Wie man mal richtig auffällt!

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Das Land des schadhaften Lächelns

An dieser Stelle wollte ich eigentlich ausgiebig davon sprechen, wie ich das Nokia-Mobiltelefon einer rumänischen Kollegin konfiguriert hatte. Dabei hatten wir uns in Italienisch unterhalten, weil das eben die einzige Sprache war, die wir beide leidlich sprachen.

Doch warum übernehme ich solche Aufgaben? Tue ich es nur, weil ich es kann? Strebe ich nach Ruhm, Ehre und der Anerkennung, die sich in einer leicht angesengten Pizza Marinara ausdrückt? Oder übernehme ich gerne die Verantwortung für andere? An dieser Stelle muss ich mir eingestehen, dass Paula von mir abhängig ist.

Das gleiche gilt für Maniac. Als ich einen Tag länger in Maghrebinien war als geplant, zeigte er unseren Kompli… äh, Kollegen zufolge deutliche Zeichen von Stress und äusserte Furcht, ich könne mich angesichts meiner Schulden und des Zustandes meiner Beziehung absetzen wollen.

Als verböte sich der Gedanke nicht schon wegen des Mangels an Renten- und Krankenversicherung dort. Immerhin ist Maghrebinien nicht ohne Grund als das “Land des schadhaften Lächelns” bekannt, eine Beschreibung, die ihm Molwanien allerdings in den letzten Jahren streitig machte.

Auf eine Geschäftsreise in dieses Land hoffe ich noch. Da kann ich meine Motivation auch verstehen und darstellen.

http://www.molwanien.de

Schick is scho

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Orientierungslos werkele ich an einem Samsung S5230, das ich für Paulas Busenfreundin verkaufen soll. Tatsächlich habe ich diese Aufgabe nur übernommen, um an diesem Stück Hard- und Software herum spielen zu können. Prinzipiell gehört das Handy offensichtlich in die gleiche halbgetakelte Klasse wie das Motorola Wilder und die Nokia Ashas, Artefakte aus einer Zeit des Übergangs vom Mobiltelefon mit Tasten zum Smartphone.

In dieser Klasse gibt es einige Modelle, deren Hardware wlan und deren Betriebssystem Whatsapp unterstützt, ein Programm, das dieser Tage nun einmal die „Killer-App“ ist. Dazu gehören eine Reihe von Nokias wie mein treues Asha 309 und seine Geschwister-Typen 310, 311, 500, 501 und 503. Einige andere Typen aus der Asha-Serie haben zwar kein wlan, bieten aber immerhin noch Whatsapp. Mit einer hinlänglich grossen Datenflat oder einem hinlänglich kleinen Mitteilungsbedürfnis kommt man also auch mit den Typen 230, 305, 306 und 308 noch recht gut zurecht.

Dann gibt es einige Samsung-Modelle wie das Star 2, Star 3, Corby 2, Rex 70, Rex 80 und Rex 90, die zwar wlan bieten, den Benutzer bei der Kommunikation aber nur zwischen e-mail, Facebook und Twitter wählen lassen. Ganz unten, weil weder mit wlan noch Whatsapp gerüstet, rangieren schliesslich Geräte wie das Motorola Wilder mit dem exotischen Betriebssystem Brew, das Samsung Corby, das Rex 60 und sein Vorgänger, das Star, das ich gerade planlos erfolgreich wieder belebt habe. Während ich mit der anderen Hand Kunden-Anfragen nach Ersatzteile für Antriebe aus den späten 70er Jahren beantwortet habe, ist es mir jetzt tatsächlich gelungen, einen anderen Bildschirmhintergrund einzustellen, das Betreiber-Logo auf dem Display zu verschieben und Zeit und Datum zu aktualisieren.

Gedacht wurde bei der Entwicklung des Star ganz anders als beim Asha. Ich muss es über eine Taste rechts am Gehäuse aktivieren. Das kann ich beim Nokia 309 zwar auch, tue es aber fast immer über die Auflegen-Taste auf der Vorderseite. Das geht beim Star für eine bestimmte Zeit auch, dann aber wird diese Funktion tatsächlich hörbar abgeschaltet. Wo mein Asha dann einen nach rechts (für Linkshänder nach links) zu verschiebenden Screensaver hat, sehe ich bei diesem Teil nur behindert von einer Sperrfunktion schon auf den Bildschirmhintergrund.

