Ich kann Entscheidungen treffen… ich tus nur einfach nicht

Meine phönizische Kollegin ist von der Ernennung Elviras zu unserer Vorgesetzten recht angetan oder tut wenigstens leidlich überzeugend so. Es sei, so sagt sie, die beste ihr vorstellbare Lösung.

Das sagt wohl etwas über ihr Vorstellungsvermögen aus. Ich kann mir auch so allerhand vorstellen, bin dabei aber von Erfahrungen behindert, bei denen die Mastress of the Dark einige der saublödesten Ideen der Firmengeschichte mitverantwortet und ähnlich vehement vertreten hat.

Ich selbst begegne Entscheidungen mit einer gewissen Verweigerungshaltung. Das liegt daran, dass ich mich seit vielen Jahren an keine Entscheidung erinnern kann, die nicht falsch gewesen sei. Ob es um den Kauf eines Mobiltelefones ging oder um die Frage, ob ich mit Paula zusammen bleiben sollte, jede Entscheidung, die ich getroffen habe, war falsch. Und das begann ganz offensichtlich schon mit der Frage, ob ich Nebelheim verlassen und ins Grenzland zurückgehen sollte.

Für die Zeit davor behaupte ich selektive Amnesie. Es mag sich auch um Verdrängung handeln, um eine Vergangenheit zu verklären, in der ich ebenso lebensuntauglich war wie heute.

Im Hinblick auf das vorzeitige Ableben meines chinesischen No-Name-Telefones habe ich eben beschlossen, fürderhin zu behaupten, dass das die Folge des Versuches war, seinen Akkumulator mit einem sehr preiswerten Kfz-Ladegerät in einem sehr, sehr heissen Kleinwagen aufzufüllen. Danach waren diverse Dateien beschädigt in einem Ordner auf meiner SD-Karte ; damit kann ich diese Theorie untermauern, um mir selbst gegenüber zu belegen, dass ich a) doch in der Lage bin, Entscheidungen zu treffen, und b) sie auch richtig sein können.

Schuld an jenem Desaster, das mich zwingt, im Augenblick ein Samsung S5230 zu benutzen, sind also die mir wie üblich feindlich gesinnten Umstände, möglicherweise aber auch eine chinesische Spionage-Software.

Der Teppich ist tot, es lebe der Milchautomat!

 

Milchautomat

Paula hat eine neue Bekannte, die als Gattin eines Key Account Managers in ihren Augen schon zu den besseren Leuten gehört. Ihre Gepflogenheiten adaptierend trinke ich jetzt Rohmilch, die offensichtlich aus Kühen kommt, ich aber aus einem Automaten am Eingang des Bauernhofes zapfe. Ausserdem mussten wir bei Ikea einen neuen Teppich fürs Wohnzimmer kaufen.

Dabei hatte ich mich über die letzten zwanzig Jahre sowohl daran gewöhnt, dass er für den Raum eigentlich zu gross war, als auch an den Geruch, den er inzwischen entwickelt hatte. Da er olfaktorisch inzwischen Ähnlichkeit mit einem länger verstorbenen Haustier hat, stellt sich die Frage, ob er noch zum Wertstoffhof kann oder schon im Garten vergraben werden muss.

Jetzt droht sie mir mit einer auszuführenden Renovierung des Badezimmers. Auch da sehe ich den Handlungsbedarf durchaus ein, habe aber Verständnis-Defizite bei der Finanzierung. Immerhin kostet ein Boiler bei Amazon leicht einmal 140 Ecu, und der Logopäde, der ihn dann einbauen soll, will sicher auch Geld dafür sehen, vielleicht sogar haben. Farbe (Geschmacksrichtung circa kadmiumgelb) muss im Baumarkt komponiert, abgeschmeckt und schliesslich auch gekauft werden.

Und ich musste doch gerade erst 27 Ecu – den Ertrag eines ganzen Abends der Zustellung von Fertiggerichten nach Art der italienischen Küche – in ein neues Mobiltelefon investieren, weil Whatsapp beschlossen hat, Nokia gegenüber weniger loyal zu sein als ich.

Ich wählte diesmal das Dutzend-Produkt eines No-Name-Herstellers mit Sitz in Shenzhen mit Android als Betriebssystem. Neben dem Preis hat das den Vorteil, dass Paula als Besitzerin eines Sony Z sich weiterhin überlegen fühlen kann. Um das zu unterstützen, liess ich sie die Einstellungen vornehmen.