.

So rief ich denn die Telefonnummer des Kunden an. Der zeigte sich recht erfreut, ob meiner anstehenden Ankunft. Jedoch gelangten wir über die Art seines Hauses nicht zu einer Einigung. Was mir nämlich laut Beleg ein Reihenhaus in Panzerbach war, war es ihm ein Eckhaus in Contiomagus.

Jeder andere wäre jetzt überrascht, dass einem nicht auffiele, dass die Pizzeria die Vorwahl eines 30 km entfernten Ortes hat. Ich hingegen, ich kenne Kunden, denen es intellektuell nicht nur nicht gegeben ist, die banalsten Fragen zu beantworten, sie sind schon davon überfordert, die Antworten zu googlen. Ich kenne Kunden, die ihren Kindern nur Namen mit höchstens vier Buchstaben geben, damit sie sie sich merken können.

Frage ich, welcher Baumarkt dem Kunden der nächste ist, plane ich gleich drei Minuten für den Vortrag ein, dass früher, ja früher, da sei im nächsten Dorf ein Praktiker-Baumarkt gewesen. Und der Eisenhandel Meier. Und eine Metzgerei, aber die sei jetzt auch zu.

Die erste Sache, die jeder lernen muss, der mit Kunden zu tun hat, ist, dass ihnen quasi alles zuzutrauen ist. Alles. Jedem. Jederzeit. Immer. Ich bin nicht paranoid. Ich bin im Service.

Von Menschen und Möpsen

Ich hatte frei. Eigentlich hatte ich frei. Aber pünktlich am Montag whatsappte mir ein anderer Food Distribution Assistant die unbedingte Notwendigkeit, für eine Erdkunde-Arbeit lernen zu müssen. Jetzt kann das die Wahrheit sein oder ein Synonym für eine Halloween-Party.

Oder es war der Name seiner neuen Freundin, Etgunde Abeijd vielleicht und mit so prall gefülltem Büstenhalter, das er beim halten helfen muss. Triumph Amourette, Triumph der Technik über die Gravitation.

Ebenso hilfsbereit sprang ich dann für ihn ein, schon auch, um auszugleichen, was Paula beim Tierarzt gelassen hatte. Bis zu dem Punkt, an dem ich die Kasse gezählt, das altbackene Brot geschnitten und die erste Box in den Corsa geladen hatte, hatte Halloween für mich nur als Abstraktum in der Fernsehwerbung existiert.

Mein Gehirn hatte während der Betrachtung heiterer, die Handlung eines Filmes unterbrechender Kurzfilme dieses amerikanische Fest einfach dort abgelegt, wo es auch Abnehm-Kuren, Immobilienfonds und Hygiene-Produkte für Frauen ablegt, all jene Produkte eben, zu denen ich so gar keine Beziehung aufbauen kann.

Von Party zu Party zog ich mit meinen Warmhalte-Boxen voll Pizza und Pasta, oben drauf noch ein bis drei Salate wie besonders sparsame Inder, die auf dem Eisenbahn-Wagon fahren, weil das noch günstiger ist als der Platz in der Holz-Klasse. Stets sprach ich, wie es von der Berufsvereinigung der Food Distribution Assistants vorgeschrieben ist, die rituelle Frage, ob gemeinsam oder einzeln gezahlt würde. Stets gaben mir die Kunden die im Ritual vorgeschriebene Antwort: „Selbstverständlich einzeln“.

Ich suchte Adressen und fand sie, ich klingelte und klopfte, kassierte und wechselte, begutachtete die Verkleidungen von Kindern und Erwachsenen, hörte Episoden von „Criminal“, „Mortified“ und „Hello from the Magic Tavern“. Am Ende verbanden sich die Eindrücke des 22 Bestellungen langen Zettels, der aus dem Kassensystem lief, mit dem der 85B in blauem H & M, die mir im Tannhäuserweg 2 eine junge Dame so willkürlich unter die Nase gehalten halten, und dem der 52 Ecu, die mir Miguel reichte.

Diese 47 Ecu stopften ein kleineres Loch, die Differenz verschwand in meiner Tasche.

Listen

http://thisiscriminal.com

Gehört der Islam zu Deutschland?

In diesem Fall kann die Verlängerung der Kirchstrasse in Panzerbach, an der die Moschee liegt, „Moscheeweg“ heissen.

Anderenfalls muss die Gemeindeverwaltung auf „Hugo-Winckler-Weg“ oder „Schliemannweg“ oder „Sonnenhang“ ausweichen. Ich hatte per e-mail Liman von Sanders als Namensgeber empfohlen.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.muslime-in-der-bundeswehr-sohnes-land.1d6d2b23-f22b-4d15-be4d-c5167f27e921.html

Kant im Spiegel des Stadtplanes

Auf der Suche nach der Kantstrasse in Panzerbach dachte ich darüber nach, welchen Einfluss der Kategorische Imperativ des Herrn Kant auf mein Leben habe. Ich fand keinen.

Das lag vielleicht daran, dass der Herr Kant sich als beamteter und lediger Professor von einem weitgehend verantwortungsfreien Standpunkt aus mit den Möglichkeiten der Menschen beschäftigte.Die meisten Entscheidungen treffen die Menschen nach meiner Beobachtung aber aus ihren Beschränkungen und Defiziten heraus, ohne sich von ihren Möglichkeiten behindern zu lassen.

Daher sind andere Philosophen wie Jesus, Mohammed und Jack Sparrow mit ihrer praktischen Erfahrung in Verantwortungspositionen wahrscheinlich bessere Ratgeber: „Nimm, was Du kriegen kannst. Und gib nichts wieder zurück.“ macht umwabert vom Geruch nach Pizza, Scaloppini und einem Salaire unter dem gesetzlichen Mindestlohn deutlich mehr Sinn als etwas, das „… da der Imperativ außer dem Gesetze nur die Notwendigkeit der Maxime enthält, diesem Gesetze gemäß zu sein…“ formuliert wird und bei dem jeder Satz drei Druckseiten/Tablet-Bildschirme lang ist.

„Wir sind doch schließlich alle irgendwie weitergekommen. Spirituell, dramatisch, menschlich“… auch räumlich. Den Gedanken unterbrach nämlich die Entdeckung, dass ich schon 200 m auf der Kantstrasse fuhr. Finanziell brachte mich diese Anfahrt allerdings nicht weiter. Der Kunde hatte abgezählt genau den Betrag zur Hand, der auf meinem Fahrer-Bon stand, eine Entscheidung, die weniger von seinen finanziellen Möglichkeiten als aus seinem Defizit an Mitgefühl für mich beeinflusst worden war.

Schliesslich muss ich ein Loch stopfen – in diesem Fall eines zwischen zwei Dachziegeln, denen der letzte Sturm zugesetzt hat. Meine zukünftige Ex-Gebäude-Versicherung hat auf einen Eigenanteil hingewiesen, der ihren Nutzen für mich nihiliert. Schweinebande!