Habe ich sie deaktiviert, sind unten drei Felder für das Tastenfeld, das Telefonbuch und das Menü und links eine ausklappbare Leiste mit Widgets. Beim Asha habe ich direkt die Icons der verschiedenen Apps vor mir, die ich mir nach Häufigkeit der Benutzung selbst auf dem Start-Bildschirm sortieren oder auch auf einen zweiten Bildschirm verschieben kann. Auf einem dritten Bildschirm habe ich ein Programm aus einer kleinen Auswahl im Hintergrund bereit stehen.

Die Installation zusätzlicher Apps kann beim Nokia Asha per Kabel vom PC erfolgen. Hier wird einfach das Programm auf die Speicherkarte kopiert und danach vom Handy selbstständig gefunden. Beim Samsung habe ich keine Installation versucht. Es war kein passendes Datenkabel dabei, und die Beschreibung, die ich im Internet fand, schien mir befremdlich: „Lade dieses Programm herunter. Lade dieses Program herunter. Rezitiere den dritten Gesang des Zdynok Barshat über die zweite Hölle. Mach ein Java-Update. Gib als Master Passwort die #9072641# ein. Verbrenne nun Weihrauch für Herrn Buddha – Schon fertig.“

Dafür wirkt das Star im Vergleich zum Asha relativ elegant und kann mit Smart Touch bedient werden. Dabei wird dann ein Zeichen mit dem Finger auf den Touch Screen gemalt, um das Star zu entsperren. In Verbindung mit dem Mangel an GPS, Whatsapp und dem niedrigen Preis bei e-bay und in den Kleinanzeigen scheint mir dieses Telefon in besonderer Weise drogenhändlertauglich, speziell wenn mit den kostenlosen Sim-Karten von O2, Vodafone, Lebara und Lycamobile kombiniert.

Eine von denen ersetzt der Busenfreundin jetzt meine Zweit-Congstar-Vertrags-Sim-Karte. Denn in einem lichten Moment ergoogelte ich mir, dass ich den Vertrag zwar Paula, aber nicht ihr übertragen dürfte. Damit entfiel eine der wesentlichen Bedingungen für diese Kombination, und ich wurde in diesem Punkt ihrer frei.

5230SW

Unternehmen mit verhandelbaren moralischen Massstäben

Paula hat sich inzwischen davon überzeugt, dass es ihre Idee ist, die Lebensversicherung aufzulösen. Spannend wird es, wenn sie merkt, dass die Summe, die sie als Rückkaufwert berechnet hat, etwa 10.000 Ecu über der Berechnung der Versicherungsgesellschaft liegt. Gerne betone ich an dieser Stelle, dass ich die Ehrlichkeit dieses Unternehmens ebenso wie die Ertragfähigkeit von Kapitallebensversicherungen im allgemeinen und vor allem seit 2008 ihr gegenüber hingebungsvoll bezweifelt habe.

Dabei hat sie mir offensichtlich genauso zugehört wie bei meinen Ausführungen über die Einstellung aller Software-Updates für mein treues Nokia Asha durch Microsoft, ein weiteres Unternehmen mit verhandelbaren moralischen Massstäben. Denn in Erwartung eines gepflegten Überschusses warf sie das Thema eines neuen Mobiltelefones für mich auf, diese Idee mit einer zu erwartenden Einstellung des Supports begründend, um so die Tür für einen Ersatz ihres eigenen Sony Z zu öffnen. Um Vicky Butler-Henderson zu zitieren: „Others would call it cheatin‘, I call it a shortcut.“

Meine Hoffnung reicht gerade soweit, dass diese Auszahlung die Verbindlichkeiten beim Finanzamt und eine Autoreparatur abdecken. Vielleicht kann ich mir noch eine Jeans oder ein Paar Schuhe kaufen.