Die Marsch-Musik des 21sten Jahrhunderts

Ich erinnere mich an die vergebliche, unausweichlich vergebliche Suche nach einem Adapter für Paulas neues Autoradio. Wer kommt überhaupt auf den Gedanken, so etwas im stationären Handel zu suchen? Natürlich, Paula…

Während der Verkäufer die Datenbank nach Fakra-Produkten durchsuchte, beobachtete ich den Telekom-Stand gegenüber. Vier, fünf Kunden liessen sich da beraten oder warteten darauf, dass man sie berate. Welchen Vorteil hat es, hier anzustehen statt sich auf der Internet-Seite, der von Euronics, von Telekom, von Congstar oder Amazon mit einem neuen Vertrag, einem neuen Mobiltelefon einzudecken? Welches Geheimnis verbirgt sich hier?

Oder lag es einfach daran, dass fast alle da drüben älter waren als ich? Das machte mich nicht jung, aber doch zur Wasserscheide zwischen denen, die das Haus verlassen, um zu kaufen, und denen, die es nicht mehr tun. Und ich dachte schon, ich sei gar nichts besonderes, eine Null-Nummer mit bedeutungsfreiem Leben. 

Es waren samt und sonders Männer, die da anstanden. Suchten sie den Vertragsabschluss für sich oder für ihre Frauen? Die Empirie lehrt uns, dass Frauen per proxy handeln, also eigentlich handeln lassen. Paula würde genauso vorgehen, ginge es nicht speziell hier und jetzt um ihr Autoradio, das sie auf stundenlangen Fahrten mit Techno-Musik bespassen soll, der Marsch-Musik des 21sten Jahrhunderts. 

Den passenden Adapter hatte der nette junge Mann natürlich nicht. Er könne ihn bestellen, bedeutete er uns, wohl wissend, dass wir das auch können, und zugleich hoffend, dass wir doch noch zu jener Gruppe auf der anderen Seite des Ganges gehören. 

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